[Rezension] Niemand liebt November | Antonia Michaelis

Niemand liebt November
Titel: Niemand liebt November
Autor: Antonia Michaelis
Seitenzahl: 432  Seiten
Verlag: Oetinger
Genre: Jugendbuch, ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7891-4295-6
Veröffentlichung: 20. August 2014
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Zum Inhalt:

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft. (© Oetinger Verlag)

Meine Meinung:

„Zwei Fragen.
Erstens: Ist es sinnvoll, weiterzuleben?
Zweitens: Ist es sinnvoll, alleine Geburtstag zu feiern?
Ein Teil von ihr hatte gedacht, sie würden an ihrem Geburtstag wieder da sein. Mit einem Geschenk. Sie waren jetzt seit einer Woche weg. Sie wusste nicht, was passiert war. Sie hatte geschlafen.
Sie hatte den Kuchen ganz allein gebacken. Gut, dass sie die Kerzen gefunden hatte. Vier Stück. Zwei zu wenig. Sie war sechs Jahre alt.“ (Seite 7)

„Niemand liebt November“ – der Titel ist Programm. In Novembers Vergangenheit. In Novembers Gegenwart.

Antonia Michaelis’ schafft es immer wieder, mich mit den ersten Worten ihrer Geschichte in diese hineinzuziehen. Und am Ende, wenn ich aus dieser wieder in die reale Welt auftauche, fühle ich mich emotional erschöpft, ausgelaugt. Die Schicksale ihrer Protagonisten gehen mir unter die Haut. Auch ihr neuestes Jugendbuch bildet da keine Ausnahme.

November Lark, Spitzname Amber, ist ein einsames Mädchen. Mit ihren 17 Jahren hat sie schon einiges erlebt. Nach dem Verschwinden ihrer Eltern kurz vor ihrem sechsten Geburtstag kam Amber in diverse Heime und Pflegefamilien. Zuletzt lebte sie in einer betreuten WG. Doch Amber hatte immer Probleme, sich in den verschiedenen Einrichtungen anzupassen. Unablässig trieb sie das Gefühl, dass ihre Eltern noch leben. Dass sie sie bloß finden muss, damit ihr Leben wieder lebenswert wird.

„Etwas in ihr schmerzte. Weil nur Lucy Andrusch Pajak küsste und weil November Lark, die echte November, sich danach sehnte, von einem Jungen in die Arme genommen zu werden, der Bücher las und ein rot-gelbes Igluzelt besaß. Von einem Jungen, der auf unerklärliche Art zu ihr gehörte. Und den sie doch nicht finden konnte.“ (Seite 51)

Das daraus resultierende Gefühl der Leere und der Unvollständigkeit hat Antonia Michaelis mit ihren Worten wunderbar transportiert. So habe ich zu keiner Zeit an Ambers Taten, Gedanken und Gefühlen gezweifelt. Ich verspürte vielmehr das Bedürfnis, Amber bei ihrer Suche helfen zu wollen. Doch mehr, als ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie lesend auf ihrem Weg zu begleiten, konnte ich leider nicht tun.

Ambers Charakter hat von der Autorin viele passende Facetten verliehen bekommen. Auf der einen Seite unsicher und introvertiert, kann sie aber auch provokant und aufreizend sein – in Situationen die Amber zu überfordern scheinen. Dann wird aus Amber Lucy. Lucy kann Menschen, vor allem Männer, um den Finger wickeln, Antworten aus ihnen herauslocken. Doch um das zu erreichen tut Lucy Dinge, die Amber zwar die fehlende und nötige Wärme geben, ihr aber in gleicher Weise auch schaden.

„Ihr Handgelenk schmerzte, dort, wo Katja sie festgehalten hatte; das Gefühl war ganz anders als der Schmerz, für den sie bezahlt worden war. Es reichte tiefer. Und das erstaunte sie selbst.“ (Seite 299)

Die anderen Charaktere sind ähnlich vielschichtig. Selbst die namenlose Katze, Ambers treue und ständige Begleiterin, zeichnet sich durch einen – zugegebenermaßen von Amber eingebildeten – tiefgründigen Charakter aus. Kneipenwirt Katja, der lesende Junge im rot-gelb leuchtenden Igluzelt und der unbekannte Drohbriefschreiber sowie die Unterschlupf gewährende alte Dame runden die Geschichte, jeder auf seine eigene Art und Weise, ab.

Düster ist die Grundstimmung und auch Färbung der Geschichte – in vielerlei Hinsicht. Die Aura, die Amber umgibt; das Winterwetter in der Großstadt; der Hausflur, in dem Amber ihre Nächte verbringt … Und das ein oder andere Mal wird aus düster auch pechschwarz und dunkel wie die Nacht. Lichtblicke gibt es nur selten. Und wenn, dann in Form des gelb-rot leuchtenden Igluzeltes.

