{Rezension} Mein wirst du sein | Katrin Rodeit

Mein_wirst_du_sein_RLYn

Autor: Katrin Rodeit
Titel: Mein wirst du sein
Seitenzahl: 305 Seiten
Verlag: Gmeiner
ISBN: 978-3-8392-1457-2
Veröffentlichung: Juli 2013
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Jule Flemming ist Privatdetektivin. Ihr Freund Lou bittet sie um Hilfe, da er verdächtigt wird, mit dem Verschwinden einer Frau etwas zu tun zu haben. Obwohl Jule Urlaub hat, stimmt sie zu. Die Gesuchte wird plötzlich tot aufgefunden und der Fall scheint aus dem Ruder zu laufen und alles andere als normal zu sein. Als die Ermittlerin schließlich herausfindet, dass es sich um einen Serienkiller handelt, ist es schon fast zu spät: denn sie ist in sein Visier geraten…

„>>Hallo<<, sagte eine dunkle Stimme hinter mir, und ich drehte mich wie von der Tarantel gestochen um. So musste es sich anhören, wenn der Sensenmann aus dem geschaufelten Grab grüßte.“ (Seite 46)

Jule Flemming ist genau das, was ich mir unter einer deutschen Ermittlerin vorstelle – NICHT! Vom Aussehen her entspricht sie überhaupt nicht dem Klischee des deutschen Biedermeiers und auch ihr Werdegang ist alles andere als üblich. In ihrem Job als Privatdetektivin wirkt sie sicher und legt Selbstvertrauen an den Tag. Sie hat eine gute Beobachtungsgabe, ist unkonventionell und hat ein hohes Maß an Selbstironie. Doch in ihrem privaten Umfeld sieht das ganz anders aus. Jule ist Single, zuletzt von den Herren der Schöpfung enttäuscht. Im Umgang mit ebendiesen verliert sie jegliche Selbstsicherheit. Ihre Mutter hält Séancen ab und sieht sich selber als Kommunikationsmedium zum Reich der Toten. Ihr Bruder Sebastian ist gefühlt immer arbeitslos und katapultiert sich in schwierige Situationen.  Ich mochte sie von der ersten Seite an! Und spätestens, als sie sich als Kaffeejunkie outete, waren wir beste Freundinnen.

Lou ist ihr schwuler Kumpel und der Betreiber des Jazz-Kellers. Jule ist Stammgast in seiner Bar und spielt hier ab und zu eine ganz besondere Rolle. Er schafft es, in eine verzwickte Situation zu geraten und diese unnötig zu verkomplizieren. Er hat eine recht lockere Art. Aber ich könnte mir vorstellen, dass er es in Zukunft schafft, Jule mit manchen Aktionen in den Wahnsinn zu treiben.

Mark Heilig. Nomen est omen, könnte man denken. Aber hier wohl eher nicht. Er verkörpert den Mann aus der Vergangenheit, der lange weg vom Fenster war und mit seinem Auftauchen Jules Welt gehörig durcheinander wirbelt. Als junger Mann war er ein Womanizer. Nun erscheint er geradezu zahm. Ob der Schein trügt?

„Ich ging in die Küche und kochte Kaffee. Ein Tag ohne meinen heißgeliebten Muntermacher war für mich wie ein Morgen ohne Sonnenaufgang, und ich wäre ernsthaft in Versuchung geraten, über den Weltuntergang zu sinnieren. Kaffee war eine Konstante in meinem Leben. Die einzige, wenn man so wollte.“ (Seite 12)

