[Rezension] Draußen wartet die Welt | Nancy Grossman

Draussen wartet die Welt von Nancy GrossmanTitel: Draußen wartet die Welt
Autor: Nancy Grossman
Seitenzahl: 448 Seiten
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-40215-3
Veröffentlichung: 10. Februar 2014
Empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Leseprobe

Zum Inhalt:

Kein Handy, kein Kino, kein Make-up … Was für jedes andere Mädchen unvorstellbar klingt, ist für die 16-jährige Eliza die einzige Welt, die sie kennt. Eliza gehört zur Gemeinde der Amish und lebt mit ihrer Familie ein frommes, abgeschiedenes Leben wie vor Hunderten Jahren. Doch diesen einen Sommer darf sie in der Welt draußen verbringen, mit all den Verheißungen und Versuchungen, die diese birgt. Der erste Film, der erste Song, der erste Kuss. Dort lernt Eliza auch Joshua kennen. Sie weiß, sie wird am Ende eine Entscheidung treffen müssen … und diese wird endgültig sein. (© cbj)

Draußen wartet die Welt_Artikelbild

Meine Meinung:

Lange überlegen, ob ich dieses Buch lesen möchte, musste ich nicht. Nicht bei diesem tollen Cover, das hervorragend zu der Geschichte passt. Nicht bei diesem Thema, das ich total interessant finde.

Ziemlich schnell ist mir ein Punkt besonders aufgefallen: Nancy Grossman fällt keinerlei Urteil über die Amish. Sie sind Teil der Geschichte, die sie erzählt – nicht mehr, nicht weniger. Als Leser erfährt man einiges über das Leben der Amish. Aber nicht in Oberlehrermanier. Die Autorin lässt einen einfach ein wenig am ihrem Leben teilhaben. So entdeckt man neue Inhalte und liest auch bereits bekannte Dinge.

„Meine Mutter ermahnte mich jedes Mal aufs Neue. Die Gäste kamen zu uns, um ein einfaches Amisch-Abendessen zu genießen und einen Blick auf unser Leben zu erhaschen, aber sie wollte nicht, dass ich auch einen Blick auf das ihre warf. Sie leben in ihrer Welt und wir in unserer, sagte sie dann immer, als ob das meine Neugier befriedigen würde.“ (Seite 7/8)

Worüber ich z. B. noch nichts wusste, war das Freundschaftsbrot: Eine Freundin setzt einen Teig an, von dem sie dann gleich große Stücke an die anderen verteilt. Zur gleichen Zeit schieben dann alle Freundinnen das Freundschaftsbrot in ihren jeweiligen Ofen. So weiß jede, was die andere genau in diesem Moment macht und sie fühlen sich verbunden. Jetzt freue ich mich, dass ich diese Tradition der Amish kenne. Ich finde sie sehr schön. Und sie sagt auch einiges aus, wie ich finde.

Der Schreibstil von Nancy Grossman ist toll zu lesen. Sie beschreibt Elizas bisheriges Leben und das in der neuen Welt mit stets passenden Worten, die die Gefühle, Gedanken und Taten von Eliza wunderbar transportieren. Ich habe es genossen, an Elizas Seite zu sein, während sie, die für sie völlig neue Welt erkundet. Dabei kam es zu verwirrenden, lustigen und auch wehmütigen Erfahrungen… Was glaubt ihr, an was Eliza denkt, wenn ihr jemand erzählt, dass er in einem Apple-Store arbeitet?

„Ich hatte Heimweh nach einer Welt, die ich noch nie gesehen hatte.“ (Seite 41)

Eliza ist mir direkt ans Herz gewachsen. Sie ist ein tolles Mädchen, das ihren eigenen Kopf hat und für ihren Traum kämpft. Die Autorin hat ein ziemlich realistisches Bild ihrer Hauptdarstellerin gezeichnet. Eliza wirkt zu jeder Zeit authentisch. Und auch die anderen Personen im Buch vermitteln dieses Gefühl. Auch Josh ist ein toller Charakter. Seine Art und Weise, Eliza die große neue Welt zu zeigen ist einfach toll. Die Liebesgeschichte der beiden ist süß und bitter zugleich und fügt sich perfekt in die Geschichte ein.

Leider hatte ich an ein, zwei Stellen das Gefühl, dass das Buch zur sehr um meine Aufmerksamkeit buhlt. Dramatische Enthüllungen und schicksalhafte Begebenheiten tauchten auf einmal auf und ich wusste nicht so recht, was ich damit nun anfangen soll. Denn nötig hatte das Buch diese Wendungen definitiv nicht. Ich hätte auch so weiter gelesen. Eliza wäre ihren Weg auch so gegangen. So hatte das Buch stellenweise leider einen für mich unpassenden Unterton.

