[Rezension] Dead End | Sharon Bolton

Dead End von Sharon Bolton

Titel: Dead End
Reihe: DC Lacey Flint #2 (OT: Dead Scared)
Autor: Sharon Bolton
Seitenzahl: 448 Seiten
Verlag: Goldmann
Genre: Thriller

ISBN: 978-3-442-48060-9
Veröffentlichung: 21. April 2014

Leseprobe | Buch kaufen

„Du kannst ihn nicht sehen. Aber er beobachtet dich – und er kennt deine schlimmsten Ängste …“ (Buchrücken)

Zum Inhalt:

An der weltbekannten und ehrwürdigen Universität Cambridge gab es in den letzten fünf Jahren zwanzig Selbstmorde. Eine unglaublich hohe Zahl. Noch dazu waren es meist junge Frauen, die sich das Leben nahmen – eine statistische Anomalie – und die gewählten Todesarten der jungen Studenten waren allesamt äußerst bizarr und ziemlich ungewöhnlich.
Um den Dingen auf den Grund zu gehen wird DC Lacey Flint von DI Mark Joesbury undercover als Studentin in Cambridge eingeschleust. Zusammen mit Dr. Evi Oliver, der Leiterin des psychologischen Betreuungsdienstes der Universität, soll Lacey unauffällig Nachforschungen anstellen.
Doch Joesbury hat Lacey nicht die ganze Wahrheit erzählt. Und als Lacey schließlich von denselben Albträumen heimgesucht wird, die auch die verstorbenen jungen Frauen plagten, die bei Evi Oliver in Behandlung waren, wird ihr eines klar: Sie steht auch auf der Liste der Opfer.

Meine Meinung:

Nachdem mich der erste Teil der Thriller-Reihe rund um Lacey Flint „Dunkle Gebete“ absolut begeistert hat (hier geht es zu meiner Rezi), musste ich nicht lange überlegen, ob ich auch zum Nachfolger „Dead End“ greifen möchte.

„Sie hatte die Botschaft auf dem Badezimmerspiegel nicht gesehen, die erst durch den Dampf des heißen Badewassers sichtbar geworden war.
Ich kann dich sehen, stand da.“ (Seite 33)

Dass Lacey auf der Liste derer steht, die in den Selbstmord getrieben werden sollen, wird bereits nach drei Seiten, durch den Prolog, der elf Tage in der Vergangenheit spielt, sonnenklar. Lacey steht auf dem Turm eines Cambridge Colleges und ist kurz davor, von eben jenem Turm in den Tod zu springen. Ob sie springen wird bleibt bis zum großen Showdown ungeklärt. (Wenn man sich allerdings, so wie ich, ein wenig über die Bücher von Sharon Bolton schlau gemacht hat, kann dieser Prolog einem durchaus ein wenig die Spannung rauben.)

Auf den folgenden Seiten wird die Geschichte dann von hinten aufgerollt. In elf Tagen kann so einiges geschehen. Vor allem dann, wenn man Lacey Flint heißt, undercover als Studentin arbeitet und sich nicht immer an die Vorgaben seines Vorgesetzten hält.

»Es fühlt sich an, als wäre jemand in meinem Kopf gewesen, hätte dort rumgekramt und all die Sachen gefunden, vor denen ich am meisten Angst habe, und jetzt benutzt er dieses Wissen, um mich in den Wahnsinn zu trieben.« (Seite 119)

Gemeinsam mit Lacey tauchte ich in das Leben undercover ab, immer darauf hoffend, Hinweise oder Erklärungen zu finden. Dabei hatte ich Lacey gegenüber den Vorteil, dass die Autorin mich in kurzen und prägenden Zwischenkapiteln in die Vergangenheit blicken ließ. So wusste ich ein wenig mehr darüber, wer da am Werk war. Wirklich weiter gebracht hat mich das aber nicht. Dafür ist die Handlung einfach zu geschickt konstruiert – Verdachtsmomente und Täuschungsmanöver sind reichlich vorhanden. Spannungseinbrüche werden dank häufig wechselnder Blickwinkel vermieden. So ging es die ganze Zeit über temporeich zu und der gut zu lesende Schreibstil von Sharon Bolton trug dazu bei, dass ich das Buch am liebsten nicht aus der Hand gelegt hätte.

Blutige Gemetzel sucht man in „Dead End“ vergebens. Auf ein beklemmendes und thrilliges Lesegefühl muss man aber nicht verzichten. Das Grauen ist größtenteils psychologischer Natur und fast noch erschreckender als bestialische Bluttaten. Die Albträume, deren wahrer Ursprung noch schrecklicher ist als die Albträume an sich, werden anschaulich beschrieben und können einem durchaus das Blut in den Adern gefrieren lassen. Besonders dann, wenn man des nächtens in einer vollkommen ruhigen Wohnung liest und die Leselampe die einzige Lichtquelle ist. Wenige Male kann aber auch lesen, wie die jungen Frauen sterben. In diesen Situationen nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund und beschreibt ungeschönt, wie sie es anstellen, sich selbst zu töten.

