[Rezension] Weil ich Layken liebe | Colleen Hoover

Weil ich Layken liebeTitel: Weil ich Layken liebe
Autor: Colleen Hoover
Seitenzahl: 352 Seiten
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-71562-1
Veröffentlichung: 01. November 2013
Empfohlenes Lesealter: Ab 14 Jahren
Leseprobe

Zum Inhalt:

Layken Cohen – der ungewöhnliche Name ist eine Mischung der ersten drei Buchstaben von Layla und Kennedy – ist 18 Jahre jung und zieht zusammen mit ihrer Mutter Julia und ihrem kleinen Bruder Kel nach dem Tod des Vaters von Texas in die Kleinstadt Ypsilanti, Michigan. Bereits am ersten Tag in der neuen Heimat, vor der Layken sich nicht vorstellen kann, dass sie genau das jemals für sie sein kann, lernt sie den Nachbarn Will Cooper kennen. Auf Anhieb verstehen sich nicht bloß Kel und Wills kleiner Bruder Caulder, sondern auch Layken und Will. Er ist 21 Jahre alt, nett, witzig, gutaussehend und sofort scheint da etwas zwischen den beiden zu sein. Bei ihrem ersten Date, sie gehen zu einem Poetry Slam, kommen die beiden sich näher. Drei Tage lang schwebt Layken zusammen mit Will im siebten Himmel. Doch das Leben, mit all seinen Tücken, hat andere Pläne mit ihnen…

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Meine Meinung:

Lasst euch nicht von dem ersten Eindruck abschrecken, der vielleicht suggeriert, dass es sich hierbei um das typische Unerfüllte-Liebe-Jugendbuch handelt. Ja, die Liebe spielt eine wichtige Rolle. Und auch der Einstieg in das Buch läuft ein wenig nach Schema F ab, doch es steckt noch so viel mehr in diesem Buch. So viel, dass es mich nicht mehr losgelassen hat. So viel, dass ich es kaum in Worte fassen kann…

„Ich würde zu gern wissen, was Will von mir denkt. Falls er überhaupt etwas über mich denkt. Ich jedenfalls denke – aus Gründen, die ich selbst nicht verstehe – mehr über ihn nach, als mir lieb ist.“ (Seite 28/29)

Colleen Hoover deckt in ihrem Jugendbuch unglaublich viele Facetten ab. Liebe und Wut, Freude und Trauer, Richtig oder Falsch, Herz oder Kopf. Das alles bringt sie in einem Stil zu Papier, der zwar schlicht aber einfühlend, schnörkellos aber tiefgründig ist. Sie verzichtet auf Kitsch und hat sich ohne unnötigen Firlefanz, dafür aber mit umso mehr Gefühl, direkt in mein Herz geschrieben.

Bevor ich das Buch aufschlug, habe ich mir natürlich Gedanken darüber gemacht, wie sich das Leben den beiden denn wohl in den Weg stellen könnte. Von ähnlichen Büchern teils negativ beeinflusst, habe ich schon fast mit dem schlimmsten gerechnet. Zum Glück blieben meine Befürchtungen aber unbegründet. Ja, sie mutet vor allem Layken, aber auch Will, eine ganze Menge zu und lässt sie schwere Lasten mit sich herumtragen. Aber auch hier holt sie nicht unnötig aus und lässt keine an den Haaren herbeigezogenen Gründe einfließen. So ist das Leben halt manchmal… Mit all seiner Härte, mit all seinen Tücken…

„Unsere Blicke versinken ineinander, als wir gleichzeitig die Augen öffnen. Und das ist der Moment, in dem ich verstehe, warum meine Mutter mit gerade mal achtzehn wusste, dass sie und mein Vater füreinander bestimmt waren.“ (Seite 65)

Für ein Jugendbuch wirkt „Weil ich Layken liebe“ ziemlich erwachsen. Das liegt u. a. daran, dass Layken und Will ziemlich früh und auch viel zu schnell erwachsener werden mussten, als sie in Wirklichkeit sind. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als Layken und Will – und auch all die anderen Personen in diesem Buch – zu mögen. Colleen Hoover hat zwar keine detaillierte Charakterstudie geschrieben, dennoch erfährt man viel über die Hauptcharaktere. Dafür muss man allerdings ab und zu auch mal zwischen den Zeilen lesen. Alles andere als der Wunsch nach einem Happy End für Layken und Will war mir schlicht nicht möglich. Ob mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, werde ich natürlich nicht verraten.

Ein Punkt ist mir bei diesem Buch noch besonders wichtig: Poetry Slams. Gehört habe ich davon schon mal und ich weiß auch grob, was es damit auf sich hat. In einem Buch sind mir allerdings noch nicht über den Weg gelaufen. Bis jetzt. Geschickt verbindet Colleen Hoover diese Kunstform mit dem Geschehen im Buch und verleiht ihm dadurch noch mehr Tiefe und Emotionalität. Ich für meinen Teil musste gerade bei diesen Passagen mehr als einmal heftig schlucken und habe einen Moment gebraucht, bis ich das Gelesene aufgenommen und verstanden hatte. (Als ich auf der Suche nach einem Buchtrailer war, habe ich das unten eingefügte Video gefunden, in dem ein Poetry Slammer einen Text aus dem Buch wiedergibt. Vor dem Lesen macht dieses Video wahrscheinlich nicht sonderlich viel Sinn. Aber ihr solltet es euch nach Beenden des Buches auf jeden Fall mal anschauen.)

