Und es hat Om gemacht [Rezension]

Und es hat Om gemacht von Florian Tausch
 
Titel: Und es hat Om gemacht
Autor: Florian Tausch
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-442-47873-6
Verlag: Goldmann
Veröffentlichung:  18. Februar 2013
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

Bettina ist Viktors Traumfrau. Deswegen denkt er sich auch einen sehr ungewöhnlichen und im gleichen Maße romantischen Heiratsantrag aus. Komplikationen bei der Ausführung zwingen Viktor jedoch zu Plan B. Aber auch dabei läuft nicht alles rund, denn Bettina verlässt Viktor noch während des Antrags für ihren Yogalehrer Niels. Von nun an scheint Viktor von allem, was auch nur ansatzweise mit Yoga zu tun hat, verfolgt zu werden, und wird auch noch zur Teilnahme an einem Yoga-Kurs genötigt. Der scheinbar einzige Lichtblick in diesem ganzen Theater ist Maya – Viktors Yogalehrerin…

Meine Meinung:

>>Sie lässt es sich wirklich von so einer Esoterik-Pussy machen! Der Typ bekommt doch bestimmt vor lauter Namen-Tanzen und Baum-Umarmen gar keinen hoch!<<
(Seite 42)

Florian Tausch hat mit dem zu Papier gebrachten Humor – trocken, saukomisch und stellenweise auch ein wenig böse – genau meinen Geschmack getroffen. Aberwitzige Situationen, sonderbare Handlungen und nicht zuletzt die vielen witzigen Dialoge und Gedankengänge von Viktor machen dieses Buch aus, und sorgten bei mir häufiges Schmunzeln und nicht selten auch für herzhaftes Gelächter. Für mich als Frau war es mal eine schöne Abwechslung, in die Gedankenwelt eines Mannes abzutauchen. :D

Der Fettnapf scheint, neben Rudi, der beste Freund von Viktor zu sein. Egal ob durch sich selbst oder andere verschuldet – Viktor lässt fast nichts aus, um sich noch weiter in die Bredouille zu bringen. Ausraster vor laufenden TV-Kameras? Vandalismus mit Buddha-Statuen? Alles kein Problem für Viktor, dem sympathischen „Helden“ dieser Geschichte. Zusammen mit ihm erlebt der Leser so einiges. Und auch wenn manches ein wenig platt rüberkommt, bietet das Buch durchweg gute Unterhaltung.

„Es sah nach einem ungleichen Kampf aus, der sich da auf der sonnendurchfluteten Straße anbahnte. Hier der groß gewachsene, muskulöse Viktor, dem Wut und Zorn noch ein paar zusätzliche Testosteron-Dosen in den Körper gepumpt hatten. Dort der ausgemergelt wirkende Yoga-Lehrer, einen guten Kopf kleiner als sein Gegner, der sich nun zögerlich näherte. Viktor wich in gespielter Angst ein paar Schritte auf den Gehsteig zurück und sagte mit weinerlicher Stimme: >>Hilfe! Da kommt Gandhi. Jetzt habe ich aber Angst!<<“
(Seite 57)

Gut gefallen hat mir, dass der Autor seinem Protagonisten Viktor auch noch eine andere Seite, als die des nicht zurechnungsfähigen, von Liebeskummer geplagten Mannes, angedacht hat. Diese kommt z. B. dadurch zum Ausdruck, wie er sich um Kalle, den Sohn seines besten Freundes, kümmert. Somit bietet dieses Buch neben viel Klamauk auch noch eine herzige Note.

Einzig der ominöse Guru, der auf dem Buchrücken Erwähnung findet, hat meinen positiven Eindruck ein wenig getrübt. Dieser spielt ab einem gewissen Zeitpunkt eine große Rolle in dem Buch, vor allem für Viktor. Er sorgt für jede Menge Unterhaltung, die Viktor immer mal wieder noch einen Schritt näher an den Rand des Wahnsinns bringt. Leider konnte ich mit Sri Albert, wie Viktor ihn nennen darf, aber nicht so wirklich was anfangen. Vielleicht habe ich aber auch einfach nicht die richtigen Schlüsse gezogen, denn ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es in der Absicht des Autors lag, seinen Lesern bei dieser Figur ein wenig Raum für Spekulationen zu lassen…

Dieses Buch eignet sich perfekt als „kleine Lektüre für zwischendurch“ und bietet ein kurzweiliges und äußerst unterhaltsames Lesevergnügen. Einfach zurücklehnen und gemeinsam mit Viktor den Weg zur Erleuchtung finden. ;)

„Er malte sich aus, wie in ihrem Kopf gerade ein paar Mauern einstürzten. Viktor, der durchgeknallte TV-Show-Choleriker? Kawumm! Viktor, der ignorante Yoga-Hasser? Bäääng! Viktor, der gehörnte Frauen-Loser? Wruuums!
(Seite 194)

4 HerzenSaFi


Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil [Rezension]

Ich nehme alles zurueck und behaupte das Gegenteil von Juli Rautenberg
Autor: Juli Rautenberg
Titel: Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil
Seitenzahl:
416
ISBN: 978-3-442-38022-0
Verlag:
Blanvalet
Veröffentlichung: 16. Oktober 2012
Leseprobe
 
 
Zum Inhalt:

Endlich! Juli hat nach ihrem Männer-Dating-Marathon nun endlich ihren Traummann gefunden: Konrad. Frisch verliebt geht nun durch das nächste Jahr.

