[Rezension] Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe | A. J. Betts

1 Buch - 2 MeinungenDie Unwahrscheinlichkeit von Liebe

Titel: Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe
Autor: A. J. Betts
Seitenzahl: 336 Seiten
Genre: Jugendbuch, ab 12 Jahren
Verlag: Fischer KJB
ISBN: 978-3-596-85661-9
Veröffentlichung: 25. September 2014
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Zum Inhalt:

Kopf an Kopf liegen Zac und Mia in ihren Krankenhausbetten, nur durch eine dünne Wand getrennt. Alter: 16. Diagnose: Krebs. Gefühlszustand: isoliert und allein. Und aus ersten Klopfzeichen erwächst eine Liebe, die unter normalen Umständen niemals möglich gewesen wäre … (© Fischer KJB)

Meinung SaCre:

„Drei Uhr nachts ist richtig übel. Es ist zu dunkel, zu hell, zu spät, zu früh. Das ist die Zeit, in der du anfängst, dir Fragen zu stellen, die dir dann wie Fliegen im Kopf umherschwirren, bis er voll davon ist. […]
Es ist 3.04 Uhr, und ich frage mich, wer ich bin.
Das Knochenmark ist deutsch – so viel durften die Ärzte mir sagen.“ (Seite 38)

Die Geschichte um Zac und Mia hat mich neugierig gemacht, seit ich das Buch in der Vorschau entdeckte. Und als es mir dann persönlich von einer Mitarbeiterin des Verlages empfohlen wurde war klar, ich muss es lesen.

Zu Beginn der Geschichte lernen wir Zac kennen. Der erste Teil des Buches ist aus seiner Sicht erzählt. Er liegt gerade im Krankenhaus und erholt sich von seiner Knochenmarktransplantation. Irgendwann taucht Mia im Zimmer nebenan auf. Er hat sie noch nicht gesehen, nur gehört. Entweder schreit sie, streitet sich mit der Mutter oder Ärzten oder hört sehr laut Lady Gaga. Zac sieht sie nur mal kurz, als sie in sein Zimmer linst. Ansonsten besteht ihre „Kommunikation“ aus Klopfen, Zettelchen seinerseits oder Facebook Nachrichten. Und obwohl beide keinen persönliche Berührung miteinander haben, fühlt Zac sich doch zunehmend zu ihr hingezogen. Doch irgendwann ist Mia weg.

Teil 2 wird abwechselnd aus Mias und Zacs Sicht erzählt. Wir lernen beide besser kennen. Und was sich in Teil 1 schon zeigt, wird hier verstärkt erzählt: beide gehen völlig unterschiedlich mit ihren Situationen um. Zac hat seine Krankheit akzeptiert. Er hält sich an ärztliche Vorgaben und versucht, das Beste daraus zu machen. Er schaut sich im Internet immer wieder Videos Überlebender an und kennt sämtliche Blogs, die sich mit dem Thema Krebs beschäftigen. Statistiken zu Überlebenschancen kann er nahezu im Schlaf beten. Google liefert ihm in „0,23 Sekunden“ „mehr als 742 Millionen Seiten über Krebs“. Er legt aber auch ein gewisses Maß Selbstironie an den Tag. Sein Knochenmark stammt aus Deutschland. Freunde haben ihm nun den Spitznamen „Helga“ verpasst; und er kokettiert damit. Wirklich einige Szenen haben mich zum Schmunzeln gebracht.
Seine Mutter ist ihm eine große Stütze. Die meiste Zeit verbringt sie bei ihm im Zimmer – sie spielen und zocken und essen gemeinsam Eis. Auch wenn er sich manchmal mehr Freiraum wünscht ist er schlussendlich doch froh, dass seine Mutter so ist.

Mia kann sich mit ihrem Schicksal nicht anfreunden. Sie kann die Krankheit – und all das, was sie mit sich bringt – einfach nicht annehmen. Und schon gar nicht kommt sie damit klar, dass Zac ihr immer wieder sagt, dass ihre Überlebenschancen besser sind, als seine. Sie ist sturköpfig und rebelliert. Sie sucht mit jedem Streit, egal ob Mutter, Arzt oder Krankenschwester. Doch das dient zu ihrem Selbstschutz. Denn als sie sogar ihre Freundinnen betrügt, wandelt sich etwas in ihr. Sie hat erkannt, dass ihr früheres Leben, welches sie gerne zurück hätte, vielleicht doch nicht das Nonplusultra war. Die Oberflächlichkeit nervt sie. Früher waren Lippenstifte und Make-Up für sie interessiert. Heute nur noch die „Reihen aus verschreibungspflichtigen Schmerztabletten hinter dem Ladentisch“.
Mias Mutter besucht sie nicht wirklich oft. Auch Mias Freund lässt sich nur sporadisch im Krankenhaus blicken.

Zac und Mia sind beide nicht mehr im Krankenhaus. Sie haben keinen Kontakt zueinander, doch können den jeweils anderen nicht vergessen.

„Ich ging wieder zur Schule, auch wenn ich in der fünften und sechsten Stunde regelmäßig einschlief. Sogar Hausaufgaben akzeptierte ich mehr oder weniger klaglos, da demographische Daten in einem Graphen darzustellen und Wirtschaftspläne zu analysieren bedeutete, dass ich normal war wie jeder andere Schüler in der zwölften Klasse, dessen Leben in einer dicken schwarzen Linie von A nach B und weiter zu C verläuft.“ (Seite 129)

Der dritte Teil wird aus Mias Sicht erzählt. Mehr möchte ich zum Inhalt nun auch gar nicht mehr schreiben – sonst würde ich noch spoilern.

A. J. Betts hat mit „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ ein wunderschönes Buch geschrieben, das in meinen Jahreshighlights seinen Platz weit vorne finden wird!
Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen. Emotionen kann sie dem Leser voll und ganz vermitteln. Trauer, Freude, Hoffnungslosigkeit, Selbstaufgabe – all diese Emotionen kamen während des Lesens in mir auf. Erwähnenswert, wie behutsam sie mit dem Thema Krebs umgegangen ist. Es gibt jede Menge Höhen und Tiefen, die stets Begleiter der Kranken sind.. Ich habe wirklich mit beiden Jugendlichen mitgefiebert. So unterschiedlich Zac & Mia in ihren Charakteren sind, so hervorragend ergänzen sie sich. Ein Buch, das den Leser berührt und mit Sicherheit auch nachdenklich zurück lässt. HERZENSBUCH-ALARM!

„Vielleicht ist Mut nichts anderes als das: eine spontane Handlung, bei der der Kopf NEIN ruft, aber dein Körper es einfach trotzdem tut.
Mut oder Dummheit. Schwer zu sagen.“ (Seite 256)

5

Meinung SaFi:

„Eine Schwester saust an dem runden Fenster in der Zimmertür vorbei – Nina. Sie hat etwas Gelbes im Haar. Es könnte ein Küken sein. Ob sie die Spangen wohl in der Kinderabteilung kauft? In der richtigen Welt wäre es wahrscheinlich seltsam, wenn eine achtundzwanzigjährige Frau Plastiktiere im Haar trüge. Hier passt es jedoch irgendwie.“ (Seite 11)

Viel unterschiedlicher als Zac und Mia kann man mit der Erkrankung Krebs wohl nicht umgehen. Das böse K-Wort hat auf beide völlig unterschiedliche Auswirkungen. Während Zac sich mit Statistiken zu beruhigen versucht und in Internet-Foren und mithilfe von Videos am Schicksal anderer Krebspatienten teilnimmt und somit analytisch an die Sache herangeht, lässt Mia ihrer Wut über die Krankheit freien Lauf. Sie hört laut Musik, viel zu laut, meckert und nörgelt und zieht sich in sich zurück – nur ihre Mutter und ihr Freund wissen, was ihr wirklich fehlt, allen anderen Freunden und Bekannten spielt sie etwas vor.

