[Rezension] Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe | A. J. Betts

1 Buch - 2 MeinungenDie Unwahrscheinlichkeit von Liebe

Titel: Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe
Autor: A. J. Betts
Seitenzahl: 336 Seiten
Genre: Jugendbuch, ab 12 Jahren
Verlag: Fischer KJB
ISBN: 978-3-596-85661-9
Veröffentlichung: 25. September 2014
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Zum Inhalt:

Kopf an Kopf liegen Zac und Mia in ihren Krankenhausbetten, nur durch eine dünne Wand getrennt. Alter: 16. Diagnose: Krebs. Gefühlszustand: isoliert und allein. Und aus ersten Klopfzeichen erwächst eine Liebe, die unter normalen Umständen niemals möglich gewesen wäre … (© Fischer KJB)

Meinung SaCre:

„Drei Uhr nachts ist richtig übel. Es ist zu dunkel, zu hell, zu spät, zu früh. Das ist die Zeit, in der du anfängst, dir Fragen zu stellen, die dir dann wie Fliegen im Kopf umherschwirren, bis er voll davon ist. […]
Es ist 3.04 Uhr, und ich frage mich, wer ich bin.
Das Knochenmark ist deutsch – so viel durften die Ärzte mir sagen.“ (Seite 38)

Die Geschichte um Zac und Mia hat mich neugierig gemacht, seit ich das Buch in der Vorschau entdeckte. Und als es mir dann persönlich von einer Mitarbeiterin des Verlages empfohlen wurde war klar, ich muss es lesen.

Zu Beginn der Geschichte lernen wir Zac kennen. Der erste Teil des Buches ist aus seiner Sicht erzählt. Er liegt gerade im Krankenhaus und erholt sich von seiner Knochenmarktransplantation. Irgendwann taucht Mia im Zimmer nebenan auf. Er hat sie noch nicht gesehen, nur gehört. Entweder schreit sie, streitet sich mit der Mutter oder Ärzten oder hört sehr laut Lady Gaga. Zac sieht sie nur mal kurz, als sie in sein Zimmer linst. Ansonsten besteht ihre „Kommunikation“ aus Klopfen, Zettelchen seinerseits oder Facebook Nachrichten. Und obwohl beide keinen persönliche Berührung miteinander haben, fühlt Zac sich doch zunehmend zu ihr hingezogen. Doch irgendwann ist Mia weg.

Teil 2 wird abwechselnd aus Mias und Zacs Sicht erzählt. Wir lernen beide besser kennen. Und was sich in Teil 1 schon zeigt, wird hier verstärkt erzählt: beide gehen völlig unterschiedlich mit ihren Situationen um. Zac hat seine Krankheit akzeptiert. Er hält sich an ärztliche Vorgaben und versucht, das Beste daraus zu machen. Er schaut sich im Internet immer wieder Videos Überlebender an und kennt sämtliche Blogs, die sich mit dem Thema Krebs beschäftigen. Statistiken zu Überlebenschancen kann er nahezu im Schlaf beten. Google liefert ihm in „0,23 Sekunden“ „mehr als 742 Millionen Seiten über Krebs“. Er legt aber auch ein gewisses Maß Selbstironie an den Tag. Sein Knochenmark stammt aus Deutschland. Freunde haben ihm nun den Spitznamen „Helga“ verpasst; und er kokettiert damit. Wirklich einige Szenen haben mich zum Schmunzeln gebracht.
Seine Mutter ist ihm eine große Stütze. Die meiste Zeit verbringt sie bei ihm im Zimmer – sie spielen und zocken und essen gemeinsam Eis. Auch wenn er sich manchmal mehr Freiraum wünscht ist er schlussendlich doch froh, dass seine Mutter so ist.

Mia kann sich mit ihrem Schicksal nicht anfreunden. Sie kann die Krankheit – und all das, was sie mit sich bringt – einfach nicht annehmen. Und schon gar nicht kommt sie damit klar, dass Zac ihr immer wieder sagt, dass ihre Überlebenschancen besser sind, als seine. Sie ist sturköpfig und rebelliert. Sie sucht mit jedem Streit, egal ob Mutter, Arzt oder Krankenschwester. Doch das dient zu ihrem Selbstschutz. Denn als sie sogar ihre Freundinnen betrügt, wandelt sich etwas in ihr. Sie hat erkannt, dass ihr früheres Leben, welches sie gerne zurück hätte, vielleicht doch nicht das Nonplusultra war. Die Oberflächlichkeit nervt sie. Früher waren Lippenstifte und Make-Up für sie interessiert. Heute nur noch die „Reihen aus verschreibungspflichtigen Schmerztabletten hinter dem Ladentisch“.
Mias Mutter besucht sie nicht wirklich oft. Auch Mias Freund lässt sich nur sporadisch im Krankenhaus blicken.

Zac und Mia sind beide nicht mehr im Krankenhaus. Sie haben keinen Kontakt zueinander, doch können den jeweils anderen nicht vergessen.

„Ich ging wieder zur Schule, auch wenn ich in der fünften und sechsten Stunde regelmäßig einschlief. Sogar Hausaufgaben akzeptierte ich mehr oder weniger klaglos, da demographische Daten in einem Graphen darzustellen und Wirtschaftspläne zu analysieren bedeutete, dass ich normal war wie jeder andere Schüler in der zwölften Klasse, dessen Leben in einer dicken schwarzen Linie von A nach B und weiter zu C verläuft.“ (Seite 129)

Der dritte Teil wird aus Mias Sicht erzählt. Mehr möchte ich zum Inhalt nun auch gar nicht mehr schreiben – sonst würde ich noch spoilern.

A. J. Betts hat mit „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ ein wunderschönes Buch geschrieben, das in meinen Jahreshighlights seinen Platz weit vorne finden wird!
Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen. Emotionen kann sie dem Leser voll und ganz vermitteln. Trauer, Freude, Hoffnungslosigkeit, Selbstaufgabe – all diese Emotionen kamen während des Lesens in mir auf. Erwähnenswert, wie behutsam sie mit dem Thema Krebs umgegangen ist. Es gibt jede Menge Höhen und Tiefen, die stets Begleiter der Kranken sind.. Ich habe wirklich mit beiden Jugendlichen mitgefiebert. So unterschiedlich Zac & Mia in ihren Charakteren sind, so hervorragend ergänzen sie sich. Ein Buch, das den Leser berührt und mit Sicherheit auch nachdenklich zurück lässt. HERZENSBUCH-ALARM!