Und das das natürlich nicht ohne diverse Fettnäpfchen, Missverständnisse und andere Merkwürdigkeiten, wie z. B. einem Beziehungsschnittlauch namens Eberhard, vonstattengeht, versteht sich von selbst.

Hier geht es ja schließlich um Juli Rautenberg!

Meine Meinung:

Wer kennt sie nicht? Diese typischen Missverständnisse zwischen Männern und Frauen. Ganz zu schweigen von den grundlegenden Unterschieden, abgesehen von den evolutionären, die dafür sorgen, dass wir zwar nicht immer miteinander können, aber zugegebenermaßen auch nicht komplett darauf verzichten können und wollen.

Bei Juli und Konrad ist das natürlich nicht anders. Sonst würde es dieses Buch ja auch nicht geben. ;) Die Erzählung setzt 6. November ein, die beiden Frischverliebten sind seit kurzem ein Paar. Und dort, wo andere Bücher aufhören, geht es bei Juli und Konrad erst richtig los. Stufe 1 „Zusammenkommen“ ist erfolgreich abgeschlossen. Nun geht es darum, die nächste Stufe zu bewältigen: Zusammensein. Und vor allem Zusammenbleiben. :D

„Es hat wirklich überhaupt keinen Sinn, nach einem schönen und vielversprechenden Happy End abzublenden!
>>Juuuli!<< Jetzt reicht’s mir aber gleich. Wieso schreit er denn so? Kann er nicht einfach herkommen? Ich setze mich im Bett auf. >>Was ist denn los?<<
>>Na endlich! Kannst du mal bitte kommen? Klopapier ist alle!<< Ach so. Ja, natürlich. Deswegen wird in der Regel nach dem Happy End abgeblendet.“ (S. 13)

Mit ganz viel Humor und Sarkasmus in Hülle und Fülle lässt uns Juli Rautenberg an ihrem ersten Jahr als Paar mit Konrad teilhaben. Dabei müssen die beiden nicht nur miteinander klar kommen, es gibt auch noch jede Menge andere Störfaktoren – u. a. die Schwiegermutter in spe und die Exfreundin samt Ex-Beziehungskatze. Aber nicht nur von außen wird die Beziehung ständig torpediert, auch im Innern lauern Gefahren. ;) Nicht zuletzt, weil Mann und Frau ja nun mal ganz unterschiedliche Ansichten und Eigenheiten zu haben scheinen.

„Ich dachte ja immer, dass ich chaotisch wäre, aber Konrad ist so etwas wie der ungekrönte Kaiser des Herumliegenlassens. Wo immer ich auch gehe und stehe, überall erinnert mich eine fallen gelassene Unterhose, eine zerknitterte Tankquittung oder ein halbleer getrunkenes Glas Bier an meinen Liebsten. Ich führe keinen Haushalt, in dem man vom Boden essen sollte, wenn man Angst vor ansteckenden Krankheiten hat. Einen Haushalt kann man meiner Meinung nach auch nur dann vorbildlich führen, wenn man wirklich keine anderen Hobbies hat. Aber Konrad … also, der spielt echt in einer anderen Liga.“ (S. 49)

Wenn man die Hälfte aller Frauen, die dieses Buch gelesen haben und noch lesen werden, in einem Raum zusammenraffen würde und jede einzelne der kuriosen, süßen, lustigen Situationen aus diesem ersten Jahr von Juli und Konrad analysieren würde, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass unterm Strich rauskommen würde, dass jede dieser Situationen schon mal in anderen Beziehungen vorgekommen ist. Ob Juli und Konrad nun das Pech oder das Glück hatten, all diese Situationen geballt in einem Jahr zu erleben, darüber kann man sicher streiten. ;)

>>Ist das dein Mutter?<<, frage ich skeptisch. Konrad nickt mit zusammengekniffenem Mund.
>>Und wieso hat sie diesen Fummel an?<<, hake ich skeptisch nach.
>>Kein Wort mehr!<< zischt Konrad und öffnet das kleine Gatter, das uns über einen akkurat angelegten Steinfliesenweg durch den penibel geharkten Vorgarten führt.
>>Hallo, Mama<<, sagt Konrad, und ich bewundere ihn für seine Charaktergröße. Mütterliche Gefühle für diese ausgemergelte Vogelscheuche zu entwickeln, ist wirklich ganz großes Blockbuster-Kino. (S. 69)

Die Geschichte ist kapiteltechnisch in die einzelnen Monate und Tage des Zusammenseins von Juli und Konrad eingeteilt. Dabei wartet auf die beiden, und vor allem auf den Leser, natürlich die eine oder andere Überraschung, aber auch einiges, was vorhersehbar ist. Insgesamt ist es ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch, dass sich zügig lesen lässt und auch noch für das Lachmuskeltraining gut geeignet ist.

So, ich muss dann jetzt mal los, und meinem Freund und mir ganz dringend eine Beziehungspflanze kaufen. Wer nicht weiß, was eine Beziehungspflanze ist und wofür diese gut ist, sollte schleunigst dieses Buch lesen.

>>Sollen wir einen neuen kaufen?<< fragte Konrad und streichelte ein einzelnes verdorrtes Exemplar von Eberhards ehemaliger Stängelpracht.
>>Das geht doch nicht!<<, entrüstete ich mich. >>Das war unsere Beziehungspflanze. Die kann man nicht einfach neu kaufen!<< (S. 79/80)

4 HerzenSaFi