{Rezension} Getrieben. Durch ewige Nacht (Under the never sky #2) | Veronica Rossi

Getrieben

Autor: Veronica Rossi
Titel: Getrieben. Durch ewige Nacht (OT: Through the ever night)
Seitenzahl: 364
Verlag: Oetinger
ISBN:  978-3-7891-4621-3
Veröffentlichung: Mai 2013
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„Ihr wurde bewusst, dass sie jetzt kein Zuhause mehr hatte. Keine Dinge wie die geschnitzten Falken auf der Fensterbank. Keine Objekte, die bewiesen, dass sie existierte. All ihre Habseligkeiten waren virtuell und befanden sich in den Welten. Sie waren nicht real. Sie hatte nicht einmal mehr eine Mutter.“ (Seite 36)

Aria und Perry sind wieder vereint und machen sich auf den Weg zu den Tiden, seinem Stamm. Dort angekommen, wird Aria alles andere als herzlich begrüßt. Die Bewohner sind ihr gegenüber misstrauisch, was einen negativen Einfluss auf die Beziehung der beiden hat.
Als die Situation unerträglich wird, macht Aria sich mit Roar auf den Weg, um die Blaue Stille zu finden. Wenn der Stamm dahin umgesiedelt werden könnte, würden die Bedrohungen durch Äthersturm usw endlich wegfallen. Außerdem möchte Roar gerne Liv finden, seine große Liebe. Keiner weiß, ob sie wirklich bei den Hörner angekommen ist.
Während die beiden unterwegs sind, kommt Kirra bei den Tiden an. Sie ist von Sable geschickt. Und sofort macht sie eins klar: sie will Perry…

„Die Tiden waren ein kleiner Stamm, aber sie waren auch eine große Familie.“ (Seite 60)

Nahtlos knüpft dieser Teil an das Ende des ersten Bandes an. Ich war so froh, dass Aria und Perry wieder vereint sind! Doch der Empfang bei den Tiden ist für die junge Frau eisig. Teilweise schlägt ihr blanker Hass entgegen. Von Brooke, von Bear und auch einigen anderen. Damit kann sie gar nicht gut umgehen. Perry ist dadurch in einem großen Zwiespalt. Auf der einen Seite hat er endlich seine Geliebte wieder – doch kann er die Gefühle nicht offen zeigen -; auf der anderen Seite muss er für seinen Stamm da sein. Das führt zu Spannungen. Diese werden sogar noch größer, als er bei einem schlimmen Äthersturm den alten Old Mill retten will und ihm selber beinahe etwas zustößt. Er verliert Ansehen, was seine Position als Anführer doch stark schädigt.
Aria hat das Gefühl, nirgendwo richtig hinzugehören. Konsul Hess benutzt sie, die Tiden wollen sie nicht haben. Das gibt ihr oft das Gefühl, trotz Perry einsam zu sein.

Brooke hat während des Winters für Perry eine wichtige Rolle gespielt. Doch jetzt, wo Aria wieder da ist, steht sie natürlich in deren Schatten. Dass das zwischen den beiden Frauen zu großen Reibungspunkten führt, dürfte jedem klar sein.
Roar ist mein eigentlicher Favorit in der Geschichte. So toll wie ich Aria & Perry als Paar finde, so gerne mag ich Roar. Er sieht gut aus, ist charmant und hilfsbereit und ebenso eine Kämpfernatur wie die anderen beiden. Ich habe ganz schön mit ihm gelitten, als er auf der verzweifelten Suche nach Liv war.
Cinder ist für die Geschichte ebenso wichtig. Ein kleiner, unscheinbarer Junge mit geringem Selbstbewusstsein, aber mit Kräften, die zuvor keiner für möglich gehalten hat.
Marron ist der Anführer, der in Delphi herrscht. Er ist ein guter Freund von Perry und die beiden stützen und unterstützen sich gegenseitig.
Sable ist ein echter Widerling. Der große Antagonist der Geschichte. Der, der mir irgendwie immer einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Und der das Gegenstück in der Außenwelt zu Konsul Hess in der Biosphäre ist.

