Türkisgrüner Winter [Rezension]

Türkisgrüner Winter
 
Titel: Türkisgrüner Winter
Autor: Carina Bartsch
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-499-22791-2
Verlag: rororo
Veröffentlichung:  25. Januar 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Es herrscht Funkstille – Elyas meldet sich nicht mehr bei Emely. Keine SMS, keine Anrufe mitten in der Nacht, keine unangekündigten Besuche mehr. Emely ist verwirrt. Schließlich war dieses Verhalten von Elyas doch ihr ständiger Begleiter während des Sommers. Sie beschließt, auf einer Halloween-Party mit ihm zu reden, die Lage zu klären. Es kommt zu einem ersten Kuss, und eigentlich sieht es auch ganz gut für die beiden aus. Doch dann kommt eine Wahrheit ans Licht, die alles verändert…

Meine Meinung:

>>Wovor hast du Angst, Emely?<<
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich die Worte tatsächlich über die Lippen brachte. >>Ich … ich habe Angst, dass du mir ein zweites Mal das Herz brichst.<<
(Seite 78)

Seit Kirschroter Sommer ist bei mir einige Zeit vergangen. Doch jetzt war es endlich soweit. Ich habe den Sommer im Winter und den Winter im Sommer gelesen…

Schon im ersten Teil gefielen mir ja die Schlichtheit der Story, die Natürlichkeit der Charaktere und die Nachempfindbarkeit der Situationen und Gefühle. Ich fand es toll, keine übertriebene Lovestory á la Hollywood zu lesen. Und was soll ich sagen? Die Autorin ist ihrer Linie treu geblieben – zum Glück. :)

Eine Situation wie diese hat wohl fast jede junge Frau (und wahrscheinlich auch der eine oder andere unglücklich verliebte junge Mann) schon mal erlebt. Alles fängt so schön an, nach einem ersten langen und innigen Kuss. Doch dann kommt der große Schock und die Welt um einen herum zerbricht. Von jetzt auf gleich… Von mir kann ich das auf jeden Fall behaupten – auch wenn diese Zeit bei mir zum Glück schon lange zurückliegt. Umso so bemerkenswerter finde ich, dass Carina Bartsch es geschafft hat, dass ich mich während des Lesens wieder wie damals gefühlt habe, als ich um die zwanzig Jahre alt war, und ich mich ziemlich gut daran erinnern konnte, wie es mir damals ging.

>>Wenn ich<<, begann er und brach ab, bevor er noch mal neu ansetzte. >>Wenn ich, sagen wir, etwas sehr Dummes getan hätte. Aus den völlig falschen Gründen heraus. Aber die Gründe sich inzwischen geändert hätten – würdest du es dann wissen wollen?<<
(Seite 82)

Carina Bartsch hat mich zusammen mit Emely und Elyas auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen. Während es in Kirschroter Sommer ja noch fröhlich-frech zugegangen ist, kommen hier die Emotionen auf den Tisch. Und zwar alle, die man sich so vorstellen kann. Emotionen, die jeder schon einmal erlebt hat. Rosa Schäfchenwolken werden von grauen Gewitterwolken vertrieben.

Ich konnte Emelys Herzschmerz so gut nachempfinden. Der gute alte, alles zerfressende Liebeskummer. Die ständigen Fragen, ob und was man selbst falsch gemacht hat. Die verschiedenen Phasen des Leidens. Und obwohl man es nicht direkt mitbekommt, da die Geschichte ja aus Emelys Sicht geschrieben ist, bekommt man einen ziemlich guten Eindruck davon, dass auch Elyas leidet. Mir hat es sehr gut gefallen, dass die Emotionen, Gedanken und Gefühle von Emely und Elyas der Dreh- und Angelpunkt des Buches waren. Ich habe die beiden ja bereits während des Sommers in mein Herz geschlossen. Jetzt, nach dem Winter, haben sie sich diesen Platz aber redlich verdient.

>>Haben wir denn … eine Geschichte?<<, fragte er.
>>Elyas<<, sagte ich mit einem Lächeln. >>Ich glaube, wir haben mittlerweile ein ganzes Buch. So dick, dass man zwei daraus machen könnte.<<
(Seite 127)

Die typischen Emely-Elyas-Wortgefechte gibt es auch in Türkisgrüner Winter wieder. Aber nur zu Beginn, denn mit Voranschreiten der Geschichte gibt es dafür einfach keinen Grund mehr – zu schwer wiegt der Herzschmerz. Und obwohl mir diese witzigen Dialoge der zwei im Sommer sehr viel Freude beschert haben, hat die Geschichte des Winters für mich zu keinem Zeitpunkt an Reiz verloren. Denn Carina Bartsch hat einfach eine ganz tolle Art zu schreiben, selbst wenn es keinen Platz für ihren tollen Humor gibt.

Wer sich nun wünscht, einen Hinweis in Sachen Happy End von mir zu bekommen, den muss ich leider enttäuschen. Keine Silbe werde ich dazu schreiben. ;)

Türkisgrüner Winter hat mir emotionale Lesestunden beschert. Ich bin tatsächlich ein wenig traurig, dass ich mich nun von Emely und Elyas verabschieden muss. Und wenn ich jetzt schreibe, dass ich die Bücher von Carina Bartsch liebe, übertreibe ich kein bisschen.

