Lügen auf Albanisch [Rezension]

Lügen auf Albanisch

Autor: Francine Prose
Titel: Lügen auf Albanisch
Seitenzahl:
320
ISBN: 978-3-570-58511-5
Verlag:
carl’s books

 

 

 

Zum Inhalt:

Lula, gerade aus Albanien in Amerika angekommen, möchte unbedingt die heißbegehrte Green Card bekommen.

Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem Anwalt und ihrem Chef. Alles scheint gut zu laufen, bis Lula von albanischen Landsmännern um einen Gefallen gebeten wird…

Meine Meinung:

Das Buch verspricht „eine wunderbar humorvolle Immigrationsgeschichte mit witzigen Dialogen und schrägen Charakteren…“ und teilweise kann ich dieser Aussage des Buchrückens zustimmen.

Ich muss zugeben, dass ich sicherlich nicht alle witzigen Dialoge und Spitzfindigkeiten richtig verstanden habe, von denen es zugegebenermaßen jede Menge gibt.

Vielleicht, weil mir stellenweise das nötige Wissen fehlte, diese richtig verstehen zu können, weil ich weder Albanerin noch Amerikanerin bin. Vielleicht, weil in manchen Aussagen doch ein wenig zu viel Bissigkeit steckte und ich sie nicht als lustig empfinden konnte. Vielleicht lag es auch an einer Mischung aus beidem. Was jetzt aber nicht heißen soll, dass ich nur kopfschüttelnd über diesem Buch gesessen habe und mich fragte, wie man so was schreiben kann – ich habe auch herzlich gelacht. Hier mal Beispiele für alle drei Varianten. Wobei ich es offenlasse, auf welche was zutrifft.

„Lula wappnete sich. Winziger Gefallen konnte bedeuten, nach Dubai und zurück zu fliegen, beide Strecken Holzklasse, mit Dutzenden Kondomen voller Heroin im Arsch.“ (S. 41)

„Kein Wunder, dass zwischen albanischen Männern und Frauen so viel Bitterkeit bestand. Das war die albanische Version von Aschenputtel. Was machst du, wenn ein Mädchen dich nicht leiden kann? Du schüttest ihr Säure ins Gesicht und bezahlst dann für die Schönheits-OP.“ (S. 116)

„Lula sagte: >Wenn Hoxha und Milosevic ein Baby hätten und das Baby ein Junge wäre, sähe es aus wie Dick Cheney.<“ (S. 127)

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Immer mal wieder kommen ellenlange, verschachtelte Sätze vor, die für eine gewisse Auflockerung sorgen. Im Großen und Ganzen war die Geschichte, die aus Lulas Sicht erzählt wird, gut und flüssig zu lesen. Die ersten Seiten haben mich ein wenig verwirrt, weil erst mal mit vielen Sprüngen die Vergangenheit aufgerollt wird. Das kommt zwar auch im weiteren Verlauf noch des Öfteren vor, dann aber im Rahmen der eigentlichen Handlung, was für mich dann nicht mehr so verwirrend war.

Der Verlauf der Geschichte nahm immer mal wieder Wendungen – teilweise zu erahnende, teilweise unerwartete, teilweise absurde. Insgesamt fand ich die Story anfangs etwas zu langatmig, in der Mitte gut und spannend und das Ende einen guten Abschluss.

Die versprochenen schrägen Charaktere gibt es durchaus in diesem Buch. Mit ihnen verhält es sich aber ähnlich, wie mit den witzigen Dialogen. Teilweise gut gelungen, teilweise ein wenig überzogen.

Der Titel hätte fast nicht besser gewählt werden können. Lügen, egal ob groß oder klein, sind fester Bestandteil von Lulas Leben in den USA.

Francine Prose erzählt in ihrem Buch eine hauptsächlich komische, aber auch berührende und spannende Geschichte, die mich leider nicht vollkommen überzeugen konnte.

Vielen Dank an den carl’s books Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

3 Herzen

SaFi


Ghostwriter [Rezension]

Autor: Jesko Wilke
Titel: Ghostwriter
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3499258497
Verlag: rororo

 

 

Zum Inhalt:

Volvo, mit bürgerlichem Namen Volkmar Vogt, hat es nicht leicht. Sein erster Roman kommt bei den Verlagen nicht gut an, seine Ex-Frau, seine Kinder und sogar der Wirt seiner Stammkneipe wollen immer nur das eine von ihm: sein (nicht vorhandenes) Geld.

Anders scheint es da dem etablierten Krimi-Autor Kurt Kalinski zu gehen. Doch weit gefehlt, denn dieser wird tot aufgefunden. Und das auch noch, bevor er seinen aktuellen Roman beenden konnte.

