{Rezension} Nightmares. Die Schrecken der Nacht (Nightmares #1) | Jason Segel

Nightmares

Autor: Jason Segel
Titel: Nightmares. Die Schrecken der Nacht
(OT: Nightmares )
Seitenzahl: 384 Seiten
Verlag: Dressler
ISBN:  978-3-7915-1908-1
Veröffentlichung:  November 2014
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Charlie Laird ist 12 Jahre alt. Schon eine ganze Weile plagen ihn Albträume. Ganz genau, seit er mit seinem Vater und dem kleinen Bruder Jack zur Stiefmutter Charlotte DeChant in das alte Haus mit dem gruseligen Turm gezogen ist. Mit allen Mitteln versucht er daher, nicht zu schlafen. Leider funktioniert das nicht besonders. Auch Kisten vor die Tür zu stellen hält die Albträume nicht ab.
Im Gegenteil. Die Albträume werden schlimmer…. Irgendwie realer… Was hat das „Stiefmonster“ wohl damit zu tun…?

„Und alle hielten Charlotte DeChant für die perfekte Stiefmutter. Charlie wusste jedoch, dass sie nicht der Mensch war, für den sie sich ausgab. Er hatte längst gemerkt, wie perfekt sie sich tarnte.“ (5,1%)

Das Buch von Jason Segel wurde uns auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Sofort waren wir Feuer und Flamme.

Schnell kommt man als Leser in die Geschichte um Charlie rein. Sofort merkt man, wie sehr Charlie diese Albträume zusetzen. Sein Leben leidet darunter, denn schließlich ist er tagsüber immer müde. Auch seinen Freunden Rocco und Alfie fällt das auf. Außerdem streitet er sich dauernd mit seinem kleinen Bruder und seinem Vater.
Und wer ist Schuld? Charlotte! Wer sonst!? Er mag sie sowieso nicht. Sie ist seltsam – und ihr Job erst: sie braut irgendwelche Kräutertränke und hat so einen Kräuterladen. Auch die Villa, in der sie leben, bietet genug Potential, die Hauptrolle in allen Albträumen zu spielen. Also ist klar: Charlotte muss eine Hexe sein. Anders geht es gar nicht.
Die Gestalten aus seinen schlimmsten Träumen sind plötzlich auch in der Realität. Und sie haben Charlies Bruder. Er muss sich ihnen stellen, um den Kleinen zu befreien.

Zuerst fällt natürlich die tolle Gestaltung des Buches auf. Das Cover ist bunt und sehr auffällig. Und es leuchtet sogar im Dunkeln. :) Was ich leider nicht fotografisch festhalten konnte. :/
Der Buchschnitt ist in Orange gehalten und passt hervorragend dazu. Auch innen ist das Buch hübsch anzusehen: Seiten und Kapitel sind mit Tierchen oder ähnlichem verziert.

Jason Segel, der vielen aus der TV-Serie „How I met your mother“ bekannt ist, hat hier wirklich ein tolles Buch geschrieben! In einfachem und leicht zu lesenden Schreibstil erzählt er die Geschichte aus Sicht einer dritten Person, die dem Leser auch die anderen Charaktere des Buches näher bringt.
Die Idee, Albträume zu verarbeiten, finde ich gelungen. Schließlich sind sie schon jedem von uns widerfahren. Jeder Mensch hat andere Ängste. Doch den Kindern / Jugendlichen vermittelt der Autor, dass man sich diesen stellen sollte.
Die „Anderwelt“ hat der Autor gut durchdacht und ausgearbeitet. Es gibt seltsame und auch teilweise lustige Wesen, Nachtmahre genannt, die den Leser auf verschiedenste Art und Weise unterhalten.
Auch der Plot kann überzeugen. Die Story steckt voller Wendungen und hat ein Ende, mit dem man leben kann, das aber auch Raum für weitere Abenteuer lässt.
Allerdings empfinde ich die Altersempfehlung als zu niedrig angesetzt. Es gibt doch so einige Gruselelemente, von denen manche zwar auch nur kurz erwähnt werden, die allerdings sofort Bilder in den Kopf setzen. Unterschwellig zieht sich ein gewisser Gruseleffekt durch das ganze Buch. Aber das muss natürlich jedes Elternteil für sein Kind individuell festlegen.
Auch finde ich 384 Seiten für 10jährige recht viel.

