Im Gespräch mit… Florian Tausch

Vor kurzem hat SaFi „Und es hat Om gemacht“ von Florian Tausch gelesen und rezensiert. Und nun hatten wir die Möglichkeit, dem Autor ein paar Fragen zu stellen. Hier seine Antworten:

Florian Tauch 1 - © Peter von Felbert

© Peter von Felbert

  • Bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor.

Berlin, Saigon, Berlin, Saigon, München. Das waren meine letzten geografischen Stationen. Es ging für mich lange hin und her. Auch beruflich pendelte ich zwischen verschiedenen Bereichen. Insgesamt war mein Leben bisher ein erlebnisreicher Weg, und das spiegelt sich hoffentlich auch in meinen Büchern wider. So musste ich mir beispielsweise für meinen ersten Roman „Miss Saigon, der Hund, der Japaner und ich“ nicht ausdenken, dass die Hauptfigur an ein und demselben Tag seinen Job, seine Wohnung und seine Freundin verliert – ich hatte es selber so erlebt …

  • In deinem aktuellen Buch „Und es hat Om gemacht“ geht um Yoga. Hast du auch Erfahrungen damit? Bist du selbst ein Yogi?

Das neue Buch ist sicher weniger autobiografisch als der Erstling. So habe ich meinen ersten Yoga-Kurs erst absolviert, als ich mich auf das Schreiben vorbereitet habe. Aber ich hätte das Thema nicht angefasst, wenn ich mich nicht dafür interessieren würde: Seit meiner Jugend habe ich mich mit östlichen Religionen und Lebensphilosophien beschäftigt, außerdem einige Jahre die chinesische Kampfkunst Wushu betrieben. Und auch die Zeit in Asien hat meinen Blick auf diese Dinge sicher geschärft.

  • Gibt es Parallelen zwischen Viktor, dem Hauptakteur aus „Und es hat Om gemacht“, und dir?

Nein, ich musste jedenfalls nicht so eine dramatische Wandlung durchlaufen, um mich den Themen Yoga und östliche Religionen zu öffnen. Und ich bin leider auch weder so ein begnadeter Koch wie er, noch habe ich jemals dermaßen abgefahrene Visionen entwickelt …
Nachdem die Hauptfigur im ersten Buch eher autobiografisch angelegt war, hat es mich gereizt, aus einer völlig anderen Perspektive zu schreiben.

  • Du hast vier Jahre in Vietnam gearbeitet und wurdest dadurch zu deinem Debütroman „Miss Saigon, der Hund, der Japaner und ich“ inspiriert. Was genau hat dich dazu inspiriert?

Ich habe damals unter ausgesprochen obskuren Umständen meine jetzige Frau kennengelernt. Später habe ich für ein Männer-Magazin Kolumnen geschrieben, in der ich viele Erlebnisse aus dem Themenkreis „interkontinentale Liebe “ habe einfließen lassen. Am Ende hat mich ein Literaturagent darauf gebracht, dass dies ein guter Buchstoff wäre.

  • Wie sieht dein Schreib-Alltag aus?

Schreib-Alltag. Das hört sich für mich zu groß an, denn es ist ja nicht mein Hauptberuf. Ich bin seit drei Jahren Chefredakteur vom SkiMagazin. Das hat zwar auch viel mit Sprache und Texten zu tun, aber auch viel mit Planung, Organisation und Abstimmung. Was man sich unter dem klassischen Schreib-Alltag eines Schriftstellers vorstellt, das habe ich nur zeitweise erlebt: Da es schwer war, neben dem Job und der Familie an „Und es hat Om gemacht“ zu arbeiten, habe ich mich immer mal wieder ein, zwei Wochen auf eine Tiroler Hütte zurückgezogen. Da war ich wirklich ungestört.

© Peter von Felbert

© Peter von Felbert

  • Liest du selbst auch gerne? Wenn ja, was/wen?

Ja, es gab immer Bücher oder Autoren, die mir sehr wichtig waren. In jüngeren Jahren war das Hermann Hesse. Oder auch Philippe Djian. Dann natürlich Murakami. Was Sprachwitz angeht, so habe ich sicher bei Tibor Fischer einmal genauer hingesehen.

  • Wer oder was inspiriert dich?

Inspiration – das hört sich für mich so sehr nach einer Muse an, oder nach einem anderen Einfluss, ohne den man nicht kreativ sein könnte. Aber das ist nicht so. Ich setze mich hin und sammele Ideen, male mir Situationen aus, die für den Leser interessant oder unterhaltsam sein könnten. Ich überlege mir, wie die Geschichte laufen könnte, was die wichtigen Eckpunkte sind. Während des Schreibens kommen einem ständig neue Ideen, oft ergibt sich das eine erst aus dem bereits geschriebenem. Woher das alles kommt? Das meiste hat seinen Ursprung bestimmt in ganz kleinen Details, die man im Alltag aufschnappt.

  • Was bereitet dir Freude?

Ich könnte jetzt vom Lachen meiner Tochter anfangen, oder von irgendwelchen Reisen und Freundschaften. Aber das sind ja nur Mosaiksteine vom großen Ganzen. Ich bin Optimist. Ich finde das Leben toll. Also: Das Leben bereitet mir Freude. Naja, meistens …

  • Welche drei Dinge würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Ich hoffe, dass ich nie ernsthaft vor diese Wahl gestellt werde!

  • Was können wir in nächster Zukunft von Dir erwarten? Ist ein neues Buch von dir in Planung?