„Man kann an einen anderen Ort flüchten, in eine andere Stadt, sogar in einen anderen Bundesstaat, aber das, wovor man flieht – ganz egal, was es ist -, wird einen immer begleiten. Und zwar so lange, bis man einen Weg findet, damit umzugehen.“ (Seite 287)

Ich habe „Weil ich Layken liebe“ an einem Tag quasi inhaliert, weil ich es schlicht und einfach nicht aus der Hand legen konnte. Nun ärgere ich mich ein wenig über mein zügelloses Leseverhalten, denn viel zu schnell war die Zeit mit Layken und Will wieder vorbei. Im Nachhinein hätte ich am liebsten dreimal langsamer gelesen. So bleibt mir nur die Vorfreude darauf, dass die Geschichte bald weiter erzählt wird. Dann aus der Sicht von Will…

5SaFi

Interview mit Colleen Hoover


[Rezension] Ich und Earl und das sterbende Mädchen | Jesse Andrews

Ich und Earl und das sterbende Maedchen von Jesse AndrewsTitel: Ich und Earl und das sterbende Mädchen
Autor: Jesse Andrews
Seitenzahl: 304 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-26784-8
Veröffentlichung: 30. September 2013
Empfohlenes Lesealter: Ab 14 Jahren
Leseprobe

Zum Inhalt:

Greg Gaines ist 17 Jahre alt und will vor allem eines: In der Schule, und auch im Allgemeinen, am besten nicht groß auffallen. Deswegen hat er mit den Jahren seine Überall-ein-wenig-aber-nirgendwo-so-richtig-zugehören-Taktik auch perfektioniert und schlägt sich ganz wacker. Er lebt ein normales Leben – na ja, so normal wie es bei seiner Familie halt möglich ist – und dreht mit seinem besten Freund Earl Filme, die niemand zu sehen kriegen soll. Mit seinem ruhigen, unauffälligen Leben ist es aber schon bald vorbei. Denn seine Mutter hält es für eine super Idee, dass Greg die nicht mehr vorhandene Freundschaft zu Rachel wieder aufwärmt, denn Rachel ist an Leukämie erkrankt. Weder bei Greg noch bei Rachel stößt dieses Vorhaben anfangs auf viel Zuspruch. Doch dann ändern sich die Dinge und Greg dreht zusammen mit Earl einen neuen Film mit dem Titel „Rachel – Der Film“.

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Meine Meinung:

Ziemlich schnell wird klar, dass dieses Buch nicht die emotionale Geschichte ist, wie die Beschreibung auf dem Buchrücken und im Internet vielleicht vermuten lässt. Bereits auf Seite 9 weist Greg höchstselbst darauf hin und gibt dem Leser den Tipp, das Buch in die nächste Tonne zu treten und wegzurennen, falls man ein einfühlsames Buch über Freundschaft, Liebe und Tod erwartet, bei dem man vom ersten bis zum letzten Satz heulen könnte. Anfangs kann man diese Aussage noch für einen der vielen Späße und ironischen Anmerkung von Greg halten, dem ist aber nicht so. Mit der Zeit wird klar, dass Greg damit einfach nur die Wahrheit geschrieben hat.

„Earl ist inzwischen fast schon ein Familienmitglied: der kettenrauchende, vertikal benachteiligte Sohn, den mein Eltern nie hatten.“(Seite 69)

Obwohl Rachels Erkrankung zwar im Grunde das Hauptthema dieses Buches ist, steht sie zu keinem Zeitpunkt im Vordergrund. Greg nimmt den Leser vielmehr mit auf eine Rundreise durch sein Leben und dazu gehört ab einem bestimmten Punkt eben auch die Leukämie. Greg erklärt einem, wie man überall ein wenig, aber nirgends so richtig zugehören kann; ist sich nicht zu schade, seine gescheiterten Anmachtaktiken offen darzulegen; beschreibt schonungslos sein eigenes Familienleben und auch das seines besten Freundes Earl; schildert, warum er und seine Schwestern „Überraschungsjuden“ sind: bringt dem Leser das Thema Leukämie in einem „Leukämie-Leitfaden eines Idioten“ auf seine ganz eigene Art und Weise näher und hat noch einiges mehr in der Hinterhand. Langeweile? Ausgeschlossen! Lachen? Auf jeden Fall!

„Leukämieland ist nicht halb so beliebt wie Legoland.“ (Seite 82)

Jesse Andrews einen wunderbar humorvollen Roman geschrieben. Die Tiefgründigkeit kann man zwischen den Zeilen aber dennoch gut wahrnehmen – auch wenn Greg dieser Umstand wahrscheinlich nicht besonders gefallen wird. Sehr gut gefallen hat mir zudem die innere Aufmachung des Buches. Immer mal wieder kommen, in bester Filme-Macher-Manier, Abschnitte vor, die wie ein Drehbuch aufgemacht sind. Diese und andere Stil-Unterbrechungen sorgen für eine gewisse Auflockerung während des Lesens.

»Ich meine, sie hat Krebs. Aber sie glaubt nicht, dass sie sterben wird, darum habe ich irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn wir zusammen sind, weil ich die ganze Zeit denke: Du stirbst du stirbst du stirbt du stirbst.« (Seite 138)

In seiner Danksagung bezeichnet Jesse Andrews sein Debüt als schräges kleines Buch. Und treffender kann ich es auch nicht beschreiben. Bei diesem Buch gibt es eigentlich nur schwarz oder weiß – Top oder Flop. Entweder man kommt mit Greg und seiner Geschichte klar oder eben nicht. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich Gregs verrückte Geschichte liebe!