„Albträume sind nicht echt. Sie können nicht kommen und dich holen. Charlie verbrachte den ganzen Nachmittag damit, sich davon zu überzeugen.“ (19,9%)

Mich persönlich konnte die Geschichte gut unterhalten, auch wenn sich die atemraubende Spannung bei mir nicht einstellen wollte. Aber ich bin ja auch minimal über die Zielgruppe hinaus. :)
Allen, die sich in eine fantasievolle Welt der Ängste entführen lassen möchten, und die gerne einen Eye-Catcher im Regal stehen haben möchten, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ich werde auf jeden Fall weiter lesen.

Sehr passend: das „Schlaf bloß nicht ein“ Lied. Das könnt ihr euch HIER anhören. Und zur Trilogie-Website gelangt ihr hier.

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Reiheninfo:
1. Nightmares // Die Schrecken der Nacht
2. ?? // Die Stadt der Schlafwandler (ET: Herbst 2015)
3. ?? // Die Jagd des Traumdiebs (ET: Herbst 2016)
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3,5

SaCre


{Rezension} Das Blubbern von Glück | Barry Jonsberg

Das Blubbern von Glueck von Barry Jonsberg

Autor: Barry Jonsberg
Titel: Das Blubbern von Glück
(OT: My Life As An Alphabet)
Seitenzahl: 256 Seiten
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16286-6
Veröffentlichung: 22. September 2014
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„Das Wörterbuch ist mein Lieblingsbuch. Ich lese oft vor dem Zubettgehen darin. Es stehen Tausende verschiedener Wörter darin, und es versucht nicht, eine Geschichte zu erzählen, die dann nicht gut ist. Es handelt von Wörter um ihrer selbst willen. Es ist rein. Das Einzige, was ich sonst noch lese, sind Bücher von Charles Dickens.“ (Seite 38)

Candice Phee ist zwölf Jahre alt. In der Schule erhält sie die Aufgabe, einen Erlebnisbericht zu schreiben. Jeder Buchstabe des Alphabets soll einen eigenen Absatz erhalten.
Doch Candice macht daraus mehr. Sie füllt ein ganzes Buch. So gibt es beispielsweise Kapitel A für „Aufsatz“, E für „Erdferkel-Fisch“ und H für „Hoffnung“.

„Am Sonntag werde ich dreizehn. Ich freue mich darauf. Zwölf scheint sehr jung, wohingegen dreizehn die Schlussfolgerung zulässt, dass man seine Lehrjahre als Kind beendet hat und jetzt Teenager-Sachen mach kann, ohne als Hochstapler zu gelten.“ (Seite 114)

Direkt zu Beginn des Buches, als man mitten in der Geschichte und dem Leben von Candice landet, merkt man: sie ist nicht, wie andere Zwölfjährige. Sie ist ehrlich, sie möchte die Welt verbessern und sie ist irgendwie anders. Sie ist Autistin.
Ihr Vater arbeitet viel und ihre Mutter ist krank geworden und leidet darunter, dass ihre Schwester Sky gestorben ist. Außerdem ist die Familie mit dem reichen Onkel Brian zerstritten.
Candice hat eine Brieffreundin namens Denille, die in den USA lebt. Außerdem hat sie ein Haustier, Erdferkel-Fisch – welches aber an einer kleinen Identitätskrise leidet
Doch da ist auch noch ihr Freund Douglas Benson aus einer anderen Dimension.

Wer das jetzt seltsam findet, der hat recht. Aber so ist Candice, so ist ihre Welt, ihre Art zu erzählen – es ist einfach wundervoll!
Autor Barry Jonsberg hat einen Schreibstil, der einfach schön, herrlich und gut zu lesen ist. Als Leser schlägt man das Buch auf und schon nach drei Seiten fühlt man sich einfach nur wohl.
Candice ist eine sympathische Protagonistin. Sie ist im Kopf viel weiter als andere Kinder ihres Alters – ihr Lieblingsbuch sagt ja schon einiges über sie aus. Sie hat Ideen, die in ihrem Kopf total viel Sinn machen – für uns sind sie aber einfach nur urkomisch! Zum Beispiel möchte sie Erdferkel-Fisch zum Atheisten machen. Außerdem drückt sie sich gerne metaphorisch aus.
Sie ist eine ehrliche Haut und nennt ihren Onkel beispielsweise „reicher Onkel Brian“ und ihren Freund „Douglas Benson aus einer anderen Dimension“. Auch, dass sie ihr Haustier Erdferkel-Fisch nennt ist alles andere als gewöhnlich.

