[Rezension] Renate Hoffmann | Anne Freytag

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Titel: Renate Hoffmann
Autor: Anne Freytag
Seitenzahl: 288 Seiten
Verlag: freytag Literatur
ISBN: 978-1-484-09720-5
Veröffentlichung: 19. September 2013
Leseprobe

„Frau Hoffmann beschließt zu sterben. Doch auch das will gut organisiert sein.“ (Buchrücken)

Zum Inhalt:

Frau Hoffmann hat sich entschieden. Sie wird sich von ihrem Balkon in den Tod stürzen. Gründe dafür gibt es genug. Aber leider kommt ihr immer wieder etwas dazwischen. Sei es ihre neue Vorgesetzte, Herberts Briefe oder die Erkenntnis, dass sie noch nie masturbiert hat.
Renate Hoffmann hatte nicht immer sterben wollen. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, in der sie nicht nur am Leben, sondern tatsächlich lebendig gewesen war. Sieben Jahre zuvor schien das Leben noch voller Möglichkeiten. Bis zu jenem verhangenen Tag im November … (© Anne Freytag)

Meine Meinung:

Schon nach wenigen Seiten wird klar: Frau Hoffmann ist anders. Anders im Sinne von speziell. Speziell im Sinne von lethargisch, introvertiert, verunsichert, einzelgängerisch, penibel, kummervoll und des Lebens müde … Daneben zeichnet sie sich jedoch auch noch durch eine auf den Leib geschriebene Liebenswürdigkeit aus, die direkt auf mich übergesprungen ist. Kurzum: Ich mochte Frau Hoffmann von Anfang an. Mit jeder einzelnen Facetten ihres Wesens.

„Als sie gerade versuchte, auf das vom Regen feuchte Geländer zu klettern, um ihrem Leben ein Ende zu machen, fragte sie sich, ob sie es womöglich bereuen könnte, nicht mehr am Leben zu sein. Und in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie das gar nicht beurteilen konnte, weil sie die meisten Dinge, die die meisten Menschen als normal empfanden, nicht getan hatte.“ (Seite 10)

Da Frau Hoffmann ziemlich schnell bewusst wird, dass sie nicht mal einfach so vom Balkon springen kann, gibt es viel Platz und Zeit für die Entwicklung der Frau Hoffmann. Und diese Entwicklung hat Anne Freytag gut nachvollziehbar zu Papier gebracht. Und mit Frau Hoffmann entwickelt sich peu à peu auch der Ton der Geschichte. Von traurig hin zu vorsichtig hoffnungsvoll. Ich für meinen Teil wünschte mir zumindest mir die ganze Zeit über, dass aus Frau Hoffmann eines Tages wieder Renate wird. Dass die harte Frau Hoffmann sich ein wenig zurückzieht, damit die sanfte Renate wieder ihr Leben genießen kann.

Trotz, oder gerade wegen der teils merkwürdigen Verhaltensweisen, die Frau Hoffmann an den Tag legt, merkte ich mit der Zeit, dass ich Frau Hoffmann verstehen kann. Ich wusste zwar noch nicht wirklich, was an jenem Novembertag vor sieben Jahren wirklich geschehen ist, doch ich hatte so eine leise Ahnung. Es gibt nicht vieles, was eine einst lebensfrohe Frau wie Renate dazu veranlassen könnte, sich in Frau Hoffmann und damit in das genaue Gegenteil zu verwandeln.