Und da nun mal beide vom Literaturagenten Möller vertreten werden, führt eins zum anderen: über Kalinskis Ableben erfährt zunächst niemand etwas und Volvo soll das Buch beenden.

Meine Meinung:

Der Schreibstil war locker leicht und angenehm zu lesen. Neben dem tollen Humor kam auch immer mal wieder ein wenig Tiefgründigkeit ins Spiel, was mich positiv überraschte.

Der Einstieg in die Geschichte fiel leicht, da man sofort mittendrin ist. So richtig begeistern konnte mich die Geschichte allerdings erst ab der Mitte, da diese bis dahin irgendwie so ein bisschen vor sich hinplätscherte. Zudem hatte ich anfangs auch noch ein wenig mit Volvo zu kämpfen. Dieser kam mir trotz seines Alters von ca. 50 Jahren anfangs eher wie ein verantwortungsloser junger Erwachsener vor, und seine Handlungen waren für mich teilweise nicht nachvollziehbar.

Sehr gelungen in dem Buch fand ich die Nebendarsteller: Carlo – der Kneipenwirt, Beate – die Ex-Frau und Karpow – die Bulldogge haben dem Ganzen die richtige Würze verliehen. Wann immer einer der dreien ins Spiel kam, musste ich schmunzeln.

Was die Geschichte angeht, kann ich sagen, dass diese durch geschickte Wendungen, nach etwas mehr als der Hälfte doch noch recht spannend wurde und mich stellenweise auch überraschen konnte. Und auch Volvo wurde mir nach anfänglichen Schwierigkeiten mit jeder Seite ein wenig sympathischer, weil er an sich ein liebenswerter Kerl ist und sich dann doch noch seinem Alter entsprechend verhält. Von daher bin ich, was diese zwei Punkte angeht, versöhnt.

Insgesamt finde ich die Geschichte rund um den Ghostwriter Volvo gut gelungen. Und auch wenn ich ein paar Startschwierigkeiten hatte, sorgte dieses Buch dennoch für gut unterhaltende, kurzweilige Lesestunden.

SaFi


Donnerstags im Fetten Hecht [Rezension]

Autor: Stefan Nink
Titel: Donnerstags im Fetten Hecht
Seitenzahl: 416
ISBN: 978-3-8090-2622-8
Verlag: Limes

 

 

Zum Inhalt:

Oer-Erkenschwick: der Ausgangspunkt zu einer Reise rund um die Welt, die Siebeneisen wahrscheinlich nie vergessen wird.

Eigentlich ein ruhiges Leben führend, steht von einem Tag auf den anderen alles Kopf. Sein Kumpel Schatten kann erben, und zwar richtig: 50 Millionen Euro. Dafür müssen „nur“ 7 weitere Miterben ausfindig gemacht werden, die in alle Windrichtungen verstreut rund um den Globus leben.

Und so geht es los – donnerstags im fetten Hecht. Eigentlich werden hier unter den Freunden Siebeneisen, Schatten und Wipperfürth Tipp-Kick-Partien ausgetragen. Aber das ist nun vorbei: Siebeneisen reist um die Welt und seine Kumpels funktionieren die Kneipe zur Kommandozentrale um.

Meine Meinung:

Was habe ich gelacht und geschmunzelt. Aber nicht nur das, ich habe auch jede Menge gelernt. Über Menschen und Sitten aus fremden Kulturen. Über Länder und Orte, die ich nur zu gerne auch einmal bereisen würde.

Die Landschaften, Menschen und Sitten sind sehr liebevoll und bildhaft dargestellt. Diese teilweise recht ausführlichen Beschreibungen sind aber nie langweilig – dank des tollen Humors, der sich durch das ganze Buch zieht. Da Stefan Nink selbst Reisejournalist ist, wirkt auf mich zudem alles sehr glaubhaft. Besonders gefallen haben mir die Beschreibungen rund um all die Tiere, denen Siebeneisen auf seiner Reise begegnet. Welche das im Detail sind, möchte in Hinblick auf die jeweiligen Reiseorte jedoch nicht verraten.

All die durchaus aberwitzigen Abenteuer, die Siebeneisen während seiner Reise erlebt, haben mich sehr zum Lachen gebracht. Das lag an den Tieren, die Siebeneisen immer wieder aufs Neue herausgefordert haben. An den Erben, die nicht so leicht zu finden sind, wie vielleicht ursprünglich gedacht. An den beiden Freunden, die daheim in Oer-Erkenschwick geblieben sind und es Siebeneisen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gerade leichter gemacht haben. Aber vor allem lag das an Siebeneisen. Er ist mir mit jeder Seite sympathischer geworden und sogar ein wenig ans Herz gewachsen. Was für ein liebenswerter Kerl, der sich von Nichts und Niemandem unterkriegen lässt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er ist flüssig und lässt sich gut lesen. Mich hat es auch nicht gestört, dass die Ereignisse immer mal wieder in kleinen Rückblicken geschildert werden – ich mag es, wenn die Geschichte so ein wenig hin- und herspringt und dann am Ende alles einen Sinn ergibt, so wie hier.