Genauso unterschiedlich gehen auch die Eltern mit der Situation um. Zacs Mutter verbringt die schwere Zeit der Isolation, die die Knochenmarktransplantation mit sich bringt, in seinem Zimmer. Sie spielt Videospiele mit ihm, holt ihm einen Minze-Shake aus der Cafeteria, wenn er Appetit darauf hat, und ist in dieser schweren Zeit einfach für ihren Sohn da. Mias Mutter hingegen, so geht es aus dem hervor, was Zac durch die dünne Wand mitbekommt, ist immer kurz angebunden, wenn sie ihre Tochter auf der Krebsstation besucht.

„So wenig Held wie ich ist sonst niemand. Ich bin nicht freiwillig in diesen Krieg gezogen. Die Leukämie, diese blöde Sau, hat mich zwangsrekrutiert.“ (Seite 62)

A. J. Betts hat die unterschiedlichen Emotionen in Bezug auf diese heimtückische Krankheit und das Umgehen mit dieser mit vielen Facetten beschrieben, was mir sehr gut gefallen hat. Denn jeder Mensch ist anders und geht auch anders mit einer solch schweren Situation um. Ein schöner und großer Pluspunkt des Buches.

Die sich anbahnende Liebe zwischen Zac und Mia geht langsam vonstatten. Alles beginnt mit einer Freundschaftsanfrage auf Facebook. Mitten in der Nacht – meist gegen 3 Uhr morgens, wenn beide nicht schlafen können – chatten sie miteinander und tauschen so ihre Gedanken und Gefühle aus. Der weitere Verlauf ist keineswegs vorauszuahnen. Die Autorin hat für ihre Protagonisten ebenso viele Glücksmomente wie Rückschläge im Gepäck, und die Liebe von Zac und Mia scheint schon an ihrem Ende angekommen zu sein, bevor sie sich überhaupt vollends entfalten konnte.

„Ob ihr Haar wohl nachgewachsen ist? Ist sie letztendlich im Rollstuhl auf dem Ball gewesen? Schaut sie nach vorn, wie es sein sollte? Lacht und flirtet sie, wenn sie am Wochenende ausgeht? Ist sie inzwischen stolz auf ihre Narbe und zeigt sie jedem? Hat sie mich vergessen, so wie es sein sollte? Genauso wie ich sie vergessen sollte?“ (Seite 130)

Mit der Unterteilung in drei Teile – Zac und Mia – gibt A. J. Betts ihrem Buch Struktur. Denn zunächst erfährt der Leser von Zac, was passiert. Im Mittelteil wechseln sich die beiden mit ihren Schilderungen ab. Und zum Schluss richtet Mia das Wort an die Leser. So kommt keiner von den beiden zu kurz und man hat als Leser kaleidoskopartige Gefühle vor sich, die allesamt ziemlich realistisch wirken – mit all ihren Licht- und Schattenseiten.

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe ist absolut schön zu lesen. Die Autorin hat für ihre Protagonisten die richtige Sprach- und Ausdrucksweise gefunden. Für eine Geschichte, die ein so schwieriges Thema behandelt, ist sie angenehm zu lesen, da die Autorin nicht mit aller Kraft auf die Tränendrüse drückt. Ganz am Ende allerdings, bahnten sich dann doch ein paar Tränchen ihren Weg. Damit konnte ich aber gut leben und es passte zu der Situation.

Fazit? Einfach ein tolles, absolut lesenswertes Buch!

„Wenn ein Tier sich am heftigsten wehrt und um sich tritt, muss man es ganz besonders eng an sich drücken.“ (Seite 291)

5

 


[Rezension] Die Seiten der Welt | Kai Meyer

1 Buch - 2 MeinungenDie Seiten der Welt
 
Titel: Die Seiten der Welt
Autor: Kai Meyer
Seitenzahl: 560 Seiten
Genre: Jugendbuch,  ab 14 Jahren
Verlag: Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-2165-4
Veröffentlichung: 25. September 2014
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Zum Inhalt:

Furia Salamandra Faerfax lebt in einer Welt der Bücher. Der Landsitz ihrer Familie birgt eine unendliche Bibliothek. In ihren Tiefen ist Furia auf der Suche nach einem ganz besonderen Buch: ihrem Seelenbuch. Mit ihm will sie die Magie und die Macht der Worte entfesseln.
Doch dann wird ihr Bruder entführt, und Furia muss um sein Leben kämpfen. Ihr Weg führt sie nach Libropolis, die Stadt der verschwundenen Buchläden, und an die Grenzen der Nachtrefugien. Sie trifft auf Cat, die Diebin im Exil, und Finnian, den Rebellen. Gemeinsam ziehen sie in den Krieg – gegen die Herrscher der Bibliomantik und die Entschreibung aller Bücher. (© Fischer FJB)

Meinung SaCre:

„Zwischen all den Papieren und Büchern fand sie schließlich, was sie suchte. Ein schmales Leszeichen aus Pappe, nur mit einem einzigen Wort bedruckt: Libropolis. Als sie mit der Fingerspitze darüberfuhr, war es, als wimmelten Flöhe unter ihrer Haut. Das Ding mochte unscheinbar aussehen, aber es war bis in die letzte Faser von bibliomantischer Energie erfüllt.“ (Seite 120)

Ich muss sagen, dass ich bisher noch kein Buch von Kai Meyer gelesen habe. Daher habe ich mich umso mehr auf „Die Seiten der Welt“ gefreut.

Schnell gelingt der Einstieg in die Geschichte um Furia  und ihrem Seelenbuch. Und sofort merkt man: der Autor hat sich hier richtig was einfallen lassen! Das Seelenbuch ist eine tolle Sache, dann gibt es diese putzigen Origami-Tierchen  – ich möchte auch so eins zuhause haben! :)
Zu Beginn erfährt man recht viel über Furias Familie, die Faerfax‘, und deren Bezug zu Büchern.

Die Welt, die Kai Meyer entworfen hat, ist unglaublich detailliert beschrieben und für mich sehr einzigartig. Alles dreht sich um Bücher. Und so hat er einen tollen Plot gestrickt, zu dem auch die Nebencharaktere passen. Das ganze Weltbild ist einfach stimmig.

Für mich persönlich ist die Geschichte aber an manchen Stellen etwas ausgeufert. Hier und da hätte ich mir eine etwas straffere Erzählung gewünscht, etwas weniger „Drumrumerzählen“ und dafür mehr „Vorankommen“. Einige Passagen haben sich für mich etwas in die Länge gezogen. Aber das ist einfach mein persönliches Empfinden.
Die Aufmachung des Buches finde ich einfach wunderschön und sehr passend. Dazu auch die großartige Kampagne des Fischer Verlages.