5SaFi


[Rezension] Pinguine lieben nur einmal | Kyra Groh

Pinguine lieben nur einmal von Kyra Groh
 
Titel: Pinguine lieben nur einmal
Autor: Kyra Groh
Seitenzahl: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-38044-2
Veröffentlichung: 16. September 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Felicitas, die nur von ihrer Mutter so genannt wird (ihr Vater sagt Fee, für ihre Freunde ist sie die Feli), ist 20 Jahre jung und ziemlich kompliziert. So ist z. B. Ordnung ein Fremdwort für sie. Aber nicht, wenn es um ihre CDs geht – da ist sie penibel. Und da bei ihr nur selten alles so läuft, wie Feli es gerne hätte, schaut sie jeden Dienstag Abend den Family Movie im Fernsehen, weil der immer so schön vorhersehbar ist und im Regelfall mit einem Happy End endet. Und ein solches wünscht sich Feli nun auch für sich und Janosch, der gerade frisch im Haus eingezogen ist und dem sie bei der ersten Begegnung sprichwörtlich vor die Füße gefallen ist…

Pinguine lieben nur einmal - Kyra Groh

Pinguine lieben nur einmal – Kyra Groh

Meine Meinung:

Dieses Buch ist das beste Beispiel für spontane Coververliebtheit. ♥ Ich habe es gesehen und dachte sofort: muss ich haben – will ich lesen! Ja, bei mir führt ein Pinguin zum Effekt des Sofort-Haben-Wollens. Kann man jetzt von halten, was man will – ist aber so. Denn, wenn ich ehrlich bin, würde ich am liebsten einen Pinguin in der heimischen Badewanne beherbergen. ;-)

„Ich neige dazu, wirren Unfug zu stammeln, wenn ich nervös bin. Dass in diesem Fall ein attraktiver Mann der Auslöser ist, macht die Sache nur noch schlimmer. Eigentlich würde ich jetzt lieber geistreich und witzig rüberkommen. Stattdessen manifestiere ich den ersten Eindruck von mir als fahrigem Tollpatsch.“ (Seite 37)

Felicitas Feli Fee Grün ist kompliziert, merkwürdig in manchen Verhaltensweisen, herrlich selbstironisch und gleichzeitig auch irgendwie unsicher. Ich habe sie auf den ersten Seiten direkt gemocht, da ich mich – ja, ich muss es gestehen – ein Stück weit in ihr wieder gefunden habe. Es gab aber auch Momente, in denen ich mir dachte: Och nö. Ernsthaft, Feli? Mit Janosch verhielt es sich da ähnlich. Seine manchmal sehr verletzenden Worte gegenüber Feli konnte ich zusammen mit ihr einfach nicht fassen. Im nächsten Moment kamen dann aber so dermaßen zuckersüße Sachen aus seinem Mund, dass ich Felis Gefühle für ihn absolut nachvollziehen konnte. Mit den beiden erging es mir in gewisser Weise so, wie den beiden mit dem jeweils anderen.

 Denn einfach ist bei und zwischen den beiden erstmal nichts. Neben ihren Charakteren, die zwar unterschiedlicher kaum sein könnten, aber auch so gut zueinander passen, weil sie sich ergänzen, wird das ganze auch noch dadurch ein wenig erschwert, dass Janosch… Nee, das verrate ich nicht. Es wird zwar schon relativ früh verraten, aber ich war so dermaßen überrascht von dieser Tatsache, dass ich diesen Effekt bei zukünftigen Lesern ungern zerstören möchte. Ich kann nur so viel sagen, dass dieser gewisse Umstand für mich das Tüpfelchen auf dem I war. Denn dadurch war das Buch für mich nicht bloß die gängige Mischung aus Humor und Gefühlen, sondern regte mich durchaus auch zum Nachdenken über dieses spezielle Thema, und das übergeordnete im Allgemeinen, an.

„Die Wechseljahre sind ein Scheiß gegen anfängliches Verliebtsein.“ (Seite 125)

Im Prolog klärt uns die Hauptdarstellerin Feli darüber auf, was es mit dem von ihr so heiß geliebten Dienstags-Family-Movie-Konzept auf sich hat, das im Prinzip wie das klassische Drama aufgebaut ist, und in den allermeisten Fällen mit einem Happy End endet. Und genau nach diesem Schema ist auch das Buch – optisch und inhaltlich – aufgebaut. Ob es, wie in den TV-Filmen am Ende üblich, im Buch zu einem glücklichen Ende für Feli und Janosch kommt, werde ich natürlich nicht verraten. :-)

Kyra Groh hat mit „Pinguine lieben nur einmal“ einen Debütroman geschrieben, der mir während des Lesens quasi ein Dauerlächeln ins Gesicht gezaubert hat. Sympathische Charaktere, eine gesunde Portion Gefühle und ein locker-flockiger Schreibstil ergeben eine Geschichte, die größtenteils süß, aber auch ein wenig bitter ist, und kurzweilige Lesestunden bietet.