„Nachdenklich drehte er die Holzfigur in der Mitte um, sodass sie nach außen zeigte. War er als Kriegsherr verpflichtet, sich dem Willen der Mehrheit zu beugen? Oder musste er seine Leute nicht in die Richtung führen, von der er wusste – von der er überzeugt war -, dass sie das Beste für sie alle war? Er hatte sich für Letzeres entschieden und betete, dass er sich nicht geirrt hatte.“ (Seite 226)

Veronica Rossi hat eine Menge interessanter Figuren geschaffen und diese perfekt in die Geschichte eingebaut. Viele von ihnen lernen wir gut kennen. Und auch Dorfbewohner wie Molly, Bear, Wylan und Co. setzen dem Geschehen ihre Stempel auf (wenn auch kleinere, als andere Personen). Die Entwicklung, die Perry und Aria hier nehmen ist für mich sehr gut nachvollziehbar. Aria ist zu einer guten Kämpferin geworden – die aber von Roar und nicht von Perry ausgebildet wurde. Verbindet Aria und Roar wirklich nur Freundschaft? So toll ich sie und Perry als Paar finde… Irgendwas hat Roar an sich, was mich stellenweise hoffen ließ, dass aus den beiden ein Paar werden könnte. Und ich spreche jetzt nicht nur von ihren identischen Fähigkeiten.
Trotz der vielen Charaktere, die hier vorkommen, konnte ich diese immer gut auseinander halten. Das hat mich teilweise selber gewundert.

Der Plot ist richtig spannend! Von Anfang bis Ende hat die Geschichte ein hohes Spannungsniveau. Es gibt einige unvorhergesehene Wendungen, die mein Herz für einen kurzen Moment haben stocken lassen. Gerade zum Ende hin nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf und man rauscht in einem atemraubenden Tempo durch sie hindurch. Neue Handlungsstränge werden geradezu perfekt in die Story gewebt.
Das Ende lässt mich doch sehr gespannt zurück. Ich bin sehr gespannt, wie die Autorin auf das Finale zusteuern wird und wie die Geschichte aufgelöst wird.
Dadurch, dass es in Teil 1 so viele Informationen zu der Außenwelt, der Biosphäre und dem Weltentwurf an sich gab, hatte ich hier keine Schwierigkeiten, in die Welt einzutauchen.
Der Schreibstil ist unverändert gut, direkt und präzise.

„Getrieben. Durch die ewige Nacht“ ist für mich eine mehr als gelungene Fortsetzung. Dieser Band toppt den Vorgänger in Sachen Spannung und Verlauf der Geschichte. Sollte jemand von euch Interesse an Dystopien haben und diese Trilogie noch nicht kennen: fangt jetzt damit an! Im Mai kommt der Abschlussband! :)

„Aria nahm seine Hand und führte ihn zu dem freien Kopilotensitz. Perry setzte sich und zog sie auf seinen Schoß. Sie drehte sich um, schmiegte sich an ihn und legte ihre Stirn an seine Wange. Und für einen Moment hatte Perry alles, was er brauchte.“ (Seite 358)

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Reiheninfo:
0.5 Roar and Liv (ebook)
1. Under the never sky // Gebannt. Unter fremdem Himmel
2. Through the ever night // Getrieben. Durch die ewige Nacht
2.5 Brooke (ebook)
3. Into the still blue // Geborgen. In unendlicher Weite (VÖ Mai ’14)
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5

SaCre


{Rezension} Gebannt. Unter fremdem Himmel (Under the never sky#1) | Veronica Rossi

