[Rezension] Für immer Ella und Micha | Jessica Sorensen

1 Buch - 2 MeinungenFür immer Ella und Micha_Artikelbild
 
Titel: Für immer Ella und Micha (Ella und Micha 2)
Autor: Jessica Sorensen
Seitenzahl: 352 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-41773-1
Veröffentlichung: 13. Januar 2014

Zum Inhalt:

Während Micha sich einen Traum erfüllt und mit seiner Band auf Tour geht, ist Ella ans College zurückgekehrt. Sie sehnt sich nach Micha, aber in letzter Zeit sind die gemeinsamen Momente selten geworden. Zugleich machen die Abgründe in ihrer Familie es Ella schwer, an ihr Glück zu glauben. Sie will Micha auf jeden Fall davor schützen, und eines Tages trifft sie eine radikale Entscheidung, die sie für immer von ihm entfernen könnte.

Meinung SaCre:

„Ich lächle, aber es  fühlt sich unecht an. Die Leute machen fast nie absichtlich Dinge, mit denen sie andere verletzen, und trotzdem passieren sie eben, weil ein Moment besonders intensiv wird, weil man nicht nachdenkt oder weil man schlicht Worte ausspricht, die besser im Kopf geblieben wären.“ (Seite 47, Ella)

Der zweite Teil setzt nahezu nahtlos an das Ende des ersten Buches an.
Ella ist wieder am College und geht dort ihrem Alltag nach. Micha ist unterwegs und tourt mit der Band. Er ist weit weg von seiner Freundin, und beide können sich nur an Wochenenden sehen.
Was zunächst auffällt: die beiden sind immer noch total abhängig von einander. Ella kann nicht ohne Micha, Micha kann nicht ohne Ella. Man merkt beiden an, dass sie unter der Trennung leiden. Doch natürlich möchte auch jeder seinen Träumen nachgehen. So sind Telefonate kostbar, Treffen nahezu unbezahlbar. Und da tut Ella auch mal alles, um Micha spontan besuchen zu können und ihn wenigstens ein paar Stunden zu sehen.

Tja, und es könnte alles so einfach sein. Wäre da nicht die jeweilige Vorgeschichte der beiden – mit all den Problemen, denen sie während Kindheit und Jugend ausgesetzt waren. Vorallem Ella ist ein weiterhin sehr komplizierter und komplexer Charakter. Oft handelte sie für mich irrational. Doch wenn man über ihr Wesen nachdenkt, haben die Verhaltensweisen wieder gepasst.

Es ist wieder ein totales Up & Down zwischen den beiden. Sie lieben, sie streiten, sie können nicht ohne einander, sie können aber auch nicht miteinander reden. Das gehört zu den beiden dazu und macht sie zu einem perfekten Paar. Trotz allem wirkte die Beziehung für mich reifer – und ich war nicht mehr so genervt von beider Abhängigkeit.
Durch den Schreibstil der Autorin lässt sich die Geschichte gut und zügig lesen. Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Verlauf der Story auch absolut einverstanden. Allerdings hätte ich auch mit einem anderen Schluss leben können. :)

„Wenn sie so weit ist, wird sie es mir sagen. Das hoffe ich zumindest. Aber was ist, wenn sie es nicht tut? Was ist, wenn Ich mein Leben lang einem Geist nachjage?“ (Seite 117, Micha)

Mir hat dieser Teil besser gefallen, als der erste.  Die Geschichte hat mich gut unterhalten, auch wenn die Liebe oft von schwermütigen und melancholischen Gedanken begleitet wird. Daher vergebe ich hier runde

4

Meinung SaFi:

Es beginnt wieder mit einer Brücke. Und wieder steht Ella auf dieser Brücke. Doch diesmal sind die Vorzeichen andere… Denn Ella und Micha sind nun ein Paar. Nach vielen Ups & Downs, nach vielen Worten und Gedanken. Doch so einfach genießen können sie ihr frisches Liebesglück nicht: Ella ist wieder am College, Micha tourt mit seiner Band. Sie sehen sich kaum und vermissen den anderen sehr. Zudem nagen an Ella auch starke Zweifel, ob sie Micha – mit all ihren Problemen – wirklich glücklich machen kann.