„Sie war nicht mehr als ein Gegenstand. Man konnte ihn wegwerfen oder aufbewahren, für später. Sie fragte sich, ob man nach Gebrauch Pfand für die leere Hülle bekam.“ (Seite 238)

Ambers Suche gleicht einer Schnitzeljagd. Mit jedem neuen Hinweis kommt sie dem Rätsel um das Verschwinden ihrer Eltern ein Stückchen näher. Während ihrer Suche lässt sie sich weder durch die mysteriösen Drohbotschaften noch von Katjas Einwänden aufhalten. Denn am Ende, wenn sie ihrer Eltern und somit die Liebe gefunden hat, wird alles wieder gut werden. Davon ist Amber felsenfest überzeugt. Und ich war es auch. Ich habe mit und für Amber gehofft, dass ihre Wünsche – auch die geheimsten – wahr werden.

Im Verlauf der Geschichte passiert so einiges. Amber geht durch viele Tiefen und ab und zu erlebt sie auch mal ein kleines Hoch. Ich klebte wie gebannt an den Seiten und wollte zusammen mit Amber das Geheimnis lösen. Als sich der Nebel der Unwissenheit dann zum Ende hin mehr und mehr verzieht, sieht man zwar einiges deutlicher aber nicht unbedingt klarer. Und für meinen Teil war die Auflösung des Verschwindens ein wenig du dürftig für ein Buch dieses Formates. Das ist aber auch schon der einzige, kleine Minuspunkt und die Auswirkungen auf meinen Gesamteindruck sind nicht von großer Bedeutung.

„Niemand liebt November“ war mein drittes Jugendbuch der Autorin und kann problemlos mit „Der Märchenerzähler“ und „Die Worte der weißen Königin“ mithalten. Antonia Michaelis’ ganz eigene Art und Weise zu schreiben liegt sicherlich nicht jedem. Für mich sind ihre Bücher aber immer ein ganz besonderes Lesevergnügen.

»Jetzt gehörst du mir«, flüsterte er. »Ich bin der Letzte, dem du gehörst. Und damit eigentlich der Einzige.« (Seite 392)

4,5SaFi


[Rezension] Zeit für Eisblumen | Katrin Koppold

Zeit füŸr Eisblumen
 
Titel: Zeit fur Eisblumen (Sternschnuppen-Reihe 2/4)
Autor: Katrin Koppold
Seitenzahl: 314 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1-492-10032-4
Veröffentlichung: 07. August 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Nach der Geburt ihres Sohnes Pauls gerät das Leben der Moderedakteurin Fee völlig aus den Fugen: Der Job stresst, in ihre alte Kleidergröße passt sie immer noch nicht wieder hinein und ihr Freund Sam scheint sie mit ihrer verhassten Kollegin zu betrügen.
Als sie nach einem Fehler auf der Arbeit von ihrem Chef in Zwangsurlaub geschickt wird, beschließt Fee, ihr Leben zu ändern. Sie trennt sich von Freund Sam und macht sich mit ihrer Mutter und dem elf Monate alten Paul auf ins winterliche Irland. Fernab vom Stress und der Hektik der Großstadt versucht Fee, zu sich selbst zu finden. Und sie möchte David wiedersehen, einen Straßenmusiker, mit dem sie vor einiger Zeit eine Affäre hatte – und den sie seitdem einfach nicht vergessen kann. (© Katrin Koppold)

Zeit für Eisblumen_Artikelbild

Meine Meinung:

Nachdem mir die Reise von Helga in „Aussicht auf Sternschnuppen“ so gut gefallen hat, musste ich unbedingt auch die Geschichte von ihrer Schwester Fee in „Zeit für Eisblumen“ lesen…

Relativ schnell wurde klar: In „Zeit für Eisblumen“ geht es ein wenig ernster zu als noch im ersten Teil der Sternschnuppenreihe. Das liegt natürlich vor allem an den Themen, die Katrin Koppold hier aufgreift – z. B. Wochenbett-Depressionen.

Doch trotz der ernsten Untertöne ist es der Autorin gelungen, die Geschichte angemessen locker und leicht zu erzählen. So wirkt sie nicht zu schwer und gibt einem auch nicht Gefühl, vom dem Gelesenen erdrückt zu werden. Ein absoluter Pluspunkt für mich.

„Wir stellten uns unter einem großen Ahornbaum in Position. Helga, zwei Hände fest um ihren Babybauch geschlungen, Lilly in ihrem voluminösen Brautkleid, Mia mit ihrer Irokesenfrisur und ich. Wir sahen glücklich aus in diesem Moment.“ (Seite 18)

Katrin Koppold hat schon bei „Aussicht auf Sternschnuppen“ unter Beweis gestellt, dass sie das Talent hat, Orte und Landschaften so zu beschreiben, dass man während des Lesens das Gefühl hat, live dabei zu sein. Bei „Zeit für Eisblumen“ kommt man auch wieder in diesen Genuss. Man befindet sich gemeinsam mit Fee auf der Reise und genießt den schönen Anblick von Irlands Landschaft.