„Und dann, am allerschlimmsten, ein Knarren, das Reibungsquietschen, das Glas beim Anfassen macht, dann ein leiser Aufprall. Die Geräusche, mit denen jemand durchs Fenster gestiegen kam.“ (Seite 234)

Neben Lacey Flint und Mark Joesbury, die zum zweiten Mal die Hauptrollen einnehmen, gibt es mit Dr. Evi Oliver eine weitere Person die zum wiederholten Male auftaucht. Aber auch wenn man, so wie ich, das entsprechende Buch nicht gelesen hat, bekommt man genug Infos um alles verstehen zu können, was mit ihr zusammenhängt „Dunkle Gebete“ sollte man vorher aber schon gelesen haben, da man dort Dinge über Lacey und auch Mark erfährt, die in diesem Teil von Wichtigkeit sind. Die merkwürdige Beziehung der beiden, die aber keine wirkliche Beziehung ist, wird weiter fortgeschrieben und zum Ende hin auch äußerst wichtig für den Ausgang des Buches.

Trotz aller Begeisterung gab es leider auch einen ganz großen Minuspunkt. Das Ende. Ich bin dahingehend wirklich sehr enttäuscht. Für meinen Geschmack zu kurz, zu überhastet. Fast so, also hätte die Autorin endlich mit ihrer Arbeit an dem Buch fertig werden müssen und deswegen einige Seiten und viele Erklärungen einfach weggelassen. Es muss ja nicht alles bis ins allerletzte Detail aufgeklärt werden. Wenn ich aber selbst auf die grundlegendsten Erklärungen fast gänzlich verzichten muss, bleibe ich ein wenig mürrisch zurück. Bei „Dunkle Gebete“ hat Sharon Bolton bewiesen, dass sie es besser kann.

»Wenn Sie rausfinden, was hier läuft«, hatte Joesbury zu mir gesagt, »werden Sie sich wünschen, Sie wären vollkommen ahnungslos.« Er hatte recht gehabt. (Seite 373/374)

Im Großen und Ganzen ist „Dead End“ ein gelungener Thriller – wenn man vom unbefriedigenden Ende mal absieht, das meine Begeisterung für das Buch einfach zu sehr getrübt hat. Nichtsdestotrotz werde ich Sharon Bolton nicht von meiner Thriller-Liste streichen. Dafür ist sie einfach zu gut.

3,5SaFi


[Rezension] Dunkle Gebete | Sharon Bolton

Dunkle Gebete von Sharon Bolton

Titel: Dunkle Gebete
Reihe: DC Lacey Flint #1 (OT: Now You See Me)
Autor: Sharon Bolton
Seitenzahl: 512 Seiten
Verlag: Goldmann
Genre: Thriller

ISBN: 978-3-442-47942-9
Veröffentlichung: 17. Juni 2013

Leseprobe | Buch kaufen

„Seine Opfer sind unschuldige Frauen. Der Killer ist ein Phantom. Und die Ermittlerin hütet ein schreckliches Geheimnis …“ (Buchrücken)

Zum Inhalt:

In London geht eine alt bekannte Angst um. Nachdem alles mit einem Mord begann, auf den sich niemand so wirklich einen Reim machen konnte, steht für die Londoner Polizei nach einem Bekennerschreiben fest, dass sich ein Nachahmungstäter an „Jack the Ripper“ orientiert, wenn er unschuldige Frauen auf brutale Art und Weise tötet.
Detective Constable Lacey Flint wird für diesen Fall extra in eine andere Einheit versetzt, um mit ihrem Wissen über den berühmt-berüchtigten Serienkiller die Ermittlungen vorantreiben zu können. Doch Lacey hat ein dunkles Geheimnis, welches in Verbindung mit den brutalen Morden zu stehen scheint. Und so muss sie sich neben der Jagd nach dem Killer auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen …

Meine Meinung:

„Dunkle Gebete“ ist von der ersten Seite an spannend. Zunächst durch den Prolog, bei dem lange Zeit unklar bleibt, in welchem Zusammenhang dieser zum Rest der Geschichte steht. Mit der Zeit wird aus diesen wenigen Seiten zu Beginn, durch diverse kurze Zwischenkapitel, ein zweiter Erzählstrang, der nach und nach seine wahre Bedeutung offenbart. Bis es soweit ist, gibt es genügend Freiraum für eigene Spekulationen.