„Ich wache in einem stillen Zimmer auf, Ella in meinen Armen und ihren nackten Körper an meinem. Wäre es doch möglich, jeden Morgen so aufzuwachen! Doch dafür müsste einer von uns etwas Wichtiges aufgeben.“ (Seite 54)

Die Emotionen nehmen selbstverständlich wieder einen großen Teil des Buches in Anspruch. Doch Kitsch sucht man vergeblich. Jessica Sorensen hat die Geschichte von Ella und Micha so zu Papier gebracht, dass das Gelesene real wirkt. „Für immer Ella und Micha“ kommt ein wenig erwachsener/reifer daher als noch der erste Teil, denn Ella und Micha entwickeln sich. Langsam zwar und durchaus auch mit Rückschlägen, aber stetig. Die große Frage in diesem Buch: Haben Ella und Micha eine gemeinsame Zukunft? Auf beiden lastet noch immer die schwierige Vergangenheit und sie müssen einen Weg finden, damit umgehen zu können.

Das ewige Hin und Her in der Beziehung der beiden (egal ob nun als Freunde oder als Paar), vor allem von Ella, kann einen durchaus nerven. Für mich gehört dieses Verhalten aber zu Ella und zu dieser Geschichte. So ist sie nun mal und das hat auch seine (schrecklichen) Gründe. Und ohne diese Verhaltensweisen von Ella wäre die Geschichte von Ella und Micha nicht die, die ich gelesen habe. Und wahrscheinlich hätte ich sie dann auch nicht so sehr gemocht. Denn die Charaktere von Jessica Sorensen sind das große Plus der Bücher. Sie sind kompliziert aber auch so unglaublich liebevoll und voller Leben.

„Ich will, dass er mich genauso sehr hasst wie ich mich hasse.
Auf diese Weise kann ich ihn nicht mit mir in den Abgrund reißen. (Seite 89)“

Der Stil der Autorin sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Ella und Micha geben sich in der Erzählung die Klinke in die Hand. So wird die Geschichte lesetechnisch ein wenig aufgelockert und man lernt beide gut bzw. besser kennen. Auch die anderen Charaktere kommen dem Leser ein wenig näher. Was auch ganz gut ist, denn zwei von ihnen werden im dritten Teil der Ella und Micha-Reihe die Hauptrollen spielen: Lila und Ethan.

Was meine Lesefreude ein wenig getrübt hat, war der Titel des Buches – egal ob deutsch oder englisch. Ich habe mich darauf gefreut wieder eine Achterbahnfahrt der Gefühle zu lesen, mit Ella und Micha leiden und lieben zu können. In diesen Genuss bin ich zwar gekommen, doch immer wenn eine der vielen Tiefen auf dem Plan stand und ich Angst hatte, dass nun gleich alles aus und vorbei sein könnte, spukte im meinem Kopf der Gedanke rum, dass vorne auf dem Cover „Für immer“ bzw. „The Forever“ steht. Für mich eine Botschaft, dass am Ende alles gut ausgehen wird… So konnte ich nicht ganz so sehr mitfühlen, wie ich es mir gewünscht hatte.

„Er hebt den Kopf und sieht mich an. Als seine Lippen wieder auf meinen sind, geht es nicht um Lust oder Verlangen oder sonst was. Es geht darum, dass wir einander vervollständigen. (Seite 306)“

Im Großen und Ganzen hat mir „Für immer Ella und Micha“ genauso gut gefallen wie „Das Geheimnis von Ella und Micha“. Das Buch ist eine wunderbare, bitter-süße Lovestory von zwei jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach sich selbst sind und einen Weg finden müssen, mit der Vergangenheit abzuschließen.

4,5

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Die „Ella und Micha“-Reihe:

1. „Das Geheimnis von Ella und Micha“ (11.11.13)
2. „Für immer Ella und Micha“ (13.01.14)
3. „Verführt. Lila und Ethan“ (14.07.14)
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[Rezension] Weil ich Layken liebe | Colleen Hoover

Weil ich Layken liebeTitel: Weil ich Layken liebe
Autor: Colleen Hoover
Seitenzahl: 352 Seiten
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-71562-1
Veröffentlichung: 01. November 2013
Empfohlenes Lesealter: Ab 14 Jahren
Leseprobe

Zum Inhalt:

