[Rezension] Lieblingsmomente | Adriana Popescu

Lieblingsmomente
 
Titel: Lieblingsmomente
Autor: Adriana Popescu
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3-492-30446-7
Verlag: Piper
Veröffentlichung: 13. August 2013
Leseprobe

 

Zum Inhalt:

Es beginnt damit, dass Layla ein Foto vom verträumt tanzenden Tristan schießt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Schnell entwickelt sich die anfängliche Sympathie zu einer tiefen Freundschaft. Aber auf keinen Fall kann daraus mehr werden, schließlich sind beide vergeben. Tristan liebt Helen und Layla lebt mit ihrem Oli zusammen. Doch während dieser seine wenige freie Zeit lieber mit seinen Kumpels als mit seiner Freundin verbringt, erlebt Layla mit Tristan Lieblingsmomente. So macht er z. B. aus fliegenden Wunderkerzen Sternschnuppen für Layla, weil sie noch nie echte gesehen hat. Ohne Folgen bleibt dies natürlich nicht. Und nach und nach steht Laylas Leben immer mehr auf dem Kopf…

Lieblingsmomente - Adriana Popescu

Lieblingsmomente – Adriana Popescu

 Meine Meinung:

Bereits nach wenigen Sekunden des wunderschönen Trailers mir klar: Dieses Buch muss ich lesen. Ich fieberte dem Erscheinungstermin des Taschenbuchs entgegen und fing dann mit einigermaßen hohen Erwartungen an zu lesen, da ich schon einige sehr positive Stimmen dazu gelesen hatte. (Das E-Book wurde ja schon knapp einen Monat früher veröffentlicht.) Jetzt, nachdem ich das Buch förmlich verschlungen habe, freue ich mich sagen zu können, dass meine Erwartungen, bis auf eine Kleinigkeit hier und da, gänzlich erfüllt wurden.

„Wenn man jemanden so gut kennt, wenn man jemanden so nah an sich herangelassen hat, dass man sein Leben um besagte Person herumgebaut hat, dann muss man nicht mehr um jedes »Ich liebe dich«  betteln. Es setzt das alles voraus. Oder? Na, eben.“ (Seite 48)

Wer denkt, dass er mit „Lieblingsmomente“ eine kitschige Liebesschnulze zu lesen bekommt, der irrt sich. Und zwar gewaltig. Ja, es geht um die Liebe und es kommt auch Romantik darin vor. Aber im Vordergrund stehen Layla und Tristan als Personen, die versuchen, ihre offensichtlich vorhandenen Gefühle für einander ganz tief zu vergraben und einfach nur gute Freunde sein wollen. Es geht um die kleinen Momente des Lebens, die es erst lebenswert machen. Um schlechte Zeitpunkte, in Vergessenheit geratene Träume…

Anfangs konnte ich noch nicht so wirklich nachvollziehen, warum sich Layla zu Tristan hingezogen fühlt – vom optischen jetzt mal abgesehen. ;) Sie hat doch einen Freund daheim, mit dem sie seit fünf Jahren zusammen ist, mit dem sie ihr Leben und auch eine Wohnung teilt. Schon bald wurde mir aber klar, dass genau dieser Freund der Schlüssel ist. Für mich, um verstehen zu können. Für Layla, um diese Gefühle für Tristan entwickeln zu können. Wenn ich so einen Typen wie Oli zu Hause sitzen hätte, würde ich mich wahrscheinlich nicht viel anders verhalten. Und mit der Zeit wird dann auch noch etwas anderes klar: Tristan ist zwar der Auslöser, aber nicht der Grund. Manchmal braucht es eben einen anderen Menschen, damit man über sein eigenes Leben nachdenkt und ehrlich zu sich selbst ist. Denn dazu gehört eine Menge Mut – vor allem dann, wenn die Antworten nicht unbedingt positiv ausfallen könnten…

„Oli Handy:
Keine Milch mehr im Haus, auf dem Heimweg bitte besorgen!“ (Seite 117)

Adriana Popescu hat Layla und Tristan viel Leben eingehaucht. Laylas innere Zerrissenheit, ihre Wünsche, Ängste und Zweifel, hat die Autorin sehr gut und nachvollziehbar zu Papier gebracht. Und durch die Gedanken  und Schilderungen von Layla in Bezug auf Tristan konnte ich mir von ihm ein ebenso gutes Bild machen und habe mich für sie gefreut, dass sie einen so gutaussehenden und charmanten Auslöser gefunden hat.