All das, was ich bisher bei deutschen Krimis bemängelt habe, kann ich hier nur positiv bewerten.
Das Cover und der Titel haben mich bei Katrin Rodeits Buch sehr angesprochen. Beides finde ich passend und ich bin froh, dass das Buch nicht noch einen Untertitel bekommen hat.
Die Autorin hat einen erstklassigen und sehr spannenden Krimi als Debüt veröffentlicht. Die Geschichte liest sich sehr gut. Durch die Selbstironie der Protagonistin kann man öfter schmunzeln. Der Plot ist voller Wendungen und unvorhergesehener Ereignisse. Dabei bleibt die Geschichte immer sehr realitätsnah und ich hatte das Gefühl, dass jede Situation mir auch passieren könnte.
Den Schreibstil finde von Katrin finde ich sehr gut. Mit präziser Wortwahl erzählt sie die Geschichte treffend, ohne zu viele Worte zu benutzen oder ausschweifend zu werden. Das mag jetzt vielleicht minimalistisch klingen; doch Emotionen kamen alle bei mir an und die Handlung hat mich so gefesselt, dass ich das Buch beinahe an einem Abend durchgelesen habe.
Die Charaktere, die hier im Ring sind, sind alle klasse ausgearbeitet. Und glücklicherweise ist noch viel Potenzial vorhanden. Ich bin sehr gespannt, wie Jule sich im nächsten Buch weiterentwickelt.
Ulm als Ort des Geschehens hat mir richtig gut gefallen. Nach kürzester Zeit habe ich mich dort beinahe heimisch gefühlt.
Am Ende des Buches findet sich ein Glossar, in dem noch einmal alle wichtigen Personen mit kurzer Beschreibung erklärt sind. Und kulinarisch wird auch was geboten: es gibt einige Rezepte im Anhang, denn Jule kocht gut und gerne! *yammi* Schon während die Gerichte in der Geschichte auftauchten, lief mir das Wasser im Munde zusammen. Als ich dann die Rezepte entdeckt hatte, war ich richtig froh!

„Mein wirst du sein“ ist ein erstklassiger deutscher Krimi, bei dem alles passt: eine spannende und realitätsnahe Handlung zusammen mit interessanten und liebenswerten Charakteren ergibt puren Krimigenuss. Jule Flemming ist ab sofort meine liebste deutsche Privatdetektivin!
Mein Tipp für alle Krimifans!

„Das Adrenalin prickelte in meinen Adern. Es war das sichere Gefühl, der Lösung entscheidend nahe zu sein. Ich liebte diese Hochstimmung kurz vor dem Ende eines Falles.“ (Seite 270)

5

SaCre


[Rezension] Pinguine lieben nur einmal | Kyra Groh

Pinguine lieben nur einmal von Kyra Groh
 
Titel: Pinguine lieben nur einmal
Autor: Kyra Groh
Seitenzahl: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-38044-2
Veröffentlichung: 16. September 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Felicitas, die nur von ihrer Mutter so genannt wird (ihr Vater sagt Fee, für ihre Freunde ist sie die Feli), ist 20 Jahre jung und ziemlich kompliziert. So ist z. B. Ordnung ein Fremdwort für sie. Aber nicht, wenn es um ihre CDs geht – da ist sie penibel. Und da bei ihr nur selten alles so läuft, wie Feli es gerne hätte, schaut sie jeden Dienstag Abend den Family Movie im Fernsehen, weil der immer so schön vorhersehbar ist und im Regelfall mit einem Happy End endet. Und ein solches wünscht sich Feli nun auch für sich und Janosch, der gerade frisch im Haus eingezogen ist und dem sie bei der ersten Begegnung sprichwörtlich vor die Füße gefallen ist…

Pinguine lieben nur einmal - Kyra Groh

Pinguine lieben nur einmal – Kyra Groh

Meine Meinung:

Dieses Buch ist das beste Beispiel für spontane Coververliebtheit. ♥ Ich habe es gesehen und dachte sofort: muss ich haben – will ich lesen! Ja, bei mir führt ein Pinguin zum Effekt des Sofort-Haben-Wollens. Kann man jetzt von halten, was man will – ist aber so. Denn, wenn ich ehrlich bin, würde ich am liebsten einen Pinguin in der heimischen Badewanne beherbergen. ;-)

„Ich neige dazu, wirren Unfug zu stammeln, wenn ich nervös bin. Dass in diesem Fall ein attraktiver Mann der Auslöser ist, macht die Sache nur noch schlimmer. Eigentlich würde ich jetzt lieber geistreich und witzig rüberkommen. Stattdessen manifestiere ich den ersten Eindruck von mir als fahrigem Tollpatsch.“ (Seite 37)