Ich konnte, nachdem mir das ganze und vor allem tragische Ausmaß bekannt war, nicht anders, als mich immer wieder zu fragen, wie es mir ergehen würde, hieße ich Renate Hoffmann und hätte erlebt, was sie erleben musste. Eine klare Antwort konnte ich darauf nicht finden. Frau Hoffmanns Variante scheint aber nicht die abwegigste zu sein. Es gibt schreckliche Erlebnisse, die einem durchaus den Boden unter den Füßen wegreißen können. Wenn man dann nicht die Kraft hat, sich seinem Kummer zu stellen, wenn man daran zu zerbrechen droht, legt man den Schalter der Selbsterhaltung um und aktiviert seinen Selbstschutz. Eine so extreme Entwicklung wie bei Frau Hoffmann ist sicherlich nicht alltäglich, aber durchaus möglich, wie ich finde. Menschen, die sich vom Balkon stürzen gibt es ja nun mal nicht nur im Buch…

„Denn auch wenn man es nicht sehen konnte, weil sie atmete und sich bewegte, so war Renate an diesem eisigen Novembertag gestorben und Frau Hoffmann wurde geboren. Sie würde leben, jedoch ohne lebendig zu sein.“ (Seite 244)

Stilistisch ist Anne Freytag für mich ganz weit vorne. Mit ihrer Kombination aus ernstem Thema und einer immer passenden Portion Humor hat sie sich ganz ohne Schnörkel direkt in mein Leserherz geschrieben. Ich habe die Zeit mit Frau Hoffmann in vollen Zügen genossen. Auch, wenn es in Frau Hoffmanns Leben nicht viel zu genießen gibt. Ich war einfach gerne an ihrer Seite, habe mit ihr vom Balkon runtergeschaut und durch das Fernglas die Nachbarn beobachtet.

Ein Buch so zart und gleichzeitig so hart. Für mich war „Renate Hoffmann“ das erste Buch von Anne Freytag. Das letzte war es aber in keinem Fall. Meine ganz persönliche Botschaft des Buches lautet: Das Leben ist schön. Du musst es bloß erkennen.

5SaFi


[Rezension] Wenn ihr uns findet | Emily Murdoch

Wenn ihr uns findet von Emily MurdochTitel: Wenn ihr uns findet
Autor: Emily Murdoch
Seitenzahl: 304 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-53434-6
Veröffentlichung: 03. März 2014
Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Leseprobe

 

Zum Inhalt:

Klamotten, Partys, Jungs und Schule: Diese Welt ist Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa völlig fremd. Die Geräusche des Waldes, das beengte und doch so vertraute Zusammenleben im Wohnwagen und die oft tagelange Abwesenheit ihrer Mom – das ist der Alltag der Mädchen, die in einem Trailer tief versteckt inmitten eines Naturschutzgebietes leben. Als Careys und Jenessas Vater die Mädchen zu sich und seiner neuen Familie holt, finden die Tage im Wald ein jähes Ende. Zu jäh für die fünfzehnjährige Carey, die sich daran gewöhnt hat, sich und ihre Schwester durchzubringen und zu beschützen, koste es, was es wolle. Dass der Preis dafür mitunter sehr hoch war, begreift sie erst jetzt durch die liebevolle Anteilnahme ihres Vaters. Weil sie das Geheimnis, das auf ihrem Herzen lastet, nicht für immer verdrängen kann … (© Heyne)

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Meine Meinung:

Nachdem ich die Leseprobe quasi inhaliert habe, stand für mich fest, dass ich unbedingt wissen muss, wie es Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa im weiteren Verlauf des Buches ergehen wird. Denn bereits die ersten Seiten haben mich emotional gepackt. In dem Moment, als ich das Buch dann aufschlug, um die ganze Geschichte zu lesen, hatte ich direkt wieder dieses Gefühl in mir, und es sollte das ganze Buch über anhalten.

„Ich hab keine Spielsachen aus Kindertagen oder Stofftiere. Ich hab meine Kindheit zurückgelassen, als Mama mitten in der Nacht mit mir losgezogen is‘.“ (Seite 27)

Die von Emily Murdoch zu Papier gebrachte Geschichte ist an Emotionalität kaum zu überbieten – ganz deutlich und auch zwischen den Zeilen. Carey führt den Leser durch das Buch. Im Hier und Jetzt, angefangen bei dem Moment, wo ihr Vater zusammen mit dem Jugendamt im Wald auftaucht, um die Mädchen nach Hause zu holen.