Die Geschichte in „Zeit für Eisblumen“ startet langsam und führt die Leserinnen erstmal in das momentane Leben von Fee ein, bevor es nach Irland geht. Seite für Seite bekommt man einen besseren Einblick in das Wie und Warum. Durch immer mal wieder eingestreute Rückblicke gewährt die Autorin Einblicke in die Zeit vor und während Fees Schwangerschaft und rundet somit ihr Profil ab.

Dabei ist Fee keineswegs eine Frau, von der ich behaupten könnte, gerne mit ihr befreundet sein zu wollen. Auf mich wirkte sie lange Zeit zu oberflächlich und ich-bezogen. Zumindest zu Beginn des Buches. Zum Ende hin kehrt sich dieses Bild ein wenig ins Gegenteil um. Doch bis es soweit ist, muss Fee viele kleine Schritte zurücklegen.

„Die Sängerin sang von Wunden, die nicht heilten, von einem Schmerz, der zu echt ist, und dass es zu viel gibt, was die Zeit nicht heilen kann. Ich lachte auf. Ja! Mit Wunden, die nicht heilten, kannte ich mich aus …“ (Seite 246)

„Zeit für Eisblumen“ ist für mich kein „typischer“ Chick-Lit-Frauenroman. Ernste Untertöne vermischen sich hier mit einem lockeren Schreibstil zu einer Geschichte, die die Leserinnen in das winterliche Irland entführt und eine wunderbar wahre Botschaft hat: Nimm dir Zeit für Eisblumen. Wer weiß, was du sonst verpasst?!

4SaFi


Die Zerbrechlichkeit des Glücks [Rezension]

Die Zerbrechlichkeit des Gluecks von Helen Schulman
 
Titel: Die Zerbrechlichkeit des Glücks
Autor: Helen Schulman
Seitenzahl: 256
ISBN: 978-3-442-47720-3
Verlag: Goldmann
Veröffentlichung: 15. Juli 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Nach einer Party findet Jake eine Mail in seinem Postfach, die es in sich hat. Ein Mädchen aus seiner Schule hat ihm ein erotisches Video geschickt – von sich selbst. Ehe Jake sich versieht, leitet er das Video schockiert an seinen besten Freund weiter, ohne sich irgendwas Schlimmes dabei zu denken. Doch diese unbedachte Tat verändert sein Leben, das seiner Familie und nicht zuletzt das Leben des Mädchens, für immer…

Die Zerbrechlichkeit des Glücks - Helen Schulman

Die Zerbrechlichkeit des Glücks – Helen Schulman

Meine Meinung:

Um es gleich vorweg zu nehmen: Viel Gutes kann ich über dieses Buch, das dank des wunderschönen Covers und der viel versprechenden Inhaltsangabe sofort auf meiner Wunschliste gelandet ist, leider nicht sagen.

„Wie so viele folgenschwere Dinge fing alles mit einer Party an.“
(Seite 11)

Die Thematik des Buches – der leichtsinnge Umgang mit dem Internet und die Folgen davon, Pornografie im Internet und der leichte Zugang zu dieser – die ja durchaus aktuell ist und in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch noch an Brisanz zulegen wird, finde ich sehr interessant. Doch leider ließ die Umsetzung für mich schwer zu wünschen übrig.

Für meinen Geschmack verzettelte sich die Autorin in zu vielen Kleinig- und Nichtigkeiten, die, wenn überhaupt, nur am Rande etwas mit dem Geschehen zu tun hatten. Immer wieder wurde die aktuelle Handlung unterbrochen, indem sich entweder die Mutter, der Vater oder Jake selbst an irgendwelche Dinge aus der Vergangenheit erinnerten und dann über weite Strecken einfach nur rumschwafelten. Wäre es bei diesen Rückblicken geblieben, hätte ich vielleicht noch damit leben können. Aber diese Rückblenden waren zusätzlich auch noch recht verschachtelt aufgebaut und haben mir das das Lesen ziemlich erschwert. Es mag durchaus sein, dass diese Vergangenheitsbewältigung irgendwie wichtig für das aktuelle Geschehen sein sollte. Wenn dem so war, habe ich den Zusammenhang aber schlicht und einfach nicht erkennen können.

