[Blogtour] Interview Teil 2 | Katrin Rodeit

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Liest du selbst auch gerne? Wenn ja, was/wen?

Ich lese sehr gern! Am liebsten natürlich Krimis und Thriller. Aber ich bin mittlerweile ziemlich anspruchsvoll geworden. Es ist schwierig, wirklich gut geschriebene Bücher zu finden. Mittlerweile unternehme ich aber immer mehr Ausflüge in andere Genres, und finde das sehr erhellend und unterhaltend.

Meine Bibliothek umfasst das halbe Dachgeschoss. Einen Lieblingsschriftsteller habe ich allerdings nicht.

Wo hältst du dich daheim am liebsten auf?

Im Wohnzimmer. Das ist gerade renoviert und jetzt richtig harmonisch. Auch wenn ich mir diese Farbkombination früher nie zugetraut hätte.

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Welche war deine erste CD bzw. Schallplatte? Und welche Musik hörst du heute?

Das war eine Schallplatte. Toto „The very best of“. Mittlerweile höre ich hauptsächlich Radio. Zwischendurch packt es mich aber, dann krame ich schon auch mal Metallica, Meatloaf oder Bon Jovi wieder heraus. Und singe lauthals mit. Allerdings nur im Auto, wenn ich allein unterwegs bin ;-)
Jule kann es auf jeden Fall besser.

Lässt du uns an deiner schönsten Kindheitserinnerung teilhaben?

Das waren ohne Frage die Familienurlaube an der Ostsee. Die hatten alles, was ein kleines Mädchen sich erträumen kann. Fröhliche Stunden im Kreis der Familie, Strand, Sonne, aber auch mal schlechtes Wetter und jede Menge Unternehmungen. Und natürlich Pferde … ;-)

Wie sieht für dich ein perfektes Wochenende aus?

Das kommt darauf an, ob ich einen Abgabetermin habe oder nicht. Wenn es einen gibt, dann sehe ich ein Wochenende allein vor mir, an dem ich ungestört schreiben kann. Unabhängig davon, wie viel Uhr es ist oder was das Wetter macht.

Wenn es keinen Abgabetermin gibt, dann wünsche ich mir ein schönes Wochenende mit meinem Mann und den Kindern. Irgendwohin fahren, wo wir es uns gutgehen lassen können und wo die Kinder glücklich sind. Der Affenberg in Salem beispielsweise oder ein Ausflug in den Augsburger Zoo. Das sind bei allen begehrte Ziele. Denn nichts macht mich glücklicher als zufriedene Kinder. Wenn die kleinen Augen strahlen, ist das für mich perfekt!


Welcher berühmten Persönlichkeit ähnelst du?

Da fällt mir spontan niemand ein. Es gibt immer Vorbilder. Man wäre gern wie X oder Y. Aber ähneln? Nein, ich glaube nicht.


Welchen Film könntest du dir immer wieder anschauen?

„Die Brücken am Fluss“ und „Dirty Dancing“.

Die sinnloseste Sache, die du jemals gekauft hast?

Unter die Kategorie fallen dann wohl Waffeleisen und Sandwichmaker. Steht beides im Schrank …

Was bereitet dir Freude?

Glückliche Kinderaugen und ein bisschen Zeit für mich mit einem guten Buch. Aber natürlich auch, wenn ich positive Rückmeldung zu meinen Büchern bekomme.

Wie sieht ein Poesie-Album Eintrag von dir aus?

Poesiealben sind heute Bücher, in denen schon Fragen vorformuliert sind. Klassische Alben gibt es leider kaum noch. Insofern bin ich da auch ein wenig außer Übung. Auch wenn die in meiner Kindheit noch „in“ waren.

Du hast das letzte Wort!

Ich habe das letzte Wort? Wie schön! :) Es geht um das Schreiben, zumindest in diesem Interview. Deswegen möchte ich die Frage auch damit beantworten.

Manchmal frage ich mich, warum ich mir das alles antue. Warum ich immer wieder auf der mühsamen Suche nach einem Verlag für ein Manuskript bin. Warum ich monatelanges Warten in Kauf nehme, um dann doch eine Absage zu kassieren. Warum ich mich mit Abgabeterminen herumschlage und mit der Überarbeitung. Etwas, das ich abgrundtief hasse!