„Bibliomanten hatte diese Stadt für Bibliomanten erschaffen. Wer ein Seelenbuch trug, hatte unbeschränkten Zutritt, durfte nach Herzenslust in den übervollen Antiquariaten stöbern oder neue Bücher erwerben, die anderswo nicht erhältlich waren.“ (Seite 174)

„Die Seiten der Welt“ ist mein erstes Buch von Kai Meyer, aber mit Sicherheit nicht mein letztes. Der Autor kann mit einer toll inszenierten Welt, die sehr gut durchdacht ist, punkten und so für bibliomantische Lesestunden sorgen!

Von mir gibt es knappe 4 Herzen für Kai Meyers „Die Seiten der Welt“.

4

PS: heute ist definitiv SaFi für den längeren Part der Rezi zuständig :D

Meinung SaFi:

Neue Bücher von Kai Meyer gehören für mich mittlerweile zum Lese-Pflichtprogramm – „Asche und Phönix“ fand ich toll und mit „Phantasmen“ hat der Autor sich auf die Liste meiner Lieblingsautoren geschrieben. Auf „Die Seiten der Welt“ habe ich mich daher natürlich sehr gefreut.

„Das Blatt teilte sich, spaltete sich in einer Vorder- und eine Rückseite, die an Furias Handflächen hafteten. Dazwischen wurde ein Leuchten sichtbar, ein goldener Schein, dessen Intensität ihre Erwartungen bei weitem übertraf. Er strahlte aus der Bindung herauf, griff auf die Oberflächen des Seitenherzes über und machte dort eine zweite Beschriftung sichtbar.“ (Seite 280)

Unterhaltungstechnisch hat „Die Seiten der Welt“ ganz schön viel zu bieten – spannungsgeladene Szenen, gut geschriebene Dialoge und eine Menge Stoff zum Rätsel raten. Nach einem ruhigen Start, der aber alles andere als langweilig ist (man lernt ein bisschen was über die Bibliomantik, die Familie Faerfax und deren Bibliothek), wird es mit einem Mal richtig spannend. Und auf den vielen folgenden Seiten wird man dann so manches Mal überrascht. Sei es durch die Unvorhersehbarkeit der Dinge, den Einfallsreichtum des Autors oder durch neue Entdeckungen.

Kai Meyers Einfallsreichtum, der mich bislang immer völlig faszinieren konnte, nimmt mit seinem neuen Buch neue Dimensionen an. Direkt auf den ersten Seiten laufen einem Origami-Vögel, Ypsilonzett und ein Schimmelrochen über den Weg. Im weiteren Verlauf tummeln sich auf den Seiten des Buches dann immer mehr Figuren, die ihresgleichen suchen – Mater Antiqua, die Umgarnte, diverse Exlibri und noch viele mehr.

Die Grundidee der Geschichte finde ich einfach phantastisch. „Die Seiten der Welt“ ist nicht bloß ein Buch über Bücher. Mit der Zeit wird klar, dass hinter der Grundidee ein solides und gut durchdachtes Gerüst steht, dem absolut tolle Ideen zugrunde liegen. Man wandelt auf vielen Pfaden durch das Buch, und diese Pfade haben so manche Abzweigung. Wenn man aber die Augen offen hält, ist die Gefahr des Verlaufens aber verschwindend gering.

„Ungewöhnlich war die fleckige Rinde der Stämme und Wurzelranken, und als Furia sich vorbeugte und genauer hinsah, entdeckte sie, dass das Holz übersät war mit Buchstaben. Sie hatten sich durch das Wachstum der Bäume verzogen wie eingeritzte Initialen von Liebespaaren, hatten sich aufwärts in die Längegestreckt oder bildeten bizarre Wellenmuster. Dennoch war nicht zu übersehen, dass es sich um gedruckte Zeilen handelte, ganze Buchseiten, nicht aufgeklebt wie auf einer Litfasssäule, sondern eingewachsen in die Oberflächen der Baumriesen.“ (Seite 326/327)

Die Geschichte der Bibliomantik ist wunderbar in die eigentliche Geschichte integriert. Man erfährt aus allen Richtungen etwas über die Ursprünge und die Entwicklung, die immer mal wieder durch Intrigen und Missgunst in höchster Gefahr war. Alles das bildet mit den Geschehnissen im Hier und Jetzt ein rundes Gesamtpaket, das das mein Leserherz absolut gewinnen konnte.

Sehr gefallen hat mir, dass der Autor darauf verzichtet hat, seine Hauptprotagonistin Furia durch die ständig wechselnden Gefühle einer typischen Jugendbuch-Liebe irren zu lassen. Eine kleine Liebesgeschichte gibt es zwar, aber diese gestaltet sich eher zurückhaltend und Furia kann sich voll und ganz auf die vor ihr liegenden Aufgaben konzentrieren.

Furia Salamandra Faerfax ist eine tolle Protagonistin, die das Buch und die Geschichte, die auch die ihre ist, ohne Probleme tragen kann. Mit der Unterstützung von Cat und Finnian geht sie über ihre Grenzen hinaus, kämpft für das, was ihr wichtig ist und macht eine stetige Entwicklung durch – von der harmlosen Buchliebhaberin zur mutigen Kämpferin für die gute Sache.

„Wieder spürte sie tief in sich einen Schmerz, den wohl nur Bibliomanten in solch einer Intensität empfinden konnten: Das Buch in ihren Händen und das Exemplar ihrer Mutter würden unwiederbringlich verloren sein, wenn sie sie für den Sprung genutzt hatten.“ (Seite 471)

„Die Seiten der Welt“ ist eines dieser Bücher, das ich mir total gut auf der großen Leinwand vorstellen kann. Während des Lesens hatte ich so viele Bilder vor Augen, stellte mir dies und das vor, überquerte mit Furia den Zugang zu Libropolis… Bereits nach wenigen Seiten wusste ich, dass ich „Die Seiten der Welt“ lieben werde. Und so ist es dann schlussendlich auch gekommen. Buchliebe deluxe.

5

 Interview mit Kai Meyer zu „Die Seiten der Welt“ – Teil 1Teil 2

 


[Rezension] Niemand liebt November | Antonia Michaelis

Niemand liebt November
Titel: Niemand liebt November
Autor: Antonia Michaelis
Seitenzahl: 432  Seiten
Verlag: Oetinger
Genre: Jugendbuch, ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7891-4295-6
Veröffentlichung: 20. August 2014
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Zum Inhalt:

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft. (© Oetinger Verlag)

Meine Meinung:

„Zwei Fragen.
Erstens: Ist es sinnvoll, weiterzuleben?
Zweitens: Ist es sinnvoll, alleine Geburtstag zu feiern?
Ein Teil von ihr hatte gedacht, sie würden an ihrem Geburtstag wieder da sein. Mit einem Geschenk. Sie waren jetzt seit einer Woche weg. Sie wusste nicht, was passiert war. Sie hatte geschlafen.
Sie hatte den Kuchen ganz allein gebacken. Gut, dass sie die Kerzen gefunden hatte. Vier Stück. Zwei zu wenig. Sie war sechs Jahre alt.“ (Seite 7)

„Niemand liebt November“ – der Titel ist Programm. In Novembers Vergangenheit. In Novembers Gegenwart.