In ihrem Erlebnisbericht arbeitet sie so all die Familienprobleme und die Dinge auf, die sie beschäftigen. Viele Dinge sieht sie dabei erstaunlich klar – auch wenn Erwachsenen diese nicht bewusst sind.

Dies ist wieder mal ein Buch, welches sich nur schwierig beschreiben lässt und für das man erst einmal die richtigen Worte finden muss.
Der Autor Barry Jonsberg war mir leider nicht bekannt, obwohl er in Australien ein sehr bekannter und anerkannter Kinder- und Jugendbuchautor ist.

Ein charmantes, herzerwärmendes Wohlfühlbuch für Leser jeden Alters, das einfach glücklich macht. Aufschlagen – eintauchen – am Leben und den kleinen Dingen erfreuen! <3
5 Herzen reichen hierfür gar nicht aus. *seufz*

„Das Gebell ließ Jens Geschrei wie ein zartes Flüstern erscheinen. Fünfundzwanzig Köpfe drehten sich ruckartig nach vorn. Neunundvierzig Ohren klingelten. (Alex McLean fehlt ein Trommelfell.)“ (Seite 157)

5

SaCre


{Rezension} Tuesday und der Zauber des Anfangs | Angelica Banks

Tuesday

Autor: Angelica Banks
Titel: Tuesday und der Zauber des Anfangs
(OT: Finding Serendipity)
Seitenzahl: 240 Seiten
Verlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-4702-8
Veröffentlichung: 21. Juli 2014
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„Mittlerweile war es nicht mehr zu übersehen: Umsponnen von einer ganzen Wolke feinster, glitzernder Silberfäden, sah Tuesday aus, als wäre sie in federleichte Zuckerwatte eingehüllt, die sie allmählich aus dem Schreibsessel hob. Ihre Füße berührten schon nicht mehr den Boden, sie schwebte langsam höher und höher.“ (Seite 34)

Tuesday McGillycuddy lebt mit ihrem Hund Baxterr, sowie Vater Denis und Mutter Serendipity Smith, einer Schriftstellerin, in der Brown Street:
Vater und Tochter warten darauf, dass die Autorin nun endlich ihr aktuelles Buch beendet, und die Familie für eine Zeit lang wieder unter sich sein kann, zusammen sein kann.
Als Tuesday nach ihrer Mutter sehen will, entdeckt sie einen geheimnisvollen silbernen Faden. Dieser Faden nimmt sie mit an einen Ort, an dem alle Geschichten ihren Anfang nehmen. Eigentlich möchte sie dort nur nach ihrer Mutter suchen. Doch sie findet unglaubliche Abenteuer…

„>>Verstehst du denn nicht? Es hat dich erwischt! Eine Geschichte hat dich gepackt. Es hat keinen Sinn, das Unbestreitbare zu bestreiten, das Unaufhaltsame aufhalten zu wollen. Also lass dich nicht aufhalten, mein Schatz! Folge den Wörtern, denn genau das ist es wohl, was eine Schriftstellerin macht. Folge einfach den Wörtern.“ (Seite 34/35)

Tuesdays Mutter ist eine sehr bekannte Schriftstellerin, die eine erfolgreiche Kinderbuchreihe verfasst hat und gerade am letzten Band schreibt. Als Autorin ist sie sehr selten in der Öffentlichkeit und wenn, dann ändert sie ihr Aussehen. Also weiß keiner, dass Sarah McGillycuddy hinter Serendipity Smith steckt.
In der Familie gleicht es immer einem Feiertag, wenn Sarah ein Buch beendet hat, und dann wieder ein aktiver Teil der Familie ist.
Als Tuesday nach ihrer Mutter sehen will, ist sie verschwunden. Sie entdeckt in der Schreibmaschine die nicht beendete Geschichte und tippt selber darauf herum. Ein geheimnisvoller silberner Wörterfaden entsteht, der Tuesday und Baxterr (mit Doppel-R ;) ) in die Welt der Geschichten bringt. Hier trifft sie auf Blake Luckhurst, einen jugendlichen Autor, der nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch sehr überheblich ist.
Tuesday muss ihre eigene Geschichte nun von Anfang bis zum Ende bringen, um ihre Mutter zu finden. Auf dem Weg dahin triff sie auf Vivienne Small, die Protagonistin in den Büchern ihrer Mutter. Gemeinsam mit ihr erlebt sie weitere Abenteuer.