Aber wenn dann ein Buch erschienen ist, ich mal wieder bibbere, wie es denn ankommt, und dann die ersten Reaktionen kommen, lobende Worte und von Suchtfaktor die Rede ist, dann weiß ich es. Wenn ich Lesungen habe mit ‚sing `n‘ string‘, die mich bei meinen Lesungen begleiten, und wir dann Adrenalin-geschüttelt nicht einschlafen können, weil wir einen so tollen Abend hatten, dann weiß ich es. Denn das Gieren des Lesers nach weiterer Lektüre ist besser als alles andere!

Und wer kann schon am Ende seines Lebens zurückblicken und zufrieden sagen „Ja, ich habe genau das gemacht, was ich immer machen wollte. Mein Hobby zum Beruf gemacht.“?
Ich denke, ich werde es können.

Jule ist eine passionierte Köchin – und davon profitieren auch wir Leser. Dazu gibt es morgen bei der lieben Claudia von Claudias Bücherregal mehr.


{Rezension} Gefährlicher Rausch | Katrin Rodeit

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Autor: Katrin Rodeit
Titel: Gefährlicher Rausch
Seitenzahl: 313 Seiten
Verlag: Gmeiner
ISBN: 978-3-8392-1571-5
Veröffentlichung: Juli 2014
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Privatdetektivin Jule Flemming wurde mit einem neuen Fall betraut: jemand hat der Tochter des Bürgermeisters die Vergewaltigungsdroge GHB in ein Getränk gemischt. Doch in diesem Fall zu ermitteln ist alles andere als einfach. Keiner möchte reden, oder auch nur einen kleinen Tipp geben.
Als wäre das nicht genug, wird auch noch ein Anschlag auf Jule verübt. Und sie hat keine Ahnung, wer dahinter stecken könnte.
Zu guter letzt sind da auch noch Mark, der ebenfalls ein großes Rätsel für sie ist, und der geheimnisvolle Andreas…

„Niemand wusste, wer er war und woher er kam. Er war plötzlich dagewesen, Flocki zu seinen Füßen. Über seine Vergangenheit wurde allerlei getuschelt, und mich hätte nicht gewundert, wenn die Wahrheit das Gemunkelte bei Weitem übertraf. Sein Blick war das Unheimlichste und Faszinierendste, das mir je untergekommen war. Wenn er mich ansah, hatte ich das Gefühl, dass er mir nicht nur unter die Haut, sondern bis auf den Grund meiner Seele blickte. Ich fühlte mich nackt in seiner Nähe. Nicht nur körperlich. Gleichzeitig aber auf seltsame Art von ihm angezogen, die mir Gänsehaut verursachte, wann immer er mir einen Blick zuwarf.“ (Seite 55)

Vor nicht allzu langer Zeit durfte ich Jule Flemmings ersten Fall „Mein wirst du sein“ lesen. Froh, dass ich Katrin Rodeit als neue Autorin für mich entdeckt habe, griff ich natürlich auch sofort zu ihrem zweiten Werk (wenn auch die Rezi nun mit etwas Verspätung kommt, aber das hat andere Gründe…).

Jule, die mir so sympathische und unkonventionelle Detektivin, hat auch in diesem Buch wieder einen schwierigen Fall vor sich. Der Bürgermeistertochter wurden Drogen in ihr Getränk gemischt. Doch ihr Umfeld schweigt. Jule kommt nur langsam voran, sieht sich öfter in einer Sackgasse. Dass das nicht gerade förderlich ist, wenn der Bürgermeister im Spiel ist, ist klar.
Als Leser erfahren wir auch wieder einige weitere Infos über Jules verkorkste Beziehung zu ihrer Mutter, dem nicht immer einfachen Umgang mit ihrem Bruder und nicht zu vergessen: Mark und Andreas!

Mark, ebenfalls Ermittler, und Jule. Sie können nicht so richtig miteinander, aber ohne geht es auch nicht. Mann und Frau halt. :) Um ehrlich zu sein, bin ich selber zwiegespalten. Ich kann im Moment noch gar nicht sagen, ob ich mir die beiden als Paar wünsche, oder nicht.