„Ich kann also festhalten, dass ich Janosch will, und zwar ganz, aber noch nicht weiß, wie lange ich es aushalte, dass er mich nicht will, zumindest nicht ganz.“ (Seite 182)

4SaFi


[Rezension] Sonntags bei Tiffany | James Patterson

Sonntags bei Tiffany
 
Titel: Sonntags bei Tiffany
Autor: James Patterson
Seitenzahl: 288 Seiten
Verlag: Page & Turner
ISBN: 978-3-442-20339-0
Veröffentlichung: 03. November 2008
Leseprobe

Zum Inhalt:

Jane ist 8 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in New York. Das Highlight der Woche ist für das kleine Mädchen der sonntägliche Besuch des Kaufhauses Tiffany. Ansonsten hat ihre Mutter Vivienne nämlich nur ihre Karriere als Broadway-Produzentin im Kopf und vergisst öfters mal, das sie eine Tochter hat. Deswegen ist Jane umso glücklicher, dass sie Michael zum Freund hat. Er ist für andere zwar unsichtbar, da er ein imaginärer Freund ist, aber das ist Jane egal. Sie ist froh, dass sie mit ihm jemandem zum reden und lachen hat. Doch die Sache hat einen Haken: an ihrem neunten Geburtstag muss Michael Jane verlassen. So lautet die Regel. Doch dreiundzwanzig Jahre später laufen sich die beiden in New York ein weiteres Mal über den Weg …

Sonntags bei Tiffany - James Patterson

Sonntags bei Tiffany – James Patterson

Meine Meinung:

Am Anfang war noch alles gut und die Lesewelt in Ordnung. Ich lernte Jane als Kind, den liebenswürdigen Michael und die lieblos scheinende Mutter Vivienne kennen. Während sich mein Herz nicht bloß einmal zusammenzog als ich las, wie lieblos diese sich der kleinen Jane gegenüber verhält, ging es umso mehr wieder auf, wenn ich von Jane und Michael las. Eine tolle Mischung aus Gefühl, Humor und Tiefgründigkeit.

„Natürlich fanden diese Sonntage meine Zustimmung, weil Michael dabei war. Michael, der mein bester Freund auf der Welt war, vielleicht der einzige, den ich als Achtjährige hatte. Mein imaginärer Freund.“ (Seite 17)

Doch kaum hatte ich diese Anfangsphase des Buches hinter mir gelassen, kam es zum Bruch. Ich kann nicht mal wirklich sagen, warum es so war. Aber die erwachsene Jane ging mir gehörig auf den Wecker. Statt auf den Tisch zu hauen, lässt sie sich nicht noch immer von ihrer Mutter bevormunden und schlecht behandeln. Und ihr Freund Hugh benimmt sich auch nicht viel besser als Vivienne wenn es um Jane geht. Ab dem Zeitpunkt wo Michael dann wieder ins Geschehen eingreift wird es ein wenig, wenn auch nicht viel, besser.

Zugutezuhalten ist dem Buch, das es sich locker und leicht lesen lässt. Wobei der Schreibstil von James Patterson schon ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, da er viel zwischen Jane hin- und herspringt.

Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, werden mir lediglich drei Dinge positiv in Erinnerung bleiben. Zum einen die wirklich tolle Idee, die hinter dieser Geschichte steckt und aus der man, für meinen Geschmack, wesentlich mehr hätte machen können. Dann der wirklich berührende Anfang, bei dem ich die ganze Zeit über das Gefühl verspürte, Jane in die Arme nehmen zu wollen. Und letztendlich der „Auslöser“ für dieses Buch. Eine Äußerung von James Pattersons damals vierjährigem Sohn Jack: »Liebe heißt, nichts kann zwei Menschen trennen.«, die laut Vorwort im Grunde der Kern dieser Geschichte ist.

„Jane drückte den lila Pudel an ihre Wange. Michael hatte bemerkt, dass sie oft Gegenstände an sich drückte – einen Wintermantel, ein Kissen, ein ausgestopftes Tier. Sie hatte viele Umarmungen zu vergeben, aber nicht genügend Menschen dafür.“ (Seite 37)

Leider, leider, leider konnte mich „Sonntags bei Tiffany“ nicht so verzaubern, wie ich es mir gewünscht hatte. Wer weiß, vielleicht sind die Thriller von James Patterson ja eher was für mich.

2SaFi


[Rezension] Die besten Freunde meines Lebens | Sam Baker

Die besten Freunde meines Lebens von Sam Baker
 
Titel: Die besten Freunde meines Lebens
Autor: Sam Baker
Seitenzahl: 496
ISBN: 978-3-453-35738-9
Verlag: Diana Verlag
Veröffentlichung: 09. September 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Nicci war ihren drei besten Freundinnen schon immer einen Schritt voraus und immer für eine Überraschung gut. Doch mit ihrem Vermächtnis, nachdem sie an den Folgen einer unheilbaren Krankheit gestorben ist, hätte keine von ihnen rechnen können. In ihren Abschiedsbriefen hinterlässt Sie Lizzie ihren Garten, Jo ihre süßen Zwillingstöchter Charlie und Harrie, und Mona ihren Ehemann David. Und damit nimmt das Chaos seinen Lauf…

Die besten Freunde meines Lebens - Sam Baker

Die besten Freunde meines Lebens – Sam Baker

Meine Meinung:

Als erstes habe ich mich in das absolut süße Cover verliebt. Dann weckte der Klappentext mein Interesse. Und eine Pressestimme, die versprach, dass dieses Buch den Witz von Sex and the City mit den Gefühlen von P.S.: Ich liebe dich vereint, besorgte dann den Rest. Ich freute mich wahnsinnig auf dieses Buch, landete aber erst mal unsanft auf dem Leseboden der Tatsachen…