Antonia Michaelis’ schafft es immer wieder, mich mit den ersten Worten ihrer Geschichte in diese hineinzuziehen. Und am Ende, wenn ich aus dieser wieder in die reale Welt auftauche, fühle ich mich emotional erschöpft, ausgelaugt. Die Schicksale ihrer Protagonisten gehen mir unter die Haut. Auch ihr neuestes Jugendbuch bildet da keine Ausnahme.

November Lark, Spitzname Amber, ist ein einsames Mädchen. Mit ihren 17 Jahren hat sie schon einiges erlebt. Nach dem Verschwinden ihrer Eltern kurz vor ihrem sechsten Geburtstag kam Amber in diverse Heime und Pflegefamilien. Zuletzt lebte sie in einer betreuten WG. Doch Amber hatte immer Probleme, sich in den verschiedenen Einrichtungen anzupassen. Unablässig trieb sie das Gefühl, dass ihre Eltern noch leben. Dass sie sie bloß finden muss, damit ihr Leben wieder lebenswert wird.

„Etwas in ihr schmerzte. Weil nur Lucy Andrusch Pajak küsste und weil November Lark, die echte November, sich danach sehnte, von einem Jungen in die Arme genommen zu werden, der Bücher las und ein rot-gelbes Igluzelt besaß. Von einem Jungen, der auf unerklärliche Art zu ihr gehörte. Und den sie doch nicht finden konnte.“ (Seite 51)

Das daraus resultierende Gefühl der Leere und der Unvollständigkeit hat Antonia Michaelis mit ihren Worten wunderbar transportiert. So habe ich zu keiner Zeit an Ambers Taten, Gedanken und Gefühlen gezweifelt. Ich verspürte vielmehr das Bedürfnis, Amber bei ihrer Suche helfen zu wollen. Doch mehr, als ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie lesend auf ihrem Weg zu begleiten, konnte ich leider nicht tun.

Ambers Charakter hat von der Autorin viele passende Facetten verliehen bekommen. Auf der einen Seite unsicher und introvertiert, kann sie aber auch provokant und aufreizend sein – in Situationen die Amber zu überfordern scheinen. Dann wird aus Amber Lucy. Lucy kann Menschen, vor allem Männer, um den Finger wickeln, Antworten aus ihnen herauslocken. Doch um das zu erreichen tut Lucy Dinge, die Amber zwar die fehlende und nötige Wärme geben, ihr aber in gleicher Weise auch schaden.

„Ihr Handgelenk schmerzte, dort, wo Katja sie festgehalten hatte; das Gefühl war ganz anders als der Schmerz, für den sie bezahlt worden war. Es reichte tiefer. Und das erstaunte sie selbst.“ (Seite 299)

Die anderen Charaktere sind ähnlich vielschichtig. Selbst die namenlose Katze, Ambers treue und ständige Begleiterin, zeichnet sich durch einen – zugegebenermaßen von Amber eingebildeten – tiefgründigen Charakter aus. Kneipenwirt Katja, der lesende Junge im rot-gelb leuchtenden Igluzelt und der unbekannte Drohbriefschreiber sowie die Unterschlupf gewährende alte Dame runden die Geschichte, jeder auf seine eigene Art und Weise, ab.

Düster ist die Grundstimmung und auch Färbung der Geschichte – in vielerlei Hinsicht. Die Aura, die Amber umgibt; das Winterwetter in der Großstadt; der Hausflur, in dem Amber ihre Nächte verbringt … Und das ein oder andere Mal wird aus düster auch pechschwarz und dunkel wie die Nacht. Lichtblicke gibt es nur selten. Und wenn, dann in Form des gelb-rot leuchtenden Igluzeltes.

„Sie war nicht mehr als ein Gegenstand. Man konnte ihn wegwerfen oder aufbewahren, für später. Sie fragte sich, ob man nach Gebrauch Pfand für die leere Hülle bekam.“ (Seite 238)

Ambers Suche gleicht einer Schnitzeljagd. Mit jedem neuen Hinweis kommt sie dem Rätsel um das Verschwinden ihrer Eltern ein Stückchen näher. Während ihrer Suche lässt sie sich weder durch die mysteriösen Drohbotschaften noch von Katjas Einwänden aufhalten. Denn am Ende, wenn sie ihrer Eltern und somit die Liebe gefunden hat, wird alles wieder gut werden. Davon ist Amber felsenfest überzeugt. Und ich war es auch. Ich habe mit und für Amber gehofft, dass ihre Wünsche – auch die geheimsten – wahr werden.

Im Verlauf der Geschichte passiert so einiges. Amber geht durch viele Tiefen und ab und zu erlebt sie auch mal ein kleines Hoch. Ich klebte wie gebannt an den Seiten und wollte zusammen mit Amber das Geheimnis lösen. Als sich der Nebel der Unwissenheit dann zum Ende hin mehr und mehr verzieht, sieht man zwar einiges deutlicher aber nicht unbedingt klarer. Und für meinen Teil war die Auflösung des Verschwindens ein wenig du dürftig für ein Buch dieses Formates. Das ist aber auch schon der einzige, kleine Minuspunkt und die Auswirkungen auf meinen Gesamteindruck sind nicht von großer Bedeutung.

„Niemand liebt November“ war mein drittes Jugendbuch der Autorin und kann problemlos mit „Der Märchenerzähler“ und „Die Worte der weißen Königin“ mithalten. Antonia Michaelis’ ganz eigene Art und Weise zu schreiben liegt sicherlich nicht jedem. Für mich sind ihre Bücher aber immer ein ganz besonderes Lesevergnügen.

»Jetzt gehörst du mir«, flüsterte er. »Ich bin der Letzte, dem du gehörst. Und damit eigentlich der Einzige.« (Seite 392)

4,5SaFi


[Rezension] Ab morgen ein Leben lang | Gregory Sherl

Ab morgen ein Leben lang

Titel: Ab morgen ein Leben lang 
Autor: Gregory Sherl
Seitenzahl: 400Seiten
Verlag: DuMont
Genre: Roman
ISBN: 978-3-8321-9746-9
Veröffentlichung: 03. April 2014
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Zum Inhalt:

Evelyn Shriner arbeitet in einer Bibliothek und ist begeisterte Anhängerin von Vergegenwärtigungen. In der Praxis des Futuristen Dr. Chin lässt sie sich regelmäßig mithilfe einer Vergegenwärtigungsapparatur ihre romantische Zukunft mit jedem Mann, der ihr einfällt, zeigen und hofft, so die große Liebe zu finden. Doch der Richtige scheint bislang nicht dabei zu sein und auch die Zukunft mit ihrem aktuellen Freund Adrian ist nicht die, die Evelyn sich wünscht.
Godfrey Burkes arbeitet in einem Fundbüro und hält Futuristen und Vergegenwärtigungen für Quatsch. Doch seine Freundin Madge besteht nach seinem Heiratsantrag darauf, dass die beiden sich in unterschiedlichen Praxen ihre gemeinsame Zukunft vergegenwärtigen lassen, bevor sie Ja sagt.
Was weder Evelyn noch Godfrey bewusst ist, als sie sich in der Warteschlange bei Dr. Chin kennen lernen: In Fällen von wahrer Liebe kann es zu Systemfehlern kommen.