„Vielleicht ist Mut nichts anderes als das: eine spontane Handlung, bei der der Kopf NEIN ruft, aber dein Körper es einfach trotzdem tut.
Mut oder Dummheit. Schwer zu sagen.“ (Seite 256)

5

Meinung SaFi:

„Eine Schwester saust an dem runden Fenster in der Zimmertür vorbei – Nina. Sie hat etwas Gelbes im Haar. Es könnte ein Küken sein. Ob sie die Spangen wohl in der Kinderabteilung kauft? In der richtigen Welt wäre es wahrscheinlich seltsam, wenn eine achtundzwanzigjährige Frau Plastiktiere im Haar trüge. Hier passt es jedoch irgendwie.“ (Seite 11)

Viel unterschiedlicher als Zac und Mia kann man mit der Erkrankung Krebs wohl nicht umgehen. Das böse K-Wort hat auf beide völlig unterschiedliche Auswirkungen. Während Zac sich mit Statistiken zu beruhigen versucht und in Internet-Foren und mithilfe von Videos am Schicksal anderer Krebspatienten teilnimmt und somit analytisch an die Sache herangeht, lässt Mia ihrer Wut über die Krankheit freien Lauf. Sie hört laut Musik, viel zu laut, meckert und nörgelt und zieht sich in sich zurück – nur ihre Mutter und ihr Freund wissen, was ihr wirklich fehlt, allen anderen Freunden und Bekannten spielt sie etwas vor.

Genauso unterschiedlich gehen auch die Eltern mit der Situation um. Zacs Mutter verbringt die schwere Zeit der Isolation, die die Knochenmarktransplantation mit sich bringt, in seinem Zimmer. Sie spielt Videospiele mit ihm, holt ihm einen Minze-Shake aus der Cafeteria, wenn er Appetit darauf hat, und ist in dieser schweren Zeit einfach für ihren Sohn da. Mias Mutter hingegen, so geht es aus dem hervor, was Zac durch die dünne Wand mitbekommt, ist immer kurz angebunden, wenn sie ihre Tochter auf der Krebsstation besucht.

„So wenig Held wie ich ist sonst niemand. Ich bin nicht freiwillig in diesen Krieg gezogen. Die Leukämie, diese blöde Sau, hat mich zwangsrekrutiert.“ (Seite 62)

A. J. Betts hat die unterschiedlichen Emotionen in Bezug auf diese heimtückische Krankheit und das Umgehen mit dieser mit vielen Facetten beschrieben, was mir sehr gut gefallen hat. Denn jeder Mensch ist anders und geht auch anders mit einer solch schweren Situation um. Ein schöner und großer Pluspunkt des Buches.

Die sich anbahnende Liebe zwischen Zac und Mia geht langsam vonstatten. Alles beginnt mit einer Freundschaftsanfrage auf Facebook. Mitten in der Nacht – meist gegen 3 Uhr morgens, wenn beide nicht schlafen können – chatten sie miteinander und tauschen so ihre Gedanken und Gefühle aus. Der weitere Verlauf ist keineswegs vorauszuahnen. Die Autorin hat für ihre Protagonisten ebenso viele Glücksmomente wie Rückschläge im Gepäck, und die Liebe von Zac und Mia scheint schon an ihrem Ende angekommen zu sein, bevor sie sich überhaupt vollends entfalten konnte.

„Ob ihr Haar wohl nachgewachsen ist? Ist sie letztendlich im Rollstuhl auf dem Ball gewesen? Schaut sie nach vorn, wie es sein sollte? Lacht und flirtet sie, wenn sie am Wochenende ausgeht? Ist sie inzwischen stolz auf ihre Narbe und zeigt sie jedem? Hat sie mich vergessen, so wie es sein sollte? Genauso wie ich sie vergessen sollte?“ (Seite 130)

Mit der Unterteilung in drei Teile – Zac und Mia – gibt A. J. Betts ihrem Buch Struktur. Denn zunächst erfährt der Leser von Zac, was passiert. Im Mittelteil wechseln sich die beiden mit ihren Schilderungen ab. Und zum Schluss richtet Mia das Wort an die Leser. So kommt keiner von den beiden zu kurz und man hat als Leser kaleidoskopartige Gefühle vor sich, die allesamt ziemlich realistisch wirken – mit all ihren Licht- und Schattenseiten.

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe ist absolut schön zu lesen. Die Autorin hat für ihre Protagonisten die richtige Sprach- und Ausdrucksweise gefunden. Für eine Geschichte, die ein so schwieriges Thema behandelt, ist sie angenehm zu lesen, da die Autorin nicht mit aller Kraft auf die Tränendrüse drückt. Ganz am Ende allerdings, bahnten sich dann doch ein paar Tränchen ihren Weg. Damit konnte ich aber gut leben und es passte zu der Situation.

Fazit? Einfach ein tolles, absolut lesenswertes Buch!

„Wenn ein Tier sich am heftigsten wehrt und um sich tritt, muss man es ganz besonders eng an sich drücken.“ (Seite 291)

5

 


[Rezension] Niemand liebt November | Antonia Michaelis

Niemand liebt November
Titel: Niemand liebt November
Autor: Antonia Michaelis
Seitenzahl: 432  Seiten
Verlag: Oetinger
Genre: Jugendbuch, ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7891-4295-6
Veröffentlichung: 20. August 2014
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Zum Inhalt:

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft. (© Oetinger Verlag)

Meine Meinung:

„Zwei Fragen.
Erstens: Ist es sinnvoll, weiterzuleben?
Zweitens: Ist es sinnvoll, alleine Geburtstag zu feiern?
Ein Teil von ihr hatte gedacht, sie würden an ihrem Geburtstag wieder da sein. Mit einem Geschenk. Sie waren jetzt seit einer Woche weg. Sie wusste nicht, was passiert war. Sie hatte geschlafen.
Sie hatte den Kuchen ganz allein gebacken. Gut, dass sie die Kerzen gefunden hatte. Vier Stück. Zwei zu wenig. Sie war sechs Jahre alt.“ (Seite 7)

„Niemand liebt November“ – der Titel ist Programm. In Novembers Vergangenheit. In Novembers Gegenwart.

Antonia Michaelis’ schafft es immer wieder, mich mit den ersten Worten ihrer Geschichte in diese hineinzuziehen. Und am Ende, wenn ich aus dieser wieder in die reale Welt auftauche, fühle ich mich emotional erschöpft, ausgelaugt. Die Schicksale ihrer Protagonisten gehen mir unter die Haut. Auch ihr neuestes Jugendbuch bildet da keine Ausnahme.

November Lark, Spitzname Amber, ist ein einsames Mädchen. Mit ihren 17 Jahren hat sie schon einiges erlebt. Nach dem Verschwinden ihrer Eltern kurz vor ihrem sechsten Geburtstag kam Amber in diverse Heime und Pflegefamilien. Zuletzt lebte sie in einer betreuten WG. Doch Amber hatte immer Probleme, sich in den verschiedenen Einrichtungen anzupassen. Unablässig trieb sie das Gefühl, dass ihre Eltern noch leben. Dass sie sie bloß finden muss, damit ihr Leben wieder lebenswert wird.

