80 Days – Die Farbe der Lust [Rezension]

80 Days - Die Farbe der Lust

Autor: Vina Jackson
Titel: 80 Days – Die Farbe der Lust (Teil 1)
Seitenzahl:
400
ISBN:
978-3-570-58522-1
Verlag:
carl’s books

 

 

Zum Inhalt:

Summer spielt begeistert und mehr als bloß gut Violine. Hauptsächlich in den U-Bahn-Stationen von London. Dominik ist Literaturprofessor und hat die eine oder andere Vorliebe in Sachen Sex.

Wie der Zufall nun mal so spielt, sieht Dominik Summer eines Tages beim Musizieren in der U-Bahn und findet sofort Gefallen an der rothaarigen Frau. Der Anfang einer Liaison, die es in sich hat und mit ungewissem Ausgang.

Meine Meinung:

In diesem Buch gibt es fast nichts, was es nicht gibt – Sex in allen Varianten, die man sich nur vorstellen kann, oder eben auch nicht.

Die Geschichte, die sich rund um Summer und Dominik entwickelt, wirkt im ersten Moment vielleicht etwas unglaubwürdig. Wenn man aber aus dem im Internet weiß, dass Vina Jackson ein Pseudonym für zwei Autoren ist, und der weibliche Part dieses Duos eine feste Größe in der Londoner Fetisch-Szene ist, wirkt das Ganze dann doch wieder sehr realistisch. Dass es „so was“ gibt, dessen bin ich mir natürlich durchaus bewusst, und ich habe keine Probleme damit, über „so was“ zu lesen. Ich ertappte mich aber trotzdem hin und wieder dabei, dass ich dachte, dass es „so was“ doch eigentlich gar nicht geben kann.

Aber nicht nur in Sachen Sex ist dieses Buch sehr abwechslungsreich, auch der Sprachstil bietet die eine oder andere Überraschung. Im Großen und Ganzen ist dieser zwar recht normal, wenn es aber zur Sache geht, ist er doch sehr vulgär, was aber zu diesem Buch passt und ihm nicht schadet. Das Lesen fällt leicht und geht flüssig vonstatten.

Die Charaktere kommen einem Seite für Seite näher. Aus ihren jeweiligen Erinnerungen an die Vergangenheit bekommt man ein gutes Bild von ihnen, auch wenn man längst nicht alles erfährt. Geht ja auch nicht, es muss ja noch Stoff für die Folgebände geben. Da erfährt man dann vielleicht auch Dominiks Nachnamen – ich kann mich einfach nicht erinnern diesen irgendwo gelesen zu haben – und andere Details, die das Bild der beiden kompletter machen. Summer wirkt manchmal zwar sehr naiv, aber eigentlich ist sie das gar nicht. Dominik konnte ich während des ganzen Buches nicht so richtig einschätzen.

Die Geschichte plätschert nicht so vor sich hin, nachdem die beiden sich kennengelernt haben, sie nimmt durchaus Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte. Das Ende mag vielleicht ein kleiner Cliffhanger sein, aber auch nur, weil ich weiß, dass es weitergeht. Wäre dem nicht so, wäre es ein gelungener, runder Abschluss.

Ich muss zugeben, dass ich mich hin und wieder dazu hinreißen ließ, Äpfel mit Birnen, Summer mit Ana, Dominik mit Christian und „80 Days“ mit „Shades of Grey“ zu vergleichen. Die Parallelen der beiden Reihen scheinen auf den ersten Blick natürlich recht auffallend zu sein. Auf den zweiten Blick haben sie aber kaum etwas miteinander zu tun, mal abgesehen davon, dass es in beiden Fällen um eine Frau, einen Mann und eine nicht ganz alltägliche Beziehung geht. Und nach dem Lesen finde ich das auch gut so. Wer möchte schon gerne den billigen Abklatsch eines anderen Buches lesen?

Wer „80 Days – Die Farbe der Lust“ liest, weil er hofft, es wäre wie „Shades of Grey“ mit einem anderen Cover/Titel, wird sicherlich enttäuscht werden. Wer dieses Buch aber liest, um mal zu schauen, was es außer SoG noch so gibt, kann durchaus Gefallen an diesem Buch finden – so wie ich.