Der Schreibstil lässt sich wunderbar angenehm lesen und sorgt dafür, dass die Seiten nur so durch die Hände fliegen. Lustige und stellenweise auch äußerst amüsante Begebenheiten wechseln sich mit nachdenklichen und gefühlvollen Momenten ab. Und immer mal wieder kommt der tolle sarkastische und ironische Humor der Autorin in Form kleinen Seitenhieben vor. Mir hat dieses Gesamtpaket, die Mischung aus Tiefgründigkeit und guter Laune, sehr gut gefallen.

„Wie lange soll ich mir noch einreden, dass das mit der Freundschaft zwischen uns klappt? An seinen guten Freund denkt man nicht, wenn man gerade mit seinem festen Freund schläft.“ (Seite 168)

Das Ende scheint durch den Prolog (der mich übrigens direkt mal zum Schluchzen gebracht hat) schon vorgegeben. Und in gewisser Weise ist es auch so – zumindest wenn es um das Wie? geht. Aber in Bezug auf das Warum? geht das Buch schlussendlich doch völlig anders aus, als ich es für möglich gehalten hätte und der Leseweg mich über weite Strecken vermuten ließ.

Während des Lesens hatte ich so manches Mal das Gefühl, dass Adriana Popescu dieses Buch nicht bloß geschrieben hat, sondern das sich darin auch ein Stück ihres Ichs widerspiegelt. Sie beschreibt ihre geliebte Heimatstadt Stuttgart mit so tollen und nahe bringenden Worten, dass ich der Kesselstadt zweifelsohne auch mal einen Besuch abstatten muss. Schon alleine, um im oder besser gesagt am Palast der Republik ein Bierchen zu trinken. Zudem lässt sie auch noch ihre persönliche Begeisterung für die Fotografie einfließen, und der Sänger des Soundtracks zum Buch, Thomas Pegram, nimmt eine nicht ganz unwichtige Rolle ein.

„Lieblingsmomente“ ist ein Buch über Hoffnungen und Träume, über Freundschaft und Liebe. Und über die Frage, ob der falsche Zeitpunkt nicht manchmal doch genau der richtige sein kann. Ich habe die Geschichte von Layla und Tristan sehr gerne gelesen und freue mich, nach einem kleinen, durchaus fiesen Cliffhanger, bald wieder Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen. Nämlich dann, wenn im nächsten Jahr „Lieblingsgefühle“ erscheint.

„Zieh die Notbremse, und steig aus.
Tu’s für dich, nur für dich.
Es steckt mehr in dir, als du denkst.
Mach jeden Moment zu einem Lieblingsmoment.“
(Seite 361 / »Lieblingsmoment« von Thomas Pegram)

4,5SaFi

Der Soundtrack zum Roman „Lieblingsmomente“ von Thomas Pegram.


Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde [Rezension]

Wie Tyler Wilkie...
Titel: Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde
Autor: Shelle Sumners
Seitenzahl: 512
ISBN: 978-3-596-19428-5
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Veröffentlichung:  18. Februar 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Grace ist 28 Jahre alt, hat einen Plan, wie ihre Zukunft aussehen soll, und ihr Leben fest im Griff. Nicht zuletzt dank ihrer großen grünen Handtasche. Doch dann tritt Tyler Wilkie, der Hundesitter ihrer Nachbarin, in ihr Leben. Er sieht nicht nur umwerfend gut aus, nein, er schreibt auch noch umwerfend schöne Songs. Über Grace. Für Grace. Und mit einem Mal sieht es für Graces Plan gar nicht mehr so gut aus…

Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde

Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde

Meine Meinung:

„Wir sahen einander an, und mir fiel auf, dass alles an ihm herbstfarben war. Kastanienbraune Haare. Haselnussbraune Augen. Er legte den Kopf schief und zog einen Mundwinkel hoch.“
(Seite 21)

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich von einem Buch, auf dem ein „Unbedingt lesen!“-Aufkleber pappt, ehrlich gesagt etwas mehr erwartet hätte. Ich könnte mir die Geschichte aber gut als Film vorstellen… Vielleicht würde es den entsprechenden Schauspielern gelingen, mir die Emotionen, die zweifellos in diesem Buch vorkommen, näher zu bringen.