Felicitas Feli Fee Grün ist kompliziert, merkwürdig in manchen Verhaltensweisen, herrlich selbstironisch und gleichzeitig auch irgendwie unsicher. Ich habe sie auf den ersten Seiten direkt gemocht, da ich mich – ja, ich muss es gestehen – ein Stück weit in ihr wieder gefunden habe. Es gab aber auch Momente, in denen ich mir dachte: Och nö. Ernsthaft, Feli? Mit Janosch verhielt es sich da ähnlich. Seine manchmal sehr verletzenden Worte gegenüber Feli konnte ich zusammen mit ihr einfach nicht fassen. Im nächsten Moment kamen dann aber so dermaßen zuckersüße Sachen aus seinem Mund, dass ich Felis Gefühle für ihn absolut nachvollziehen konnte. Mit den beiden erging es mir in gewisser Weise so, wie den beiden mit dem jeweils anderen.

 Denn einfach ist bei und zwischen den beiden erstmal nichts. Neben ihren Charakteren, die zwar unterschiedlicher kaum sein könnten, aber auch so gut zueinander passen, weil sie sich ergänzen, wird das ganze auch noch dadurch ein wenig erschwert, dass Janosch… Nee, das verrate ich nicht. Es wird zwar schon relativ früh verraten, aber ich war so dermaßen überrascht von dieser Tatsache, dass ich diesen Effekt bei zukünftigen Lesern ungern zerstören möchte. Ich kann nur so viel sagen, dass dieser gewisse Umstand für mich das Tüpfelchen auf dem I war. Denn dadurch war das Buch für mich nicht bloß die gängige Mischung aus Humor und Gefühlen, sondern regte mich durchaus auch zum Nachdenken über dieses spezielle Thema, und das übergeordnete im Allgemeinen, an.

„Die Wechseljahre sind ein Scheiß gegen anfängliches Verliebtsein.“ (Seite 125)

Im Prolog klärt uns die Hauptdarstellerin Feli darüber auf, was es mit dem von ihr so heiß geliebten Dienstags-Family-Movie-Konzept auf sich hat, das im Prinzip wie das klassische Drama aufgebaut ist, und in den allermeisten Fällen mit einem Happy End endet. Und genau nach diesem Schema ist auch das Buch – optisch und inhaltlich – aufgebaut. Ob es, wie in den TV-Filmen am Ende üblich, im Buch zu einem glücklichen Ende für Feli und Janosch kommt, werde ich natürlich nicht verraten. :-)

Kyra Groh hat mit „Pinguine lieben nur einmal“ einen Debütroman geschrieben, der mir während des Lesens quasi ein Dauerlächeln ins Gesicht gezaubert hat. Sympathische Charaktere, eine gesunde Portion Gefühle und ein locker-flockiger Schreibstil ergeben eine Geschichte, die größtenteils süß, aber auch ein wenig bitter ist, und kurzweilige Lesestunden bietet.

„Ich kann also festhalten, dass ich Janosch will, und zwar ganz, aber noch nicht weiß, wie lange ich es aushalte, dass er mich nicht will, zumindest nicht ganz.“ (Seite 182)

4SaFi


[Rezension] Bis in den Tod hinein | Vincent Kliesch

Bis in den Tod hinein von Vincent Kliesch
 
Titel: Bis in den Tod hinein
Autor: Vincent Kliesch
Seitenzahl: 400 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-37798-5
Veröffentlichung: 15. Juli 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

In Berlin ereignen sich grausame und brutale Morde: Ein Brandstifter kommt in einem von ihm gelegten Feuer ums Leben. Einem Lügner wird die Zunge abgeschnitten. Für Severin Boesherz, dem neuen Ermittler des LKA Berlin, ziemlich eindeutige Botschaften. Nicht ganz so einfach zu deuten sind jedoch die Zahlen, die in willkürlicher Reihenfolge, bei diesen und weiteren Leichen gefunden werden. In seinem ersten Fall wird Boesherz direkt gefordert. Wird er die Bedeutung der Botschaften und Zahlen entschlüsseln können, bevor es zu spät ist?