In immer wieder eingestreuten gedanklichen Rückblenden erzählt Carey von dem Leben davor. Dem Leben in einem Wohnwagen auf einer Waldlichtung. Ein Leben, dass Carey und Jenessa einiges abverlangt hat, und dass nicht nur, wenn die Mutter ihre Töchter mal wieder tage- und wochenlang allein gelassen hat – mit Dosenvorräten, die zum Großteil Bohnen enthalten. Mit jeder dieser Rückblenden wird deutlicher, was Joelle ihren Töchtern angetan hat. Schlimme, furchtbare Dinge kommen ans Licht. Und letztendlich auch das große Geheimnis, das seit der Nacht der weißen Sterne tonnenschwer auf Careys Herz lastet.

Neben all den Momenten, die mich mehr als einmal schwer haben schlucken lassen, gibt es aber auch sehr viel Schönes in diesem Buch – in Form von Liebe und Zuneigung, wie man sie nur von der Familie erfahren kann. Besonders deutlich wird das, neben der tollen Art und Weise des Vaters und der neuen Stiefmutter, durch die unermessliche Schwesternliebe, mit der sich Carey und Jenessa kümmert und schon immer gekümmert hat.

„Dann dreh ich mich um, um die weißen Linien zu verfolgen, die die Gerte hinterlassen hat, und die beiden lila-roten runden Narben von Mamas Zigaretten, direkt unter meiner linken Schulter.“ (Seite 103)

Careys Worte wirken ziemlich authentisch, denn die Autorin hat ihre Art und Weise zu sprechen, hervorragend niedergeschrieben. So lässt sie z. B. andauernd das „t“ weg und sagt immer „nich“ statt „nicht“. Und dennoch wirkt Carey nicht „hinterwäldlerisch“ – Emily Murdoch hat da einen guten Mittelweg gefunden. Und auch der Rest der Geschichte ist ein gelungener Mix. Zutiefst erschütternde Momente wechseln sich mit berührend-schönen Ereignissen ab und bieten so eine emotionale Bandbreite, die mich voll eingefangen hat. Die den drei Teilen des Buches vorstehenden Zitate aus „Pu der Bär oder wie man das Leben meistert“ runden die Geschichte wunderbar ab, verleihen ihr Tiefe und passen hervorragend zu den geschriebenen Worten der Autorin.

Anfangs konnte ich mit dem Titel nicht besonders viel anfangen. Im Nachhinein macht er mehr Sinn, denn es gibt eine Stelle im Buch, die den Satz quasi vollendet, den Kreis schließt. Und doch hätte ich es besser gefunden, wenn man den englischen Titel „If you find me“ übersetzt hätte – dann würde es wegen der besagten Szene einfach besser passen. Das ist aber lediglich eine kleine Randnotiz und hat keinen Einfluss über meine durchweg positive Meinung.

„Ich hasse mich selbst, hasse, was ich getan hab. Ich hab es rückwärts und vorwärts durchdacht, und ich find immer noch keine Lösung, die uns beide verschont.“ (Seite 215)

„Wenn ihr uns findet“ ist ein wunderbares Jugendbuch, das Schönes und Schlimmes in sich vereint. Ausgeprägte Charaktere und ein toller, ungewöhnlicher Schreibstil runden die Geschichte von Carey und den Menschen an ihrer Seite ab und ergeben ein absolut lesenswertes Ganzes.

5SaFi

)


[Rezension] Weil ich Layken liebe | Colleen Hoover

Weil ich Layken liebeTitel: Weil ich Layken liebe
Autor: Colleen Hoover
Seitenzahl: 352 Seiten
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-71562-1
Veröffentlichung: 01. November 2013
Empfohlenes Lesealter: Ab 14 Jahren
Leseprobe

Zum Inhalt:

Layken Cohen – der ungewöhnliche Name ist eine Mischung der ersten drei Buchstaben von Layla und Kennedy – ist 18 Jahre jung und zieht zusammen mit ihrer Mutter Julia und ihrem kleinen Bruder Kel nach dem Tod des Vaters von Texas in die Kleinstadt Ypsilanti, Michigan. Bereits am ersten Tag in der neuen Heimat, vor der Layken sich nicht vorstellen kann, dass sie genau das jemals für sie sein kann, lernt sie den Nachbarn Will Cooper kennen. Auf Anhieb verstehen sich nicht bloß Kel und Wills kleiner Bruder Caulder, sondern auch Layken und Will. Er ist 21 Jahre alt, nett, witzig, gutaussehend und sofort scheint da etwas zwischen den beiden zu sein. Bei ihrem ersten Date, sie gehen zu einem Poetry Slam, kommen die beiden sich näher. Drei Tage lang schwebt Layken zusammen mit Will im siebten Himmel. Doch das Leben, mit all seinen Tücken, hat andere Pläne mit ihnen…

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Meine Meinung:

Lasst euch nicht von dem ersten Eindruck abschrecken, der vielleicht suggeriert, dass es sich hierbei um das typische Unerfüllte-Liebe-Jugendbuch handelt. Ja, die Liebe spielt eine wichtige Rolle. Und auch der Einstieg in das Buch läuft ein wenig nach Schema F ab, doch es steckt noch so viel mehr in diesem Buch. So viel, dass es mich nicht mehr losgelassen hat. So viel, dass ich es kaum in Worte fassen kann…

„Ich würde zu gern wissen, was Will von mir denkt. Falls er überhaupt etwas über mich denkt. Ich jedenfalls denke – aus Gründen, die ich selbst nicht verstehe – mehr über ihn nach, als mir lieb ist.“ (Seite 28/29)

Colleen Hoover deckt in ihrem Jugendbuch unglaublich viele Facetten ab. Liebe und Wut, Freude und Trauer, Richtig oder Falsch, Herz oder Kopf. Das alles bringt sie in einem Stil zu Papier, der zwar schlicht aber einfühlend, schnörkellos aber tiefgründig ist. Sie verzichtet auf Kitsch und hat sich ohne unnötigen Firlefanz, dafür aber mit umso mehr Gefühl, direkt in mein Herz geschrieben.

Bevor ich das Buch aufschlug, habe ich mir natürlich Gedanken darüber gemacht, wie sich das Leben den beiden denn wohl in den Weg stellen könnte. Von ähnlichen Büchern teils negativ beeinflusst, habe ich schon fast mit dem schlimmsten gerechnet. Zum Glück blieben meine Befürchtungen aber unbegründet. Ja, sie mutet vor allem Layken, aber auch Will, eine ganze Menge zu und lässt sie schwere Lasten mit sich herumtragen. Aber auch hier holt sie nicht unnötig aus und lässt keine an den Haaren herbeigezogenen Gründe einfließen. So ist das Leben halt manchmal… Mit all seiner Härte, mit all seinen Tücken…

„Unsere Blicke versinken ineinander, als wir gleichzeitig die Augen öffnen. Und das ist der Moment, in dem ich verstehe, warum meine Mutter mit gerade mal achtzehn wusste, dass sie und mein Vater füreinander bestimmt waren.“ (Seite 65)

Für ein Jugendbuch wirkt „Weil ich Layken liebe“ ziemlich erwachsen. Das liegt u. a. daran, dass Layken und Will ziemlich früh und auch viel zu schnell erwachsener werden mussten, als sie in Wirklichkeit sind. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als Layken und Will – und auch all die anderen Personen in diesem Buch – zu mögen. Colleen Hoover hat zwar keine detaillierte Charakterstudie geschrieben, dennoch erfährt man viel über die Hauptcharaktere. Dafür muss man allerdings ab und zu auch mal zwischen den Zeilen lesen. Alles andere als der Wunsch nach einem Happy End für Layken und Will war mir schlicht nicht möglich. Ob mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, werde ich natürlich nicht verraten.