Meine Meinung:

»Dr. Chin präsentiert: Die Zukunft für Weitsichtige.« Und darunter steht: »Es ist leichter, sich für eine Zukunft zu entscheiden, wenn man die Optionen kennt.« (Seite 31/32)

Was im ersten Moment vielleicht furchtbar kitschig und absolut stereotyp zu sein scheint, entpupp sich recht schnell als eine Perle unter den Liebesgeschichten. Eine Liebesgeschichte ohne Kitsch, mit ernsten Untertönen und blumigen Gefühlen. Eine Geschichte aus dem Leben. Ein Leben, das wir alle führen könnten, wenn es diese Vergegenwärtigungsapparaturen wirklich geben würde.

Evelyn und Godfrey sind zwei echte Marken. Sie zeichnen sich durch ihre Eigenarten aus, sind wunderbar skurril und doch auf dem Boden geblieben. Und im Grunde wollen auch beide bloß das eine: die große Liebe finden und nie wieder los lassen. Die Nebendarsteller runden den bunten Charaktermix perfekt ab – allen voran Dot, Evelyns beste und kleptomanische Freundin. Und selbst die Figuren, die keinen richtigen Auftritt im Buch haben, sondern lediglich als Gedanken vorkommen, passen perfekt in die Geschichte.

„Hätte es Futuristen schon vor der Heirat meiner Eltern gegeben, hätten sie es sich womöglich anders überlegt. Und wäre meine Mutter durch eine Vergegenwärtigung vorgewarnt gewesen, dass Mart Thigpen ihr einen Braten in die Röhre schieben und sie sitzenlassen würde, dann gäbe es mich womöglich gar nicht. Vielleicht ist das einer der Hauptgründe, warum all das für mich keinen Sinn ergibt. Es rührt an meine Existenz und die zarte, zweifelhafte, hypothetische Existenz meiner Nachkommen.“ (Seite 62)

Gregory Sherl führt den Leser gekonnt durch seine Geschichte und hat seine Grundidee solide umgesetzt. Er überzeugt durch seinen tollen Schreibstil, der humorig, ernst, sarkastisch, liebevoll, rasant, verwirrend, erleuchtend ist. „Ab morgen ein Leben lang“ ist zwar nicht rasend spannend, aber zu jeder Zeit hoch interessant. Der Autor speist den Leser nämlich nicht bloß mit der ersten Begegnung von Evelyn und Godfrey und den daraus resultierenden Folgen ab. Es ziehen sich viele Fragen durch das Buch – manche offensichtlich, andere versteckt zwischen Zeilen, Taten und Gedanken. Kann man jemanden wirklich lieben, wenn man ihn nicht wirklich versteht? ist eine dieser Fragen. Auf diese und andere geht der Autor in seiner Geschichte ein. Auf die eine mehr, auf die andere weniger. Mal im großgesponnenen Bogen, mal in dem kleinen Kosmos des Einzelnen. Dabei verliert er seine Geschichte aber nie aus den Augen und kehrt immer wieder zum Geschehen zurück.

„Gibt es überhaupt gute Vergegenwärtigungen oder werden sie alle heimlich von der Pharmaindustrie gesponsert, um den Verkauf von Antidepressiva anzukurbeln?“ (Seite 198)

Die Idee der Vergegenwärtigungen finde ich ungemein interessant. Was wäre wohl in der Welt los, wenn sich jeder seine romantische Zukunft mit wem auch immer zeigen lassen könnte? Würden wir, weil wir unser Liebesleben ja quasi beliebig steuern könnten, überhaupt noch die große, wahre Liebe erkennen? Sie zulassen, ohne uns ständig zu fragen, wie es wohl wäre, wenn wir Mr./Mrs. X unser Herz geschenkt hätten und nicht der Person, mit der wir vielleicht gerade im Bett liegen oder in der Küche frühstücken?

Ich bin lange um „Ab morgen ein Leben lang“ drum rum geschlichen, konnte mich nicht wirklich entscheiden, ob ich das Buch lesen möchte. Jetzt hab ich es gelesen, ohne dass mir eine Vergegenwärtigungsapparatur bei der Entscheidung geholfen hat, und bereue nicht eine Seite. Gregory Sherl hat ein wunderbares Buch über den Sinn und auch den Unsinn der Liebe und all ihre Facetten geschrieben.

»Ob man glaubt, die Zukunft zu kennen oder nicht, es ist immer ein Sprung ins Ungewisse. Man muss dazu bereit sein.« (Seite 398)

5

SaFi


[Rezension] Dreh dich nicht um | Jennifer L. Armentrout

Dreh dich nicht um von Jennifer L Armentrout

Titel: Dreh dich nicht um
Autor: Jennifer L. Armentrout
Seitenzahl: 384 Seiten
Verlag: Heyne
Genre: Jugendbuch, ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-453-26939-2
Veröffentlichung: 12. Mai 2014
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Jennifer L. Armentrout über ihren Thriller „Dreh dich nicht um“ – »klick«

Zum Inhalt:

Als die 17jährige Samantha Jo Franco an einer verlassen Landstraße von einem Deputy aufgelesen wird, hat sie keine Ahnung, wo sie ist und wer sie ist. Sie weiß auch nicht, dass sie vier Tage lang verschwunden war, gemeinsam mit ihrer besten Freundin Cassie Winchester. Von ihr fehlt auch weiterhin jede Spur.
Sam kann der Polizei, ihren Eltern und Freunden, nicht erklären, was in den Tagen des Verschwindens geschehen ist. Sie kann ihnen auch nicht, wie es Cassie geht, denn sie hat ihr Gedächtnis verloren – sie erkennt nicht einmal mehr ihr eigenes Spiegelbild.
Mühsam versucht Samantha sich in ihrem alten, neuen Leben zurechtzufinden und muss erkennen, dass sie früher scheinbar ein echtes Miststück gewesen ist und zusammen mit Cassie ihren Mitmenschen das Leben schwer gemacht hat.
Was ist mit Cassie geschehen? Fiel sie einem Verbrechen zum Opfer? Und hat Samantha etwas damit zu tun?

Meine Meinung:

„Wie ich hieß? Jeder wusste doch, wie er hieß. Aber ich starrte den Deputy nur an. Ich konnte seine Frage nicht beantworten. Die Magenkrämpfe wurden stärker. »Ich … ich weiß nicht, wie ich heiße.«“ (Seite 7)

Kaum hatte ich das Buch aufgeschlagen und die ersten Seiten gelesen, hatte mich die Geschichte auch schon gepackt. Als Leser weiß man, abgesehen davon, dass Sam verschwunden und vorher ein Ekelpaket war, nämlich nicht viel mehr als die Protagonistin selbst. Und so beginnt bereits nach wenigen Seiten die Suche nach Antworten.