»Meinen Garten hat sie Lizzie vermacht, meine Kinder dir und mich – ihren Mann – Mona. Scheiße, Jo! Ernsthaft, was hat sie sich verdammt noch mal dabei gedacht?« (Seite 82)

Die Leben der vier Freundinnen, inkl. Vergangenheit, Männer, Kinder und diversen anderen Bestandteilen werden detailliert beschrieben. Nicht durchgängig, sondern immer mal wieder in die Geschichte eingestreut. So fiel es mir zu Beginn des Buches nicht leicht, die auf mich einprasselnden Informationen zu verarbeiten. Erst nach und nach konnte ich sie separieren und Nicci, Mona, Jo oder Lizzie zuordnen. So dauerte es seine Zeit, bis einigermaßen klare Bilder von ihnen in meinem Kopf entstanden sind und ich meine Sympathien entsprechend verteilen konnte.

So unterschiedlich sie auch sein mögen, die vier Freundinnen hielten immer zusammen, waren eine eingeschworene Truppe. Die wichtigen Ereignisse im Leben fanden, bis auf eine Ausnahme, nie ohne die anderen statt. Sonntags traf man sich regelmäßig mit dem Anhang zum gemeinsamen Essen. Jo, Mona und Lizzie sind die Patentanten der Töchter von Nicci und David. Auf den ersten Blick mag das nach Bilderbuch-Freundschaften aussehen. Doch in Wahrheit verhielt es sich aber doch ein wenig anders, wie ich im Laufe des Buches erfahren habe. Kleine Geheimnisse und andere Dinge gehörten ebenso dazu wie der eine oder andere Streit.

Meine Meinung zu dem Buch kann ich nur schwer in Worte fassen. Zu unterschiedlich waren meine Gedanken während des Lesens. Irgendwie plätschert die Geschichte auf knapp 500 Seiten vor sich hin, irgendwie aber auch nicht, da Sam Baker mit ein, zwei Kniffen genau das vermeiden will. Irgendwie konnte ich jede der vier Freundinnen verstehen, irgendwie aber auch nicht. Irgendwie konnte mich das Buch überzeugen, irgendwie aber auch nicht. Festzuhalten ist aber, dass der Schreibstil der Autorin angenehm zu lesen ist und das Verhältnis von Humor und Tiefgründigkeit sehr ausgewogen und stimmig ist. Es ist ein Buch zum lächeln und zum schluchzen.

»Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass sie gestorben ist und ihre Geheimnisse mit ins Grab genommen hat. Weil sie es so wollte.« (Seite 285)

Alles in allem war „Die besten Freunde meines Lebens“ eher Durchschnitt für mich. Aber eigentlich hat es dieses Attribut nicht verdient. Dafür ist die Idee dahinter einfach zu schön – auch wenn es für meinen Geschmack ein wenig an der Umsetzung gehapert hat. Im Großen und Ganzen ist es ein tolles Buch für gemütliche Stunden auf der Couch, das hervorragend in den Leseherbst – am besten in Kombination mit Kuscheldecke und Tee – passt.

4SaFi


[Rezension] Lieblingsmomente | Adriana Popescu

Lieblingsmomente
 
Titel: Lieblingsmomente
Autor: Adriana Popescu
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3-492-30446-7
Verlag: Piper
Veröffentlichung: 13. August 2013
Leseprobe

 

Zum Inhalt:

Es beginnt damit, dass Layla ein Foto vom verträumt tanzenden Tristan schießt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Schnell entwickelt sich die anfängliche Sympathie zu einer tiefen Freundschaft. Aber auf keinen Fall kann daraus mehr werden, schließlich sind beide vergeben. Tristan liebt Helen und Layla lebt mit ihrem Oli zusammen. Doch während dieser seine wenige freie Zeit lieber mit seinen Kumpels als mit seiner Freundin verbringt, erlebt Layla mit Tristan Lieblingsmomente. So macht er z. B. aus fliegenden Wunderkerzen Sternschnuppen für Layla, weil sie noch nie echte gesehen hat. Ohne Folgen bleibt dies natürlich nicht. Und nach und nach steht Laylas Leben immer mehr auf dem Kopf…

Lieblingsmomente - Adriana Popescu

Lieblingsmomente – Adriana Popescu

 Meine Meinung:

Bereits nach wenigen Sekunden des wunderschönen Trailers mir klar: Dieses Buch muss ich lesen. Ich fieberte dem Erscheinungstermin des Taschenbuchs entgegen und fing dann mit einigermaßen hohen Erwartungen an zu lesen, da ich schon einige sehr positive Stimmen dazu gelesen hatte. (Das E-Book wurde ja schon knapp einen Monat früher veröffentlicht.) Jetzt, nachdem ich das Buch förmlich verschlungen habe, freue ich mich sagen zu können, dass meine Erwartungen, bis auf eine Kleinigkeit hier und da, gänzlich erfüllt wurden.