„>>[…]Es ändert nichts an der Tatsche, dass Geschichten nun einmal erzählt werden möchten. Sie haben ihre ganz eigenen, besonderen Kräfte und sie suchen sich ihre Erzähler äußerst sorgfältig aus. Doch um eine Geschichte niederzuschreiben, musst du sie erst fühlen. Sie einatmen. Deine Figuren überallhin begleiten, mit ihnen sprechen.[…]<<“ (Seite 71)

Die Geschichte, die Autorin Angelica Banks hier geschrieben hast, ist einfach zauberhaft und wundervoll!
Mit einem sehr schönen Erzählstil führt sie durch die Geschichte, die altersgerecht erzählt wird, aber auch mich als Ü30er verzaubern konnte.
Die Story steckt voller Abenteuer, aber auch voller Botschaften für all die Autoren unter den Lesern.

Desweiteren kann auch die Gestaltung des Buches überzeugen. Hier fällt der noch junge Magellan Verlag mit seinem Startprogramm wirklich positiv auf!
Die Bücher haben wunderschöne Cover, sind liebevoll und hochwertig gestaltet und nachhaltig produziert. So auch „Tuesday und der Zauber des Anfangs“. Ein Buch, das man gerne in die Hand nimmt und auch im Regal stehend gerne betrachtet. Ein gelungenes Rundumpaket!

„Tuesday und der Zauber des Anfangs“ ist ein wundervoller Abenteuerroman für alle Prinzessinnen und Prinzen ab 10 Jahren, der aber ebenso die Mütter begeistern wird. Eine schöne Geschichte, die auf spannende und verständliche Art und Weise erzählt wird, und den Leser mit in eine Welt nimmt, in der die Geschichten ihren Anfang nehmen.

„>>Wenn es eine gute Geschichte ist, kann sie sich so echt anfühlen wie die Sonnenstrahlen auf deinem Gesicht. Du kannst sie schmecken wie Pfefferminz auf deiner Zunge. Du kannst sie hören wie einen Donnerschlag oder den Schrei eines Menschen, den du sehr lieb hast. Es wäre doch sicher keine gute Geschichte, wenn wir, die Schriftsteller, nicht wirklich daran glauben würden, nicht wahr?<<“ (Seite 237/238)

4

SaCre


{Rezension} Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket | John Boyne

Artikelbild_Barnaby

Autor: John Boyne
Titel: Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-596-85576-6
Verlag: Fischer KJB
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Alistair und Eleanor Brocket führen ein ganz einfaches Leben. Sie lieben Normalität, Ordnung und geregelte Abläufe. Mit Sohn Henry und Tochter Melanie ist alles in Ordnung. Doch dann kommt Barnaby auf die Welt. Und schon die Geburt läuft ganz anders, als die beiden vorherigen.  Und dann der totale Schock: der Kleine schwebt! Er trotz der Schwerkraft!

Von nun an läuft das Leben der Familie ganz anders, als bisher. Vor allem die Eltern können überhaupt nicht mit Barnaby und seiner Andersartigkeit umgehen. Es geht sogar so weit, dass er keine normale Schule besuchen darf, sondern auf die „Ultimative Akademie für unerwünschte Kinder“ geschickt wird. Und so geschieht eines Tages etwas Furchtbares…

„Und ihm kam der Gedanke, dass normal zu sein vielleicht gar nicht so erstrebenswert war, wie alle sagten. Wie viele normale Jungen hatten so tolle Abenteuer erlebt wie er oder so tolle Leute kennengelernt?“ (Seite 275)