„Etwas in ihr schmerzte. Weil nur Lucy Andrusch Pajak küsste und weil November Lark, die echte November, sich danach sehnte, von einem Jungen in die Arme genommen zu werden, der Bücher las und ein rot-gelbes Igluzelt besaß. Von einem Jungen, der auf unerklärliche Art zu ihr gehörte. Und den sie doch nicht finden konnte.“ (Seite 51)

Das daraus resultierende Gefühl der Leere und der Unvollständigkeit hat Antonia Michaelis mit ihren Worten wunderbar transportiert. So habe ich zu keiner Zeit an Ambers Taten, Gedanken und Gefühlen gezweifelt. Ich verspürte vielmehr das Bedürfnis, Amber bei ihrer Suche helfen zu wollen. Doch mehr, als ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie lesend auf ihrem Weg zu begleiten, konnte ich leider nicht tun.

Ambers Charakter hat von der Autorin viele passende Facetten verliehen bekommen. Auf der einen Seite unsicher und introvertiert, kann sie aber auch provokant und aufreizend sein – in Situationen die Amber zu überfordern scheinen. Dann wird aus Amber Lucy. Lucy kann Menschen, vor allem Männer, um den Finger wickeln, Antworten aus ihnen herauslocken. Doch um das zu erreichen tut Lucy Dinge, die Amber zwar die fehlende und nötige Wärme geben, ihr aber in gleicher Weise auch schaden.

„Ihr Handgelenk schmerzte, dort, wo Katja sie festgehalten hatte; das Gefühl war ganz anders als der Schmerz, für den sie bezahlt worden war. Es reichte tiefer. Und das erstaunte sie selbst.“ (Seite 299)

Die anderen Charaktere sind ähnlich vielschichtig. Selbst die namenlose Katze, Ambers treue und ständige Begleiterin, zeichnet sich durch einen – zugegebenermaßen von Amber eingebildeten – tiefgründigen Charakter aus. Kneipenwirt Katja, der lesende Junge im rot-gelb leuchtenden Igluzelt und der unbekannte Drohbriefschreiber sowie die Unterschlupf gewährende alte Dame runden die Geschichte, jeder auf seine eigene Art und Weise, ab.

Düster ist die Grundstimmung und auch Färbung der Geschichte – in vielerlei Hinsicht. Die Aura, die Amber umgibt; das Winterwetter in der Großstadt; der Hausflur, in dem Amber ihre Nächte verbringt … Und das ein oder andere Mal wird aus düster auch pechschwarz und dunkel wie die Nacht. Lichtblicke gibt es nur selten. Und wenn, dann in Form des gelb-rot leuchtenden Igluzeltes.

„Sie war nicht mehr als ein Gegenstand. Man konnte ihn wegwerfen oder aufbewahren, für später. Sie fragte sich, ob man nach Gebrauch Pfand für die leere Hülle bekam.“ (Seite 238)

Ambers Suche gleicht einer Schnitzeljagd. Mit jedem neuen Hinweis kommt sie dem Rätsel um das Verschwinden ihrer Eltern ein Stückchen näher. Während ihrer Suche lässt sie sich weder durch die mysteriösen Drohbotschaften noch von Katjas Einwänden aufhalten. Denn am Ende, wenn sie ihrer Eltern und somit die Liebe gefunden hat, wird alles wieder gut werden. Davon ist Amber felsenfest überzeugt. Und ich war es auch. Ich habe mit und für Amber gehofft, dass ihre Wünsche – auch die geheimsten – wahr werden.

Im Verlauf der Geschichte passiert so einiges. Amber geht durch viele Tiefen und ab und zu erlebt sie auch mal ein kleines Hoch. Ich klebte wie gebannt an den Seiten und wollte zusammen mit Amber das Geheimnis lösen. Als sich der Nebel der Unwissenheit dann zum Ende hin mehr und mehr verzieht, sieht man zwar einiges deutlicher aber nicht unbedingt klarer. Und für meinen Teil war die Auflösung des Verschwindens ein wenig du dürftig für ein Buch dieses Formates. Das ist aber auch schon der einzige, kleine Minuspunkt und die Auswirkungen auf meinen Gesamteindruck sind nicht von großer Bedeutung.

„Niemand liebt November“ war mein drittes Jugendbuch der Autorin und kann problemlos mit „Der Märchenerzähler“ und „Die Worte der weißen Königin“ mithalten. Antonia Michaelis’ ganz eigene Art und Weise zu schreiben liegt sicherlich nicht jedem. Für mich sind ihre Bücher aber immer ein ganz besonderes Lesevergnügen.

»Jetzt gehörst du mir«, flüsterte er. »Ich bin der Letzte, dem du gehörst. Und damit eigentlich der Einzige.« (Seite 392)

4,5SaFi


[Rezension] Ab morgen ein Leben lang | Gregory Sherl

Ab morgen ein Leben lang

Titel: Ab morgen ein Leben lang 
Autor: Gregory Sherl
Seitenzahl: 400Seiten
Verlag: DuMont
Genre: Roman
ISBN: 978-3-8321-9746-9
Veröffentlichung: 03. April 2014
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Zum Inhalt:

Evelyn Shriner arbeitet in einer Bibliothek und ist begeisterte Anhängerin von Vergegenwärtigungen. In der Praxis des Futuristen Dr. Chin lässt sie sich regelmäßig mithilfe einer Vergegenwärtigungsapparatur ihre romantische Zukunft mit jedem Mann, der ihr einfällt, zeigen und hofft, so die große Liebe zu finden. Doch der Richtige scheint bislang nicht dabei zu sein und auch die Zukunft mit ihrem aktuellen Freund Adrian ist nicht die, die Evelyn sich wünscht.
Godfrey Burkes arbeitet in einem Fundbüro und hält Futuristen und Vergegenwärtigungen für Quatsch. Doch seine Freundin Madge besteht nach seinem Heiratsantrag darauf, dass die beiden sich in unterschiedlichen Praxen ihre gemeinsame Zukunft vergegenwärtigen lassen, bevor sie Ja sagt.
Was weder Evelyn noch Godfrey bewusst ist, als sie sich in der Warteschlange bei Dr. Chin kennen lernen: In Fällen von wahrer Liebe kann es zu Systemfehlern kommen.