Im Grunde bin ich damit auch schon bei meinem Hauptkritikpunkt angekommen. Ich empfand den Schreibstil von Shelle Sumners als komplett emotionslos. Und zwar in jeglicher Hinsicht. Ich konnte weder die freudigen Augenblicke mit einem Lächeln, noch die traurigen Momente mit einem Schluchzen, oder die lustigen Begebenheiten mit einem Lachanfall gebührend quittieren. Dennoch ließen sich die knapp 500 Seiten zügig lesen. Nur halt leider ohne das ich dabei irgendwas empfinden konnte.

„Seit jeher war ich stolz darauf gewesen, immer die Wahrheit zu sagen, egal unter welchen Umständen. Und jetzt verstellte ich mich ständig. Gab aalglatte Halbwahrheiten von mir. Wechselte das Thema, bevor ich bestimmte Fragen beantworten musste. Die Freundschaft mit Tyler Wilkie hatte mich zu einer Lügnerin gemacht.“
(Seite 168)

Wahrscheinlich ist dies auch der Grund, warum mir Grace im Laufe der Geschichte nicht wirklich näher gekommen ist. Denn die Geschichte ist aus ihrer Sicht geschrieben. Sie kam mir sehr reserviert vor, unnahbar. Auch wenn sie manchmal durchaus durchblicken ließ, dass auch sie nur ein ganz normales Mädchen ist, das endlich die große Liebe finden möchte. Anders verhielt es sich da schon mit Tyler… Denn im Gegensatz zu Grace war mir von Anfang an klar, was für ein toller Typ in ihm stecken muss. Und nachdem ich mir ungefähr in der Mitte des Buches die Lieder anhörte, die es zu dem Buch gibt, und dann während des Lesens die tolle Stimme von Lee Morgan mit dem Tyler in meinem Kopf kombinierte, hatte ich in ins Herz geschlossen. Wie hätte ich auch nicht? Hier geht es zu den Liedern: „Calling“ / „Her“ / Album „Grace Grows“ von Lee Morgan auf ITunes.

Die Geschichte bietet jede Menge Unterhaltung. Für meinen Geschmack fast ein wenig zu viel. Ständig geht es hin und her, auf und ab, vor und zurück. Zwischendurch war ich davon immer mal wieder genervt und habe mich gefragt, warum die beiden (vor allem aber Grace) es nicht auf die Kette kriegen. Das Ende an sich war keine große Überraschung für mich, es hat mir aber gut gefallen, und mich das Buch mit einem besseren Gefühl zuschlagen lassen, als ich es vorher für möglich gehalten hätte.

>>Warum gibt es so viele Songs über die Liebe?<<
>>Was ist wichtiger als Liebe? Und womit kann man seine Gefühle besser ausdrücken als mit Musik?<< Er sah mich an, als würde er mich nach meiner Antwort benoten.
(Seite 185)

Nach diesen Worten der Kritik mag es den einen oder anderen vielleicht wundern, dass ich der Geschichte von Grace und Tyler drei Herzen gebe. Neben Tyler liegt das in erster Linie an dem übergeordneten Thema Musik und der Bedeutung, die diese für die beiden und die Story hat. Musik kann jedes Gefühl transportieren. Mit ihr kann man alles ausdrücken, was man sonst nicht zu sagen in der Lage wäre. Während des Lesens erinnerte ich mich hin und wieder an Lieder, die eine besondere Bedeutung für mich haben und an die entsprechenden Situationen. So kam ich dann doch noch in den Genuss von Emotionen. Diese hatten zwar nichts mit dem Buch an sich zu tun, aber ich bin froh, dass es mir diese wieder in Erinnerung gerufen hat.

Für mich waren die Erlebnisse von Grace und Tyler ein nettes, wenn auch nicht überzeugendes, Buch für zwischendurch. „Die romantischte und witzigste Love-Story des Jahres“, wie der Buchrücken verlauten lässt, war es aber bei weitem nicht. Zumindest nicht für mich.

„Doch es gab einen Spruch von John Lennon über das Schmieden von Plänen, und der passte haargenau auf meine Situation.
Life happened, instead. Das Leben durchkreuzte all meine Pläne.“
(Seite 333)

3 HerzenSaFi