„Die Menschen sprachen immer von einem weißen Winter, doch mein Winter war überschattet von der Farbe Türkisgrün. Egal was ich tat, meine Gedanken gehörten Elyas. Ich trug unsere Geschichte, unser Buch mit all den zahlreichen Kapiteln mit mir herum, gleichgültig wo ich mich befand. Es war, als hätte es jemand beim Lesen einfach zugeschlagen und weggelegt. Genau mittendrin. Gerade, als es am Schönsten gewesen war.“
(Seite 222/223)

5 HerzenSaFi


Ihr habt gewählt… Oldies but Goldies – Juni 2013

In den vergangenen Tagen hattet ihr die Möglichkeit zu entscheiden, welches unserer Oldies but Goldies-Bücher wir diesen Monat lesen sollen. Ihr habt fleissig an unserer Abstimmung teilgenommen (vielen Dank dafür :)) und euch für folgende Bücher entschieden:

Abstimmung_Sacre_JuniAbstimmung_Safi_Juni

Noch in diesem Monat dürft ihr euch also über unsere Rezensionen zu „Erebos“ und „Türkisgrüner Winter“ freuen. :D

Ursula Poznanski - ErebosTürkisgrüner Winter

Die Abstimmung für Juni war eine Spontan-Aktion von uns. Zukünftig möchten wir euch aber gerne regelmäßig mit ins Boot holen: ab Juli könnt ihr monatlich, immer vom 01.-04. des Monats, für eins von drei Büchern eure Stimme abgeben.

Wir müssen ja zugeben, dass wir uns ein bisschen in diese Aktion verliebt haben… :) Wir hoffen, dass ihr auch in den nächsten Monaten fleißig votet, um uns diese schwierigen Entscheidungen abzunehmen.

Eure Bookwives – Sabrina & Sabrina ♥


Kampf dem SUB – oder auch „Oldies but Goldies“ – Juni 2013

Als Buchblogger ist man ja immer bemüht, aktuelle Neuerscheinungen zu lesen und vorzustellen. Auch wir Bookwives präsentieren euch sehr gerne neuen Lesestoff. Leider bleiben durch die ganzen tollen Neuerscheinungen aber ältere Bücher, die wir eigentlich auch unbedingt zeitnah zur Veröffentlichung lesen wollten, auf der Strecke.

Dagegen wollen wir nun etwas unternehmen und brauchen dazu eure Hilfe. Jeden Monat werden wir euch vor die Wahl stellen, welches „Oldie but Goldie“ Buch aus unserem SuB wir lesen sollen. Teilweise sind die Bücher vielleicht noch nicht unbedingt sooo alt, teilweise vielleicht aber schon. Diese Bücher sind alle viel zu schade, um endgültig in den Tiefen unserer SUBs untergehen. ;)

Und da uns die Entscheidung so schwer fällt, dürft ihr entscheiden, welche Bücher wir lesen und rezensieren werden. Hier nun unsere „Auserwählten“ für die Aktion im Juni:

SaCre

Marie Lu - Legend 1Ursula Poznanski - ErebosLisa Higgins - In Liebe Rachel

SaFi

Mission MunroeDie Touristin von Taylor StevensTürkisgrüner WinterDie Hassliste

Abstimmen könnt ihr bis zum 11.06.2013. Bis dahin bleibt das Abstimmungsergebnis geheim. ;)
Wir sind sehr gespannt, welche Bücher ihr wählt! :)

Eure Bookwives


Wall of Fame – Januar 2013

Lesetechnisch war bei uns im Januar ja so einiges los und deshalb haben wir diesen Monat auch mehr Lesehighlights als sonst. Aus sage und schreibe 22 Büchern mussten wir für unsere allmonatliche Wall of Fame auswählen. Hier sind sie nun:

SaCre

SaFi

WoF 01-2013


Kirschroter Sommer [Rezension]

Kirschroter Sommer

Autor: Carina Bartsch
Titel: Kirschroter Sommer
Seitenzahl: 458
ISBN: 978-3000358210
Verlag: Schandtaten Verlag

Zum Inhalt:

Die 23jährige Emely studiert Literaturwissenschaften in Berlin. Die Zeit der Trennung von ihrer besten Freundin hat bald ein Ende, denn Alex zieht für ihr Studium ebenfalls nach Berlin. Aber die Tatsache, dass Alex dann bei ihrem etwas älteren Bruder Elyas wohnen wird, lässt Emely jetzt nicht gerade Freudensprünge machen.

7 Jahre ist es nun her, dass sie ihn zuletzt gesehen hat. Und sie hätte auch gänzlich darauf verzichten können, ihn jemals wieder zu sehen, denn sie hasst ihn aus tiefstem Herzen. Zum Glück ist da aber noch Luca, der unbekannte E-Mail-Schreiber, der sie auf andere Gedanken bringt.