Von dem Ende war ich zunächst ein wenig überrascht. Ich finde es aber durchaus gelungen. Ein kleiner Cliffhanger, der Lust auf mehr macht.

Stefan Nink hat mit diesem tollen Debütroman dafür gesorgt, dass ich nun Fernweh habe. Ich bin ihm aber nicht böse, denn ich wurde während des Lesens sehr gut unterhalten.

Ein „Reisebericht“ der etwas anderen Art. Für mich ein toller Lesespaß – witzig, spannend und informativ.

SaFi


Andere tun es doch auch [Rezension]

Autor: Matthias Sachau
Titel: Andere tun es doch auch
Seitenzahl: 336
ISBN: 978-3548284392
Verlag: Ullstein Taschenbuch

 

 

Zum Inhalt:

Er und Sie – Kai und Lara.

In einem Club lernen sich die beiden zufällig kennen. Irgendwas liegt sofort in der Luft. Aber sie wollen natürlich nichts voneinander, also nicht wirklich. Aber wie das Leben nun mal spielt, entwickelt sich etwas zwischen den beiden – vor allem Missverständnisse.

Ein Hin und Her, ein Auf und Ab der Gefühle beginnt.

Meine Meinung:

Die Ereignisse werden abwechselnd aus der Sicht von Kai und Lara geschildert. Anfangs war das ein wenig verwirrend für mich, da die Schilderungen meist mittendrin enden und sich die Sichtweise dann ändert. Doch nach wenigen Wechseln konnte ich der Erzählweise immer besser folgen – sie hat mir im Nachhinein sogar sehr gut gefallen. Sie sorgt dafür, dass die Geschichte nicht so vor sich hinplätschert.

Und diese Geschichte hat es in sich. All die Missverständnisse, die sich die beiden mit der Zeit „einreden“ finde ich gut nachvollziehbar. Ein bisschen überzogen ist das ein oder andere vielleicht, aber durchaus nicht realitätsfremd, wie ich finde.

Mit dem, was Kai und Lara in der gleichen Situation unterschiedliches denken und empfinden und dem, was sich daraus ergibt, haben sie mich sehr oft zum Lachen gebracht. Der Großonkel von Kai (Karl) mit seinen Protest-Aktionen und der Chef von Lara (Hr. Rockerer) mit seinem herrlich niedergeschriebenen bayerischen Akzent haben mich teilweise vor lauter Lachen sogar fast vom Stuhl fallen lassen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat das Buch schnell Lust auf mehr gemacht. Im Mittelteil wurden mir die Charaktere immer sympathischer und die Geschichte entwickelte sich. Das Ende hat mir gut gefallen, es lässt noch Platz für Spekulationen.

Insgesamt ein sehr unterhaltsames Buch mit ganz viel Humor ganz nach meinem Geschmack – trocken und saukomisch.

„Mein erster Sachau“ – aber garantiert nicht mein Letzter!

SaFi


Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand [Rezension]

Autor: Jonas Jonasson
Titel: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Seitenzahl: 416
ISBN: 3463406217
Verlag: carl’s books

 

 

Zum Inhalt:

An seinem 100. Geburtstag beschließt Allan Karlsson, dass er keine Lust hat, mit dem Bürgermeister und all den anderen eben diesen zu feiern. Er steigt aus dem Fester und verschwindet. Am Bahnhof angekommen gerät er in den Besitz eines Koffers.

Und damit beginnt ein weiteres großes Abenteuer für den hundertjährigen – vielleicht sogar sein größtes.

Meine Meinung:

Ich habe viel geschmunzelt und vor allem gelacht beim Lesen. Teilweise so viel, dass mir die Tränen gekommen sind.

Allan erlebt mit all seinen Freunden und Feinden, die er während seiner „Flucht“ kennen lernt die irrwitzigsten Geschichten. Dabei hat sein bisheriges Leben auch einiges zu bieten – so viel, dass es auch für mehrere Leben gereicht hätte.

Bei all den geschichtlichen Begebenheiten hatte ich mitunter die eine oder andere Schwierigkeit zu folgen. Das hat den Lesefluss und vor allem den Lesespaß aber nicht gestört.

SaFi