[Rezension] Metamorphose am Rande des Himmels | Mathias Malzieu

1 Buch - 2 Meinungen

Metamorphose am Rande des Himmels - Mathias Malzieu

Metamorphose am Rande des Himmels – Mathias Malzieu

Titel: Metamorphose am Rande des Himmels
Autor: Mathias Malzieu

Seitenzahl: 160
ISBN: 978-3-570-58520-7
Verlag: carl’s books
Veröffentlichung: 26. August 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Tom Cloudman, Hobby-Stuntman und Schausteller, hat seit seiner Kindheit nur eines im Kopf: Fliegen. Doch jeder Flugversuch endet mit einer Bruchlandung, gefolgt von einem Krankenhausbesuch. Dort stellt man eines Tages fest: Tom ist unheilbar an Krebs erkrankt. Nachts verwandelt sich das triste Krankenhaus dagegen in eine magische Welt: Er begegnet Endorphina, einem faszinierenden Mischwesen aus Vogel und Frau. Endorphina hat einen gewagten Rettungsplan für Tom: Sie kann ihn – wenn die Liebe zwischen ihnen stark genug ist – vom Tod befreien, indem sie ihn langsam in einen Vogel verwandelt. Tom lässt sich auf diesen bizarren Plan ein … (© carl’s books)

Meinung – SaCre:

Tom Cloudman als Protagonistin ist mehr als interessant: er ist der schlechteste Stuntman, den die Welt je gesehen hat, doch er braucht die Bestätigung anderer, um sich lebendig zu fühlen. Dass er damit jedes Mal sein Leben aufs Spiel setzt, steht auf einem anderen Blatt. Außerdem hat er eine „Normalitätsphobie“.
Eine wahnwitzige Idee, aufgrund derer er sich ein neues Gefährt gebaut hat, bringt ihn schließlich ins Krankenhaus. Und hier erhält er eine schockierende Botschaft.

„Ich heiße Tom >>Häma-Tom<< Cloudman. Man sagt, ich sei der schlechteste Stuntman aller Zeiten. Ganz falsch ist das nicht. Ich bin außergewöhnlich ungeschickt und laufe ständig überall gegen. Ich beneide die Vögel um ihre Freiheit, vielleicht schaue ich zu oft zu ihnen hoch.“ (Seite 9)

Was ich persönlich nicht erwartet hätte: dass der Autor uns hier mit einer Krankheit, die oft unheilbar ist und tödlich endet, auseinander setzt. Das konnte ich mir bei der Kurzbeschreibung gar nicht vorstellen. Doch die geheimnisvolle Endorphina bietet Tom einen Pakt an, mit dem er die Krankheit mit großer Wahrscheinlichkeit überleben kann.
Doch diese Krankheit spielt eine zentrale Rolle und so bekommt die Schwelle zwischen Himmel und Erde auch eine ganz andere Bedeutung.
Und so traurig das auch ist, schafft der Autor es immer wieder, dass man als Leser zwischendurch schmunzelt. Sei es dadurch, dass er die Krankheit mit einem Gemüse vergleicht und nur noch so benennt, oder dass man sich einfach den Pastor im Eichhörnchenkostüm vorstellt.

Mit dieser doch etwas abgedrehten Idee konnte der Autor mich allerdings packen. Wieder einmal hat er es geschafft, Worte in Bilder umzuwandeln und viele Metaphern geschickt einzusetzen. Das kann ihm so schnell keiner nachmachen. In seiner märchenhaften Sprache heißt es beispielsweise nicht „Lichtschalter anknipsen“, sondern „Der Lichtschalterdirigent lässt die Neonröhren explodieren, das Krankenhaus flammt auf wie eine elektrische Sonne“ (Seite 19). Welch anderer Autor schafft so etwas? Mir fällt da nur noch John Boyne ein…

Die Reise, auf die uns Malzieu hier mitnimmt, ist geprägt von Hochs und Tiefs: der Stuntman Tom ist erfolglos, doch er zaubert den Zuschauern durch seine Ungeschicktheit immer ein Lächeln aufs Gesicht. Im Krankenhaus kann man seine Niedergeschlagenheit merken. Doch zum Ende der Geschichte hin, kann er wieder den Leuten zu Aufmunterung verhelfen:

„Es ist ein schöner Anblick. Ein Kind, das durch eine schwere Krankheit zu früh erwachsen geworden ist, hat wieder Träume. Nichts anderes wollte Tom Cloudman erreichen.“ (Seite 126)

Bei diesem Buch passt einfach alles. Das Cover zeigt, dass es hier um ein Märchen für Erwachsene geht, und in welcher Beziehung Endorphina und Tom zueinander stehen. Die Aufmachung des Innenlebens, die Schrift, die thematisch passenden Großbuchstaben am Kapitelanfang.