Und plötzlich kommt Schwung in ihr bis dahin recht normales Studentenleben…

Meine Meinung:

Carina Bartsch erläutert auf ihrer Homepage, warum und wieso sie diesen Roman geschrieben hat:

„Wenn ich eine Liebesgeschichte lese, dann will ich auch wissen, warum die beiden Hauptcharaktere sich ineinander verlieben und was denn so toll an den Personen ist. Wenn da von Seelenverwandtschaft die Rede ist, möchte ich das als Leser auch spüren können und nicht nur das Wort für diese übersinnliche Art der Zuneigung vor die Nase gesetzt bekommen. Die Phase des ineinander Verliebens realistisch und nachvollziehbar darzustellen, war für mich somit die allererste Grundlage, noch bevor ich überhaupt mit dem Schreiben zu »Kirschroter Sommer« angefangen habe. Eine Geschichte muss man nicht nur lesen, man muss sie spüren.“ (www.carinabartsch.de)

Nach dem Lesen des Buches kann ich nur sagen: Ja, da hat sie nicht ganz unrecht und ja, es ist ihr sehr gut gelungen. So gut, dass ich die knapp 500 Seiten an einem Tag verschlungen habe.

Ich empfand dieses Buch als erfrischend normal. Keine übertriebene Story, keine übergezeichneten Charaktere. Die Geschichte bietet nicht jede Seite große Höhepunkte oder Atemraubende Wendungen – sie lebt von ganz unterschiedlichen, toll niedergeschriebenen Gefühlen und in erster Linie von Emely und Elyas. Und genau das macht dieses Buch aus, wie ich finde. Normale Menschen, normale Situationen, normale Gefühle.

Das Buch ist gut und flüssig zu lesen, die Sprache passt gut zu jungen Erwachsenen. Die beiden liefern sich jede Menge amüsante Wortgefechte – frei nach dem Motto: Was sich liebt, das neckt sich!? – jedoch aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Auch wenn Elyas seine wahren Absichten hinter coolen Sprüchen verbarg, schien doch recht schnell klar zu sein, was er wirklich wollte. Emely hingegen merkt nur langsam, dass sich da irgendwas zwischen ihnen und vor allem bei ihr selbst verändert. Ich konnte sehr gut nachempfinden, wie sich Emely nach und nach in Elyas Gegenwart gefühlt haben muss. Nicht zu wissen, was da eigentlich los ist, mit ihren komischen Gefühlen, wo sie doch immer der festen Überzeugung war, auf Elyas gut und gerne für den Rest ihres Leben verzichten zu können.

„Ich konnte leider nicht leugnen, dass Elyas schon seit je her eine gewisse Wirkung auf mich ausübte. Doch bislang hatte ich das allein seinem unverschämt guten Aussehen zugeschrieben. Es war nicht leicht, seinen türkisgrauen Augen und seinem hübschen Gesicht zu widerstehen – von dem Rest seiner Erscheinung ganz zu schweigen.
Aber solange die von ihm ausgehen Anziehungskraft auf sein Äußeres reduziert gewesen war, hatte ich keine Probleme, standhaft zu bleiben. Meine Augen ließen sich vielleicht blenden, doch mein Verstand war nicht so leicht zu täuschen. Sollte ich jetzt allerdings auch noch anfangen, mit seinem Charakter zu sympathisieren, hatte ich definitiv ein ernsthaftes Problem …“ (S. 255)

Emely mit ihrer aufgeweckten, direkten, liebevollen Art muss man einfach gern haben. Sie macht es sich selbst aber teilweise alles andere als leicht und oft hatte ich das Gefühl, dass sie sich mit ihrem Sarkasmus und ihrer Ironie nicht nur Elyas in den Weg stellt, sondern auch ein wenig sich selbst im Weg steht. Ebenso wie mit ihrer Angewohnheit grundsätzlich erst mal an allem zu zweifeln, was Elyas von sich gibt. Nachdem ich dann aber wusste, was damals vorgefallen war, konnte ich ihre Einstellung gut nachvollziehen.

Elyas nahm ich als Leserin ganz anders wahr als Emely. Ich fand es einfach nur süß, wie er immer wieder Emelys Nähe suchte, auch wenn ihr das mächtig gegen den Strich ging. Was ich aus ihrer Sicht aber durchaus auch verstehen konnte. Manchmal habe ich mir gedacht: Mensch, jetzt sag ihr doch einfach das Offensichtliche. Aber das hätte nicht zu ihm gepasst und auch nicht zu dem Buch. Bei vielen anderen jungen Frauen hätte er sich wahrscheinlich nicht mal halb so viel Mühe geben müssen, um an sein Ziel zu kommen.

Die großen Fragen, die sich durch das Buch ziehen, sind u. a.: Wer ist Luca? Was ist damals zwischen Emely und Elyas passiert? Finden Emely und Elyas zusammen? Auf manche dieser Fragen bekommt man während des Lesens eine Antwort, auf andere nicht. So bleibt das Ende der Geschichte offen und ich freue mich auf den zweiten Teil „Türkisgrüner Winter“.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Carina Bartsch bedanken, die mir ihren tollen Debütroman zur Verfügung gestellt hat.

5 Herzen

SaFi