„Die Wunde in der Kehle war nicht die schlimmste Verletzung, bei Weitem nicht. Mir fiel wieder ein, dass ich einmal gehört hatte, der weibliche Körper enthielte ungefähr fünf Liter Blut. Ich hatte mir allerdings nie Gedanken darüber gemacht, wie es wohl aussehen würde, wenn das alles auslief.“ (Seite 14)

Der Einstieg in die eigentliche Geschichte gestaltet sich kurz und schmerzlos. Zumindest für den Leser. Nicht jedoch für die Frau, die direkt zu Beginn in den Armen von Lacey Flint stirbt, nachdem ein Messer unzählige Spuren auf und in ihrem Körper hinterlassen hat. Für mich ein gelungener Start in einen Thriller.

Die Londoner Polizei steht bald auf dem Schlauch – es gibt keine wirklichen Hinweise, man weiß nicht mal, was das Opfer an jenem Abend an diesem Ort zu suchen hatte. So drehen sich die Ermittler im Kreis, bis irgendwann der Schluss nahe liegt, dass der Killer ein Nachahmungstäter sein könnte, der sich „Jack the Ripper“ zum Vorbild genommen hat. Die Lösung des Falles ist diese Erkenntnis aber nicht, ganz im Gegenteil. Dadurch fängt das Buch und die Jagd auf Antworten erst so richtig an.

„Amanda Weston kann nicht aufhören zu zittern. Nur dass Zittern etwas ist, was man tut, wenn einem kalt ist. Ihr ist, als könnte ihr vielleicht kalt sein – schließlich ist sie nackt -, aber dieses krampfhafte Schlottern hat nichts mit der Temperatur zu tun. Das ist keine Kälte. Das ist Angst.“ (Seite 130)

Für mich war es spannend, das Geschehen in London zu verfolgen. Wobei spannend jetzt leicht untertrieben ist, denn ich war die ganze Zeit über ziemlich angespannt, da ich ebenso wenig wusste, wie die Polizei. Durch Lacey Flint als Ich-Erzählerin ist man hautnah dabei, bekommt die Puzzleteilchen vorgelegt und ist gespannt, wie diese am Ende zusammenpassen werden. Auf dem Weg dorthin knickt der Spannungsbogen zu keinem Zeitpunkt ein. Und das liegt nicht bloß an den Opfern, die einem während des Lesens begegnen, sondern auch an der geschickt konstruierten Geschichte.

„Dunkle Gebete“ ist definitiv eher ein Buch für Fans des blutrünstigen Thrillers. Sharon Bolton konfrontiert ihrer Leser zwar nicht mit den brutalen Morden an sich, dafür aber umso mehr mit deren Folgen in Form von detaillierten Beschreibungen der Opfer. Aufgeschlitzte Bäuche, die fast nicht mehr als solche zu identifizieren sind und viele andere Abscheulichkeiten werden ungeschönt beschrieben. Für mich genau das richtige – bei den Gedanken, die mir so zu den Taten durch den Kopf gingen, lief mir mehr als bloß einmal ein eiskalter Schauer über den Rücken.

„Sie würden wissen, dass ich die Mörderin war.“ (Seite 276)

Lacey Flint ist eine nicht leicht einzuschätzende Person. Ihr Charakter wird von der Autorin sehr ausgereift, mit vielen Ecken, Kanten und einer undurchsichtigen Vergangenheit dargestellt. Alles in allem konnte ich mich recht schnell an Lacey gewöhnen. Neben den nicht gerade schmeichelhaften Eigenschaften hat Sharon Bolton ihrer Akteurin außerdem einen ziemlich trockenen Humor auf den Leib geschrieben, den ich sehr mag. Die anderen Charaktere, allen voran der smarte und gleichzeitig harte Mark Joesbury, passen ebenfalls gut in die Geschichte.

Die Spekulationen und Theorien, die sich seit jeher um „Jack the Ripper“ ranken, bieten eine starke Grundlage für diesen Thriller. Sharon Bolton ist es gut gelungen, die Fakten der echten Morde, die ich so nicht kannte und im Anschluss an das Buch nachgelesen habe, mit ihrer Geschichte zu verbinden. Was sie geschrieben hat, hat Hand und Fuß und ich war überrascht, dass das Phantom „Jack the Ripper“ bis heute mehr als genügend Stoff für Spekulationen aller Art bietet und u. a. sogar Lewis Carroll, der Autor von „Alice im Wunderland“, zu den Verdächtigen gehörte.

„Der Kopf lag mit dem Gesicht nach unten ungefähr fünf Meter entfernt auf der anderen Seite des Grabens. Das kinnlange braune Haar war feucht vom Tau. Etwas, das wie geronnenes Blut aussah, zog sich um den Halsstumpf herum.“ (Seite 384)

Insgesamt war „Dunkle Gebete“ ein Thriller ganz nach meinem Geschmack: guter Plot, spezielle Charaktere und brutale Morde. Für hartgesottene Thriller-Fans spreche ich eine klare Empfehlung aus.

5SaFi