Lediglich eine Frage konnte ich bis zum Ende nicht beantworten. Diese kam in unserer kleinen Lesegruppe öfter auf. Dafür, dass ich da jetzt auch noch keine Antwort drauf habe, gibt es einen ganz kleinen Abzug.
Ansonsten kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der sich auf eine fantastische Welt einlassen kann und der sich auf eine Reise durch ein in Worten gefasstes Bilderbuch begeben möchte.

4,5

Meinung – SaFi:

Meine Vorfreude auf das neue Werk von Mathias Malzieu war riesengroß. Und so war ich hocherfreut, dass mich der Autor schon mit dem Vorwort emotional komplett eingefangen hat:

„Vögel werden im Himmel beerdigt. Noch die eleganteste Wolke ist voll von ihren starren kleinen Leichen. Es heißt, einer von 10 180 Regentropfen sei die Träne eines toten Vogels und eine von 16 474 Schneeflocken das Gespenst eines Vogels, der sich vom himmlischen Mutterkuchen gelöst hat.“

Mit Tom Cloudman präsentiert der französische Autor und Musiker einen Protagonisten, den ich sofort ins Herz geschlossen habe. Als „Ungeschicktester Stuntman aller Zeiten“ bekannt reist er von einem Ort zum anderen – in einem umgebauten, rollenden Sarg, den er blau angemalt und mit weißen Wolken verziert hat. Für die Zuschauer ist das mehr oder weniger unfreiwillige Fallen am Ende von Toms Vorstellungen das Highlight. Für ihn ist es aber der Moment davor, dem seine Leidenschaft gilt: der Moment, in dem er abhebt. Denn schon seit seinen Kindertagen beneidet er die Vögel um ihre Freiheit und sein größter Wunsch ist es, fliegen zu können.

„Ich gab mir große Mühe, mich anzupassen, flog aber überall im hohen Bogen raus. Selbst in der Zirkusschule: zu ungeschickt. Zwar begeisterte es die Jury, wie ich beim Trampolinspringen jedes Mal auf kunstvolle Weise neben dem Sprungtuch landete, aber man erklärte mir, ein Clown müsse tausendmal hinfallen können, ohne sich zu verletzen – und das gehörte leider nicht zu meinem Repertoire.“ (Seite 10/11)

Das ganz große Plus von Malzieu, das mir so bislang bei keinem anderen Autor untergekommen ist, sind seine Metaphern, die aus einfachen Worten Bilder entstehen lassen. In seinen Büchern stellt er den Leser vor die Herausforderung, sich diesen zu stellen, sie zu entschlüsseln und sich ihnen schlussendlich hinzugeben. Gelingt einem dieses Unterfangen, kommt man in den Genuss wunderbar poetischer Worte, die ihresgleichen suchen und auf mich während des Lesens eine ganz besondere Wirkung haben.

„Der Lichtschalterdirigent lässt die Neonröhren explodieren, das Krankenhaus flammt auf wie eine elektrische Sonne.“ (Seite 19)

In seinem neuesten Roman widmet sich der Autor einem ernsthaften Thema – dem Krebs. Und obwohl der Autor die Ernsthaftigkeit dieses Themas nicht unter den Tisch kehrt, wirkt das Buch nicht durchgängig beklemmend, da Malzieu sich durchaus ein wenig Humor leistet, der gut portioniert ist und dem Naturell von Tom >>Häma-Tom<< Cloudman entspricht.

„Heute gibt es zum Frühstück eine Spritze, Carpaccio von trockenem Brot und als Beilage bittere Pillen.“ (Seite 27)

„Metamorphose am Rande des Himmels“ ist für mich in vielerlei Hinsicht ein kleines Kunstwerk – nicht zuletzt wegen des wunderschönen Covers, das den Inhalt zwischen den Buchdeckeln perfekt widerspiegelt. Ich kann jedem wirklich nur empfehlen, die Grenzen des menschlichen Verstandes für einige Stunden zurückzuweisen, sich auf dieses moderne Märchen für Erwachsene einzulassen, und gemeinsam mit Tom vom Fliegen zu träumen.