Meine Meinung:

»Dr. Chin präsentiert: Die Zukunft für Weitsichtige.« Und darunter steht: »Es ist leichter, sich für eine Zukunft zu entscheiden, wenn man die Optionen kennt.« (Seite 31/32)

Was im ersten Moment vielleicht furchtbar kitschig und absolut stereotyp zu sein scheint, entpupp sich recht schnell als eine Perle unter den Liebesgeschichten. Eine Liebesgeschichte ohne Kitsch, mit ernsten Untertönen und blumigen Gefühlen. Eine Geschichte aus dem Leben. Ein Leben, das wir alle führen könnten, wenn es diese Vergegenwärtigungsapparaturen wirklich geben würde.

Evelyn und Godfrey sind zwei echte Marken. Sie zeichnen sich durch ihre Eigenarten aus, sind wunderbar skurril und doch auf dem Boden geblieben. Und im Grunde wollen auch beide bloß das eine: die große Liebe finden und nie wieder los lassen. Die Nebendarsteller runden den bunten Charaktermix perfekt ab – allen voran Dot, Evelyns beste und kleptomanische Freundin. Und selbst die Figuren, die keinen richtigen Auftritt im Buch haben, sondern lediglich als Gedanken vorkommen, passen perfekt in die Geschichte.

„Hätte es Futuristen schon vor der Heirat meiner Eltern gegeben, hätten sie es sich womöglich anders überlegt. Und wäre meine Mutter durch eine Vergegenwärtigung vorgewarnt gewesen, dass Mart Thigpen ihr einen Braten in die Röhre schieben und sie sitzenlassen würde, dann gäbe es mich womöglich gar nicht. Vielleicht ist das einer der Hauptgründe, warum all das für mich keinen Sinn ergibt. Es rührt an meine Existenz und die zarte, zweifelhafte, hypothetische Existenz meiner Nachkommen.“ (Seite 62)

Gregory Sherl führt den Leser gekonnt durch seine Geschichte und hat seine Grundidee solide umgesetzt. Er überzeugt durch seinen tollen Schreibstil, der humorig, ernst, sarkastisch, liebevoll, rasant, verwirrend, erleuchtend ist. „Ab morgen ein Leben lang“ ist zwar nicht rasend spannend, aber zu jeder Zeit hoch interessant. Der Autor speist den Leser nämlich nicht bloß mit der ersten Begegnung von Evelyn und Godfrey und den daraus resultierenden Folgen ab. Es ziehen sich viele Fragen durch das Buch – manche offensichtlich, andere versteckt zwischen Zeilen, Taten und Gedanken. Kann man jemanden wirklich lieben, wenn man ihn nicht wirklich versteht? ist eine dieser Fragen. Auf diese und andere geht der Autor in seiner Geschichte ein. Auf die eine mehr, auf die andere weniger. Mal im großgesponnenen Bogen, mal in dem kleinen Kosmos des Einzelnen. Dabei verliert er seine Geschichte aber nie aus den Augen und kehrt immer wieder zum Geschehen zurück.

„Gibt es überhaupt gute Vergegenwärtigungen oder werden sie alle heimlich von der Pharmaindustrie gesponsert, um den Verkauf von Antidepressiva anzukurbeln?“ (Seite 198)

Die Idee der Vergegenwärtigungen finde ich ungemein interessant. Was wäre wohl in der Welt los, wenn sich jeder seine romantische Zukunft mit wem auch immer zeigen lassen könnte? Würden wir, weil wir unser Liebesleben ja quasi beliebig steuern könnten, überhaupt noch die große, wahre Liebe erkennen? Sie zulassen, ohne uns ständig zu fragen, wie es wohl wäre, wenn wir Mr./Mrs. X unser Herz geschenkt hätten und nicht der Person, mit der wir vielleicht gerade im Bett liegen oder in der Küche frühstücken?

Ich bin lange um „Ab morgen ein Leben lang“ drum rum geschlichen, konnte mich nicht wirklich entscheiden, ob ich das Buch lesen möchte. Jetzt hab ich es gelesen, ohne dass mir eine Vergegenwärtigungsapparatur bei der Entscheidung geholfen hat, und bereue nicht eine Seite. Gregory Sherl hat ein wunderbares Buch über den Sinn und auch den Unsinn der Liebe und all ihre Facetten geschrieben.

»Ob man glaubt, die Zukunft zu kennen oder nicht, es ist immer ein Sprung ins Ungewisse. Man muss dazu bereit sein.« (Seite 398)

5

SaFi


[Rezension] Renate Hoffmann | Anne Freytag

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Titel: Renate Hoffmann
Autor: Anne Freytag
Seitenzahl: 288 Seiten
Verlag: freytag Literatur
ISBN: 978-1-484-09720-5
Veröffentlichung: 19. September 2013
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„Frau Hoffmann beschließt zu sterben. Doch auch das will gut organisiert sein.“ (Buchrücken)

Zum Inhalt:

Frau Hoffmann hat sich entschieden. Sie wird sich von ihrem Balkon in den Tod stürzen. Gründe dafür gibt es genug. Aber leider kommt ihr immer wieder etwas dazwischen. Sei es ihre neue Vorgesetzte, Herberts Briefe oder die Erkenntnis, dass sie noch nie masturbiert hat.
Renate Hoffmann hatte nicht immer sterben wollen. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, in der sie nicht nur am Leben, sondern tatsächlich lebendig gewesen war. Sieben Jahre zuvor schien das Leben noch voller Möglichkeiten. Bis zu jenem verhangenen Tag im November … (© Anne Freytag)

Meine Meinung:

Schon nach wenigen Seiten wird klar: Frau Hoffmann ist anders. Anders im Sinne von speziell. Speziell im Sinne von lethargisch, introvertiert, verunsichert, einzelgängerisch, penibel, kummervoll und des Lebens müde … Daneben zeichnet sie sich jedoch auch noch durch eine auf den Leib geschriebene Liebenswürdigkeit aus, die direkt auf mich übergesprungen ist. Kurzum: Ich mochte Frau Hoffmann von Anfang an. Mit jeder einzelnen Facetten ihres Wesens.

„Als sie gerade versuchte, auf das vom Regen feuchte Geländer zu klettern, um ihrem Leben ein Ende zu machen, fragte sie sich, ob sie es womöglich bereuen könnte, nicht mehr am Leben zu sein. Und in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie das gar nicht beurteilen konnte, weil sie die meisten Dinge, die die meisten Menschen als normal empfanden, nicht getan hatte.“ (Seite 10)

Da Frau Hoffmann ziemlich schnell bewusst wird, dass sie nicht mal einfach so vom Balkon springen kann, gibt es viel Platz und Zeit für die Entwicklung der Frau Hoffmann. Und diese Entwicklung hat Anne Freytag gut nachvollziehbar zu Papier gebracht. Und mit Frau Hoffmann entwickelt sich peu à peu auch der Ton der Geschichte. Von traurig hin zu vorsichtig hoffnungsvoll. Ich für meinen Teil wünschte mir zumindest mir die ganze Zeit über, dass aus Frau Hoffmann eines Tages wieder Renate wird. Dass die harte Frau Hoffmann sich ein wenig zurückzieht, damit die sanfte Renate wieder ihr Leben genießen kann.