„Ich versuchte, mir vorzustellen, wie diese zukünftige Eliza wohl aussah, während sie das Tagebuch las. Würde sie in einer von Kerosinlampen erleuchteten Küche sitzen, ihre Kapp auf dem Kopf, ihre Schürze eng um ihre Taille gebunden? Oder saß sie in einer modernen Küche, umgeben von piepsenden Maschinen, und trug eine Hose und eine Bluse mit Köpfen?“ (Seite 260)

Das Ende habe ich mir genauso gewünscht, wie die Autorin es zu Papier gebracht hat. Denn Eliza hat ihren Weg gefunden. Welcher das sein wird, war mir dabei gar nicht wichtig und ich werde darüber auch nichts verraten. Wichtig war für mich nur, dass Eliza ihn – und auch zu sich selbst – findet. In welcher Form auch immer.

„Draußen wartet die Welt“ ist ein tolles Jugendbuch, das den Lesern Einblicke in das Leben der Amish ermöglicht und die zarte Liebesgeschichte von Eliza und Josh erzählt. Ich habe es genossen, die Welt in der wir leben, durch Elizas Augen betrachten zu können.

4,5SaFi


Wo Milch und Honig fließen [Rezension]

Wo Milch und Honig fliessen von Grace McCleen
 
Autor: Grace McCleen
Titel: Wo Milch und Honig fließen
Seitenzahl:
384
ISBN: 978-3-421-04546-1
Verlag:
DVA Belletristik
Veröffentlichung: 04. März 2013
Leseprobe
 
 
 

Zum Inhalt:

Bis Montag muss ein Wunder geschehen. Sonst wird Judiths Klassenkamerad Neil sie wahrscheinlich in der Schultoilette ertränken. Denn Judith ist anders als ihre Mitschüler und wird jeden Tag gehänselt und verspottet. Nicht zuletzt, weil alle in der Stadt ihren tief religiösen Vater für einen Sonderling halten – und somit auch Judith selbst als Sonderling gilt.

Schnee wäre die Lösung. Viel Schnee. Dann würde vielleicht die Schule am Montag ausfallen. Aber es ist erst Oktober… Trotzdem versucht die zehnjährige Judith ihr Glück, und lässt es in ihrer selbst geschaffenen Welt, dem Land der Zierde, schneien.

Und am Montag liegt draußen tatsächlich Schnee. Viel Schnee. Und die Schule fällt aus, und Judiths Probleme fangen damit erst an…

Meine Meinung:

Ich habe einen bewegenden, aber auch heiteren Roman über eine junge Heldin erwartet, die sich ihre eigene kleine Welt in ihrem Zimmer erschaffen hat. Irgendwie habe ich auch genau das bekommen, aber leider nicht so, wie ich es erwartet hatte. Denn ich hatte doch einige Probleme mit dem übergeordneten Thema Religion. Hätte ich schon vor dem Lesen gewusst, dass die Religion einen dermaßen großen Platz in Anspruch nimmt, hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht gelesen.

„Ich heiße Judith McPherson. Ich bin zehn Jahre alt. Am Montag ist ein Wunder geschehen. So werde ich es nennen. Und das Wunder habe ich vollbracht. Weil Neil Lewis gesagt hatte, er würde meinen Kopf in die Toilette stecken. Weil ich Angst hatte. Aber auch, weil ich Glauben hatte.“ (S. 16)

Dies ist aber nicht die Schuld des Buches, oder der Autorin, sondern meine ganz eigene Meinung, quasi ein selbst geschaffenes Problem. So erging es mir auch schon bei anderen Büchern, die an sich nicht schlecht waren, mir aber aufgrund dieser besonderen Thematik nicht gefallen haben.

Zugegebenermaßen ist aber gerade die Religion ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte. Ohne sie würde die Geschichte nicht funktionieren – und genau deshalb hat die Geschichte bei mir leider nicht so richtig funktioniert. Die Geschichte an sich ist eigentlich ganz schön, der Schreibstil angenehm zu lesen. Ich konnte halt nur nicht so viel damit anfangen, wie ich es mir vom Buchrücken her gewünscht hätte.

„In meinem Zimmer ist eine Welt. Sie ist aus lauter Dingen gemacht, die niemand haben wollte, und sie ist aus Dingen gemacht, die meiner Mutter gehört haben, die sie mir hinterlassen hat, und ich habe fast mein ganzes Leben gebraucht, um diese Welt zu bauen.“ (S. 22)

Dennoch hat mich Judiths Schicksal durchaus berührt. Ich habe mit ihr gelitten, wenn sie in der Schule von Neil und den anderen Mitschülern immer wieder aufs Neue gehänselt, ausgelacht und verspottet wurde, ihr Vater ihr mal wieder nicht zuhören wollte und sie mit ihm von Haus zu Haus tingeln musste um im Namen der Zeugen Jehovas neue Jünger zu finden.

Letzten Endes entscheide ich mich mit drei Herzen für eine neutrale Bewertung.

3 HerzenSaFi