Layken Cohen – der ungewöhnliche Name ist eine Mischung der ersten drei Buchstaben von Layla und Kennedy – ist 18 Jahre jung und zieht zusammen mit ihrer Mutter Julia und ihrem kleinen Bruder Kel nach dem Tod des Vaters von Texas in die Kleinstadt Ypsilanti, Michigan. Bereits am ersten Tag in der neuen Heimat, vor der Layken sich nicht vorstellen kann, dass sie genau das jemals für sie sein kann, lernt sie den Nachbarn Will Cooper kennen. Auf Anhieb verstehen sich nicht bloß Kel und Wills kleiner Bruder Caulder, sondern auch Layken und Will. Er ist 21 Jahre alt, nett, witzig, gutaussehend und sofort scheint da etwas zwischen den beiden zu sein. Bei ihrem ersten Date, sie gehen zu einem Poetry Slam, kommen die beiden sich näher. Drei Tage lang schwebt Layken zusammen mit Will im siebten Himmel. Doch das Leben, mit all seinen Tücken, hat andere Pläne mit ihnen…

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Meine Meinung:

Lasst euch nicht von dem ersten Eindruck abschrecken, der vielleicht suggeriert, dass es sich hierbei um das typische Unerfüllte-Liebe-Jugendbuch handelt. Ja, die Liebe spielt eine wichtige Rolle. Und auch der Einstieg in das Buch läuft ein wenig nach Schema F ab, doch es steckt noch so viel mehr in diesem Buch. So viel, dass es mich nicht mehr losgelassen hat. So viel, dass ich es kaum in Worte fassen kann…

„Ich würde zu gern wissen, was Will von mir denkt. Falls er überhaupt etwas über mich denkt. Ich jedenfalls denke – aus Gründen, die ich selbst nicht verstehe – mehr über ihn nach, als mir lieb ist.“ (Seite 28/29)

Colleen Hoover deckt in ihrem Jugendbuch unglaublich viele Facetten ab. Liebe und Wut, Freude und Trauer, Richtig oder Falsch, Herz oder Kopf. Das alles bringt sie in einem Stil zu Papier, der zwar schlicht aber einfühlend, schnörkellos aber tiefgründig ist. Sie verzichtet auf Kitsch und hat sich ohne unnötigen Firlefanz, dafür aber mit umso mehr Gefühl, direkt in mein Herz geschrieben.

Bevor ich das Buch aufschlug, habe ich mir natürlich Gedanken darüber gemacht, wie sich das Leben den beiden denn wohl in den Weg stellen könnte. Von ähnlichen Büchern teils negativ beeinflusst, habe ich schon fast mit dem schlimmsten gerechnet. Zum Glück blieben meine Befürchtungen aber unbegründet. Ja, sie mutet vor allem Layken, aber auch Will, eine ganze Menge zu und lässt sie schwere Lasten mit sich herumtragen. Aber auch hier holt sie nicht unnötig aus und lässt keine an den Haaren herbeigezogenen Gründe einfließen. So ist das Leben halt manchmal… Mit all seiner Härte, mit all seinen Tücken…

„Unsere Blicke versinken ineinander, als wir gleichzeitig die Augen öffnen. Und das ist der Moment, in dem ich verstehe, warum meine Mutter mit gerade mal achtzehn wusste, dass sie und mein Vater füreinander bestimmt waren.“ (Seite 65)

Für ein Jugendbuch wirkt „Weil ich Layken liebe“ ziemlich erwachsen. Das liegt u. a. daran, dass Layken und Will ziemlich früh und auch viel zu schnell erwachsener werden mussten, als sie in Wirklichkeit sind. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als Layken und Will – und auch all die anderen Personen in diesem Buch – zu mögen. Colleen Hoover hat zwar keine detaillierte Charakterstudie geschrieben, dennoch erfährt man viel über die Hauptcharaktere. Dafür muss man allerdings ab und zu auch mal zwischen den Zeilen lesen. Alles andere als der Wunsch nach einem Happy End für Layken und Will war mir schlicht nicht möglich. Ob mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, werde ich natürlich nicht verraten.