Ein Punkt ist mir bei diesem Buch noch besonders wichtig: Poetry Slams. Gehört habe ich davon schon mal und ich weiß auch grob, was es damit auf sich hat. In einem Buch sind mir allerdings noch nicht über den Weg gelaufen. Bis jetzt. Geschickt verbindet Colleen Hoover diese Kunstform mit dem Geschehen im Buch und verleiht ihm dadurch noch mehr Tiefe und Emotionalität. Ich für meinen Teil musste gerade bei diesen Passagen mehr als einmal heftig schlucken und habe einen Moment gebraucht, bis ich das Gelesene aufgenommen und verstanden hatte. (Als ich auf der Suche nach einem Buchtrailer war, habe ich das unten eingefügte Video gefunden, in dem ein Poetry Slammer einen Text aus dem Buch wiedergibt. Vor dem Lesen macht dieses Video wahrscheinlich nicht sonderlich viel Sinn. Aber ihr solltet es euch nach Beenden des Buches auf jeden Fall mal anschauen.)

„Man kann an einen anderen Ort flüchten, in eine andere Stadt, sogar in einen anderen Bundesstaat, aber das, wovor man flieht – ganz egal, was es ist -, wird einen immer begleiten. Und zwar so lange, bis man einen Weg findet, damit umzugehen.“ (Seite 287)

Ich habe „Weil ich Layken liebe“ an einem Tag quasi inhaliert, weil ich es schlicht und einfach nicht aus der Hand legen konnte. Nun ärgere ich mich ein wenig über mein zügelloses Leseverhalten, denn viel zu schnell war die Zeit mit Layken und Will wieder vorbei. Im Nachhinein hätte ich am liebsten dreimal langsamer gelesen. So bleibt mir nur die Vorfreude darauf, dass die Geschichte bald weiter erzählt wird. Dann aus der Sicht von Will…

5SaFi

Interview mit Colleen Hoover


[Rezension] Die Liste der vergessenen Wünsche | Robin Gold

Die Liste der vergessenen Wuensche von Robin Gold
 
Titel: Die Liste der vergessenen Wünsche
Autor: Robin Gold
Seitenzahl: 352 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0484-7
Veröffentlichung: 8. Oktober 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Clara ist überglücklich mit ihrem Verlobten Sebastian. In Kürze wollen die beiden heiraten. Doch dann erhält Clara eine schreckliche Nachricht: Sebastian ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der Verlust schmerzt sie sehr. Für Clara bricht die Welt zusammen und sie schottet sich ab. Als sie dann nach Monaten voller Schmerz ihre Familie besucht, überreicht ihr ihre Mutter ein Päckchen. Darin verbirgt sich eine Liste, die Clara vor vielen, vielen Jahren als Kind geschrieben hat. Eine Liste mit Wünschen, die sie sich erfüllen wollte, bevor sie 35 Jahre alt wird. Eine Liste, die nun ihren Weg zurück ins Leben ermöglichen soll…

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Meine Meinung:

Mir ist es schön öfters passiert, dass die Erwartungen, die ich, aufgrund von Cover, Klappentext und Titel, an ein Buch hatte, nicht erfüllt wurden. Manchmal passen Vorstellung und Wirklichkeit nicht zusammen. Manchmal ist das Buch anders, aber besser. Manchmal einfach nur enttäuschend. Letzteres gilt in diesem Fall leider auch für „Die Liste der vergessenen Wünsche“…

Ich hatte mich auf ein emotionales, berührendes und vielleicht auch ein wenig zu Tränen rührendes Buch gefreut, in dem ich mit der Protagonist mitfühlen und auch mitleiden kann. Nach dem Anfang, der diese Erwartungen tatsächlich noch erfüllt hat, kam dann aber recht schnell die Ernüchterung und meinem persönlichen Lesevergnügen wurden auf den folgenden Seiten einige Steine in den Weg gelegt.