Direkt auf den ersten Seiten schafft Autor John Boyne es, den Leser zum Schmunzeln zu bringen. Die Beschreibung und Darstellung der Familie ist so trocken und nüchtern, dabei aber so treffend, dass ich einfach nicht anders konnte, als über diese langweilig wirkende Familie zu lachen – und sie gleichzeitig in mein Herz zu schließen.
Die Charaktere sind herrlich verschroben. Während Henry und Melanie relativ normal wirken, macht eigentlich auch Barnaby diesen Eindruck. Bis auf die Tatsache, dass er schwebt. Er ist allerdings sehr bemüht, ein „normales“ Kind zu sein. Doch das Schweben kann er einfach nicht abstellen.
Alistair und Eleanor sind ganz anders. Sie sind geradezu versessen auf Normalität und stets darum bemüht, niemandem Umstände zu bereiten und bloß nicht aufzufallen. Natürlich durchkreuzt Barnaby dieses Schema total. Und die beiden können überhaupt nicht damit umgehen.
Ach die anderen Personen, die im Laufe der Geschichte vorkommen, sind alles andere als das, was wir als „normal“ empfinden. Sei es der Mitschüler von Barnaby, der keine Hände sondern Haken hat. Oder der Kunstkritiker, der ein völlig entstelltes Gesicht hat.

Und da sind wir auch schon beim zentralen Thema des Buches: Was ist eigentlich „normal“? Die Frage habe ich mir während des Lesens immer wieder gestellt und mich damit beschäftigt. Nicht alles, was ich als normal empfinde, ist auch für andere normal. Und wer sagt überhaupt, dass jemand der in unseren Augen anders ist, auch tatsächlich anders ist  – und nicht wir unnormal sind?
Ich habe mir so meine Gedanken über Akzeptanz, Toleranz und auch die Familie gemacht. Somit hat der Autor sein Ziel erreicht.

Wie immer war das Buch viel zu schnell beendet. Doch trotz der Kürze von 288 Seiten hat man das gute Gefühl, so viel mehr in sich aufgesogen zu haben.

Der Autor John Boyne konnte mich mit dem Buch „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ auch schon richtig begeistern. Mit seiner bildhaften, wortgewaltigen und witzigen Art, zu erzählen. Er schreibt die Wörter nicht einfach, er malt sie geradezu in das Buch. Auch mit der aktuellen Geschichte hat er es wieder geschafft, eine unterhaltsame Parabel, fast schon ein Märchen, für Groß und Klein zu schreiben. Dazu gefällt mir auch die Aufmachung des Buches wieder sehr gut – auch die Zeichnungen, die enthalten sind, sind schön und passend. In seiner Art ist Boyne unnachahmlich und einzigartig (lediglich Mathias Malzieu kann meiner Meinung nach annähernd mithalten).
Jedem, der sich gerne in eine fantastische Welt entführen lassen möchte und poetisch Geschriebenes mag, kann ich dieses Buch ans Herz legen.
Von mir eine ganz klare Leseempfehlung! (Leider kann ich hier „nur“ 5 von 5 Herzen vergeben.)

„Mrs Hooperman-Hall lächelte und strich sich  über den Schnurrbart. Sie sah aus wie eine Ziege, auch wenn ihre Schneidezähne eher an ein Dromedar erinnerten. Ehe sie sprach, fuhr sie mit der Zunge über den klebrigen dunkelroten Lippenstift, der in ihren Mundwinkeln haftete wie Mörtel an einem Backstein, und schob die dicke Schicht hin und her, was ziemlich ekelhaft aussah.“ (Seite 45)

5

SaCre


Der Junge mit dem Herz aus Holz {Rezension}

John Boyne - Der Junge mit dem Herz aus Holz

Autor: John Boyne
Titel: Der Junge mit dem Herz aus Holz
Seitenzahl:
 240
ISBN: 978-3-596-85477-6
Verlag:
 Fischer
Leseprobe
Empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren

Zum Inhalt:

„Ich muss immer stur nach vorne schauen, als wollte ich mich mit jemandem treffen, den ich kenne, sagte er sich. Ich muss mich benehmen, als hätte ich ein klares Ziel vor Augen, dann ist es weniger wahrscheinlich, dass mich jemand anhält und wissen will, was ich vorhabe. Ich muss ziemlich schnell laufen, als wäre ich wahnsinnig in Eile und hätte Angst, dass man mich grün und blau prügelt, falls ich nicht superpünktlich zur vorgeschriebenen Zeit da bin, wo ich hinmuss.“ (Seite 10/11)