Mein Dank geht an den carl’s books Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

4 Herzen

SaFi


Schiffbruch mit Tiger [Rezension]

Autor: Yann Martel
Titel: Schiffbruch mit Tiger / Life of Pi
Seitenzahl: 381
ISBN: 978-3-596-19698-2
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag

 

 

 

Zum Inhalt:

Schiffbruch mit Tiger? Diese Geschichte würden Sie nicht glauben? Kein Wunder. Fantastisch. Verwegen. Atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt. Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoobesitzers und praktizierender Hindu, Christ und Muslim erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch. Bald hat der Tiger alle erledigt – alle, außer Pi. Alleine treiben sie in einem Rettungsboot auf dem Ozean. Eine wundersame, abenteuerliche Odyssee beginnt.

Meine Meinung:

Ich habe mich wirklich sehr auf dieses Buch gefreut, aber erstens kommt es meistens anders und zweitens als man denkt.

Ich habe den ersten Teil „Toronto und Pondicherry“ mit Mühe und Not zu Ende gelesen. Am meisten enttäuscht bin ich darüber, dass von der eigentlichen Geschichte – der Reise – auf den etwas mehr als hundert Seiten so gut wie nichts zu lesen ist. Mir kam der erste Teil wie ein zu sehr in die Länge gezogener Prolog vor.

Eigentlich möchte ich gerne wissen, was auf der Reise geschieht, wenn diese dann endlich Hauptbestandteil des Buches wird. Aber irgendwie hat der erste Teil meine Leselust doch arg sinken lassen.

Ich werde das Buch wohl erst mal zur Seite legen. Vielleicht packt mich das Reisefieber ja zu einem späteren Zeitpunkt nochmal.

SaFi


Alles muss versteckt sein [Rezension]

Autor: Wiebke Lorenz
Titel: Alles muss versteckt sein
Seitenzahl: 352
ISBN: 978-3-89667-469-2
Verlag: Blessing

Zum Inhalt:

Marie hat Zwangsgedanken und befindet sich als Patientin in einer geschlossenen Psychiatrie, denn sie hat ihren Freund getötet, auf bestialische Weise. Zumindest glauben das alle, auch Marie. Erinnerungen an die Nacht in der es geschah hat sie keine. Aber wer soll es sonst gewesen sein?

Keiner kann und will ihr helfen, an ihrer Schuld besteht ja keinerlei Zweifel. Einzig ihr behandelnder Arzt in der Psychiatrie hört ihr zu und will mit ihr zusammen die Erinnerungslücken schließen.

Meine Meinung:

„Was, wenn du eines Tages aufwachst und entdeckst, dass in dir ein Monster lebt? Und sosehr du dich auch bemühst, es lässt sich nicht vertreiben oder beherrschen, es hat von dir Besitz ergriffen und lässt dich nicht mehr los. Was tust du dann?“ (Seite 9/10)

Thriller lese ich ja generell sehr gerne. Diesen hier auch, obwohl oder gerade weil er so anders ist, als die meisten, die ich bisher gelesen habe. Es gibt hier keinen wahnsinnigen Serienkiller, der mordend durch eine Großstadt zieht und dabei einen Ermittler oder gar ein Ermittlerduo rund um die Uhr mit seinen Taten beschäftigt.

Nein, in diesem Thriller geht es um eine ganz normale Frau in den Dreißigern mit einem absolut normalen, durchschnittlichen Leben. Zumindest war es das, bis zu jenem schicksalhaften Tag, als sie das erste Mal von ihren Zwangsgedanken heimgesucht wird, und natürlich bis zu dem Mord. Aber selbst dadurch wirkt Marie irgendwie nicht unsympathisch. Sie ist einfach eine Frau, die das alles selbst nicht versteht, und eben kein Serienkiller. Während des Lesens habe ich dadurch eher Mitleid für Marie empfunden und mit ihr gelitten.

Das Buch startet im Hier und Jetzt in der Psychiatrie. Durch Maries Erinnerungen und Gespräche mit ihrem Arzt wird aber auch die sehr wichtige Zeit vor dem Mord geschildert. Nach und nach wird alles aufgedeckt, zumindest so weit, wie Maries Erinnerungen es zulassen. Der Sprachstil ist dabei sehr gut und flüssig zu lesen. Der Psychiatrie-Alltag kommt in dem Buch nicht zu kurz, er wird aber auch nicht unnötig in die Länge gezogen. Maries Gewaltfantasien sind gut beschrieben und schockierend, weil sie so real wirken, auf sie und auch auf den Leser.