Ein Punkt ist mir bei diesem Buch noch besonders wichtig: Poetry Slams. Gehört habe ich davon schon mal und ich weiß auch grob, was es damit auf sich hat. In einem Buch sind mir allerdings noch nicht über den Weg gelaufen. Bis jetzt. Geschickt verbindet Colleen Hoover diese Kunstform mit dem Geschehen im Buch und verleiht ihm dadurch noch mehr Tiefe und Emotionalität. Ich für meinen Teil musste gerade bei diesen Passagen mehr als einmal heftig schlucken und habe einen Moment gebraucht, bis ich das Gelesene aufgenommen und verstanden hatte. (Als ich auf der Suche nach einem Buchtrailer war, habe ich das unten eingefügte Video gefunden, in dem ein Poetry Slammer einen Text aus dem Buch wiedergibt. Vor dem Lesen macht dieses Video wahrscheinlich nicht sonderlich viel Sinn. Aber ihr solltet es euch nach Beenden des Buches auf jeden Fall mal anschauen.)

„Man kann an einen anderen Ort flüchten, in eine andere Stadt, sogar in einen anderen Bundesstaat, aber das, wovor man flieht – ganz egal, was es ist -, wird einen immer begleiten. Und zwar so lange, bis man einen Weg findet, damit umzugehen.“ (Seite 287)

Ich habe „Weil ich Layken liebe“ an einem Tag quasi inhaliert, weil ich es schlicht und einfach nicht aus der Hand legen konnte. Nun ärgere ich mich ein wenig über mein zügelloses Leseverhalten, denn viel zu schnell war die Zeit mit Layken und Will wieder vorbei. Im Nachhinein hätte ich am liebsten dreimal langsamer gelesen. So bleibt mir nur die Vorfreude darauf, dass die Geschichte bald weiter erzählt wird. Dann aus der Sicht von Will…

5SaFi

Interview mit Colleen Hoover


[Rezension] Das Geheimnis von Ella und Micha | Jessica Sorensen

1 Buch - 2 Meinungen
Das Geheimnis von Ella und Micha - Jessica Sorensen

Das Geheimnis von Ella und Micha – Jessica Sorensen

 Titel: Das Geheimnis von Ella und Micha (Ella und Micha 1)
Autor: Jessica Sorensen
Seitenzahl:
288
Verlag: 
Heyne
ISBN: 978-3-453-41772-4
Veröffentlichung: 11. November 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Ella liebt Micha, und Micha liebt Ella – es könnte so einfach sein. Doch Ella will mit ihrem alten Leben, das es nicht immer gut mit ihr gemeint hat, endlich abschließen. Sie zieht in eine andere Stadt, beginnt mit dem College und will alles vergessen. Vor allem auch Micha. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los, und ihre Gefühle sind stärker als jede Vernunft…

Meinung – SaCre:

„Er weiß, was ich sagen will – das weiß er immer. Micha ist mein bester Freund, mein Seelenverwandter. In einer idealen Welt voller Rosen und Sonnenschein wären wir zusammen. Doch diese Welt ist voll von kaputten Familien, besoffenen Vätern und Müttern, die zu schnell aufgeben.“ (Seite 7)

Micha und Ella sind ein Phänomen: sie können nicht miteinander, aber auch nicht ohne. Ella hat versucht, ihrem alten Leben zu entfliehen. Das hat auch funktioniert. Für 8 Monate. So lange war sie weg von Micha, ihrer Familie und ihrer Vergangenheit. Sie ist einfach abgehauen. Und Micha drohte daran zu zerbrechen.

In die Geschichte findet man als Leser schnell hinein. Man erfährt, dass Ella etwas passiert ist. Aber was, das bleibt erst einmal ein Geheimnis.
Was mir von Anfang an aufgefallen ist: wie abhängig die beiden doch voneinander sind. Insbesondere Micha von Ella. Sein Leben scheint während ihrer Abwesenheit pausiert zu haben. Dass er sein Leben in der Zeit so aufgegeben hat, fand ich auf der einen Seite doch übertrieben.
Andererseits… genau das macht auch den Reiz dieser Geschichte aus. Die beiden sind wie Feuer und Wasser oder zwei gleichgepolte Magnete. Und doch brauchen sie einander. So sehr, dass es schmerzt, wenn der andere nicht da ist.
Die Kapitel sind unterteilt und jeweils abwechselnd aus ihrer und seiner Sicht geschrieben. So lernt man beide Hauptpersonen als Leser sehr gut kennen und erfährt viel über ihre Gefühle und Ängste.

Beide haben Geheimnisse aus der Vergangenheit. Und beide sind sehr vielschichtige und komplizierte Charaktere. Ella kann keine Nähe zulassen. Auch ihrer Mitbewohnerin Lila gegenüber kann sie sich nicht öffnen. Sie liebt das Risiko und die Gefahr. Micha kann nicht loslassen. Auch er liebt Risiko und Gefahr, braucht ab und zu einen Kick.