Im Augenblick sitze ich an keinem neuen Buch – und das genieße ich. Denn es ist wirklich viel Arbeit und mit Familie und Beruf nur schwer zu vereinen. Aber kürzlich hat es mich schon wieder in den Fingern gejuckt und ich habe mir einige Szenarien ausgemalt. Mal schauen, ob sich daraus nicht noch etwas entwickelt. Einen passenden Titel hätte ich schon …

Florian Tauch 4 - © Peter von Felbert

© Peter von Felbert

Wir bedanken uns bei Florian Tausch, dass er sich dazu bereit erklärt und sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen zu beantworten. :) Wer mehr über den Autor, seine Bücher und Reportagen erfahren möchte, sollte sich mal auf seiner Homepage umschauen – es lohnt sich.

Die Bilder stammen von der Autoren-Seite des Goldmann Verlages. Das Copyright liegt bei dem angegeben Fotografen.

Miss Saigon, der Hund, der Japaner und ichUnd es hat Om gemacht von Florian Tausch


Und es hat Om gemacht [Rezension]

Und es hat Om gemacht von Florian Tausch
 
Titel: Und es hat Om gemacht
Autor: Florian Tausch
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-442-47873-6
Verlag: Goldmann
Veröffentlichung:  18. Februar 2013
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

Bettina ist Viktors Traumfrau. Deswegen denkt er sich auch einen sehr ungewöhnlichen und im gleichen Maße romantischen Heiratsantrag aus. Komplikationen bei der Ausführung zwingen Viktor jedoch zu Plan B. Aber auch dabei läuft nicht alles rund, denn Bettina verlässt Viktor noch während des Antrags für ihren Yogalehrer Niels. Von nun an scheint Viktor von allem, was auch nur ansatzweise mit Yoga zu tun hat, verfolgt zu werden, und wird auch noch zur Teilnahme an einem Yoga-Kurs genötigt. Der scheinbar einzige Lichtblick in diesem ganzen Theater ist Maya – Viktors Yogalehrerin…

Meine Meinung:

>>Sie lässt es sich wirklich von so einer Esoterik-Pussy machen! Der Typ bekommt doch bestimmt vor lauter Namen-Tanzen und Baum-Umarmen gar keinen hoch!<<
(Seite 42)

Florian Tausch hat mit dem zu Papier gebrachten Humor – trocken, saukomisch und stellenweise auch ein wenig böse – genau meinen Geschmack getroffen. Aberwitzige Situationen, sonderbare Handlungen und nicht zuletzt die vielen witzigen Dialoge und Gedankengänge von Viktor machen dieses Buch aus, und sorgten bei mir häufiges Schmunzeln und nicht selten auch für herzhaftes Gelächter. Für mich als Frau war es mal eine schöne Abwechslung, in die Gedankenwelt eines Mannes abzutauchen. :D

Der Fettnapf scheint, neben Rudi, der beste Freund von Viktor zu sein. Egal ob durch sich selbst oder andere verschuldet – Viktor lässt fast nichts aus, um sich noch weiter in die Bredouille zu bringen. Ausraster vor laufenden TV-Kameras? Vandalismus mit Buddha-Statuen? Alles kein Problem für Viktor, dem sympathischen „Helden“ dieser Geschichte. Zusammen mit ihm erlebt der Leser so einiges. Und auch wenn manches ein wenig platt rüberkommt, bietet das Buch durchweg gute Unterhaltung.

„Es sah nach einem ungleichen Kampf aus, der sich da auf der sonnendurchfluteten Straße anbahnte. Hier der groß gewachsene, muskulöse Viktor, dem Wut und Zorn noch ein paar zusätzliche Testosteron-Dosen in den Körper gepumpt hatten. Dort der ausgemergelt wirkende Yoga-Lehrer, einen guten Kopf kleiner als sein Gegner, der sich nun zögerlich näherte. Viktor wich in gespielter Angst ein paar Schritte auf den Gehsteig zurück und sagte mit weinerlicher Stimme: >>Hilfe! Da kommt Gandhi. Jetzt habe ich aber Angst!<<“
(Seite 57)

Gut gefallen hat mir, dass der Autor seinem Protagonisten Viktor auch noch eine andere Seite, als die des nicht zurechnungsfähigen, von Liebeskummer geplagten Mannes, angedacht hat. Diese kommt z. B. dadurch zum Ausdruck, wie er sich um Kalle, den Sohn seines besten Freundes, kümmert. Somit bietet dieses Buch neben viel Klamauk auch noch eine herzige Note.

Einzig der ominöse Guru, der auf dem Buchrücken Erwähnung findet, hat meinen positiven Eindruck ein wenig getrübt. Dieser spielt ab einem gewissen Zeitpunkt eine große Rolle in dem Buch, vor allem für Viktor. Er sorgt für jede Menge Unterhaltung, die Viktor immer mal wieder noch einen Schritt näher an den Rand des Wahnsinns bringt. Leider konnte ich mit Sri Albert, wie Viktor ihn nennen darf, aber nicht so wirklich was anfangen. Vielleicht habe ich aber auch einfach nicht die richtigen Schlüsse gezogen, denn ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es in der Absicht des Autors lag, seinen Lesern bei dieser Figur ein wenig Raum für Spekulationen zu lassen…

Dieses Buch eignet sich perfekt als „kleine Lektüre für zwischendurch“ und bietet ein kurzweiliges und äußerst unterhaltsames Lesevergnügen. Einfach zurücklehnen und gemeinsam mit Viktor den Weg zur Erleuchtung finden. ;)

„Er malte sich aus, wie in ihrem Kopf gerade ein paar Mauern einstürzten. Viktor, der durchgeknallte TV-Show-Choleriker? Kawumm! Viktor, der ignorante Yoga-Hasser? Bäääng! Viktor, der gehörnte Frauen-Loser? Wruuums!
(Seite 194)

4 HerzenSaFi