Trotz, oder gerade wegen der teils merkwürdigen Verhaltensweisen, die Frau Hoffmann an den Tag legt, merkte ich mit der Zeit, dass ich Frau Hoffmann verstehen kann. Ich wusste zwar noch nicht wirklich, was an jenem Novembertag vor sieben Jahren wirklich geschehen ist, doch ich hatte so eine leise Ahnung. Es gibt nicht vieles, was eine einst lebensfrohe Frau wie Renate dazu veranlassen könnte, sich in Frau Hoffmann und damit in das genaue Gegenteil zu verwandeln.

Ich konnte, nachdem mir das ganze und vor allem tragische Ausmaß bekannt war, nicht anders, als mich immer wieder zu fragen, wie es mir ergehen würde, hieße ich Renate Hoffmann und hätte erlebt, was sie erleben musste. Eine klare Antwort konnte ich darauf nicht finden. Frau Hoffmanns Variante scheint aber nicht die abwegigste zu sein. Es gibt schreckliche Erlebnisse, die einem durchaus den Boden unter den Füßen wegreißen können. Wenn man dann nicht die Kraft hat, sich seinem Kummer zu stellen, wenn man daran zu zerbrechen droht, legt man den Schalter der Selbsterhaltung um und aktiviert seinen Selbstschutz. Eine so extreme Entwicklung wie bei Frau Hoffmann ist sicherlich nicht alltäglich, aber durchaus möglich, wie ich finde. Menschen, die sich vom Balkon stürzen gibt es ja nun mal nicht nur im Buch…

„Denn auch wenn man es nicht sehen konnte, weil sie atmete und sich bewegte, so war Renate an diesem eisigen Novembertag gestorben und Frau Hoffmann wurde geboren. Sie würde leben, jedoch ohne lebendig zu sein.“ (Seite 244)

Stilistisch ist Anne Freytag für mich ganz weit vorne. Mit ihrer Kombination aus ernstem Thema und einer immer passenden Portion Humor hat sie sich ganz ohne Schnörkel direkt in mein Leserherz geschrieben. Ich habe die Zeit mit Frau Hoffmann in vollen Zügen genossen. Auch, wenn es in Frau Hoffmanns Leben nicht viel zu genießen gibt. Ich war einfach gerne an ihrer Seite, habe mit ihr vom Balkon runtergeschaut und durch das Fernglas die Nachbarn beobachtet.

Ein Buch so zart und gleichzeitig so hart. Für mich war „Renate Hoffmann“ das erste Buch von Anne Freytag. Das letzte war es aber in keinem Fall. Meine ganz persönliche Botschaft des Buches lautet: Das Leben ist schön. Du musst es bloß erkennen.

5SaFi


[Rezension] Lieblingsgefühle | Adriana Popescu

1 Buch - 2 MeinungenLieblingsgefühle_Artikelbild

Titel: Lieblingsgefühle
Autor: Adriana Popescu
Seitenzahl: 416
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-30451-1

Veröffentlichung: 14. April 2014
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Zum Inhalt:

Als Layla von ihrer Weltreise zurückkehrt, warten in Stuttgart viele neue Lieblingsmomente auf sie: die erste eigene Foto-Vernissage, das erste Treffen mit ihrem neuen Galeristen und vor allem das lang ersehnte Wiedersehen mit Tristan. Alles scheint endlich perfekt. Doch während Layla sich über ihren plötzlichen Erfolg freut und eine neue Welt voll großer Chancen entdeckt, bemerkt sie nicht, dass sie alles, was ihr einmal wichtig war, verlieren könnte … (Quelle: http://www.piper.de)

Meinung SaCre:

„Lieblingsmomente“ habe ich im letzten Jahr auf meinem Flug in die Staaten gelesen. Eine Rezension habe ich nicht geschrieben. Aber es hat mich begeistert und mich mit einem Tränchen im Auge zurück gelassen. Umso größer war die Freude, dass ich nun hier dabei sein kann und das neue Werk schon lesen konnte.

„Ein einziger Gedanke reicht, um Erinnerungen zu wecken, die sich so präsent in meinem Kopf ausbreiten, dass es sich mit einem Schlag wieder wie Sommer anfühlt. Allerdings spüre ich dort, wo letztes Jahr Schmetterlinge und Käfer in meinem Bauch um Aufmerksamkeit gebuhlt haben, jetzt ein leises Donnern.“ (Seite 62)

Zu Beginn scheint alles ganz gut für Layla zu laufen: das Wiedersehen mit Tristan steht bevor und sie hat die Chance, ihre Fotos im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit zu zeigen. Das ist doch schließlich das, was sie immer wollte?!
Doch nach und nach beginnt das Perfekte, auseinander zu fallen. In der Beziehung zu Tristan gibt es Licht und Schatten. Der Alltag meldet sich mit voller Wucht und es scheint, als würde Tristan in den ganzen Glitzer und Glamour, der Layla umgibt, nicht so richtig hinein gehören.
Becci, Laylas beste Freundin, ist natürlich weiterhin auch ihrer Seite, auch wenn sie teilweise in Laylas neuem Leben nicht so die große Rolle spielt, die sie vorher hatte.
Die Autorin schickt weitere, interessante Personen in die Geschichte, die Schwung bringen und eine Bereicherung sind. Da ist zum einen David, der Adrianas Ausstellung organisiert und dem ich gegenüber vorsichtig bin. Und natürlich die heißgeliebte Mme. Frost .So eine Person braucht jede Geschichte. Eine Person, die man guten Gewissens einfach nicht mag – die aber trotzdem für den Verlauf wichtig ist.

Layla und Tristan: ich liebe sie beide! Sie sind für mich das perfekte Paar. Entsprechend habe ich mit beiden gefreut, gelacht, gelitten und Eifersucht gespürt.

„Zeit… Zeit ist alles was wir haben, alles was wir brauchen, und alles, was wir verlieren können.Wie die Liebe.“ (Seite 386)

Der Schreibstil von Adriana ist einfach unglaublich! Sie erzählt die Geschichte mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Neben ein bisschen Spannung, viel Gefühl und Alltagsstress gibt es auch die ein oder andere Szene, in der es etwas heißer zur Sache geht. Dabei schafft sie es, die richtigen Emotionen zu transportieren, ohne in Kitsch oder Schnulz abzurutschen! Durch ihre bildhafte Sprache hatte ich das Gefühl, dass Stuttgart tatsächlich die schönste Stadt der Welt ist, die ich nun mit anderen Augen sehe. Ich habe Lust, meinen Freund und meine Kamera einzupacken und mich auf den Weg dorthin zu machen.
Ein kurzes Wort zum Cover: ich finde es wieder traumhaft und so passend! Hach…. *seufz* Ebenso die Aufmachung der Kapitelüberschriften. Einfach perfekt.