„Wenn man jemanden so gut kennt, wenn man jemanden so nah an sich herangelassen hat, dass man sein Leben um besagte Person herumgebaut hat, dann muss man nicht mehr um jedes »Ich liebe dich«  betteln. Es setzt das alles voraus. Oder? Na, eben.“ (Seite 48)

Wer denkt, dass er mit „Lieblingsmomente“ eine kitschige Liebesschnulze zu lesen bekommt, der irrt sich. Und zwar gewaltig. Ja, es geht um die Liebe und es kommt auch Romantik darin vor. Aber im Vordergrund stehen Layla und Tristan als Personen, die versuchen, ihre offensichtlich vorhandenen Gefühle für einander ganz tief zu vergraben und einfach nur gute Freunde sein wollen. Es geht um die kleinen Momente des Lebens, die es erst lebenswert machen. Um schlechte Zeitpunkte, in Vergessenheit geratene Träume…

Anfangs konnte ich noch nicht so wirklich nachvollziehen, warum sich Layla zu Tristan hingezogen fühlt – vom optischen jetzt mal abgesehen. ;) Sie hat doch einen Freund daheim, mit dem sie seit fünf Jahren zusammen ist, mit dem sie ihr Leben und auch eine Wohnung teilt. Schon bald wurde mir aber klar, dass genau dieser Freund der Schlüssel ist. Für mich, um verstehen zu können. Für Layla, um diese Gefühle für Tristan entwickeln zu können. Wenn ich so einen Typen wie Oli zu Hause sitzen hätte, würde ich mich wahrscheinlich nicht viel anders verhalten. Und mit der Zeit wird dann auch noch etwas anderes klar: Tristan ist zwar der Auslöser, aber nicht der Grund. Manchmal braucht es eben einen anderen Menschen, damit man über sein eigenes Leben nachdenkt und ehrlich zu sich selbst ist. Denn dazu gehört eine Menge Mut – vor allem dann, wenn die Antworten nicht unbedingt positiv ausfallen könnten…

„Oli Handy:
Keine Milch mehr im Haus, auf dem Heimweg bitte besorgen!“ (Seite 117)

Adriana Popescu hat Layla und Tristan viel Leben eingehaucht. Laylas innere Zerrissenheit, ihre Wünsche, Ängste und Zweifel, hat die Autorin sehr gut und nachvollziehbar zu Papier gebracht. Und durch die Gedanken  und Schilderungen von Layla in Bezug auf Tristan konnte ich mir von ihm ein ebenso gutes Bild machen und habe mich für sie gefreut, dass sie einen so gutaussehenden und charmanten Auslöser gefunden hat.

Der Schreibstil lässt sich wunderbar angenehm lesen und sorgt dafür, dass die Seiten nur so durch die Hände fliegen. Lustige und stellenweise auch äußerst amüsante Begebenheiten wechseln sich mit nachdenklichen und gefühlvollen Momenten ab. Und immer mal wieder kommt der tolle sarkastische und ironische Humor der Autorin in Form kleinen Seitenhieben vor. Mir hat dieses Gesamtpaket, die Mischung aus Tiefgründigkeit und guter Laune, sehr gut gefallen.

„Wie lange soll ich mir noch einreden, dass das mit der Freundschaft zwischen uns klappt? An seinen guten Freund denkt man nicht, wenn man gerade mit seinem festen Freund schläft.“ (Seite 168)

Das Ende scheint durch den Prolog (der mich übrigens direkt mal zum Schluchzen gebracht hat) schon vorgegeben. Und in gewisser Weise ist es auch so – zumindest wenn es um das Wie? geht. Aber in Bezug auf das Warum? geht das Buch schlussendlich doch völlig anders aus, als ich es für möglich gehalten hätte und der Leseweg mich über weite Strecken vermuten ließ.

Während des Lesens hatte ich so manches Mal das Gefühl, dass Adriana Popescu dieses Buch nicht bloß geschrieben hat, sondern das sich darin auch ein Stück ihres Ichs widerspiegelt. Sie beschreibt ihre geliebte Heimatstadt Stuttgart mit so tollen und nahe bringenden Worten, dass ich der Kesselstadt zweifelsohne auch mal einen Besuch abstatten muss. Schon alleine, um im oder besser gesagt am Palast der Republik ein Bierchen zu trinken. Zudem lässt sie auch noch ihre persönliche Begeisterung für die Fotografie einfließen, und der Sänger des Soundtracks zum Buch, Thomas Pegram, nimmt eine nicht ganz unwichtige Rolle ein.

„Lieblingsmomente“ ist ein Buch über Hoffnungen und Träume, über Freundschaft und Liebe. Und über die Frage, ob der falsche Zeitpunkt nicht manchmal doch genau der richtige sein kann. Ich habe die Geschichte von Layla und Tristan sehr gerne gelesen und freue mich, nach einem kleinen, durchaus fiesen Cliffhanger, bald wieder Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen. Nämlich dann, wenn im nächsten Jahr „Lieblingsgefühle“ erscheint.

„Zieh die Notbremse, und steig aus.
Tu’s für dich, nur für dich.
Es steckt mehr in dir, als du denkst.
Mach jeden Moment zu einem Lieblingsmoment.“
(Seite 361 / »Lieblingsmoment« von Thomas Pegram)

4,5SaFi

Der Soundtrack zum Roman „Lieblingsmomente“ von Thomas Pegram.