„Das war einer der Gründe, aus denen ich mich in sie verliebte: die Energie, die Leidenschaft und der Drang, sich für Außenseiter einzusetzen, selbst wenn es bedeutete, selbst zur Ausgestoßenen zu werden. Sie fiel nie in irgendeine Kategorie, war eben Ella,…“ (Seite 30)

Die Geschichte liest sich gut und hat mich unterhalten. Die Idee der Geschichte ist gut, ebenso die Ausführung. Die Abhängigkeit fand ich allerdings etwas übertrieben und ab und zu hatte ich das Gefühl, dass es ein bisschen zu viel des Guten war. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt, wie es im zweiten und letzten Teil mit den beiden weiter geht. Haben ihre tiefen Gefühle eine Chance? Wir werden sehen. Das „Wir gegen die Welt“ Gefühl kam auf jeden Fall bei mir an.

3,5

Meinung – SaFi:

Bereits der Einstieg in die Geschichte gestaltet sich ziemlich emotional. In dem einen Augenblick steht Ella noch auf einer Brücke und ist felsenfest davon überzeugt, dass sie fliegen kann. Im nächsten küsst sie Micha und kehrt ihrer Heimatstadt – ihrem alten Leben – den Rücken, bevor sie acht Monate später, in den College-Sommerferien, wieder zurückkehrt und alles zwar noch irgendwie so wie früher ist, gleichzeitig aber auch komplett anders.

„Er weiß, was ich sagen will – das weiß er immer. Micha ist mein bester Freund, mein Seelenverwandter. In einer idealen Welt voller Rosen und Sonnenschein wären wir zusammen. Doch diese Welt ist voll von kaputten Familien, besoffenen Vätern und Müttern, die zu schnell aufgeben.“ (Seite 7)

Die Freundschaft der beiden, dass wird ziemlich schnell klar, geht über das normale Maß weit hinaus. Neben der unausgesprochenen Liebe für einander, verbindet die beiden eine Art Abhängigkeit, die sich daraus ergibt, dass sie für den jeweils anderen in der Vergangenheit der einzige Halt waren und aktuell auch immer noch sind. Sonst gibt es da niemanden, der diese Rolle übernehmen könnte. Ella und Micha müssen auf ihren jungen Erwachsenenschultern bereits schwere Lasten tragen. An Dramatik sind die Ereignisse der Vergangenheit – und auch die der Gegenwart – zwar kaum zu überbieten, wirken aber dennoch nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern ziemlich real und dadurch beklemmend.

„Mit acht und neun Jahren war unser Leben ein stabiles Ganzes, nicht in tausend Teile zerbrochen.“(Seite 71)

Die Darstellung von Ella und Micha ist Jessica Sorensen gut gelungen. Ihre Gedanken, Wünsche, Ängste, Hoffnungen und Gefühle bringt sie – abwechselnd aus der Sicht von Ella und Micha – schnörkellos und einnehmend zu Papier. Sie verzichtet in ihrer Geschichte fast gänzlich auf überflüssigen Kitsch. Kommt dieser aber dennoch mal vor, dann wohl portioniert und einfach schön zu lesen. Abgerundet wird die Geschichte durch die ebenfalls gut ausgearbeiteten Nebencharaktere.

Auch wenn die Frage, ob Ella und Micha am Ende tatsächlich mehr werden als bloß beste Freunde durch die Tatsache, dass es mit „Für immer Ella und Micha“ in Kürze ein Fortsetzung geben wird, schon beantwortet zu sein scheint, kam bei mir während des Lesens keine Langeweile auf. Dafür hat mich die Geschichte der beiden – in der Vergangenheit und der Gegenwart – einfach zu sehr berührt. Ich habe mit ihnen gelitten, gehofft und geliebt.

»Ich will nicht, dass du aufhörst, dein Leben zu leben, weil ich nicht mehr hier bin.«
»Und ich will nicht, dass du woanders bist als hier.« (Seite 89)

Jessica Sorensen hat mich in „Das Geheimnis von Ella und Micha“ auf eine intensive Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen, die von schweren Schicksalsschlägen und tiefen Emotionen geprägt war und mein Herz fast die ganze Zeit über im Klammergriff gehalten hat.

