[Rezension] Gesetz der Rache | Kristen Simmons

Da es sich bei bei diesem Buch um eine Fortsetzung handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Gesetz der RacheTitel: Gesetz der Rache (Artikel 5 – Teil 2)
Autor: Kristen Simmons
Seitenzahl: 448 Seiten
Verlag: ivi
ISBN: 978-3-492-70305-5
Veröffentlichung: 1. Oktober 2013
Empfohlenes Lesealter: Ab 16 Jahren
Leseprobe

Zum Inhalt:

Es ist nun gut einen Monat her, seit Ember und Chase die Flucht aus der Basis gelingen konnte, sie sich dem Widerstand angeschlossen haben, und offiziell als tot – abgeschlossen – gelten. Doch Embers Status wird schnell wieder korrigiert. Denn das FBR setzt ihren Namen, zusammen mit vier anderen, auf eine Liste von Personen, die verdächtigt werden, der Sniper zu sein. Dieser hat bei seinem letzten Anschlag vier MM-Soldaten auf einen Schlag niedergeschossen. Wallace, der Anführer des Widerstands, sieht darin eine einmalige Chance für die Gruppe und Ember geht, nach anfänglichem Zögern, auf seinen Vorschlag ein. Doch schon bald läuft alles aus dem Ruder und das Leben von Ember und Chase wird wieder von der Flucht bestimmt…

Gesetz der Rache_Artikelbild

Meine Meinung:

Nachdem ich von „Artikel 5“ dermaßen begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, mit „Gesetz der Rache“ endlich die Fortsetzung in meinen Händen zu halten.

„Elf junge Männer drängten sich in dem schmalen Korridor und warteten auf Instruktionen. Nicht alle hatten gedient; einige waren einfach nicht statutenkonform, genau wie ich. Aber wir alle hatten unsere Gründe, hier zu sein.“ (Seite 9/10)

Ich habe zwar einen Moment gebraucht, bis ich vollends begriff, wo ich mich mit Aufschlagen des Buches wieder befand, doch Kristen Simmons hat es gut verstanden, mich – mithilfe von Embers gedanklichen Rückblenden – wieder in die Spur zu bringen. Wichtige Ereignisse wurden nochmals erwähnt und brachten die Erinnerungen an das bisher erlebte wieder zurück.

Und mit der Erinnerung an die zurückliegenden Ereignisse flammte auch das Gefühl des gemeinsamen Auflehnens gegen die MM, gegen das FBR, bereits nach wenigen Seiten wieder in mir auf. Die Verzweiflung, Wut und Trauer und auch das Gefühl der Machtlosigkeit trotz des Kampfes, konnte die Autorin mit ihren Worten wieder wunderbar transportieren. So fühlte ich mich nicht bloß als Leserin eines Buches, sondern kämpfte erneut an der Seite von Ember, Chase und den anderen.

Während es im Vorgänger noch die schockierenden Szenen in der Resozialisierungsanstalt waren, die mir den Atem raubten, waren es diesmal die tiefer gehenden Schilderungen der Auswirkungen des Krieges. Die zerstörten Städte, bzw. die neu geschaffenen Unterkünfte, und die Bedingungen, unter denen die Menschen, die nicht dem FBR angehören, leben müssen beschreibt Kristen Simmons mit einer klaren Sprache, die sachlich und zugleich brutal auf mich wirkte. Sie hat mir mit ihren Beschreibungen mehr als einmal einen eiskalten Schauer über den Rücken gejagt.