Noah Barleywater ist 8 Jahre alt. Und wegen bzw. trotz seines Alters hat er das Gefühl, dass er noch nicht wirklich große Leistungen in seinem Leben erbracht hat. Er beschließt, von zuhause wegzulaufen.
Auf seinem Weg durch die Dörfer begegnet er allerlei seltsamen Dingen: sprechende Tiere, Bäume und Gegenstände, die sich bewegen und ihre Positionen tauschen und so weiter. Schließlich findet er im nächsten Dort einen Spielzeugladen. Dieser Laden ist ganz besonders: hier ist alles ausschließlich aus Holz. Und auch hier können alle Figuren und Gegenstände mit Noah reden. Er verbringt einige Zeit mit dem alten Mann, dem der Laden gehört. Die beiden kommen ins Gespräch. Noah erzählt, was ihn bewegt. Und der alte Mann erzählt aus seiner Kindheit und Jugend. Auch er ist damals vom rechten Weg abgekommen. Und mit seinen Erzählungen, so hofft er, bringt er Noah wieder in die richtige Spur…

Meine Meinung:

Direkt auf den ersten beiden Seiten fiel mir eins auf: die wundervolle Sprache, die vom Autor (und Übersetzer) hier benutzt wurde. Die Geschichte ist ein Märchen. Ein Märchen nicht nur für Jugendliche, auch für Erwachsene. Und genauso ist die Sprache: märchenhaft. Bildlich. Eine Geschichte, die ans Herz geht und auch den Leser zum Nachdenken anregt. Eine Geschichte, die Mut macht.

Im Leben läuft nicht immer alles gut. Es gibt Probleme, man verliert Menschen, die man liebt, und so manches läuft gewiss nicht so, wie man es sich wünscht. Genau darum geht es in diesem Buch. Und mit leisen Tönen, sensiblen und rücksichtsvollen Worten versucht der alte Mann, Noah die Augen zu öffnen. Für das, was zählt. Und das schafft John Boyne auch mit dem Leser.

„>>Man hat nicht richtig gelebt, ehe man nicht gesehen hat, wie im Wald die Dämmerung anbricht<<, sagte seine Mama und zog ihn an sich. >>Mein Vater hat mich hier rausgebracht, um das zu sehen, kurz bevor… kurz bevor er uns verlassen hat. Und ich habe es nie vergessen. Es ist eine meiner glücklichsten Erinnerungen mit ihm. Deshalb wolle ich, dass wir es auch zusammen sehen, nur du und ich, Noah. Was sagst du? War das nicht wunderschön?<<“ (Seite 182/182)

Das Buch präsentiert sich in passender Aufmachung. Die Titel und Kapitel sind in anderer Schrift etwas abgesetzt. Erzählt der alte Mann, ist das jeweilige Kapitel in blau statt schwarz geschrieben. Außerdem enthält das Buch sehr schöne Illustrationen in einigen Kapiteln.
Der Autor John Boyne wurde 1971 in Dublin geboren. Weltweite Beachtung erhielt er mit seinem Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama„.

Ein Buch für glücklich machende Lesestunden. Mit Textstellen, die hier und da philosophisch anmuten. Und mit einer Geschichte, die in einer märchenhaften Welt spielt. Hier kommt für mich nur die volle Punktzahl in Frage!

Vielen Dank an das Team vom Fischer Verlag für das Buch.

„>>Du darfst niemals den Wunsch haben, etwas anderes zu sein als das, was du bist<<, sagte der alte Mann leise. >>Vergiss das nie. Du sollst nicht mehr haben wollen als das, was dir gegeben wurde. Es könnte der größte Fehler deines Lebens sein.<<
Noah verstand nicht ganz, was diese Worte bedeuteten, aber er speicherte sie in seinem Kopf, gleich über dem rechten Ohr. Er war fest davon überzeugt, dass ein Teil von ihm diese Worte eines Tages wieder hervorholen würde, um über sie nachzudenken, und da wollte er sie gleich griffbereit haben.“ (Seite 203)

5 Herzen

SaCre