„Tristan ist meine Musik, mein Rhythmus, mein Takt, und ich habe nicht vor, irgendwen auch nur in die Nähe der Pause-Taste kommen zu lassen.“ (Seite 128)

„Lieblingsgefühle“ ist zwar eine Fortsetzung, aber trotzdem ein wirklich eigenständiges Buch für sich mit eigenen Aspekten. Es ist alles andere als ein Abklatsch, sondern eine logische und schöne Weiterentwicklung von „Lieblingsmomente“. Das Buch hat mich berührt und mir gezeigt, was wichtig ist: das Leben zu genießen und jedem Moment die Chance zu geben, der schönste deines Lebens werden zu können.
Ich hatte beim ersten Buch ein klitzekleines bisschen mehr Kribbeln im Bauch. Doch die Geschichte ist einfach wie aus dem Leben gegriffen. Authentisch, gefühlvoll und wunderschön. Danke, Adriana, dass du uns all diese Lieblingsmomente und Lieblingsgefühle schenkst!

5

Meinung SaFi:

Da sind sie endlich – die „Lieblingsgefühle“. Was habe ich mich gefreut, wieder Zeit mit Tristan und Layla verbringen zu dürfen, denn „Lieblingsmomente“ war im letzten Jahr definitiv eines meiner Lese-Highlights.

Der gewohnt gute Stil von Adriana Popescu hat mich dann auch nach wenigen Seiten wieder direkt in die Geschichte hineingezogen. Ich habe mich gefreut, zusammen mit Layla nach ihrer Weltreise wieder in Stuttgart zu landen – Home sweet Home sozusagen. ;-)

„Ich bin zurück in meinem alten Leben – in das ich hoffentlich nach all den Eindrücken und Veränderungen noch immer passe.“ (Seite 22)

Recht schnell stellte ich zu meiner Freude fest, dass die Autorin es geschafft hat, aus „Lieblingsgefühle“ eine völlig eigenständige Geschichte und somit eine Fortsetzung und nicht „Lieblingsmomente 2“ zu schreiben. Es dreht sich zwar erneut alles um Tristan und Layla, doch die Vorzeichen sind diesmal völlig andere als noch einige Monate zuvor. Es verändert sich viel bei, um und zwischen den beiden – und das bekommen sie im ersten Moment gar nicht wirklich mit. Ich muss gestehen, dass es mir zu Beginn nicht viel anders ging. Zu fokussiert war ich auf die beiden. Doch irgendwann hat es mich dann wie der sprichwörtliche Blitz getroffen und ich dachte: Adriana, tu mir und ihnen das doch bitte nicht an…

„Tristan ist wieder bei mir … und genau jetzt fängt mein neues Leben an.“ (Seite 76)

Ich hatte wirklich Angst, dass mein erhofftes Happy End so nicht zu Stande kommen könnte. Adriana Popescu hat sich da einiges einfallen lassen: Höhen und Tiefen geben sich die Klinke in die Hand, Außenstehende mischen sich in die Beziehung der beiden ein. Aber all das wirkt nicht ausgedacht. Es könnte ebenso gut eine Geschichte aus dem Leben sein. Ob es zum Schluss dann „Ende gut, alles gut“ heißen wird, verrate ich natürlich nicht. Ich kann aber ruhigen Gewissens verraten, dass man ganz wunderbar mit ihnen lieben, leiden und hoffen kann.

Tristan und Layla sind in „Lieblingsgefühle“ natürlich wieder die Hauptakteure und tragen diese, ihre Geschichte. Aber mir haben auch die Nebendarsteller wieder sehr gut gefallen – sie waren ein bisschen das Salz in der Suppe, allen voran Mme Frost. Ihres Zeichens eine junge Dame, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Layla zu nerven und zu piesacken, wo sie nur kann. Eine junge Dame, die man nicht zu mögen braucht und genau das zeichnet sie aus. :-)

„Zwei Mal an einem Tag so verletzt zu werden … von Tristan. »Kein Abstand« bedeutet auch »kein Schutz«.“ (Seite 167)

Dass Adriana Popescu toll schreiben kann, war mir ja schon bei „Lieblingsmomente“ klar. Sie schafft es, eine Liebesgeschichte nicht kitschig wirken zu lassen, ruft in mir das Bedürfnis hervor, nach Stuttgart reisen zu wollen, um all die Plätze zu sehen, die in ihren Bücher von Bedeutung sind und lässt mich einfach mit einem guten Lesegefühl zurück. In „Lieblingsgefühle“ zeigt sie eine weitere Seite ihres schriftstellerischen Könnens. Durch die Entwicklung der Geschichte gibt es, anders als noch im Vorgänger, die eine oder andere Szene, in der es ziemlich heiß wird. Und die Autorin schafft es, dass beim Lesen dieser Szenen einfach ein schönes Gefühl hat und sich mit den beiden freut, dass sie endlich zueinander gefunden haben.

„Eine Woche! Das sind 7 Tage, 168 Stunden, 10080 Minuten. 604800 Sekunden. Ohne ihn.“ (Seite 360)

Als Fazit spukt mir ein schlichtes: „Lieblingsgefühle“ ist die perfekte Fortsetzung von „Lieblingsmomente“ im Kopf rum. Die Fans von Tristan und Layla müssen sie einfach auf der nächsten Etappe begleiten. Alle anderen sollten möglichst schnell damit anfangen, die beiden in ihr Leserherz einziehen zu lassen. ♥

5


[Rezension] Zeit für Eisblumen | Katrin Koppold

Zeit füŸr Eisblumen
 
Titel: Zeit fur Eisblumen (Sternschnuppen-Reihe 2/4)
Autor: Katrin Koppold
Seitenzahl: 314 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1-492-10032-4
Veröffentlichung: 07. August 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Nach der Geburt ihres Sohnes Pauls gerät das Leben der Moderedakteurin Fee völlig aus den Fugen: Der Job stresst, in ihre alte Kleidergröße passt sie immer noch nicht wieder hinein und ihr Freund Sam scheint sie mit ihrer verhassten Kollegin zu betrügen.
Als sie nach einem Fehler auf der Arbeit von ihrem Chef in Zwangsurlaub geschickt wird, beschließt Fee, ihr Leben zu ändern. Sie trennt sich von Freund Sam und macht sich mit ihrer Mutter und dem elf Monate alten Paul auf ins winterliche Irland. Fernab vom Stress und der Hektik der Großstadt versucht Fee, zu sich selbst zu finden. Und sie möchte David wiedersehen, einen Straßenmusiker, mit dem sie vor einiger Zeit eine Affäre hatte – und den sie seitdem einfach nicht vergessen kann. (© Katrin Koppold)