Vor dem Lesen habe ich mir die Frage gestellt, was man schon von einem Thriller erwarten kann, bei dem der Mörder von Anfang an feststeht. Nach dem Lesen kann ich nur sagen: Sehr viel! Die Autorin hat sich einiges einfallen lassen und die Frage was nun wirklich in jener Mordnacht geschah wird erst auf den letzten Seiten endgültig geklärt. Das Ende hätte ich so nie für möglich gehalten und war positiv überrascht, da ich einige Seiten zuvor, bei der vermeintlichen Auflösung, noch dachte: Das soll‘s nun gewesen sein? und fast ein wenig enttäuscht war.

Ein guter Thriller, der ohne Serienkiller auskommt, bei dem das Cover hält, was es verspricht.

SaFi


Shades of Grey – Befreite Lust [Rezension]

Autor: E. L. James
Titel: Shades of Grey – Befreite Lust
Seitenzahl: 672
ISBN: 978-3442478972
Verlag: Goldmann

Zum Inhalt:

Endlich scheint alles in den richtigen Bahnen zu verlaufen. Ana(stasia) und Christian genießen ihre Liebe und ihr Leben. Doch natürlich kommt es erstens immer anders, und zweitens als man denkt. Neid, Missgunst und Intrigen verlangen einiges von ihnen ab – ebenso wie stellenweise das eigene Fehlverhalten der beiden.

Können sie es schaffen sich allen Widrigkeiten zu stellen?

Meine Meinung:

Ich hatte in meiner Rezension zum zweiten Teil ja bereits geschrieben, dass eben dieser ein guter Abschluss für mich gewesen wäre und ich diesem letzten Teil skeptisch entgegenblicke. Während des Lesens wusste ich dann auch relativ lange nicht, was ich nun davon halten soll.

Auf den ersten Seiten war ich noch recht optimistisch. Durch Rückblicke wird geschildert, was in den letzten Wochen, seit dem Antrag im Bootshaus, passiert ist. Doch schnell verflog dieser Optimismus. Auf der einen Seite war es zwar ganz nett zu lesen, dass die beiden nun scheinbar ein völlig normales Leben führen – na ja, so normal halt, wie es für sie möglich ist. Auf der anderen Seite hatte ich aber das Gefühl, dass ich mir gerade eine Seifenoper, Titel „Szenen einer Ehe“ oder so, ansehen würde. Irgendwie hat das „Feuer“ aus den ersten Teilen gefehlt, auch wenn es natürlich wieder jede Menge Sex in den unterschiedlichsten Varianten gibt, Christian sich weiter in seiner gewohnt herrischen Art um Ana kümmern und diese das nicht so einfach zulassen will.

Was ich aber gut fand, war das scheinbare Motto dieses letzten Teils: Seelenstriptease. Nach und nach fällt Schicht um Schicht von Christians Panzer – dank Ana. Seine Vergangenheit ist nach und nach klarer zu sehen und das Geheimnis rund um seine, äh ja, Beziehung zu Mrs. Robinson wird aufgedeckt. Im zweiten Teil wurden diese Einblicke zwar auch schon gewährt, aber hier wurde noch mal eine ordentliche Schüppe draufgelegt. Muss ja auch so sein, ist ja schließlich das Ende der Trilogie. Und ohne diese ganzen Enthüllungen, Offenbarungen und Zugeständnisse wäre ich von diesem Teil wahrscheinlich restlos enttäuscht gewesen.

Zum Schreibstil lasse ich mich mal nicht groß aus – er ist so wie in den ersten beiden Teilen. Nichts Besonderes, aber angenehm zu lesen. Den Gegnern von Anas innerer Göttin und ihrem Unterbewusstsein sei gesagt, dass diese selbstverständlich wieder mit von der Partie sind und es auch neue Wortkreationen gibt, die zuhauf wiederholt werden. Mich hat das aber, so wie in den vorherigen Teilen, nicht sonderlich gestört.

Während ich bei den ersten beiden Teilen keine Seite als zu viel empfand, konnte mich dieser erst nach etwas mehr als der Hälfte so richtig begeistern. Warum ich dennoch bis dahin jede Seite aufmerksam gelesen habe? Ich wollte trotz allem wissen, wie es weitergeht und vor allem natürlich, wie es endet. Es sind dann auch noch ein paar Ereignisse eingetreten, die für Spannung und Emotionen sorgten und auf die ich zum Teil auch irgendwie gehofft hatte. Dadurch war ich dann versöhnlicher gestimmt in Bezug auf meinen anfänglichen Unmut. Fast restlos verflogen war dieser dann, als ich den Epilog und die darauffolgenden Seiten gelesen habe, hierzu möchte ich aber nicht zu viel verraten.