5


[Rezension] Eden und Orion – Lichtjahre zu dir | Helen Douglas

1 Buch - 2 Meinungen

Artikelbild - Eden und Orion 3

Eden und Orion: Lichtjahre zu dir – Helen Douglas

Titel: Eden und Orion – Lichtjahre zu dir
Autor: Helen Douglas

Seitenzahl: 272
ISBN: 978-3-7373-6486-7
Verlag: FISCHER Sauerländer
Empfohlenes Lesealter: Ab 12 Jahren
Veröffentlichung: 22. August 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Als der gut aussehende Ryan an ihrer Schule auftaucht, verliebt Eden sich Hals über Kopf in den Neuen. Auf den ersten Blick scheint Ryan ein ganz normaler amerikanischer Teenager zu sein. Aber wieso kennt er dann keine Pizza und hat noch nie von Gandhi oder Mandela gehört? Und warum interessiert er sich so brennend für sie? Eines Tages findet Eden ein Buch in Ryans Zimmer, dessen Inhalt eine ferne Zukunft vorwegnimmt. Eden versucht fieberhaft, das Geheimnis zu lüften. Sie entdeckt, dass Ryan eine unglaublich wichtige Mission erfüllen muss … und sie vielleicht seine einzige Chance zerstört hat. (© FISCHER Sauerländer)

Meinung – SaCre:

Der Einstieg in die Geschichte fällt dem Leser leicht. Man lernt Eden zunächst einmal gut kennen. Sie ist ein „normaler“ Teenager, könnte unsere Nachbarin sein. Sie ist unkompliziert, praktisch veranlagt, vernünftig, eine gute Schülerin, hat Freunde, die aber nicht zur High Society der Schule zählen. Das ist ihr auch nicht wichtig. Sie könnte eine Freundin von mir sein.
Als Ryan an die Schule kommt, findet Eden sein Verhalten genauso merkwürdig, wie ich es tat. Die Autorin Helen Douglas lässt uns aber alle erst eine Zeit im Ungewissen, bis wir hinter sein Geheimnis kommen. Und das hat es in sich.
Ryan ist ein sehr interessanter Jugendlicher: er ist geheimnisvoll, intelligent und hat „das gewisse Etwas“. Zudem sieht er auch noch gut aus. Von Anfang an ist diese Spannung, dass man hinter sein Geheimnis kommen möchte, spürbar. Doch ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass er etwas Böses im Schilde führt.

Es ist eine schöne Grundidee, die hinter dieser Geschichte steckt. Sehr interessant und gut charakterisiert stellt die Autorin die verschiedenen Jugendlichen dar. Die Clique ist aus sehr unterschiedlichen Charakteren zusammengesetzt, sodass man als Leser diese Gruppendynamik sofort greifen kann und realistisch findet.
Das Setting ist ebenfalls gut gewählt. Perran, als britischer Küstenort, mit Meer, Klippen und kleinen Dörfern. Perfekt.
Der Verlauf der Geschichte ist absolut logisch fortgeschrieben. Mit gut gewählter Sprache hat Douglas hier ein spannendes und unterhaltsames Buch geschrieben, welches dem Leser kurzweilige Lesestunden bietet.
Es mag sein, dass hier das ein oder andere Klischee vorkommt. Allerdings hat mich das überhaupt nicht gestört – und besonders aufgefallen ist es mir auch nicht. Ich denke, dass die Zielgruppe (ab 12 Jahren) sich hieran noch weniger stört.
Zudem ist das Szenario, das die Autorin schildert, etwas, das zum Nachdenken anregt.

Es ist eine Geschichte, in die man als Leser voll und ganz eintauchen kann, und die einem alles bietet: Verliebtsein, Spannung und mystische Elemente.

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, dir ins Gesicht zu sagen, wie viel du mir bedeutest. Es ist so viel einfacher, seine Gefühle aufzuschreiben, als sie auszusprechen. Ich wünsche mir nichts so sehr, als dass du hättest bleiben können, verstehe jedoch, warum das nicht ging. Aber ich werde dich niemals vergessen.“ (Seite 174)

4

Meinung – SaFi:

Behutsam führt Helen Douglas den Leser an die Geschichte heran. Man lernt zuerst Eden, ihre Freunde, ihr Leben kennen. Sie ist eine völlig normale englische Teenagerin. Sie sticht nicht aus der Masse hervor, geht aber auch nicht in ihr unter. So dauert es eine Weile bis sich die Dinge entwickeln – vielleicht ein wenig zu lange… Ich für meinen Teil konnte es zumindest nicht erwarten, den Grund für Ryans Mission zu erfahren. Von dem Moment an, als ich den Grund dann (endlich) wusste, schwirrte mir der fast schon in Vergessenheit geratene Prolog ständig im Kopf rum. Ständig begleitet von den Fragen: Gibt es so was wie Schicksal wirklich? Und wenn ja, kann man es beeinflussen?