Denn es gibt noch Andreas. Diesen mysteriösen Mann, über den keiner etwas weiß, und der immer zu den richtigen – oder falschen – Momenten auftaucht. Er schafft es, Jule, die in Gegenwart von potenziellen Liebhabern immer etwas selbstverloren wirkt, vollends durcheinander zu bringen. Sie hat das Gefühl, dass etwas Magisches ihn umgibt.

„Er legte den Löffel zur Seite. Ein-, zweimal setzte er zum Reden an, doch er tat es nicht. Dann holte er erneut Luft, und ich wusste, er würde es mir sagen.
In dem Moment zerriss ein Knall die Stille, und das Licht ging aus.“ (Seite 217)

Der Schreibstil von Katrin Rodeit gefällt mir sehr gut, wie auch schon im ersten Buch.  Die Geschichte liest sich super, ist spannend erzählt und lässt mich zwischendurch immer wieder schmunzeln. In Jule kann ich mich sehr gut hinein versetzen und in vielen Szenen mit ihr fühlen. Bei all dem gefällt mir Ulm als Schauplatz auch sehr gut.
Im Plot gibt es wieder einige unvorhersehbare Wendungen, die in der Geschichte keine Langeweile aufkommen lassen. Dabei bleibt die Autorin ihrer Linie treu.
Jule als Protagonistin durchlebt eine Entwicklung, die nachvollziehbar ist. Ich bin gespannt, wie Katrin Rodeit diese in Zukunft fortschreiben wird. Dass Kaffee, Kochen und Musik auch weiterhin eine große Rolle spielen, finde ich großartig. So gibt es neben dem Glossar auch wieder leckere Rezepte. Außerdem findet sich am Ende des Buches noch eine Kurzgeschichte, gemeinsam verfasst von Katrin Rodeit und Thomas Erle.
Das Buch endet mit einem der fiesesten Cliffhanger, die ich je gelesen habe. Mensch, Katrin, bitte schreib schneller! :) Ich hoffe, dass ich bald erfahre, was es damit auf sich hat.

„Gefährlicher Rausch“ überzeugt – ebenso wie sein Vorgänger – durch Katrin Rodeits Schreibstil, die tollen Charakteren und die spannende Kriminalgeschichte meiner zur Zeit liebsten Ermittlerin Jule Flemming. Die Geschichte hat interessante Nebenhandlungen, die die Story bereichern, doch liegt der Fokus stets auf dem richtigen Erzählstrang.
Allen Fans des Krimi-Genres, die auf realistische Fälle stehen, sei dieses Buch ans Herz gelegt.

5

 

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{Rezension} Mein wirst du sein | Katrin Rodeit

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Autor: Katrin Rodeit
Titel: Mein wirst du sein
Seitenzahl: 305 Seiten
Verlag: Gmeiner
ISBN: 978-3-8392-1457-2
Veröffentlichung: Juli 2013
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Jule Flemming ist Privatdetektivin. Ihr Freund Lou bittet sie um Hilfe, da er verdächtigt wird, mit dem Verschwinden einer Frau etwas zu tun zu haben. Obwohl Jule Urlaub hat, stimmt sie zu. Die Gesuchte wird plötzlich tot aufgefunden und der Fall scheint aus dem Ruder zu laufen und alles andere als normal zu sein. Als die Ermittlerin schließlich herausfindet, dass es sich um einen Serienkiller handelt, ist es schon fast zu spät: denn sie ist in sein Visier geraten…

„>>Hallo<<, sagte eine dunkle Stimme hinter mir, und ich drehte mich wie von der Tarantel gestochen um. So musste es sich anhören, wenn der Sensenmann aus dem geschaufelten Grab grüßte.“ (Seite 46)

Jule Flemming ist genau das, was ich mir unter einer deutschen Ermittlerin vorstelle – NICHT! Vom Aussehen her entspricht sie überhaupt nicht dem Klischee des deutschen Biedermeiers und auch ihr Werdegang ist alles andere als üblich. In ihrem Job als Privatdetektivin wirkt sie sicher und legt Selbstvertrauen an den Tag. Sie hat eine gute Beobachtungsgabe, ist unkonventionell und hat ein hohes Maß an Selbstironie. Doch in ihrem privaten Umfeld sieht das ganz anders aus. Jule ist Single, zuletzt von den Herren der Schöpfung enttäuscht. Im Umgang mit ebendiesen verliert sie jegliche Selbstsicherheit. Ihre Mutter hält Séancen ab und sieht sich selber als Kommunikationsmedium zum Reich der Toten. Ihr Bruder Sebastian ist gefühlt immer arbeitslos und katapultiert sich in schwierige Situationen.  Ich mochte sie von der ersten Seite an! Und spätestens, als sie sich als Kaffeejunkie outete, waren wir beste Freundinnen.