Im Großen und Ganzen finde ich den Abschluss dieser Trilogie dann doch ganz gut gelungen, auch wenn er nicht an Teil 1 und 2 herankommt.

SaFi


Die Landkarte der Liebe [Rezension]

Autor: Lucy Clarke
Titel: Die Landkarte der Liebe
Seitenzahl: 352
ISBN: 978-3492300858
Verlag: Piper

 

 

 

Zum Inhalt:

Zwei Schwestern – zwei Reisen – eine große Frage: Warum?

Mia befand sich auf Weltreise. In Bali stürzte sie von einer Klippe und starb. Als ihre Schwester Katie diese Nachricht erhält kann und will sie es nicht glauben, und klammert sich an Mias meerblaues Tagebuch, in dem sie ihre Reise festhielt, denn mehr bleibt ihr nicht von ihrer Schwester.

Sie fasst einen Entschluss und unternimmt die gleiche Reise wie Mia, mit dem Tagebuch als Reiseführer und erfährt nach und nach mehr über ihre Schwester und auch über sich selbst…

Meine Meinung:

Das Cover passt perfekt zum Inhalt – der deutsche Titel leider weniger. Für die englischsprachigen Ausgaben gibt es wohl drei verschiedene Titel, die alle besser passen würden, wie ich finde: „The Sea Sisters“ und „Swimming at Night“ bzw. „Riding Seahorses“. Im Laufe des Buches ist hin und wieder von Katie und Mia als Seeschwestern die Rede, das Meer spielt eine große Rolle, und auch die Seepferdchen sind von Bedeutung. Aber das ist nur eine Kleinigkeit und hat ja auch keinen Einfluss auf die Geschichte an sich. Und eigentlich störe ich mich an so was auch nicht, aber bei diesem Buch ist es mir besonders aufgefallen.

Der Schreibstil ist eher schlicht gehalten, aber sehr emotions- und bildreich. Die Stationen der Reisen sind schön beschrieben und auch die Gedanken, Gefühle und Handlungen von Katie und Mia kommen gut zum Ausdruck – einige Male musste ich mit den aufsteigenden Tränen kämpfen und spürte einen Kloß in meinem Hals, wenn beschrieben wurde, warum und wie die Schwestern in bestimmten Situation gehandelt und reagiert haben. Ich konnte während des Lesens mit Katie und Mia lachen und weinen, bangen und hoffen, war mal fröhlich und manchmal auch traurig gestimmt.

Die Geschichte ist wunderbar erzählt. Immer abwechselnd aus der Sicht von Katie, im Hier und Jetzt, und von Mia, ein halbes Jahr zuvor. Im Laufe des Buches werden immer mal wieder Andeutungen gemacht, Fragen aufgeworfen und Geheimnisse aufgedeckt. Alles setzt sich nach und nach zusammen, wie Puzzleteilchen. Und obwohl ich mir manches durchaus denken konnte, war mir beim Lesen nie langweilig, denn der Weg zu diesen vorhersehbaren Momenten war eigentlich immer anders, als ich es erwartet hatte.

Das Ende fand ich zwar ganz schön und es hat mich auch berührt, allerdings wirkte es auf mich ein wenig zu konstruiert, gerade was den Ort angeht. Schade eigentlich, denn ansonsten empfand ich die Geschichte als sehr echt und realitätsnah.

Insgesamt ein schönes Buch über die Beziehung zweier Schwestern, die mich stellenweise sehr berührt hat und für kurzweilige Lesestunden sorgte.

SaFi


Ghostwriter [Rezension]

Autor: Jesko Wilke
Titel: Ghostwriter
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3499258497
Verlag: rororo

 

 

Zum Inhalt:

Volvo, mit bürgerlichem Namen Volkmar Vogt, hat es nicht leicht. Sein erster Roman kommt bei den Verlagen nicht gut an, seine Ex-Frau, seine Kinder und sogar der Wirt seiner Stammkneipe wollen immer nur das eine von ihm: sein (nicht vorhandenes) Geld.

Anders scheint es da dem etablierten Krimi-Autor Kurt Kalinski zu gehen. Doch weit gefehlt, denn dieser wird tot aufgefunden. Und das auch noch, bevor er seinen aktuellen Roman beenden konnte.