Während dieser Suche fühlte ich mich Samantha unglaublich nah; wollte wissen, was an Abend des Verschwindens wirklich passiert ist, wo Cassie ist und wie es ihr geht. Vor allem aber konnte ich verstehen, warum diese Situation alles andere als einfach für Sam ist. Nicht zu wissen, was man mag, mit wem man befreundet ist, in wen man verliebt ist, und, am allerschlimmsten, nicht zu wissen, wer man selbst ist, ist nicht bloß eine 17-jährige eine äußerst schwere Situation. Zudem plagen Sam auch immer wieder Visionen aus ihrem früheren Leben, die sie nicht wirklich einordnen kann, und sie muss sich ständig fragen, warum sie ausgerechnet mit ihren früheren Freunden befreundet war und sich so unmöglich anderen gegenüber verhalten hat. Dieser innere Zwiespalt von Samantha ist auf allen Seiten deutlich spürbar und wurde von Jennifer L. Armentrout sehr gut und nachvollziehbar dargestellt.

„Überhaupt nichts war gut, und es würde auch nicht gut werden. Ich steckte hier in einem Leben fest, an das ich mich nicht erinnern konnte, steckte in der Schale dieses Mädchens – dieser Samantha Jo Franco -, und je mehr ich über sie erfuhr, umso mehr begann ich sie zu hassen.“ (Seite 31)

Zum Schreibstil von Jennifer L. Armentrout kann ich gar nichts anderes sagen als hervorragend. Unnötiges Ausschmücken von Situationen, Gedanken und Äußerlichkeiten sucht man in „Dreh dich nicht um“ glücklicherweise vergeblich. Auf ein intensives Leseerlebnis muss man bei diesem Jugendthriller aber nicht verzichten. Selbst dann nicht, wenn man dem Teenageralter schon eine Weile entwachsen ist.

„Wahrscheinlich hatte ich einen so üblen Ruf weg, dass mir viele unterstellten, ich hätte Cassie etwas ganz Schreckliches angetan. Ich wollte darüber nicht nachdenken, spürte aber irgendwo tief in mir die Angst, dass es eventuell genau so gewesen sein könnte.“ (Seite 100)

Samanthas Suche nach Antworten und nach sich selbst ist die ganze Zeit über spannend zu verfolgen und hat mich mitgerissen. Schritt für Schritt erfährt Samantha mehr über ihr früheres Leben und muss sich dabei auf die Aussagen der Menschen in ihrer Umgebung verlassen, von denen nicht immer alle die Wahrheit sagen. Außerdem muss sie mit der ständigen Angst leben, was passieren könnte, wenn sie sich wieder erinnern kann.

Dank des guten Plots mit all seinen Überraschungen, der entstehenden Gefühle zwischen Samantha und Carson, ihrem besten Freund aus Kindertagen, und des etwas mysteriösen Touchs durch Sams Visionen fehlt es „Dreh dich nicht um“ an nichts. Am Ende, nachdem alle Fragen beantwortet und alle Ungereimtheiten aufgeklärt waren, klappte ich das Buch völlig zufrieden zu und hatte das Gefühl, einen rundherum gelungenen, wenn nicht sogar perfekten, Jugendthriller gelesen zu haben.

„Ich blieb stehen.
Er blieb stehen.
Ich machte einen Schritt. Er ebenfalls.
Das – war nicht gut. Bei mir schrillten sämtliche Alarmglocken. Dann rannte ich los. Neben meinen eigenen Schritten hörte ich, wie er durchs Unterholz brach und mir folgte, mich jagte …“ (Seite 179)

5

 SaFi


[Rezension] Ein Tag und zwei Leben (E-Book-Serie) | Adriana Popescu

…………………Ein Tag und zwei Leben 1Ein Tag und zwei Leben 2Ein Tag und zwei Leben 3

…………………Ein Tag und zwei Leben 4Ein Tag und zwei Leben 5Ein Tag und zwei Leben 6

 Zum Inhalt:

Lea und Damian. Beste Freunde. Beste Freunde mit Ausrutschern. Beste Freunde, die für mehr bestimmt sind?

Meine Meinung:

„Damian kennt mich seit Jahren. Er ist mein bester Freund; der Mensch, den ich anrufe, wenn ich krank bin; der mich tröstet, wenn Tobi mir mal wieder das Herz bricht; und der Mann, in den ich seit ungefähr fünf Jahren heimlich verliebt bin. Was er nicht weiß und ich nicht zugebe. Wir kennen uns so gut, stehen uns so nah … Wenn ich auch nur ein Wort darüber verlieren würde, es wäre alles vorbei. Oder – noch schlimmer – anders.“ (Episode 1 – Pos. 49-52)

Die Idee einer E-Book-Serie finde ich toll. Ein Buch in sechs Teilen und nach jedem beginnt die vorfreudige Spannung auf den nächsten Teil und das ungeduldige Hibbeln bis zum nächsten Erscheinungstermin von vorn. Zumindest im Prinzip, denn ich habe alle Teile direkt hintereinander gelesen. Fast ärgere ich mich deswegen ein wenig, aber nur fast. An der Geschichte ändert mein kleines Fehlverhalten natürlich nichts und es schadet ihr auch nicht wirklich, wenn man so zügellos liest wie ich, denn Adriana Popescus Stil überzeugt einmal mehr.

Sie nimmt Menschen wie du und ich, allgemein gültige Gefühle, den ganz normalen Wahnsinn und alltägliche Sorgen, wirft das alles in einen kreativen Schreibtopf und heraus kommt eine Geschichte, die man einfach gerne liest.

„Selbst wenn ich auf dem Stuttgarter Schlossplatz vor ihr auf die Knie fallen und ihr meine geheimsten Gefühle offenbaren würde – sie würde es für einen schlechten Scherz halten.“ (Episode 2 – Pos. 154-55)

Schnörkellos und gut erzählt hat mich die Geschichte von Lea und Damian mitfühlen lassen. Mitfühlen in fast jeder Art und Weise. Ich musste schmunzeln, wenn die beiden sich eines ihrer typischen Wortgefechte geliefert haben. Ich musste seufzen, wenn die beiden sich nicht getraut haben, dem anderen zu sagen, was sie wirklich fühlen. Ich musste flach atmen, wenn Damian sich mal wieder wie ein absolutes Arschloch verhalten hat. Ich musste …

„Nein. Nein! NEIN! Nicht dieses Jahr! Dieses Jahr werde ich nicht, wie so oft davor, auf einen Kuss von Damian hoffen und dann zusehen, wie er mit Simone oder einer anderen Frau seiner Wahl in ein neues Jahr verschwindet. Diesmal nicht! Diesmal sind wir beide vergeben. Die Fronten sind geklärt.“ (Episode 3 – Pos. 174-76)

Ja, man kann wirklich einiges mit den beiden erleben. Dabei weiß man als Leser, auch ohne, dass die beiden es extra erwähnen müssten, mehr über ihre Gefühle für den jeweils anderen als sie selbst. Wobei ihre Gründe es nicht zu sagen, wenn sie auch unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber durchaus ziemlich ähnlich und zudem nachvollziehbar und vor allem begründet sind. Ihre Freundschaft ist eine ganz besondere. Und die Gefahr, dass diese Freundschaft sich unwiderruflich verändern würde, oder schlimmer noch zerbrechen würde, wenn sie ihre Gefühle laut aussprechen, ist nicht unbegründet.