»Code 1 ist eine Lizenz zum Töten. Sie dürfen auf bloßen Verdacht schießen, ohne dass sie dich erst befragen müssen. Sie müssen dich auch nicht lebend in die Basis schaffen, damit die Behörde dir den Prozess machen kann.« (Seite 65)

Insgesamt empfand ich „Gesetz der Rache“ ein wenig gehaltvoller, oder besser gesagt dichter, als „Artikel 5“. Wobei ich den Vorgänger alles andere als schlecht fand – ganz im Gegenteil. Der Schwerpunkt hat sich meines Erachtens aber, passend zur Entwicklung der Geschichte, etwas verändert. Die Arbeit und die Aufstellung des Widerstandes werden detailliert vermittelt. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander bekommen in diesem Teil mehr Profil. Die Autorin setzt sich gut ausgearbeitet mit der Beziehung zwischen Ember und Chase und Embers widersprüchlichen Empfindungen einem alten Bekannten gegenüber auseinander, und lässt uns ein wenig mehr hinter die Fassade der einzelnen Protagonisten blicken. Zudem werden hier nun auch die Hintergründe des Krieges, der für den momentanen Zustand in den USA verantwortlich ist, ein wenig näher beleuchtet.

Die Geschichte bietet nach einem fast schon gemächlichen Start einige Spannungs-Höhepunkte. Zusammen mit dem Rätselraten, ob der alte Bekannte aus Teil 1 nun Gutes oder Schlechtes im Schilde führt, und der Entwicklung der Beziehung von Ember und Chase, kam bei mir zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Zudem werden einige Fragen beantwortet, manche kommen, so wie der eine oder andere Darsteller, der eine wichtige Rolle einnimmt, neu hinzu. Ein kleiner, aber durchaus fieser Cliffhanger am Ende sorgt dafür, dass man am liebsten direkt weiterlesen würde.

Worum es in Teil 3 (Originaltitel „Three“) gehen wird, kann ich mir aufgrund von ein paar gelegten Grundsteinen in diesem Teil zwar denken, auf der anderen Seite bin ich mir aber ziemlich sicher, dass Kristen Simmons auch noch die eine oder andere Überraschung bereit hält.

„Was war das für eine Welt, in der Menschen sterben mussten, damit andere leben konnten?“ (Seite 296)

„Gesetz der Rache“ steht „Artikel 5“ in nichts nach. Für alle Fans des ersten Teils ist die Fortsetzung ein absolutes Muss. Hier und da geht es vielleicht ein wenig ruhiger zur Sache, dennoch kommt man in den Genuss von Action und Spannung. Zusammen mit einem detaillierten Blick auf die Charaktere hat Kristen Simmons einen absolut gelungenen Mittelteil der Trilogie geschrieben, der mir das Warten auf den Abschlussband ziemlich schwer macht.

5SaFi

Eine weitere Meinung könnt ihr u. a. bei his + her books lesen

HIER findet ihr ein Interview mit Kristen Simmons zu „Gesetz der Rache“



Artikel 5 [Rezension]

Artikel 5Titel: Artikel 5
Autor: Kristen Simmons
Seitenzahl: 432
ISBN: 978-3-492-70286-7
Verlag: ivi
Veröffentlichung: 16. April 2013
Empfohlenes Lesealter: Ab 16 Jahren
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

Moralstatuten sollen im Amerika der Zukunft für Recht und Ordnung sorgen, und die so genannte Moralmiliz setzt diese mit allen Mitteln durch. Artikel 5 besagt z. B., dass nur, wer als Kind eines verheirateten Paares auf die Welt kommt, als vollwertiger Staatsbürger anerkannt wird. Und so fallen die 17-jährige Ember und ihre Mutter der MM zum Opfer, denn verheiratet waren Embers Eltern nicht. Ember kommt in eine Besserungsanstalt für Mädchen, ihre Mutter wird verhaftet. Um zu ihrer Mutter zurückkehren zu können, muss Ember aus der Anstalt und somit vor den fanatischen Moralisten fliehen. Aber dazu braucht sie die Hilfe von Chase. Ihre große Liebe. Der Mann, der ihre Mutter verhaftet hat…

Meine Meinung:

Dass die Moralmiliz Angst und Schrecken verbreitet, wird dem Leser bereits auf den ersten Seiten bewusst. Man erfährt während des Lesens aber nicht viel über das Warum, Wieso und Weshalb. Alles was wichtig ist, um die Grundlagen dieser Geschichte verstehen zu können, wird beschrieben, mehr aber auch nicht. Die Autorin hat sich bei Embers Geschichte genau an das gehalten: Embers Geschichte. Keine großen Ausschweifungen. Das Amerika der Zukunft ist halt so, wie in diesem Buch dargestellt. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen. So hatte ich die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie und vor allem warum es so weit kommen konnte, und bekam die Antworten auf die vielen Fragen, die in meinem Kopf herumschwirrten, nicht auf einem Silbertablett serviert.