Bis in den Tod hinein - Vincent Kliesch

Bis in den Tod hinein – Vincent Kliesch

Meine Meinung:

Was hatte ich nach diesem Buchtrailer, der mir auch beim dritten Mal Anschauen fast einen Herzinfarkt beschert hätte, denn bitte für eine andere Wahl, als das entsprechende Buch zu lesen? Richtig. Keine! Ich schlug also voller Vorfreude das Buch auf und schon mit dem ersten Satz hat Kliesch mich thrillermäßig abgeholt.

»Wie gefällt es dir, tot zu sein?«, hauchte er leise. (Seite 7)

Schnell wird klar, das Severin Boesherz kein 08/15-Ermittler ist. Und ich habe ihn direkt gemocht, auch wenn der Autor dem Leser viele Gründe gibt, genau das nicht zu tun. In Besprechungen mit seinen Kollegen, bei der Begutachtung der Leichen an den Tatorten, im Gespräch unter vier Augen wirkt er ein wenig oberlehrerhaft und scheint allwissend zu sein. Er verfügt über eine Kombinations- und Auffassungsgabe, die ihresgleichen sucht. Er ist penibel, hat einen merkwürdigen Humor, trägt stets einen Dreiteiler mit Krawatte und verlässt sich auf seine Taschenuhr. Für mich ist Boesherz erfrischend anders.

Über den Gegenspieler von Boesherz, den Täter mit einem der ungewöhnlichsten Namen, die ich je gelesen/gehört habe, kann ich wegen der Spannung jetzt nicht so viel schreiben, wie ich gerne würde. Ich kann aber versichern, das Anselm Drexler von Vincent Kliesch ebenfalls einen umfassenden und keineswegs einfallslosen Charakter verliehen bekommen hat, der psychologisch sehr ausgereift ist, wie ich finde.

„Moldenhauers Haut begann bereits kleine Bläschen zu bilden. Seine obere Hautschicht löste sich langsam von den unteren ab. Tatsächlich zeigte sein Gewebe jetzt dieselben Erscheinungen, die auch eine Verbrennung hervorrufen würde.“ (Seite 208)

Dem Spannungsverlauf scheint recht früh die Luft auszugehen, da der Täter dem Leser recht schnell präsentiert wird. Dem ist aber nicht so, weil halt nur die Leserschaft in diesen Genuss kommt. Boesherz und Co. müssen die üblichen Ermittlungen aufnehmen, die vom ausgeprägten und zugegebenermaßen eigenwilligen Stil des Ermittlers unermüdlich vorangetrieben werden. Als Leser ist man der Polizei zwar einen Schritt voraus, weiß aber trotzdem nicht unbedingt viel mehr. Erst nach und nach ergibt alles einen Sinn, bevor es zum Schluss dann noch zu einem echten Überraschungseffekt kommt, den ich trotz des richtigen Riechers bei anderen Aspekten, schlicht und einfach nicht für möglich gehalten hätte.

Für mich als Fan von schön blutigen Thrillern hätte es an mancher Stelle ruhig ein wenig heftiger zur Sache gehen können. Dennoch haben die niedergeschrieben Szenarien allesamt einen perfiden Touch, den der Autor sachlich und unverblümt vermittelt. Mit 382 Seiten hat dieser Thriller genau die richtige Länge. Atempausen sind rar gesät – nicht zuletzt durch die ständigen Wechsel der Erzählperspektive. Der Plot ist gut durchdacht und hält einige Überraschungen für den Leser bereit.

„Boesherz spürte, dass der Augenblick näher rückte, in dem schon eine einzige Erinnerung, ein einziger kleiner Eindruck dazu führen konnte, das Kartenhaus, das er errichtet hatte, entweder zu vollenden oder zum Einsturz zu bringen.“ (Seite 269/270)

„Bis in den Tod hinein“ ist für mich ein absolut überzeugender Thriller „Made in Germany“, der u. a. durch einen ungewöhnlichen Ermittler besticht, der alles andere als alltäglich ist. Fans von blutigen Thrillern kommen ebenso auf ihren Geschmack wie diejenigen, die es lieber nicht ganz so martialisch mögen.

5

SaFi

Vincent Kliesch im Exklusiv-Interview – Hörbücher Blog