Lou ist ihr schwuler Kumpel und der Betreiber des Jazz-Kellers. Jule ist Stammgast in seiner Bar und spielt hier ab und zu eine ganz besondere Rolle. Er schafft es, in eine verzwickte Situation zu geraten und diese unnötig zu verkomplizieren. Er hat eine recht lockere Art. Aber ich könnte mir vorstellen, dass er es in Zukunft schafft, Jule mit manchen Aktionen in den Wahnsinn zu treiben.

Mark Heilig. Nomen est omen, könnte man denken. Aber hier wohl eher nicht. Er verkörpert den Mann aus der Vergangenheit, der lange weg vom Fenster war und mit seinem Auftauchen Jules Welt gehörig durcheinander wirbelt. Als junger Mann war er ein Womanizer. Nun erscheint er geradezu zahm. Ob der Schein trügt?

„Ich ging in die Küche und kochte Kaffee. Ein Tag ohne meinen heißgeliebten Muntermacher war für mich wie ein Morgen ohne Sonnenaufgang, und ich wäre ernsthaft in Versuchung geraten, über den Weltuntergang zu sinnieren. Kaffee war eine Konstante in meinem Leben. Die einzige, wenn man so wollte.“ (Seite 12)

All das, was ich bisher bei deutschen Krimis bemängelt habe, kann ich hier nur positiv bewerten.
Das Cover und der Titel haben mich bei Katrin Rodeits Buch sehr angesprochen. Beides finde ich passend und ich bin froh, dass das Buch nicht noch einen Untertitel bekommen hat.
Die Autorin hat einen erstklassigen und sehr spannenden Krimi als Debüt veröffentlicht. Die Geschichte liest sich sehr gut. Durch die Selbstironie der Protagonistin kann man öfter schmunzeln. Der Plot ist voller Wendungen und unvorhergesehener Ereignisse. Dabei bleibt die Geschichte immer sehr realitätsnah und ich hatte das Gefühl, dass jede Situation mir auch passieren könnte.
Den Schreibstil finde von Katrin finde ich sehr gut. Mit präziser Wortwahl erzählt sie die Geschichte treffend, ohne zu viele Worte zu benutzen oder ausschweifend zu werden. Das mag jetzt vielleicht minimalistisch klingen; doch Emotionen kamen alle bei mir an und die Handlung hat mich so gefesselt, dass ich das Buch beinahe an einem Abend durchgelesen habe.
Die Charaktere, die hier im Ring sind, sind alle klasse ausgearbeitet. Und glücklicherweise ist noch viel Potenzial vorhanden. Ich bin sehr gespannt, wie Jule sich im nächsten Buch weiterentwickelt.
Ulm als Ort des Geschehens hat mir richtig gut gefallen. Nach kürzester Zeit habe ich mich dort beinahe heimisch gefühlt.
Am Ende des Buches findet sich ein Glossar, in dem noch einmal alle wichtigen Personen mit kurzer Beschreibung erklärt sind. Und kulinarisch wird auch was geboten: es gibt einige Rezepte im Anhang, denn Jule kocht gut und gerne! *yammi* Schon während die Gerichte in der Geschichte auftauchten, lief mir das Wasser im Munde zusammen. Als ich dann die Rezepte entdeckt hatte, war ich richtig froh!

„Mein wirst du sein“ ist ein erstklassiger deutscher Krimi, bei dem alles passt: eine spannende und realitätsnahe Handlung zusammen mit interessanten und liebenswerten Charakteren ergibt puren Krimigenuss. Jule Flemming ist ab sofort meine liebste deutsche Privatdetektivin!
Mein Tipp für alle Krimifans!

„Das Adrenalin prickelte in meinen Adern. Es war das sichere Gefühl, der Lösung entscheidend nahe zu sein. Ich liebte diese Hochstimmung kurz vor dem Ende eines Falles.“ (Seite 270)

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