„Das verdammte Video war einfach überall. Es verstopfte Jakes Mailbox, irgendwelche Leute schickten es ihm, ohne zu wissen, dass es ja für ihn gedacht gewesen war, dass er Muse und Inspiration dafür war und es selber verbreitet hatte. Es war einfach überall.“
(Seite 89)

Es fiel mir alles andere als leicht, am Ball zu bleiben. Dazu trug auch der Schreibstil bei. Teilweise kamen ellenlange Sätze vor, bei denen ich schon in der Mitte nicht mehr wusste, was am Anfang stand. Über all das hätte ich evtl. sogar noch hinweg sehen können, wenn ich das zu lesen bekommen hätte, was mir der Klappentext suggeriert hat. Dem war aber leider nicht so. Denn für mich standen nicht Jake oder gar das Mädchen aus dem Video im Mittelpunkt dieser Geschichte, sondern Jakes Eltern und wie sich diese ganze Angelegenheit auf ihre Ehe auswirkt.

Mit knapp 250 Seiten ist das Buch ja nun kein Wälzer. Ich habe es mir zwar nicht gesondert notiert, aber ich würde schon sagen, dass sich knapp die Hälfte des Buches mit der Vergangenheit der Familie befasst. Ein Viertel befasst sich in etwa mit der momentanen Familiensituation vor dem Video. So bleibt dann, meiner Einschätzung nach, lediglich ein Viertel für Jakes unüberlegte Tat und deren Folgen übrig. Für mich ist das einfach zu wenig, gerade in Bezug auf die angekündigten langfristigen Folgen. Diese wurden zum Schluss auf wenigen Seiten und mit knappen Worten abgehandelt.

„Ob es ihm gefallen hatte? Danach hatte ihn bisher noch niemand gefragt.“
(Seite 176)

Leider war dieses Buch absolut nichts für mich. Positiv in Erinnerung bleiben wird mir lediglich das sehr schöne Cover und die letzten Seiten.

1,5

SaFi


Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims [Rezension]

Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims von Annabel Pitcher
 
Titel: Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims
Autor: Annabel Pitcher
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-442-31253-5
Verlag: Goldmann
Veröffentlichung: 21. Mai 2012
Leseprobe

 

Zum Inhalt:

Seit seine Schwester Rose vor fünf Jahren starb, ist in Jamies Familie nichts mehr so, wie es mal war. Die Mutter hat die Familie verlassen, der Vater gibt sich nur noch dem Alkohol hin und seine andere Schwester Jas hat das Essen quasi komplett eingestellt und sich äußerlich total verändert, weil sie nicht mehr so aussehen will, wie ihre verstorbene Zwillingsschwester. Aber zum Glück gibt es da ja noch Sunya, Jamies Klassenkameradin, und das Spider-Man T-Shirt, das ihm seine Mutter zum Geburtstag geschickt hat…

Meine Meinung:

Als erstes sprang mir natürlich der außergewöhnliche Titel und auch das wunderschöne Cover ins Auge. Bislang dachte ich immer, dass das abgebildete Kind die verstorbene Rose wäre. Aber nein, es ist Jamie. 10 Jahre jung und „Superheld“ dieser ergreifenden Geschichte…

„Wenn wir nicht am Trafalgar Square gewesen wären oder es dort keine Tauben gegeben hätte, oder wenn Rose nicht so wild, sondern artiger gewesen wäre, dann würde sie noch leben, und ich hätte eine glückliche Familie.“
(Seite 47)

Aus der Sicht eines zehnjährigen schildert Annabel Pitcher den Zerfall einer einst intakten Familie. Als Leser dieses Buches hält man quasi Jamies Tagebuch in den Händen.

Aus seiner Sicht, mit seinen Worten beschrieben, wirkt vieles im ersten Moment gar nicht so tragisch, wie es eigentlich in Wirklichkeit ist. Aber da ich ja nun mal erwachsen bin, habe ich die Dinge in diesem Buch völlig anders wahrgenommen als Jamie.

Die Mutter hat die Familie verlassen, der Vater ist dem Alkohol verfallen und schenkt der Urne auf dem Kaminsims mehr Aufmerksamkeit als seinen beiden noch lebenden Kindern. Das zumindest haben die Eltern noch gemeinsam, wenn sie auch sonst nichts mehr vereint: sie vernachlässigen Jamie und Jas.