Türkisgrüner Winter [Rezension]

Türkisgrüner Winter
 
Titel: Türkisgrüner Winter
Autor: Carina Bartsch
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-499-22791-2
Verlag: rororo
Veröffentlichung:  25. Januar 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Es herrscht Funkstille – Elyas meldet sich nicht mehr bei Emely. Keine SMS, keine Anrufe mitten in der Nacht, keine unangekündigten Besuche mehr. Emely ist verwirrt. Schließlich war dieses Verhalten von Elyas doch ihr ständiger Begleiter während des Sommers. Sie beschließt, auf einer Halloween-Party mit ihm zu reden, die Lage zu klären. Es kommt zu einem ersten Kuss, und eigentlich sieht es auch ganz gut für die beiden aus. Doch dann kommt eine Wahrheit ans Licht, die alles verändert…

Meine Meinung:

>>Wovor hast du Angst, Emely?<<
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich die Worte tatsächlich über die Lippen brachte. >>Ich … ich habe Angst, dass du mir ein zweites Mal das Herz brichst.<<
(Seite 78)

Seit Kirschroter Sommer ist bei mir einige Zeit vergangen. Doch jetzt war es endlich soweit. Ich habe den Sommer im Winter und den Winter im Sommer gelesen…

Schon im ersten Teil gefielen mir ja die Schlichtheit der Story, die Natürlichkeit der Charaktere und die Nachempfindbarkeit der Situationen und Gefühle. Ich fand es toll, keine übertriebene Lovestory á la Hollywood zu lesen. Und was soll ich sagen? Die Autorin ist ihrer Linie treu geblieben – zum Glück. :)

Eine Situation wie diese hat wohl fast jede junge Frau (und wahrscheinlich auch der eine oder andere unglücklich verliebte junge Mann) schon mal erlebt. Alles fängt so schön an, nach einem ersten langen und innigen Kuss. Doch dann kommt der große Schock und die Welt um einen herum zerbricht. Von jetzt auf gleich… Von mir kann ich das auf jeden Fall behaupten – auch wenn diese Zeit bei mir zum Glück schon lange zurückliegt. Umso so bemerkenswerter finde ich, dass Carina Bartsch es geschafft hat, dass ich mich während des Lesens wieder wie damals gefühlt habe, als ich um die zwanzig Jahre alt war, und ich mich ziemlich gut daran erinnern konnte, wie es mir damals ging.

>>Wenn ich<<, begann er und brach ab, bevor er noch mal neu ansetzte. >>Wenn ich, sagen wir, etwas sehr Dummes getan hätte. Aus den völlig falschen Gründen heraus. Aber die Gründe sich inzwischen geändert hätten – würdest du es dann wissen wollen?<<
(Seite 82)

Carina Bartsch hat mich zusammen mit Emely und Elyas auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen. Während es in Kirschroter Sommer ja noch fröhlich-frech zugegangen ist, kommen hier die Emotionen auf den Tisch. Und zwar alle, die man sich so vorstellen kann. Emotionen, die jeder schon einmal erlebt hat. Rosa Schäfchenwolken werden von grauen Gewitterwolken vertrieben.

Ich konnte Emelys Herzschmerz so gut nachempfinden. Der gute alte, alles zerfressende Liebeskummer. Die ständigen Fragen, ob und was man selbst falsch gemacht hat. Die verschiedenen Phasen des Leidens. Und obwohl man es nicht direkt mitbekommt, da die Geschichte ja aus Emelys Sicht geschrieben ist, bekommt man einen ziemlich guten Eindruck davon, dass auch Elyas leidet. Mir hat es sehr gut gefallen, dass die Emotionen, Gedanken und Gefühle von Emely und Elyas der Dreh- und Angelpunkt des Buches waren. Ich habe die beiden ja bereits während des Sommers in mein Herz geschlossen. Jetzt, nach dem Winter, haben sie sich diesen Platz aber redlich verdient.

>>Haben wir denn … eine Geschichte?<<, fragte er.
>>Elyas<<, sagte ich mit einem Lächeln. >>Ich glaube, wir haben mittlerweile ein ganzes Buch. So dick, dass man zwei daraus machen könnte.<<
(Seite 127)

Die typischen Emely-Elyas-Wortgefechte gibt es auch in Türkisgrüner Winter wieder. Aber nur zu Beginn, denn mit Voranschreiten der Geschichte gibt es dafür einfach keinen Grund mehr – zu schwer wiegt der Herzschmerz. Und obwohl mir diese witzigen Dialoge der zwei im Sommer sehr viel Freude beschert haben, hat die Geschichte des Winters für mich zu keinem Zeitpunkt an Reiz verloren. Denn Carina Bartsch hat einfach eine ganz tolle Art zu schreiben, selbst wenn es keinen Platz für ihren tollen Humor gibt.

Wer sich nun wünscht, einen Hinweis in Sachen Happy End von mir zu bekommen, den muss ich leider enttäuschen. Keine Silbe werde ich dazu schreiben. ;)

Türkisgrüner Winter hat mir emotionale Lesestunden beschert. Ich bin tatsächlich ein wenig traurig, dass ich mich nun von Emely und Elyas verabschieden muss. Und wenn ich jetzt schreibe, dass ich die Bücher von Carina Bartsch liebe, übertreibe ich kein bisschen.