 „Moralmiliz war nicht der offizielle Name, aber er passte. Eigentlich gehörten die uniformierten Soldaten zum Federal Bureau of Reformation – dem Teil des Militärs, den der Präsident nach dem Ende des Krieges vor drei Jahren gegründet hatte. Ihre Aufgabe war es, die Befolgung der Moralstatuen durchzusetzen, um das Chaos zu unterbinden, das während der fünf Jahre geherrscht hatte, in denen Amerika gnadenlos attackiert worden war.“
(Seite 10)

Schnell war ich in der Geschichte drin. Schnell verstand ich Ember. Nach und nach verändert sich durch die Ereignisse etwas in ihr. Diese Entwicklung kommt während des Lesens sehr gut rüber. Zu keinem Zeitpunkt kam bei mir der Gedanke auf, dass das, was Ember tut, falsch sein könnte. Ich teilte Ängste, Schmerzen und Zweifel mit ihr. Gemeinsam lehnten wir uns gegen die MM auf. Kristen Simmons hat mit ihrem einnehmenden Schreibstil dafür gesorgt, dass ich die Soldaten und allen anderen Moralisten ebenso verabscheute wie Ember. Die Schilderungen des „Lebens“ in der Besserungsanstalt haben mich regelrecht schockiert, wütend gemacht und mir die Kehle zugeschnürt. Durch die Handlungen der Heilsschwestern und Soldaten in dieser Anstalt, bekam die Abscheu gegen die Moralmiliz noch mal eine ganz andere Dimension.

 >>Sie sind ein sehr böses Mädchen. Von der schlimmsten Sorte. Der Wolf im Schafspelz. Wir werden diese Maske zerstören und das Innere umgestalten müssen, das ist mir nun klar geworden.<<
>>Was …?<< Ich wusste zwar nicht, was sie meinte, aber mir graute.
>>Wachen, bringen Sie Ms Miller in die Reinigungskammer.<<
(Seite 109)

Sehr gut gefallen hat mir, wie die Autorin das Leben von Ember und Chase vor der Festnahme in die Geschichte integriert hat. Durch kleine Rückblicke erfährt man nach und nach immer mehr. Zusammen mit den Geschehnissen im Hier und Jetzt ergeben diese Rückblicke ein klares Bild der beiden. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als mit ihnen mitzufiebern und zu hoffen, dass sie ihr Ziel erreichen und den Kampf ums Überleben gewinnen würden. Der Ausgang dieses Kampfes bleibt bis kurz vor Schluss ungewiss, so verliert die Geschichte zu keinem Zeitpunkt an Spannung. Dafür sorgen zudem auch noch diverse Begegnungen, Geständnisse und Handlungen der Protagonisten.

Zu meiner Freude habe ich entdeckt, dass es im Oktober mit „Gesetz der Rache“ eine Fortsetzung geben wird. Ich würde euch aber raten, die Inhaltsangabe des zweiten Bandes erst zu lesen, nachdem ihr Artikel 5 gelesen habt. Sonst könnte euch diese Vorschau durchaus den Lesespaß am ersten Teil verderben. Und das will ja niemand, oder? ;)

Bislang war ich kein großer Dystopie-Fan. „Artikel 5“ hat mir aber dermaßen gut gefallen, dass sich das nun ändern könnte. Vorausgesetzt, dass alle Dystopien so sind, wie dieses Buch. :D Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

>>Artikel 5 bedeutet, dass sie nicht einmal mehr deine Mutter ist. Du bist jetzt Regierungseigentum.<<
(Seite 37)

5 HerzenSaFi