Gebannt

Autor: Veronica Rossi
Titel: Gebannt. Unter fremden Welten (OT: Under the never sky)
Seitenzahl: 432
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-4620-6
Veröffentlichung: März 2012
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„Sechs Jahrzehnte lang hatte der Äther die Erde mit fortwährendem Feuer versengt. Doch die eigentliche Gefahr für die Menschheit hatte in den Mutationen bestanden, den Gen-Veränderungen, die er herbeiführte. Rasch hatten sich neue Krankheiten entwickelt und dazu geführt, dass ganze Völker von den Seuchen ausgelöscht wurden. Arias Vorfahren hatten zu den Glücklichen gezählt, die in den Biosphären Zuflucht gesucht und dort Schutz gefunden hatten.“ (Seite 87)

Die siebzehnjährige Aria lebt in der Biosphäre Reverie – eine Welt, die perfekter ist, als die Realität. Eines Tages wird sie verstoßen, in die Außenwelt – auch Todeszone genannt. Hier bedrohen Ätherstürme und Barbaren ihr Leben. Peregrine, genannt Perry, greift sie auf und schützt sie. So unterschiedlich die beiden auch sind, sie müssen zusammen arbeiten. Aria sucht ihre Mutter, Perry sucht seinen entführten Neffen.

„Die Nahrungsmittel wuchsen auf hüfthohen Kunststoffhügeln. Endlose Reihen verfaulendes Obst und Gemüse erstreckten sich bis zum Horizont. Wie alles in der Biosphäre wurde die Nahrung aus Gründen der Effizienz genetisch erzeugt. Die Pflanzen besaßen keine Blätter, brauchten keine Erde und nur wenig Wasser zum Wachstum.“ (Seite 13)

Zuerst einmal muss ich zugeben, dass ich aufgrund der Fülle auf den ersten 100 Seiten fast erschlagen wurde. Die Welt, die die Autorin hier erschaffen hat, ist sehr komplex. Die Biosphären, die Todeszone, das Smarteye – all das wird uns Lesern sofort präsentiert. Auch die Geschichte selber startet von der ersten Zeile an. Ohne, dass man langsam herangeführt wird. Das hat mich zu Beginn doch etwas angestrengt, fast schon überfordert. Doch im Nachhinein war es nicht mehr so schlimm. Im Gegenteil. Desto mehr Fahrt die Geschichte aufnahm, desto sicherer fühlte ich mich in ihr. Hatte ich doch alles, was ich wissen musste, an der Hand.

Anfangs werden wir Zeuge, wie Aria und ihre Freunde eine große Dummheit begehen und dadurch in große Schwierigkeiten geraten. Aria wird daraufhin aus der Biosphären verbannt, sie hat ihr Smarteye nicht mehr – ohne das sie sich wie ein halber Mensch fühlt – und muss schauen, dass sie in der Todeszone irgendwie überlebt. In der Welt der Außenseiter, wie die Todeszone auch genannt wird, ist alles ganz anders. Man ist Ätherstürmen, Kannibalen und Wölfen hilflos ausgesetzt. Auch gibt es hier keine Kontrolle durch (Gen)Wissenschaftler, und so sind der Natur kaum Grenzen gesetzt. Das merkt Aria auch an Veränderungen an ihrem Körper.
In Reverie war sie beschützt und behütet und konnte danke ihrem Smarteye immer wieder in eine Welt entfliehen, die besser ist als die Realität. Zu ihrer Mutter hat sie ein schwieriges Verhältnis und besondere Fähigkeiten hat sie keine. Schließlich zählt, dass sie gut singen kann, nicht als besondere Fähigkeit ihrer Meinung nach.