„Oma sagt Die Menschen wollen immer das haben, was sie nicht bekommen können, und ich glaube, sie hat recht. Dad möchte, dass Rose noch lebt und Jas wieder zehn ist. Ich habe zwar das richtige Alter, aber das falsche Geschlecht, Jas hat das richtige Geschlecht, aber das falsche Alter, und Rose hat das richtige Alter und das richtige Geschlecht, aber sie ist tot. Manche Menschen können nie zufrieden sein, ist ein anderer Spruch von Oma.“
(Seite 127)

Völlig auf sich allein gestellt, versuchen die beiden das Beste aus ihrer Situation zu machen. Dabei übernimmt Jas mit ihren gerade mal 15 Jahren die Mutter- und Vaterrolle, obwohl auch sie ihr Päckchen zu tragen hat. So oft wollte ich mich am liebsten nach England beamen, in der Küche Tee kochen, elterliche Pflichten übernehmen, Jamie und auch Jas in meine Arme schließen, Trost spenden, die beiden zum Lachen bringen…

Viele Höhepunkte bietet die Geschichte nicht, es gibt keine überraschenden Wendungen. All das braucht dieses Buch aber auch nicht. Und genau genommen zeichnet genau das dieses Buch aus. Dadurch wirkt es echt und beschert einem beim Lesen die unterschiedlichsten Emotionen.

„Sunyas Mum mag mich nicht, und Dad mag Sunya nicht. Aber die beiden müssen ja nicht immer recht haben, nur weil sie erwachsen sind.“
(Seite 217)

Es ist eins dieser Bücher, bei dem ich zig tausend Wörter schreiben könnte, aber auf der anderen Seite genau weiß, das weniger manchmal mehr ist.

Ein kleines Buch mit einer großen Botschaft. Man muss sich aber Zeit für dieses Buch nehmen. Ansonsten könnte man diese Botschaft leicht überlesen.

5 HerzenSaFi


Wo Milch und Honig fließen [Rezension]

Wo Milch und Honig fliessen von Grace McCleen
 
Autor: Grace McCleen
Titel: Wo Milch und Honig fließen
Seitenzahl:
384
ISBN: 978-3-421-04546-1
Verlag:
DVA Belletristik
Veröffentlichung: 04. März 2013
Leseprobe
 
 
 

Zum Inhalt:

Bis Montag muss ein Wunder geschehen. Sonst wird Judiths Klassenkamerad Neil sie wahrscheinlich in der Schultoilette ertränken. Denn Judith ist anders als ihre Mitschüler und wird jeden Tag gehänselt und verspottet. Nicht zuletzt, weil alle in der Stadt ihren tief religiösen Vater für einen Sonderling halten – und somit auch Judith selbst als Sonderling gilt.

Schnee wäre die Lösung. Viel Schnee. Dann würde vielleicht die Schule am Montag ausfallen. Aber es ist erst Oktober… Trotzdem versucht die zehnjährige Judith ihr Glück, und lässt es in ihrer selbst geschaffenen Welt, dem Land der Zierde, schneien.

Und am Montag liegt draußen tatsächlich Schnee. Viel Schnee. Und die Schule fällt aus, und Judiths Probleme fangen damit erst an…

Meine Meinung:

Ich habe einen bewegenden, aber auch heiteren Roman über eine junge Heldin erwartet, die sich ihre eigene kleine Welt in ihrem Zimmer erschaffen hat. Irgendwie habe ich auch genau das bekommen, aber leider nicht so, wie ich es erwartet hatte. Denn ich hatte doch einige Probleme mit dem übergeordneten Thema Religion. Hätte ich schon vor dem Lesen gewusst, dass die Religion einen dermaßen großen Platz in Anspruch nimmt, hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht gelesen.

„Ich heiße Judith McPherson. Ich bin zehn Jahre alt. Am Montag ist ein Wunder geschehen. So werde ich es nennen. Und das Wunder habe ich vollbracht. Weil Neil Lewis gesagt hatte, er würde meinen Kopf in die Toilette stecken. Weil ich Angst hatte. Aber auch, weil ich Glauben hatte.“ (S. 16)

Dies ist aber nicht die Schuld des Buches, oder der Autorin, sondern meine ganz eigene Meinung, quasi ein selbst geschaffenes Problem. So erging es mir auch schon bei anderen Büchern, die an sich nicht schlecht waren, mir aber aufgrund dieser besonderen Thematik nicht gefallen haben.

Zugegebenermaßen ist aber gerade die Religion ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte. Ohne sie würde die Geschichte nicht funktionieren – und genau deshalb hat die Geschichte bei mir leider nicht so richtig funktioniert. Die Geschichte an sich ist eigentlich ganz schön, der Schreibstil angenehm zu lesen. Ich konnte halt nur nicht so viel damit anfangen, wie ich es mir vom Buchrücken her gewünscht hätte.

„In meinem Zimmer ist eine Welt. Sie ist aus lauter Dingen gemacht, die niemand haben wollte, und sie ist aus Dingen gemacht, die meiner Mutter gehört haben, die sie mir hinterlassen hat, und ich habe fast mein ganzes Leben gebraucht, um diese Welt zu bauen.“ (S. 22)

Dennoch hat mich Judiths Schicksal durchaus berührt. Ich habe mit ihr gelitten, wenn sie in der Schule von Neil und den anderen Mitschülern immer wieder aufs Neue gehänselt, ausgelacht und verspottet wurde, ihr Vater ihr mal wieder nicht zuhören wollte und sie mit ihm von Haus zu Haus tingeln musste um im Namen der Zeugen Jehovas neue Jünger zu finden.