„Ich kann ihr nicht sagen, dass ich sie liebe. Wenn ich es tue, kann ich es nicht mehr zurücknehmen und dann muss ich all dem gerecht werden. Dann muss ich sie glücklich machen und ich habe zu große Angst davor, es nicht zu können.“ (Episode 4 – Pos. 358-60)

Adriana Popescu scheut sich nicht, ihre beiden Hauptdarsteller und auch ihre Leser auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle zu schicken. Höhen und Tiefen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Mal geht es ein Stück vorwärts und im nächsten Augenblick wieder drei Schritte zurück. Ein mögliches Happy End, welches ich mir eigentlich von Anfang an für die beiden gewünscht habe, scheint in manchen Momenten zum Greifen nah und gleich darauf wieder unendlich weit weg zu sein. So hat man eigentlich gar keine andere Möglichkeit, als jede einzelne Episode im Leben von Lea und Damian zu lesen.

„Jetzt steht er einen halben Meter von mir entfernt. Obwohl wir uns so nahestehen sollten, wie niemals zuvor seit wir uns kennen, kommt er mir unendlich weit weg vor. Langsam dreht er sich zu mir um. Ich glaube, auch er weiß, dass es heute Abend mit uns zu Ende geht.“ (Episode 5 – Pos. 213-15)

Lea und Damian wechseln sich beim Erzählen der einzelnen Episoden ab, und jeder der beiden seine eigene Art und Weise hat, mit dem Geschehenen umzugehen. Und obwohl mir beide Sichtweisen gefallen haben, kam ich mit Leas Gedanken, Träumen, Ängsten und Hoffnungen während ihrer Schilderungen ein wenig besser klar als mit denen von Damian. Damian ist halt ein Mann. ;-)

Für alle Fans von Adriana Popescus Büchern ist „Ein Tag und zwei Leben“ Pflichtlektüre. Alle anderen sollten sich die E-Book-Serie aber auch nicht entgehen lassen. :)

„Wenn mir jemand noch im letzten Sommer gesagt hätte, dass unsere Geschichte so ausgeht, ich hätte ihm den Vogel gezeigt und ihn laut ausgelacht. Lea und ich – das ist doch eine Freundschaft für die Ewigkeit. Oder?“ (Episode 6 – Pos. 55-57)

4SaFi


[Rezension] Der Totschläger | Chris Carter

Der Totschläger

 Titel: Der Totschläger
Reihe: Hunter und Garcia #5 (OT: One by one)
Autor: Chris Carter
Seitenzahl: 464 Seiten
Verlag: Ullstein
Genre: Thriller
ISBN: 978-3-548-28576-4
Veröffentlichung: 16. Juni 2014
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Er sagt, du hast keine Wahl.
Er sagt, du kannst nur zusehen.
Es liegt nicht in deiner Macht, die Morde zu verhindern. (Buchrücken)

Zum Inhalt:

Robert Hunter – Detective bei einer Sondereinheit des LAPD – erhält einen merkwürdigen Anruf. Er befolgt die Anweisungen des anonymen Anrufers und landet auf einer Website, auf der er, zur Hilflosigkeit verdammt, die brutale Ermordung eines Menschen ansehen muss.
Ohne konkrete Hinweise oder Anhaltspunkte gehen die Ermittlungen in diesem Fall nur sehr langsam voran. Doch für den Täter ist es noch nicht vorbei und Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia erhalten einen zweiten Anruf. Wieder eine Website. Wieder ein brutaler Mord. Doch diesmal geht der Anrufer noch einen Schritt weiter: Hunter soll entscheiden, wie das Opfer sterben soll.
Für Robert Hunter und Carlos Garcia beginnt die Jagd auf ein Internet-Phantom, das ihnen immer einen Schritt voraus zu seien scheint…

Meine Meinung:

Chris Carter ist für mich mittlerweile ein absoluter Qualitätsgarant in Sachen Thriller. Ich musste also nicht lange überlegen, ob ich sein neustes Werk lesen will – den 5. Band der Reihe um Robert Hunter und Carlos Garcia: „Der Totschläger“.

Hunter wusste, dass der Anrufer noch in der Leitung war. »Ich tue, was ich kann, um Ihnen zu helfen. Sagen Sie mir nur, wie.«
»Nun …«, erwiderte der Anrufer. »Sie können entscheiden, wie er sterben soll.« (Seite 12)

Kaum dass ich mit dem Lesen begonnen hatte, stockte – zum Glück – auch das erste Mal mein Atem, denn der aus Brasilien stammende Autor hat sich gerade Mal eine Seite lang mit ein kleiner Einführung beschäftigt. Es hieß also direkt: mittendrin statt nur dabei.

Recht schnell wird klar, dass Chris Carter diesmal ein wenig von seinem bisherigen Schema abweicht. Statt gemeinsam mit Hunter und Garcia die einzelnen Puzzleteilchen zusammenzusetzen, muss man in „Der Totschläger“ erst mal etwas finden, was zu einem Puzzleteilchen taugt. So tappt also nicht nur der Leser im Dunkeln, auch die Detectives haben wenig bis keine Ahnung, wer warum und wieso. Für eigene Spekulationen bleibt so zwar kein Spielraum, die Spannung bleibt aber die ganze Zeit über auf einem hohen Niveau und bricht zu keinem Zeitpunk ein, denn die Jagd nach den Antworten ist ungemein spannend und der Weg des Suchens natürlich mit einigen Toten gepflastert, von denen einer brutaler umgebracht wurde als der vorherige.

„Hunter und Garcia wussten beide, dass dies die schlimmste Art von Killer war, mit der es ein Detective zu tun bekommen konnte. Ein Killer, dem scheinbar alles egal war. Für den Töten nichts weiter war als ein Spiel.“ (Seite 80)

Einer Sache war ich mir während der ganzen Zeit, die ich zusammen mit den Protagonisten im Dunkeln tappte, aber sicher: Es wird ja wohl einen Grund haben, dass der Unbekannte ausgerechnet Robert Hunter für seine Anrufe ausgewählt hat, oder?

Die Antworten auf alle mit der Zeit aufkommenden Fragen beantwortet Carter gut durchdacht und behandelt in seinem gesamten Buch eine Thematik, wie sie aktueller fast sich sein könnte: Wie viel Wert legt die Menschheit auf Werte wie Moral, Ethik und Empathie? Zudem spielt auch unser Umgang mit dem Internet eine große Rolle.

Als mir das ganze Ausmaß bekannt war, als ich die Hintergründe und Motive des Täters kannte, ertappte ich mich sogar dabei, dass ich ihn vom Grundsatz her verstehen konnte – mir spukte die ganze Zeit der Satz „Die falschen Taten aus den richtigen Gründen“ im Kopf rum. Chris Carter hat seinem neuesten Thriller eine sehr menschliche Note gegeben, wie ich finde.