4,5


Rush of Love – Verführt [Rezension]

Rush of Love - Verführt
 
Titel: Rush of Love – Verführt
Autor: Abbi Glines
Seitenzahl: 240
ISBN: 978-3-492-30438-2
Verlag: Piper
Veröffentlichung: 14. Mai 2013
Leseprobe
 
 

Zum Inhalt:

Nach dem Tod der Mutter verlässt Blaire ihr Zuhause, um bei ihrem Vater und dessen neuer Familie in einem luxuriösen Strandhaus zu leben. Vor allem ihr attraktiver Stiefbruder Rush lässt sie jedoch immer wieder spüren, dass sie nicht willkommen ist. Er ist so abweisend wie anziehend, so verletzend wie faszinierend, er ist verwirrend und unwiderstehlich – und er kennt ein Geheimnis, das Blaires Herz mit einem Schlag für immer brechen könnte. (Buchrücken)

Meine Meinung:

Übertriebene Erwartungen hatte ich nicht an das Buch. Das einzige, was ich mir wirklich erhofft hatte, war eine, zumindest im Ansatz, dramatische Geschichte. Zu dieser Hoffnung hat mich der Klappentext schlicht und einfach „verführt“. Aber die vorliegende Geschichte war für mich kein bisschen dramatisch. Und leider auch nicht spannend, unterhaltsam, interessant, überraschend oder irgendetwas anderes. Kurzum: Für mich ist dieses Buch schlichtweg eine Geschichte, die ich nicht brauche.

Die Charaktere gingen mir gehörig auf den Keks. Oder besser gesagt deren Darstellung durch die Autorin. Blaire wird geradezu als Lustobjekt angepriesen. Jeder Mann, dem sie im Laufe des Buches begegnet, ist hin und weg vor ihr. Sie wird angeflirtet, angemacht… Dabei spielt das Alter der Männer keine Rolle und Blaire findet das ok, weil sie sich dadurch mehr Trinkgelder bei ihrem Job im Country Club erhofft. Na ja… Auch die Rolle von Rush war mir zu überzeichnet. Megasupergutaussehender Bad Boy mit massig viel Kohle, der ganz genau weiß, was Frau will und trotz aller Fehler das Herz am rechten Fleck hat.

Die Geschichte ist absolut vorhersehbar. Das angepriesene Geheimnis, dass Rush kennt, Blaire aber nicht, empfand ich bei weitem nicht so schockierend, wie der Buchrücken mir weiß machen wollte. Zum Glück hat sich die Autorin bei der Schilderung der Ü18-Szenen an das Kurz-und-Schmerzlos-Motto gehalten. Nach wenigen Worten ist das schlimmste überstanden und viele gibt es davon glücklicherweise auch nicht zu lesen.

In der Kürze liegt die Würze. Dies scheint wohl der Leitsatz von Abbi Glines beim Schreiben dieses Buches gewesen zu sein. Kaum hat man mit dem Lesen begonnen, ist man auch schon wieder damit fertig. Aber leider ohne eine Geschichte gelesen zu haben, die irgendwelche Highlights zu bieten hätte. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass mich das nicht weiter gestört hat. Denn ich weiß nicht, ob ich das Buch bis zum Schluss gelesen hätte, wenn es 400 oder 500 Seiten dick wäre.

Nur in den seltensten Fällen fällt mir wirklich nicht der kleinste positive Aspekt zu einem Buch ein. Hier liegt der Fall leider anders. Ich kann gar nicht anders und vergebe seit langer, langer Zeit mal wieder, lediglich ein Herz. Das ich Teil 2 nicht lesen werde, brauche ich wohl nicht zu betonen.

1 HerzSaFi


Beautiful Disaster [Rezension]

Beautiful Disaster
 
Autor: Jamie McGuire
Titel: Beautiful Disaster
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-492-30334-7
Verlag: Piper
Veröffentlichung: 16. April 2013
Leseprobe
 
 

Zum Inhalt:

Travis Maddox – Unverschämt gut aussehender, tätowierter Frauenheld mit Bad Boy-Image. Klar, dass alle Mädels der Eastern University hinter ihm her sind. Alle, bis auf Abby – zumindest bis zu jenem Augenblick, als sich die beiden das erste Mal begegnen.