Letzten Endes entscheide ich mich mit drei Herzen für eine neutrale Bewertung.

3 HerzenSaFi


Verschwiegen [Rezension]

Verschwiegen von William Landay

Autor: William Landay
Titel: Verschwiegen
Seitenzahl:
480
ISBN: 978-3-570-58507-8
Verlag:
carl’s books
Veröffentlichung: 17. April 2012
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

Im April 2007 wird die Leiche von Ben Riffkin gefunden. Er war gerade Mal 13 Jahre alt und wurde erstochen. Staatsanwalt Andrew Barber übernimmt die Leitung in diesem Fall.

Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig und zäh. In der Schule von Ben, auf die auch Andrews Sohn Jacob geht, will sich niemand mit der Polizei und schon gar nicht mit dem Staatsanwalt unterhalten. Auf Facebook hingegen lassen sich die Schüler darüber aus, dass Jacob der Mörder von Ben ist.

Andrew Barber muss sich aber nicht nur mit seinem Sohn, sondern auch mit sich selbst beschäftigen …

Meine Meinung:

Die Geschichte wird komplett aus der Sicht von Andrew Barber erzählt und beginnt an einem Tag, an dem Andrew als Zeuge vor einer Grand Jury aussagt. In diese Aussage wird das eigentliche Geschehen, der Mord an Ben Riffkin und die Ermittlungen, eingebaut. So weit, so gut. Ich habe jedoch selten einen so interessant geschriebenen Thriller gelesen. Wobei interessant geschrieben irgendwie doch nicht die richtige Beschreibung ist. Vielleicht eher ungewöhnlich aufgebaut, oder doch eine Mischung aus beidem.

>>Ihnen ist bekannt, dass Sie das Recht haben, die Aussage zu verweigern?<< >>Selbstverständlich.<<
>>Und Sie machen keinen Gebrauch davon?<<
>>Offenbar, denn ich sitze ja hier. Und ich sage aus.<<
Gekicher vonseiten der Grand Jury. Logiudice legte seinen Block zur Seite und mit ihm vorgeblich für einen Augenblick auch seinen Schlachtplan.
>>Mister Barber, Andy, darf ich Sie etwas fragen? Warum machen Sie keinen Gebrauch davon? Warum schweigen Sie nicht einfach?<< Die nächsten Worte sagte er nicht laut: Ich an Ihrer Stelle würde genau das tun. (S. 13)

Unter anderem hat mich die Ausführlichkeit, mit der Landay, der selbst ehemaliger Staatsanwalt ist, viele Dinge beschreibt, begeistert. Auch wenn diese Ausführungen stellenweise ein wenig zu sehr in die Länge gezogen waren, waren sie nie langweilig. Es verhielt sich vielmehr so, dass mir diese Ausführungen das Gefühl gaben, dass ich selbst diese Geschichte erlebe. Ich war auf einmal nicht mehr bloß die Leserin eines Buches, sondern steckte mittendrin. Ich war Staatsanwältin, Polizistin, Mutter, Vater, Sohn, Zeugin, Geschworene, Anklägerin und Angeklagte.

„Während die Ermittlungen zu einem Gewaltverbrechen laufen, verspürt man oft einen gerechtfertigten Hass auf den Kriminellen, noch bevor man irgendeine Ahnung hat, um wen es sich handelt. Normalerweise blieb ich von dieser leidenschaftlichen Anwandlung verschont, doch in diesem Fall konnte ich den Mörder schon jetzt nicht ausstehen. Weil er diesen Mord begangen hatte und weil er uns verarschte. Weil er sich nicht ergab. Weil er die Lage im Griff hatte. Sobald mir sein Name und sein Gesicht bekannt würden, müsste ich meine Verachtung für ihn nur noch in die passende Dimension bringen.“ (S. 46)

Durch den Klappentext scheint so ziemlich alles verraten zu sein, worum es in diesem Buch geht. Zum Großteil stimmt das auch, aber eben nur zum Großteil. Die Frage: In welchem Fall sagt Andrew da als Zeuge aus? hat mich fast das ganze Buch über begleitet. Während ich anfangs noch der festen Überzeugung war, dass es sich natürlich um Jacobs Fall handeln würde, war ab einem gewissen Zeitpunkt klar, dass es genau darum eigentlich nicht gehen kann. Und die Auflösung dieser Frage, die wirklich erst ganz zum Schluss beantwortet wird, hat mich mit offenem Mund dasitzen lassen, schockiert und zum Nachdenken angeregt.