UHR – 1:58, 1:57, 1:56 …
BEGRABEN – 923.
GEFRESSEN – 999. (Seite 104)

Robert Hunter trägt (natürlich) einmal mehr das Buch. Ohne ihn wären es einfach nicht dieselben Bücher und wahrscheinlich wären sie auch nicht so gut. Chris Carter schickt mit ihm Buch um Buch einen der außergewöhnlichsten und besten Ermittler ins Rennen, der mir je in einer Thriller-Reihe begegnet ist. Doch auch der beste Profiler und Detective ist ohne seinen Partner nur die Hälfte wert, und die beiden Detectives Hunter und Garcia ergänzen sich mal wieder hervorragend.

Mein einziger Kritikpunkt ist nicht besonders schwerwiegend und hat auch nichts mit dem Buch an sich zu tun. „Der Totschläger“ ist vom Titel her mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass man manchmal vielleicht mit lieb gewonnen Traditionen brechen sollte, denn totgeschlagen wird in diesem Thriller nun wirklich keiner. Im Original fällt der Titel mit „One by one“ auch ein wenig aus dem bisherigen Rahmen, ist dafür aber perfekt auf den Punkt gebracht. Um die Reihe der bisherigen Carter-Titel fortzuführen ist der aktuelle zwar geeignet, für mehr aber auch nicht.

„Der nunmehr armlose Mann zappelte und zuckte noch einige Male, jedes Mal weniger heftig als das Mal zuvor, bis er schließlich reglos dalag.
Drei Sekunden später war die Website offline.“ (Seite 301)

„Der Totschläger“ ist eine rundherum gelungene Fortführung der Reihe rund um die Detectives Robert Hunter und Carlos Garcia und nicht bloß für die Fans von Chris Carter eine absolute Empfehlung im Bereich Thriller.

5SaFi


[Rezension] Aus tiefster Seele | Samantha Hayes

Aus tiefster Seele von Samantha Hayes

Titel: Aus tiefster Seele
Autor: Samantha Hayes
Seitenzahl: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet
Genre: Psychothriller

ISBN: 978-3-442-38257-6
Veröffentlichung: 19. Mai 2014

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Zum Inhalt:

Claudia ist glücklich als Frau des Navy-Offiziers James und Stiefmutter seiner beiden kleinen Söhne. Nun erwarten die Eheleute ihr erstes gemeinsames Kind und das Glück scheint vollkommen.
Da James berufsbedingt viel unterwegs ist, entscheiden sich die beiden, eine Nanny einzustellen, damit Claudia ein wenig Unterstützung mit den bald drei Kindern hat. Zoe erscheint mit ihren guten Referenzen perfekt für diese Aufgabe und erweist sich zunächst auch als echter Glücksgriff. Doch Claudia hat von Anfang kein Gutes Gefühl dabei, eine Fremde im Haus zu haben, und es keimen erste Zweifel an der Nanny in ihr auf, die verstärkt werden, als sie sie in ihrem Schlafzimmer erwischt.
Währenddessen hat Detective Inspector Lorraine Fisher alle Hände voll zu tun, als jemand beginnt, schwangeren Frauen schreckliche Gewalt anzutun – eine Frau und ihr ungeborenes Baby sind bereit gestorben, eine weitere Frau überlebt schwer verletzt, ihr Baby jedoch nicht. Wer wird das nächste Opfer sein?

Meine Meinung:

„Aus tiefster Seele“ hat mich aufgrund des Originaltitels „Until You’re Mine“ und des Klappentextes neugierig gemacht. Die Idee dahinter schien mir perfekt für einen Psychothriller. Meine Erwartungen wurden zum Teil erfüllt, doch es gab auch einige Schwachstellen. Und so fällt meine Meinung insgesamt zwiegespalten aus.

Das Grundgerüst der Geschichte rund um Claudia und Zoe steht prinzipiell auf einem soliden Fundament: Eine schwangere Frau stellt eine Nanny ein, um nach der Geburt Hilfe mit den dann insgesamt drei Kindern zu haben. Diese Nanny wünscht sich den geschriebenen Worten zufolge auch sehnlichst ein Kind und kommt einem mit der Zeit durch einige Situationen im Zuge ihrer Anstellung nicht ganz geheuer vor. So weit, so gut.

„Im Waschbecken lagen ein Hammer und ein Küchenmesser, beides blutig. In der Wanne tropfte der Wasserhahn, sodass sich eine weiße Spur durch das vorherrschende Rot zog. Im Abfluss steckte der Stöpsel. Die Frau in der Wanne war halb nackt, das Baby blau und leblos, die zarte Haut marmoriert.“ (Seite 38)

Leider hat die englische Autorin für meinen Geschmack aber nicht aus den Vollen geschöpft und so Potenzial verschenkt. Das Gefühl, einen Psychothriller zu lesen hatte ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Dafür waren die Gedanken, die sich Claudia in Bezug auf Zoe macht einfach zu schnell und zu unbegründet da. Neben den wenigen Szenen, in denen Detective Inspector Lorraine Fisher an den Tatorten ermittelt und dem Leser so einen Einblick in das brutale Geschehen gibt, kommt lediglich noch ein wenig thrillige Atmosphäre auf, wenn Zoe sich merkwürdig verhält und ihre Handlungen und Absichten ziemlich eindeutig scheinen. Daraus ergibt sich im Prinzip schon die ganze Spannungskurve, die zwischendurch immer wieder einbricht.

Zu einem guten Thriller gehört für mich auch immer eine gute Portion Verwirrung dazu – wenn diese denn zu Beginn verwirrend und zum Ende hin immer ein wenig unverwirrender wird. Die Autorin weiß, wie man Leser verwirren kann. Doch leider hat das mit dem Entwirren bei Samantha Hayes nicht so gut geklappt. Zu viele Fragen, wenn auch nicht unbedingt alle essentiell wichtig sind, bleiben am Ende offen, denn der Fokus lag zum Schluss einfach zu sehr auf dem zugegebenermaßen guten Ende, statt auf der Beantwortungen vorheriger Fragen, die, nachdem das Ende dann gelesen war, nicht mehr so beantwortet werden konnten wie noch davor.

„Es dauert nicht mehr lange, bis ich fort bin und nichts als eine hässliche Erinnerung bleibt, ein schlechter Nachgeschmack nach einem Lauffeuer von Gerüchten.“ (Seite 190)

Sehr gut gefallen hat mir der Schreibstil. Die Autorin hat die Geschichte aus den Blickwinkeln der drei agierenden Hauptpersonen niedergeschrieben und nicht immer weiß man direkt, ob gerade die werdende Mutter Claudia, Zoe, oder Detective Fisher die Geschichte erzählt. Gerade dann, wenn es auf das Ende zugeht, entsteht dank dieser Erzählweise – zum Glück – die Spannung, die mir vorher größtenteils gefehlt hat. Erwähnenswert ist auch noch, dass die Autorin es geschafft hat, ein Szenario zu suggerieren, welches bei näherem Hinsehen auch ein ganz anderes sein kann. Klar wird einem das aber erst zum Ende hin, wenn man auf einmal mit einem staunenden Gesichtsausdruck dasitzt. Mir ging es zumindest so.

„Aus tiefster Seele“ ist für mich eher ein durchschnittlicher Thriller, denn leider ist die Geschichte nicht durchgehend thrillig und zum Ende hin auch nicht unbedingt immer logisch. Schade, denn das Potenzial für einen richtig guten Psychothriller ist auf jeden Fall vorhanden.

3

SaFi