Und da nun mal beide vom Literaturagenten Möller vertreten werden, führt eins zum anderen: über Kalinskis Ableben erfährt zunächst niemand etwas und Volvo soll das Buch beenden.

Meine Meinung:

Der Schreibstil war locker leicht und angenehm zu lesen. Neben dem tollen Humor kam auch immer mal wieder ein wenig Tiefgründigkeit ins Spiel, was mich positiv überraschte.

Der Einstieg in die Geschichte fiel leicht, da man sofort mittendrin ist. So richtig begeistern konnte mich die Geschichte allerdings erst ab der Mitte, da diese bis dahin irgendwie so ein bisschen vor sich hinplätscherte. Zudem hatte ich anfangs auch noch ein wenig mit Volvo zu kämpfen. Dieser kam mir trotz seines Alters von ca. 50 Jahren anfangs eher wie ein verantwortungsloser junger Erwachsener vor, und seine Handlungen waren für mich teilweise nicht nachvollziehbar.

Sehr gelungen in dem Buch fand ich die Nebendarsteller: Carlo – der Kneipenwirt, Beate – die Ex-Frau und Karpow – die Bulldogge haben dem Ganzen die richtige Würze verliehen. Wann immer einer der dreien ins Spiel kam, musste ich schmunzeln.

Was die Geschichte angeht, kann ich sagen, dass diese durch geschickte Wendungen, nach etwas mehr als der Hälfte doch noch recht spannend wurde und mich stellenweise auch überraschen konnte. Und auch Volvo wurde mir nach anfänglichen Schwierigkeiten mit jeder Seite ein wenig sympathischer, weil er an sich ein liebenswerter Kerl ist und sich dann doch noch seinem Alter entsprechend verhält. Von daher bin ich, was diese zwei Punkte angeht, versöhnt.

Insgesamt finde ich die Geschichte rund um den Ghostwriter Volvo gut gelungen. Und auch wenn ich ein paar Startschwierigkeiten hatte, sorgte dieses Buch dennoch für gut unterhaltende, kurzweilige Lesestunden.

SaFi


Das Schneemädchen [Rezension]

Autor: Eowyn Ivey
Titel: Das Schneemädchen
Seitenzahl: 464
ISBN: 3463406217
Verlag: Kindler

 

 

Zum Inhalt:

Mabel und Jack ziehen in den 1920er Jahren nach Alaska. Hier will das Ehepaar ein neues Leben als Farmer beginnen und den Schmerz und die Enttäuschung über seine Kinderlosigkeit hinter sich lassen.

Eines Abends, der erste Schnee ist gerade gefallen, bauen die beiden Mädchen aus Schnee und wundern sich am nächsten Tag, als sie zwischen den Bäumen hindurch von einem Mädchen beobachtet werden.

Wer ist dieses Mädchen? Wo kommt es her? Warum hat es einen Fuchs bei sich? Auf all diese Fragen versuchen Mabel und Jack nun Antworten zu finden.

Meine Meinung:

Schon auf den ersten Seiten wurde mir klar, dass es sich bei dem Schneemädchen um ein Buch handelt, welches ich nicht einfach mal so zwischendurch lesen kann. Ich musste mir Ruhe gönnen und Zeit nehmen während ich dieses Buch las, um mich voll und ganz auf diese Geschichte einlassen zu können. Und es hat sich gelohnt. Denn so kam ich in den Genuss eines der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe.

Das liegt nicht nur an der wunderschönen und gefühlvollen Geschichte, in der die unterschiedlichsten Emotionen zum Ausdruck kommen und die Stimmung eine ganz besondere ist. Auch der Schreibstil trägt seinen Teil dazu bei – stellenweise nicht immer einfach zu lesen, dafür aber umso schöner und sehr bildgewaltig. Das harte Leben für Farmer in der rauen, aber dennoch sehr schönen Landschaft Alaskas in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts wird wunderbar beschrieben.

Das gleiche gilt für Mabel, Jack und das Schneemädchen. Die Charaktere der drei sind sehr liebevoll und detailliert beschrieben, wie so ziemlich alles und jeder in diesem Buch. Dadurch hatte ich so manches Mal das Gefühl, ich schaue gerade einen Film. Vor meinem inneren Auge sah ich förmlich, wie Mabel und Jack das Kind aus Schnee bauen, wie Jack auf dem Feld schuftet und wie Mabel Torten backt.