„Die Vorstellung, dass Jacob ein Mörder sein könnte, war einfach absurd, und ich habe sie damals nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Eigentlich dachte ich nur, dass Jacob uns etwas verschwieg. Sobald sich dieser Verdacht bei mir festgesetzt hatte, durchlebte ich alles in doppelter Funktion: als ermittelnder Staatsanwalt und als besorgter Vater, der eine der Wahrheit auf der Spur, der andere die Wahrheit fürchtend.“ (S. 91)

Der Thrill in diesem Thriller entsteht nicht durch die üblichen Dinge, die normalerweise einen richtig guten Thriller für mich ausmachen. Es handelt sich bei diesem Buch aber auch nicht um einen „normalen“ Thriller. Es ist ein sehr gut zu Papier gebrachter Justizthriller gepaart mit einem eindringlichen Familiendrama. Und diese Mischung hat mir auch ohne ekelig zugerichtete Leichen, wahnsinnigem Serienkiller und dergleichen gut gefallen.

„Unser blindes Vertrauen in die Justiz basiert auf Ignoranz und Wunschdenken, und ich würde einen Teufel tun und diesem Apparat das Schicksal meines Sohnes überlassen. Nicht, weil ich von seiner Schuld überzeugt war, sondern im Gegenteil, weil ich mir seiner Unschuld sicher war. Ich tat das wenige, was mir blieb, um das richtige Ergebnis, das gerechte Ergebnis herbeizuführen. Wenn sie mir nicht glauben, dann verbringen Sie mal ein paar Stunden in einem Gericht in Ihrer Nähe, und dann entscheiden Sie, ob Sie immer noch glauben, dort würden keine Fehler gemacht. Entscheiden Sie, ob Sie ihm Ihr Kind überlassen würden.“ (S. 120)

4 HerzenSaFi


Hilf mir, Jacques Cousteau [Rezension]

Hilf mir, Jacques Cousteau

Autor: Gil Adamson
Titel: Hilf mir, Jacques Cousteau
Seitenzahl:
192
ISBN: 978-3-570-10072-1
Verlag:
C. Bertelsmann

Zum Inhalt:

Hazel lässt uns an ihrem etwas ungewöhnlichen Familienleben teilhaben. Der Vater experimentiert mit Vorliebe an den Stromkabeln des Hauses herum. Ihre Mutter geht auch schon mal nur mit Socken auf Partys. Der Onkel hat eine Vorliebe für Haustiere mit weißem Fell. Der Opa fährt seinen toten Hund auf dem Rücksitz seines Wagens durch die Gegend. Und was macht Hazel? Sie sittet entweder die Fische der Nachbarn oder beobachtet vom Hausdach aus oder mit dem Fernglas ihre Nachbarn.

Meine Meinung:

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so wirklich, was ich nun zu diesem Buch schreiben soll. Ich beginne mal damit: In erster Linie ist es für mich kein Roman, sondern eher eine, teils zusammenhanglose, Sammlung diverser Geschichten aus Hazels Leben. Ich habe hin und wieder ein wenig den Überblick verloren und musste mich anstrengen, die Dinge in eine zeitliche Abfolge zu bringen.

Leider konnten mich auch die Charaktere nicht so wirklich begeistern. Während zu Beginn des Buches die Schrulligkeit eines jeden Einzelnen noch erfrischend war, wurde es von Seite zu Seite doch ein wenig too much. Bei aller Liebenswürdigkeit der Eigenarten wäre weniger für mich manchmal doch mehr gewesen. Zudem gab es auch durchaus Stellen, die ich weder lustig noch liebenswert finden konnte.

„Meine Mutter weigert sich strikt, für meinen Onkel mitzukochen, und so setzen wir drei uns zu einer Mahlzeit an den Tisch, während er fluchend durchs Haus tobt. Einmal zielt er mit einem Gewehr auf mich und droht, mich zu erschießen. Ich esse mit gesenktem Kopf weiter. Meine Mutter tut, als hätte sie ihn nicht gehört, als wäre er Luft. Schließlich gibt er auf, macht sich eine Suppe, setzt sich zu uns und schlürft laut, als wäre nichts geschehen.“ (S. 25)

Insgesamt fand ich, dass das Buch so vor sich hinplätschert. Der rote Faden sind in diesem Fall die aneinandergereihten Erlebnisse, die aber keinen wirklichen Handlungsstrang ergeben. Ob das nun am Buch lag, oder an mir – ich konnte mich mit dieser Erzählweise nicht so wirklich was anfangen.

Als wirklich witzig empfand ich dieses Buch auch nicht. Natürlich kommen Zynismus und Sarkasmus nicht zu kurz. Aber so wirklich lachen konnte ich selten. Ein Schmunzeln war meist das höchste der Gefühle.