Zeit für Eisblumen_Artikelbild

Meine Meinung:

Nachdem mir die Reise von Helga in „Aussicht auf Sternschnuppen“ so gut gefallen hat, musste ich unbedingt auch die Geschichte von ihrer Schwester Fee in „Zeit für Eisblumen“ lesen…

Relativ schnell wurde klar: In „Zeit für Eisblumen“ geht es ein wenig ernster zu als noch im ersten Teil der Sternschnuppenreihe. Das liegt natürlich vor allem an den Themen, die Katrin Koppold hier aufgreift – z. B. Wochenbett-Depressionen.

Doch trotz der ernsten Untertöne ist es der Autorin gelungen, die Geschichte angemessen locker und leicht zu erzählen. So wirkt sie nicht zu schwer und gibt einem auch nicht Gefühl, vom dem Gelesenen erdrückt zu werden. Ein absoluter Pluspunkt für mich.

„Wir stellten uns unter einem großen Ahornbaum in Position. Helga, zwei Hände fest um ihren Babybauch geschlungen, Lilly in ihrem voluminösen Brautkleid, Mia mit ihrer Irokesenfrisur und ich. Wir sahen glücklich aus in diesem Moment.“ (Seite 18)

Katrin Koppold hat schon bei „Aussicht auf Sternschnuppen“ unter Beweis gestellt, dass sie das Talent hat, Orte und Landschaften so zu beschreiben, dass man während des Lesens das Gefühl hat, live dabei zu sein. Bei „Zeit für Eisblumen“ kommt man auch wieder in diesen Genuss. Man befindet sich gemeinsam mit Fee auf der Reise und genießt den schönen Anblick von Irlands Landschaft.

Die Geschichte in „Zeit für Eisblumen“ startet langsam und führt die Leserinnen erstmal in das momentane Leben von Fee ein, bevor es nach Irland geht. Seite für Seite bekommt man einen besseren Einblick in das Wie und Warum. Durch immer mal wieder eingestreute Rückblicke gewährt die Autorin Einblicke in die Zeit vor und während Fees Schwangerschaft und rundet somit ihr Profil ab.

Dabei ist Fee keineswegs eine Frau, von der ich behaupten könnte, gerne mit ihr befreundet sein zu wollen. Auf mich wirkte sie lange Zeit zu oberflächlich und ich-bezogen. Zumindest zu Beginn des Buches. Zum Ende hin kehrt sich dieses Bild ein wenig ins Gegenteil um. Doch bis es soweit ist, muss Fee viele kleine Schritte zurücklegen.

„Die Sängerin sang von Wunden, die nicht heilten, von einem Schmerz, der zu echt ist, und dass es zu viel gibt, was die Zeit nicht heilen kann. Ich lachte auf. Ja! Mit Wunden, die nicht heilten, kannte ich mich aus …“ (Seite 246)

„Zeit für Eisblumen“ ist für mich kein „typischer“ Chick-Lit-Frauenroman. Ernste Untertöne vermischen sich hier mit einem lockeren Schreibstil zu einer Geschichte, die die Leserinnen in das winterliche Irland entführt und eine wunderbar wahre Botschaft hat: Nimm dir Zeit für Eisblumen. Wer weiß, was du sonst verpasst?!

4SaFi


{Rezension} Was ich dich träumen lasse | Franziska Moll

Was ich dich träumen lasse

Autor: Franziska Moll
Titel: Was ich dich träumen lasse
Seitenzahl: 256
ISBN: 978-3-7855-7845-2
Veröffentlichung: 20. Januar 2014
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„>>Du kannst jetzt wirklich aufwachen, weißt du. Es ist genug. Du hast deine Lektion gelernt. Und ich meine auch. Das Ganze ist echt total beschissen.<<“ (Seite 133)

Rico und Elena sind ein glückliches Paar. Und nun steht sogar ihr Jahrestag bevor. Doch dann passiert es: Rico hat einen Unfall – und liegt durch ein Schädel-Hirn-Trauma im Koma.
Elena ist schockiert. Jeden Tag verbringt sie an Ricos Bett und betet, dass er wieder aufwacht. Schließlich kann sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen.
Sie findet eine Liste, die er erstellt hat: die Top Ten der Dinge, die er machen möchte – mit seiner Freundin natürlich. Bei ihrem Vorhaben bekommt sie unerwartete Hilfe von Krankenpfleger Tim.

„>>Du machst das genau richtig<<, flüstert Susanne.
>>Was?>>

>>Dass du in die Zukunft schaust. Sobald er wieder fit ist, macht ihr euch an die Ausarbeitung der Liste. Lecker schlemmen, schöner Sex, na ja, das mit dem Heiraten könnt ihr ja ein paar Jahre verschieben.<<“ (Seite 98)

Als ich mir die Inhaltsangabe durchgelesen habe, war mir klar, dass mich hier wohl schwere Kost erwarten würde. Doch damit lag ich nur bedingt richtig.
Zunächst einmal war ich etwas überrascht über Elenas Verhalten. Sie trauert und ist wirklich verzweifelt. Sie versucht ihre eigene Therapie mit Musik und Vorlesen von Liebesbriefen und Büchern bei Rico anzuwenden. Sie vermag sich gar nicht vorzustellen, wie ein Leben ohne ihn sein würde.
Doch was mich verwunderte: sie weint nicht. Nicht eine Träne fließt bei ihr. Dafür ist aber eins ganz groß: ihr Glaube und ihr Hoffen darauf, dass bald alles wieder so sein wird, wie vor dem Unfall.

Neben Elena spielt Tim eine größere Rolle. Er ist Krankenpfleger und verhält sich ganz anders, als ich es erwartet hätte. Ich muss sagen, dass sein Verhalten mich eine Zeit lang geärgert hat und ich dadurch richtig Mitleid mit Elena hatte. Doch mehr möchte ich zu Tim jetzt gar nicht schreiben. Außer, dass er eine sehr interessante Figur in der Geschichte ist.