„Sie hatte wirklich ihr Bestes gegeben, wieder auf die Beine zu kommen nach Sebastians »Unfall«, wie sie es nannte. Das Wort Tod war für Clara zu schmerzhaft und endgültig, als dass sie es aussprechen könnte. Von einem Augenblick zum anderen war ihr Universum in sich zusammengestürzt und zu einer Erinnerung geworden.“ (Seite 34/35)

Für mich gab es diesem Buch einfach zu viel Humor, der nicht zu der Geschichte passte. Normalerweise habe ich nichts gegen eine gute Portion Humor, aber hier war er einfach fehl am Platze und hat dem Gelesenen die emotionale Wirkung geraubt. Außerdem sorgten die vielen Sprünge in der voranschreitenden Zeit – und die daraus resultierenden Lücken – bei mir für ein unvollständiges Lesegefühl. Die Geschichte empfand ich sehr schnell als absolut vorhersehbar und nur noch kitschig – zu kitschig. Hinzu kam dann leider auch noch, dass mir Clara von Seite zu Seite unsympathischer wurde. Wobei unsympathisch es nicht mal richtig trifft, denn leider konnte mir die Autorin ihre Protagonist zu keiner Zeit richtig nahe bringen. Es ist wohl eher so, dass ich mit Clara schlicht und einfach nichts anfangen konnte.

Gegen den Schreibstil der Autorin – auch in Bezug auf den Humor – kann ich nichts sagen. Er lädt zum entspannten und kurzweiligen Lesen ein. Nur war die vorliegende Geschichte leider nicht die, die ich erwartet und erhofft hatte. Die Taschentücher lagen vorsichtshalber schon mal neben mir, als ich mit dem Lesen begann. Umso enttäuschter war ich, als ich sie unbenutzt wieder weglegen musste…

Leseenttäuschungen gehören nun mal zum Leben eines Bookaholics dazu. Im Fall von „Die Liste der vergessenen Wünsche“ wollte ich mir das aber lange nicht eingestehen. Ich wollte so sehr, dass mir dieses Buch gefällt. Doch leider kam es anders und ich bleibe ziemlich enttäuscht zurück.

2

SaFi


Extrem laut und unglaublich nah [Rezension]

Autor: Jonathan Safran Foer
Titel: Extrem laut und unglaublich nah
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3596169221
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag

Zum Inhalt:

Der Vater von Oskar, Thomas Schell, kam bei den Angriffen auf das WTC um. Er kann bis heute nicht begreifen, wieso. Vor allem stellt er sich aber die Frage, warum sein Vater ausgerechnet an diesem Tag in einem der Türme war.

Eines Tages findet er in einem Umschlag, auf dem Black geschrieben steht, einen Schlüssel. Dieser Umschlag samt Schlüssel befindet sich in einer blauen Vase, welche Oskar im Kleiderschrank seines verstorbenen Vaters findet. Er reimt sich zusammen, dass Black der Name eines New Yorker sein muss. Wenn er also Mister/Misses Black findet, erfährt er vielleicht, warum sein Vater am Tag der Anschläge im WTC war.

Eine abenteuerliche Suche beginnt für Oskar.

Meine Meinung:

Dieses Buch zu beschreiben, fällt mir unglaublich schwer. Was ich aber zu diesem Buch sagen kann: es hat mich bewegt. Ich habe beim lesen geweint aber auch gelacht und geschmunzelt, fasziniert die wunderbar gestalteten Seiten betrachtet und mich mit meinen eigenen Ängsten und Gedanken rund um 9/11 auseinandergesetzt.

Aber in erster Linie habe ich die ganze Zeit den Wunsch verspürt, Oskar auf seiner Suche zu begleiten.

9/11 gibt zwar den Rahmen der Handlung vor, steht aber nicht im Vordergrund. Trotzdem hat es mich einige Kraft gekostet das Buch zu lesen. Gerade der Schluss mit dem Daumenkino war zuerst sehr erschreckend für mich. Doch dann konnte ich Oskars Wunsch die Zeit zurückzuspulen nur zu gut nachvollziehen.

Ein wunderbares Buch, welches mich sehr berührt und nachdenklich zurückgelassen hat.

SaFi