„Ich gewöhne mich allmählich an Spott. In der Schule verarschen alle alles. Gedichte lesen ist gar nicht so schlimm; wenigstens habe ich keine Riesentitten, Hochwasserhosen oder Akne. Ich bin nicht im Schachklub. Ich heiße nicht Bogdana oder Flower. Es könnte schlimmer sein.“ (S. 101)

Ich hatte mir irgendwie eine etwas tiefgründigere Geschichte gewünscht. Aber es kann auch durchaus sein, dass ich das Buch nicht richtig verstanden habe. Schade, denn ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Bei der Bewertung kann ich mich zwischen einem oder zwei Herzen nicht so wirklich entscheiden. Ich wähle also die Mitte und runde wohlwollend auf.

2 HerzenSaFi


Mary, Tansey und die Reise in die Nacht [Rezension]

Mary, Tansey und die Reise durch die Nacht

Autor: Roddy Doyle
Titel: Mary, Tansey und die Reise in die Nacht
Seitenzahl:
240
ISBN: 978-3-570-15471-7
Verlag:
cbj
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren

Zum Inhalt:

Im Moment findet Mary alles gar nicht leicht: Ihre liebe, witzige, wunderbare Großmutter Emer liegt im Sterben. Deshalb hat Mary überhaupt keinen Nerv, sich mit der altmodisch wirkenden Fremden zu unterhalten, die sie eines Tages einfach so anspricht. Doch schnell stellt sich heraus, dass diese Tansey niemand Geringeres als die Mutter von Emer ist – also Marys seit langem tote Urgroßmutter. Als Geist ist sie gekommen, um zusammen mit ihrer sterbenden Tochter sowie Mary und deren Mutter Scarlett ein letztes großes Abenteuer zu erleben. Gesagt – getan! Mit Scarlett am Steuer begeben sich die vier Frauen aus vier Generationen auf eine unvergessliche, letzte gemeinsame Reise in die Nacht… (Quelle: cbj)

Meine Meinung:

Im ersten Augenblick könnte man fast ein wenig enttäuscht sein, wenn man während des Lesens feststellt, dass das, was auf dem Buchrücken zu lesen ist, im Prinzip schon die ganze Geschichte ist und die Reise selbst nur einen kleinen Teil ausmacht – man könnte es sein, muss es aber nicht.

Denn im Grunde geht es gar nicht um die Reise an sich, da verwirrt der deutsche Titel (Originaltitel: A Greyhound of a Girl) ein wenig. Im Vordergrund stehen vielmehr die Fragen: Warum taucht Tansey auf einmal auf? Wo geht die Reise hin? Wieso hat die Reise dieses Ziel? Und die Antworten auf diese Fragen stecken voller Gefühl, Liebe und auch Humor, und machen dieses Buch so lesenswert und besonders.

Roddy Doyle ist es ganz wunderbar gelungen, ein an sich trauriges Thema gar nicht mehr so traurig wirken zu lassen. Dennoch gibt es auch sehr viel Tiefgang in dieser bezaubernden Geschichte. Ich hatte bereits nach den ersten Seiten einen dicken Kloß im Hals, musste wenige Sätze später aber auch schon wieder schmunzeln. Und so ging es eigentlich auch die ganze Zeit weiter.

Die vier Hauptdarstellerinnen in diesem Jungendbuch sind trotz der Kürze des Buches sehr liebevoll und detailliert gezeichnet – auch wenn vieles zwischen den Zeilen steht. Besonders gut gelungen ist ihm das bei Mary, dem vorlauten, witzigen und klugen 12jährigen Mädchen.

Sprich mit keinen Fremden, schoss es ihr durch den Kopf. Das hatte sie schon früh gelernt.
>>Aber das ist doch dämlich<<, hatte sie vor ein paar Jahren gesagt.
>>Warum ist das dämlich?<<, hatte ihre Mutter gesagt.
>>Wusstest du, wer Dad war, als du ihn kennenlerntest?<<
>>Natürlich nicht.<<
>>Also war ein Fremder.<<
>>Aber …<< (S. 15)

Dieses Buch steckt voller Emotionen. Der Grund für Tanseys Erscheinen und für ihr Verweilen war einfach nur ergreifend und schlichtweg zu Herzen gehend. Aber im Grunde gilt das für das ganze Buch. Ich könnte diese Rezension vollpacken mit tollen Dialogen, Aussagen und Gedankengängen, die mich zum Weinen und Lachen brachten – manchmal sogar zur gleichen Zeit.

Ein wirklich tolles Buch über Trauer, Abschied, die Angst vor dem Tod und der Liebe zwischen Müttern und Töchtern.

Sehr zu empfehlen, auch wenn man selbst schon lange wesentlich älter als 12 Jahre ist. ♥

5 HerzenSaFi