Der Schreibstil der Autorin war für mich anfangs etwas ungewohnt. Sie benutzt sehr kurze Sätze. Doch daran konnte ich mich schnell gewöhnen und stellte fest, dass das sehr gut zur Geschichte passt. Sie beschreibt alles sehr direkt, ohne Schnörkel. Und immer gibt es Flashbacks: zumeist Dialoge zwischen ihr und ihrem Freund. Und hier konnte ich wirklich oft schmunzeln. Diese Dialoge sind witzig und schlagfertig. Eie wirklich willkommene und passende Abwechslung zu diesem ansonsten schwermütigen Thema.
Das zentrale Thema hat Franziska Moll hier wirklich gut in die Geschichte eingebettet. Die Beschreibungen der Abläufe im Krankenhaus und das Drumherum erscheinen mir logisch, verständlich und gut recherchiert. Es ist mit Sicherheit aber auch kein Buch für jeden. Gerade, wenn in der eigenen Familie oder im Freundeskreis so etwas vorkommt und man davon leicht angeschlagen ist, sollte man vielleicht nicht unbedingt zu diesem Buch greifen.
Die Emotionen, die bei Elena und der Familie vorhanden sind, kamen komplett bei mir an. Ich musste hier und da mal schlucken, zum Glück aber nicht weinen. Doch ich kann sagen, dass ich sehr mit ihr gefühlt und gehofft habe. Und meine medizinischen Kenntnisse, die ich mir durch „Grey’s Anatomy“ angeeignet habe, konnte ich auch ab und zu anwenden. ;)

Jedem, der sich nicht scheut, über Krankheit und Verlustängste zu lesen, dem kann ich das Buch mit gutem Gewissen empfehlen.  Franziska Moll konnte mich mit ihrer Geschichte berühren und mich mit auf eine Reise durch ihre und Ricos Träume nehmen. Ein herzerwärmendes Buch, das den Leser stellenweise aber auch zum Schmunzeln bringt, und mich damit positiv überraschen konnte.

„Im Mund steckt ein Endotrachealtubus. Kurz Tubus genannt. Ein Hilfsmittel zur Sicherung der Atemwege im Bereich der Anästhesie, der Notfallmedizin und der Langzeitbeatmung, der mittels einer endotrachealen Intubation angelegt wird.
Ich weiß alles.

Ich habe alles gelesen.
Ich habe nicht geschlafen.
Ich bin nicht überrascht.
Ich kippe nicht. um“ (Seite 40/41)

5

SaCre


{Rezension} Dylan & Gray | Katie Kacvinsky

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Autor: Katie Kacvinsky
Titel: Dylan & Gray – Eine Liebesgeschichte in 26 Kapiteln
(OT: First comes love)
Seitenzahl: 240
ISBN: 978-3-414-82079-2
Veröffentlichung: 21. September 2012
Leseprobe
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Gray sieht Dylan an der Schule und ist sofort fasziniert von ihr; ist sie doch das krasse Gegenteil von ihm. Er erfährt, dass sie den Sommer über bei ihrer Tante wohnt.
Die beiden Freunden sich an und lernen sich immer besser kennen. Und irgendwann bei all den gemeinsamen Unternehmungen schleichen sich tiefere Gefühle ein. Doch leider nähert sich der Sommer schnell dem Ende. Aber was tun, wenn man weiß, dass der jeweils andere die große Liebe ist?

„Das hier ist das  beste Überraschungsgeschenk meines Lebens. Und mit einem Mal wird mir klar, dass ich Gray dafür liebe. Nicht auf die himmelhoch schwärmende Art, die in einer Sekunde das ganze Leben umwirft. Das Gefühl ist einfach nur vorhanden, ganz real und mühelos. In der letzten Zeit ist er zu meinem besten Freund geworden.“ (Dylan, Seite 101)

Gray ist ein etwas nerdig wirkender Teenie. Nach der Schule zieht er sich gerne in sein Zimmer zurück und spielt am Computer oder hört Musik. Er mag geregelte Abläufe und ist eher introvertiert. Trotzdem ist er mir sympatisch und ich könnte ihn mir gut als Junge von nebenan vorstellen. Seine Welt ändert sich schlagartig, als er Dylan kennen lernt.
Sie ist der absolute Gegenpart zu ihm: sie ist offen, spontan und unternehmungslustig. Sie geht gerne auf andere Menschen zu und scheint durchs Leben zu tanzen. Sie möchte jeden Tag etwas erleben und aus jedem Tag etwas Besonderes machen. Doch bei all der Unbeschwertheit hat sie auch tiefgründige Gedanken.
Beide könnten also nicht unterschiedlicher sein. Und doch schwimmen sie auf einer Wellenlänge. Sie können über alles reden, und Dylans Offenheit scheint so langsam auf Gray abzufärben. Er genießt den Sommer seines Lebens mit ihr.
Die beiden haben mir sowohl als Einzelcharaktere als auch als Paar gut gefallen. Jeder der beiden hat seine kleinen Macken und ist absolut liebenswert.

„Ich will keine Gefühle für Dylan haben. Abgestumpft zu bleiben ist viel sicherer.“ (Gray, Seite 41)

Der Verlauf der Geschichte hat mir gut gefallen. Es ist eine schöne und romantische Geschichte, intensiv, aber nicht zu kitschig. Die Story hat durch Dylans teils verrückten Einfällen viel Abwechslung. Das Setting passt hervorragend hierzu. Einige Spielorte konnte ich im Herbst in meinem Urlaub auch besuchen. So zum Beispiel Sedona, mit dem Cathedral Rock, und auch Los Angeles.

Abgerundet wird das Ganze durch Katie Kacvinskys tolle Sprache und Ausdrucksweise. Abwechselnd lässt sie Dylan und Gray erzählen. Die Dialoge sind sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Seufzen  – vor Freude und „oh, ist das putzig“ natürlich.

Im Original ist dies als Trilogie erschienen. Leider liegt mir bislang keine Info vor, wann es im Deutschen weitergehen wird. Ich würde es schade finden, die beiden Folgebände nicht lesen zu können. Hat jemand von euch eine Info? Dann lasst es mich bitte wissen! :)

„Dylan & Gray“ ist ein unterhaltsames und romantisches Jugendbuch, dass auch Erwachsenen gefallen kann, wenn man sich auf die unbeschwerte Geschichte einlässt. Die Autorin konnte mich mit ihrer Art zu erzählen und den beiden liebenswerten Protagonisten einfangen und mich begeistern.

„Ich sehe zu, wie sein Gesicht sich verändert, während er spricht. Hoffnung zeichnet sich darauf ab, als würde er zum ersten Mal in die Zukunft blicken und sich vorstellen, dass ihn ein Paradies erwartet. Optimismus ist ein ganz neuer Look für Gray.“ (Dylan, Seite 69)

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Reiheninfo:
1. First comes love // Dylan & Gray
2. Second Chance (VÖ: 2012)
3. Finally, Forever (VÖ: 2014)
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4

SaCre