Von diesem Moment an ist nichts mehr, wie es mal war…

„Ein paar schwarzer Stiefel trat vor mich und lenkte meine Aufmerksamkeit Richtung Boden. Dann wanderte mein Blick an ihnen hinauf. Blutbefleckte Jeans, deutlich herausgearbeitete Bauchmuskeln, eine nackte, tätowierte, schweißüberströmte Brust und schließlich ein Paar warmer, brauner Augen.“ (S. 11)

Meine Meinung:

Die Geschichte an sich lässt sich zügig und gut lesen. Die Autorin hat mit der gewählten Sprache gut den Ton von jungen Erwachsenen getroffen.

Als Leserin stand ich anfangs noch schnell auf der Seite von Abby. Sie lässt sich nicht sofort von Travis um den kleinen Finger wickeln. Und dass, obwohl man doch recht schnell merkt, dass sie sehr wohl Interesse an ihm hat. Wie könnte sie auch nicht? ;) Die Autorin hat sich wirklich die größte Mühe gegeben, Travis so „lecker“ wie nur irgend möglich rüberkommen zu lassen. Das hat sehr gut funktioniert – bei Abby und auch bei mir. In meinem Kopf nahm Travis sehr reale Konturen an. Aber auch nur er. Die anderen Protagonisten verblassten im Gegensatz zu ihm fast ein wenig.

„Travis schenkte mir sein vermutlich charmantestes Lächeln. Er strahlte Sex und Rebellion aus mit seinen widerspenstigen braunen Haaren und den tätowierten Unterarmen. Ich verdrehte bei diesem Versuch, mich zu ködern, nur die Augen.“ (S. 14/15)

Leider hat die Geschichte für mich schnell an Reiz verloren. Anfänglich fand ich das Hin und Her und Abbys Art, sich gegen Travis zu behaupten noch ganz gut lesbar, unterhaltsam und nachvollziehbar. Ab einem gewissen Punkt nervte mich aber vor allem Abby. Mit ihrer Art und Weise, sich selbst und anderen das Leben schwer zu machen, hat sie für mich mehrmals den Bogen überspannt und wurde mir von Seite zu Seite unsympathischer. Travis hingegen wollte ich manchmal nur zu gerne in den Arm nehmen und trösten – obwohl er sich das ein oder andere Mal schon ordentlich daneben benimmt. Aber Abby macht es ihm nun wirklich nicht leicht.

„Mein Plan, Unwissenheit vorzutäuschen, war grandios gescheitert. Ich konnte nicht mehr die Gleichgültige spielen, nachdem er alle Karten auf den Tisch gelegt hatte. Seit wir uns begegnet waren, hatte sich in jedem von uns etwas verändert. Und was immer das sein mochte, es bewirkte, dass wir einander brauchten. Aus mir unbekannten Gründen war ich seine Ausnahme, und so sehr ich auch gegen meine Gefühle angekämpft hatte, er war meine.“ (S. 230)

Die Hintergründe, die sich im Laufe des Buches auftun, fand ich, ebenso wie das Ende, ziemlich überzogen und fast schon lachhaft. Ich werde hier natürlich nichts verraten, aber hätte das Buch einige Seiten früher geendet, hätte ich damit sehr gut leben können. So haben die letzten Seiten noch dazu beigetragen, meinen ohnehin schon nicht sehr positiven Eindruck von diesem Buch noch zu verstärken.

Insgesamt war ich von „Beautiful Disaster“ doch ziemlich enttäuscht. Von der ominösen Wette, die auf dem Buchrücken angesprochen wird, hatte mir mehr und vor allem etwas anderes erhofft. Mit den Protagonisten, allen voran Abby, wurde ich nicht wirklich warm. Die Geschichte hat mich ab einem gewissen Zeitpunkt eigentlich nur noch genervt.

Ich würde dieses Buch Leserinnen im volljährigen Teenageralter empfehlen. Dies ist auch in etwa die Altersspanne von Abby, Travis und Co.

Ich starrte angewidert auf die Couch. >>Sie ist die Tochter von jemandem, Travis. Was würdest du sagen, wenn irgendwann mal jemand so mit deiner Tochter umginge?<< >>Meine Tochter sollte ihren Slip besser nicht für so einen Idioten wie mich fallen lassen, um es mal so auszudrücken.<< (S. 50)

2 Herzen

SaFi