Das Rätsel rund um das geheimnisvolle Schneemädchen zieht sich durch das ganze Buch, genauso wie die Beziehung von Mabel und Jack, mit all ihren Höhen und Tiefen. Dadurch war die Geschichte zu keinem Zeitpunkt langweilig zu lesen und hat mich von Anfang bis Ende in ihren Bann gezogen.

Eowyn Ivey hat für dieses Buch ein altes russisches Märchen mit einer wunderbaren Geschichte kombiniert. Die Grenzen zwischen Realität und Fantasie waren für mich nie so richtig auszumachen.

Ein wunderschönes Buch mit viel Gefühl. Perfekt für traurig-schöne Lesestunden, gerade jetzt, wo die kalte Jahreszeit beginnt.

SaFi


Das Haus in der Löwengasse [Rezension]

Autor: Petra Schier
Titel: Das Haus in der Löwengasse
Seitenzahl: 352
ISBN: 978-3-499-25901-2
Verlag: rororo

 

 

Zum Inhalt:

Pauline Schmitz, 23 Jahre jung und ohne Familie, steht im Jahre 1823 mittellos und verunsichert in den Straßen von Köln. Sie hat bis vor wenigen Tagen als Gouvernante für die Kinder der Familie Buschner in Bonn gearbeitet. Doch der Hausherr war der Ansicht, dass ihre Pflichten ihm gegenüber auch noch in einem anderen Bereich liegen würden. Als dessen Gattin davon Wind bekam, wurde Pauline mit nicht mehr als einer kleinen Reisetasche und einer Fahrkarte für die Postkutsche nach Köln auf die Straße gesetzt.

Da Pauline keine Referenzen vorzuweisen hat, findet sie zunächst nur eine Anstellung als Magd im Haushalt der Familie Stein. Die ungewohnte, harte Arbeit ist anfangs nicht ganz einfach für Pauline, doch sie beißt sich durch. Eines Tages begegnet sie dann während ihrer Arbeit dem Textilfabrikanten Julius Reuther.

Von diesem Zeitpunkt an ändert sich alles – für Pauline und für Julius.

Meine Meinung:

Nicht nur Pauline hat in der Vergangenheit Dinge erlebt, die mir fast die Sprache verschlagen haben, auch Julius hatte es nicht immer leicht. Durch die Schilderungen und Rückblicke während der Geschichte bekam ich einen guten Eindruck von dem, was die beiden erlebt haben. Da auch die Charaktere der beiden wunderbar detailreich beschrieben wurden, konnte ich mir Seite für Seite ein besseres Bild von ihnen machen. Die liebenswerte, für ihr Alter sehr reife Pauline, und der so unnahbar scheinende, aber dennoch herzensgute Julius sind mir durchaus ans Herz gewachsen. Auch die Nebenrollen wurden in ihrer Beschreibung alles andere als vernachlässigt – so lernte ich alle wichtigen Personen sehr gut kennen.

Ein ebenso gutes Bild konnte ich mir von der damaligen Zeit machen. Der harte Alltag der Mägde und die Regeln der höheren Gesellschaft wurden sehr gut dargestellt, ohne abgedroschen zu klingen. Ich kenne mich zwar nicht besonders gut aus mit dem frühen 19. Jahrhundert, doch auf mich wirkte alles gut recherchiert und somit glaubwürdig.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er war flüssig zu lesen und sehr bildhaft. Die Gefühle, Gedanken und Handlungen von Pauline und Julius wurden gut nachvollziehbar dargestellt. Und obwohl dieses Buch eine klassische Liebesgeschichte ist, war es zu keinem Zeitpunkt kitschig.

Ich war von der ersten Seite an richtiggehend gefesselt von der Geschichte, die sich rund um Pauline und Julius entwickelte, und habe mich jedes Mal gesträubt, wenn ich das Buch aus der Hand legen musste. Es war nie langweilig zu lesen, was sich im Leben der beiden ereignet hat, auch wenn manches durchaus vorhersehbar schien. Aber die Autorin hat es verschadenden, gute und überraschende Wendungen einzubauen – somit ging die Spannung nie verloren. Ab einem gewissen Zeitpunkt wurde es dann noch dramatischer als es ohnehin schon war, und die Frage, ob es ein Happy End geben wird oder nicht, wurde erst auf den letzten Seiten beantwortet.

Dieses Buch hat mich vollkommen überzeugt – ich habe nichts zu bemängeln. Eine wunderbare und dramatische Liebesgeschichte vor historischer Kulisse, bei der ich zum Schluss traurig war, dass ich nicht mehr weiterlesen konnte.

SaFi