„Die Menschen sprachen immer von einem weißen Winter, doch mein Winter war überschattet von der Farbe Türkisgrün. Egal was ich tat, meine Gedanken gehörten Elyas. Ich trug unsere Geschichte, unser Buch mit all den zahlreichen Kapiteln mit mir herum, gleichgültig wo ich mich befand. Es war, als hätte es jemand beim Lesen einfach zugeschlagen und weggelegt. Genau mittendrin. Gerade, als es am Schönsten gewesen war.“
(Seite 222/223)

5 HerzenSaFi


Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner [Rezension]

Mrs Roosevelt und das Wunder von Earls Diner von Edward Kelsey Moore
 
Autor: Edward Kelsey Moore
Titel: Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner
Seitenzahl: 448
ISBN: 978-3-8090-2623-5
Verlag: Limes
Veröffentlichung: 18. März 2013
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

Seit fast vierzig Jahren gehen die drei Freundinnen Odette, Clarice und Barbara Jean miteinander durch dick und dünn. Und ungefähr genauso lang ist das Dreiergespann nur als die »Supremes« bekannt. Jeden Sonntag treffen sie sich gemeinsam mit ihren Ehemännern in Earl’s Diner, wo sie einst ihren Spitznamen erhielten. Unter den wachsamen Augen von Big Earl, dem Besitzer des Diners, wuchsen sie zu dem heran, was sie heute sind: drei kluge, witzige und starke Frauen. Und auch nach seinem Tod hat Big Earl weiterhin ein Auge auf seine »Supremes« – so wie auch andere gute Geister, denn dem Charme dieser außergewöhnlichen Ladys kann einfach niemand widerstehen … (Buchrücken)

Meine Meinung:

Auf dem Buchrücken ist zu lesen: „Ein köstliches Debüt zwischen Grüne Tomaten und The Help, das Ihnen auf der Zunge zergehen wird!“

Bezogen auf die Zunge und das Zergehen kann ich dem voll und ganz zustimmen. Mich haben diese wundervollen Ladys aber vor allem an die nicht weniger tollen Damen aus Magnolien aus Stahl erinnert – wenn man Odette, Clarice und Barbara Jean denn überhaupt mit anderen vergleichen kann. ;)

„Als sie James und Odette auf das All-You-Can-Eat zugehen sah, fragte sich Clarice, wie um alles in der Welt ausgerechnet sie selbst diejenige der Supremes werden konnte, die sich in ihre Mutter verwandelt hatte. Odette mochte zwar aussehen wie ihre Mutter, aber sie war völlig anders als Dora Jackson, die Clarice mit ihrem Gerede von Geistern und ihrer rustikalen Schroffheit immer etwas eingeschüchtert hatte. Und Barbara Jean, mit ihrem Wohlstand, ihrer Bürgerlichkeit und ihrer wohltätigen Großzügigkeit, war so weit davon entfernt, das traurige, hoffnungslose Leben ihrer Mutter nachzuleben, wie man es sich nur vorstellen konnte.“ (S. 42)

Edward Kelsey Moore hat mit dem tollen, angenehm zu lesenden, immer wieder andere Gefühle in mir weckenden Schreibstil in seinem Debütroman dafür gesorgt, dass ich mich wie das vierte Mitglied der »Supremes« fühlte. Durch den tollen Aufbau der Geschichte bekommt man als Leser zudem die Chance, dass im Kopf entstehende Bild zu ergänzen und zu vervollständigen. Denn diese verläuft nicht gradlinig. Immer mal wieder gewährt der Autor wichtige und erklärende Einblicke in die Vergangenheit der drei Ladys.

Der Buchrücken und der Klappentext verraten nicht zu viel vom Inhalt, und so möchte ich es in dieser Rezension auch gerne halten. Ich habe mich gerne verzaubern lassen von dieser tollen Geschichte, auch wenn es anfangs ein wenig tricky war, die wechselnden Orte, Zeiten und handelnden Personen unter einen Hut zu bekommen. Wenn man während des Lesens den Kopf aber ein wenig abschaltet und sich einfach in dieses Buch hineinplumpsen lässt, kann einem dieses Debüt wirklich auf der Zunge zergehen.

„Aber Clarice würde zu Barbara Jean nie ein Wort darüber verlieren, wie sie sich kleidete, das wussten wir beide. Genauso wenig wie sie und Barbara Jean mir ins Gesicht sagen würden, dass ich fett sei, und Barbara Jean und ich Clarice nicht mit der Nase darauf stoßen würden, dass ihr Mann ein räudiger Hund war. Das war Teil der freundschaftlichen Rücksichtnahme, die mit der Mitgliedschaft bei den Supremes einherging. Wir sahen über die Fehler der anderen hinweg und behandelten uns gegenseitig gut, auch dann, wenn wir es nicht verdienten.“ (S. 57)

Ich habe Odette, Clarice und Barbara Jean während des Lesens in mein Herz geschlossen und mir sogar gewünscht, dass es diese drei Frauen genauso irgendwo auf dieser Welt tatsächlich gibt. Ich würde sie nämlich wahnsinnig gerne kennen lernen und sonntags nach der Kirche mit ihnen in Earl’s Diner gehen. Diese drei Ladys, ihre Männer, Nachbarn und alle anderen Bewohner der Kleinstadt Plainview haben ihre Schrullen und Macken. Aber genau diese machen sie so liebenswert – zumindest in den meisten Fällen.

Den deutschen Titel finde ich nicht so richtig passend. Mrs. Roosevelt spielt zwar eine Rolle in diesem Buch, stellenweise sogar eine wichtige, aber das eine Wunder konnte ich in diesem Buch nicht ausmachen. Für mich waren es eher viele kleine Wunder, die aber nicht in Zusammenhang mit der erwähnten Mrs. Roosevelt stehen. Der Original-Titel lautet schlicht und einfach „The Supremes at Earl’s All-You-Can-Eat“ und hätte meiner Meinung nach genauso gut auch für die deutsche Ausgabe verwendet werden können. Aber dies ist nur eine Notiz am Rande und hat nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun.

Einfach ein tolles Buch. Obwohl bezaubernd es doch ein wenig besser treffen würde. Ich kann es nur empfehlen.

5 HerzenSaFi