Perry gehört zum Stamm der Tiden. Er ist eine Kämpfernatur. Und er hat besondere Fähigkeiten: er ist sowohl Witterer, als auch Seher. Vor allem nachts kann er seine Seher-Fähigkeiten einsetzen. Als Witterer hat er eine feine Nase und kann auch Stimmungen der anderen Menschen riechen.  Er gibt sich die Schuld daran, dass sein Neffe Talon entführt wurde. Nach einem Streit mit seinem Bruder Vale, dem Anführer der Tiden, macht er sich auf den Weg, um Talon zu finden.
Dabei findet er auch Aria. Und obwohl sie ein „Maulwurf“ ist (so nennen sie die Siedler in den Biosphären), beschützt er sie und nimmt sie mit auf seiner Reise.
Zu Beginn trauen beide einander nicht über den Weg. Sie sind vorsichtig und für Perrys Geschmack redet Aria eindeutig zu viel. Nach und nach lernen beide, dass sie einander vertrauen können und die Stimmung zwischen den beiden ändert sich.

„So sind Witterer nun einmal. Sie wissen genau, was sie sagen müssen und welche Wirkung sie damit erzielen. Sie geben dir genau das, was du willst, aber sich selbst geben sie nicht.“ (Seite 261)

Roar ist auch aus dem Stamm der Tiden. Im Gegensatz zu Perry ist er Aria gegenüber offen, spricht mit ihr und Antwortet auf ihre Fragen. Er war mir sofort sympathisch und mein heimlicher Held der Geschichte.
Cinder ist ein Jugendlicher, der Roar folgt. Keiner weiß, wo er her kommt. Er wirkt sehr unnahbar, redet nicht viel und bleibt immer im Hintergrund.

Die beiden Welten stehen in völligem Gegensatz zu einander. Das Leben in der Biosphäre ist futuristisch. Alles ist genaustens kontrolliert und nichts wird dem Zufall überlassen. Dank des Smarteyes können die Bewohner sich in jede beliebige Welt versetzen lassen.
Die Außenwelt wirkt dagegen geradezu barbarisch, erinnert an das Mittelalter. Die Stärkeren werden überleben, die Schwächeren werden Opfer sein.
Dieser Weltentwurf hat mir sehr gut gefallen und man darf sich als Leser nicht von der Komplexität verwirren lassen.

Der Schreibstil der Autorin hat mich ebenfalls überzeugt. Sie kommt in dieser Geschichte ohne große Umschreibungen und Schnörkel aus. Ihre Sprache ist gerade heraus, treffend und prägnant. Das passt hervorragend und rundet das gute Gesamtbild ab.
Die Story nimmt richtig Fahrt auf und fesselt den Leser an das Buch. Die Spannung ist geradezu greifbar. Natürlich darf auch das Aufkeimen einer Liebe nicht fehlen. Doch wie soll das funktionieren, wenn es von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist?

„Perry hauchte ihr einen Kuss auf die Wange, während sie gerade eine Trockenfrucht kaute, und sie stellte fest, dass es nichts Schöneres gab, als einfach so, ohne jeden Grund, geküsst zu werden, selbst beim Essen. Der Kuss ließ den Wald leuchtender erscheinen, den Wald, den Niemalshimmel und auch alles andere.“ (Seite 378)

„Gebannt. Unter fremdem Himmel“ ist ein guter Trilogieauftakt. Nach den Anfangsschwierigkeiten war ich richtig in der Geschichte gefangen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich bin froh, dass ich nun sofort mit Teil 2 weiter machen kann.
Empfehlen kann ich das Buch allen Lesern, die sich nicht vor einer komplexen Welt scheuen und sich gerne in eine dystopische Geschichte führen entführen lassen.

„Bestürzt griff sie nach ihrem linken Auge, stieß sich dabei selbst, schreckte zurück und blinzelte. Ihre Finger fanden nichts als einen nutzlosen Augapfel. Sie legte sich gerade die flache Hand auf das unbedeckte Auge, als ein schmächtiger Mann in einem Arztkittel den Raum betrat.“ (Seite 55)

 

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Reiheninfo:
0.5 Roar and Liv (ebook)
1. Under the never sky // Gebannt. Unter fremdem Himmel
2. Through the ever night // Getrieben. Durch die ewige Nacht
2.5 Brooke (ebook)
3. Into the still blue // Geborgen. In unendlicher Weite (VÖ Mai ’14)
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