„Ryan sorgte wirklich ständig für neue Überraschungen. Manchmal wirkte er so normal wie jeder andere und in der nächsten Sekunde wie von einem anderen Stern. Wie konnte es sein, dass er nicht wusste, was Burger waren?“ (Seite 38/39)

Was mich überrascht hat: Obwohl das Buch ein Mystery/SiFi-Roman ist und Helen Douglas sich an der breiten Palette, die dieses Genre zu bieten hat, ordentlich bedient, wirkte das gesamte Szenario während des Lesens für mich fast schon normal. Ja, es kommen Theorien und Elemente darin vor, die alles andere als normal sind. Dennoch ist es der Autorin, dank ihrer überzeugenden Protagonisten Eden und Ryan, gelungen, das Buch nicht so wirken zu lassen – mir hat das sehr gut gefallen.

„Fasziniert starrte ich weiter in den Himmel. Die drei Planeten, die den Oriongürtel bildeten, fand ich auf Anhieb wieder. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass Ryan mich ansah. Ich drehte mich zu ihm, und weil er immer noch meine Hand hielt, waren unsere Gesichter sich plötzlich näher als erwartet. Wir erstarrten beide und sahen einander tief in die Augen – über uns die flimmernden Sterne.“ (Seite 45)

Helen Douglas hat einen gut durchdachten und interessanten Plot zu Papier gebracht. Stolpersteine in Form von Logikfehlern sucht man vergeblich – zum Glück. Auf 270 Seiten hat die Autorin eine angenehm zu lesende Mischung aus Romantik und Mystery niedergeschrieben. Während der Großteil der Geschichte ohne übermäßig viel Spannung auskam, hatte das Ende davon fast schon ein wenig zu viel zu bieten. Für meinen Geschmack wäre das Buch auch ohne diesen unnötigen Spannungsbogen ausgekommen. Auf mich wirkte das zu gewollt.

„Uns lief die Zeit davon, und alles, was noch gesagt werden musste, musste jetzt gesagt werden. Sonst wäre es endgültig zu spät.“ (Seite 190)

Für die angepeilte Zielgruppe im Alter von 12 bis 17 Jahren ist „Eden und Orion“ sicherlich ein spannendes Buch, das Mädchen einladen wird, sich im Gleichschritt mit Eden, in Ryan zu verlieben.

Für mich, die alterstechnisch deutlich außerhalb der Zielgruppe liegt, war es ein nettes Buch für zwischendurch und mal eine schöne Abwechslung in diesem Genre.

4


Aussicht auf Sternschnuppen [Rezension]

1 Buch - 2 Meinungen

Aussicht auf Sternschnuppen - Katrin Koppold

Aussicht auf Sternschnuppen – Katrin Koppold

Autor: Katrin Koppold
Titel: Aussicht auf Sternschnuppen
Seitenzahl: 296
ISBN: 978-3-000-40417-7
Verlag: Aureolus Verlag

Veröffentlichung: 4. März 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Helga fällt aus allen Wolken, denn ihr Freund scheint sie mit einer heißblütigen Italienerin zu betrügen. Diesen Kerl wollte sie heiraten und mindestens vier Kinder mit ihm haben? Hals über Kopf folgt Helga Giuseppe gen Süden – ohne Gepäck, dafür aber mit einem unerwarteten Begleiter: Nils. Schauspieler, Kettenraucher und bald mehr als eine zufällige Reisebekanntschaft… (Klappentext)

SaCre:

„Mir war zum Weinen zumute. Ich würde jetzt nach Hause fahren und googlen, ob Jungfräulichkeit eine zwingende Voraussetzung für das Leben als Nonne war oder ob es reichte, wenn man ab dem Klostereintritt schwor, enthaltsam zu bleiben.“
(Seite 24)

Das erste, was mir hier aufgefallen ist, war definitiv das Cover. Wie wunderschön es ist! Und vorneweg muss ich direkt sagen, dass der Inhalt dem Äußeren gerecht wird.

Schnell fühlte ich mich als Helgas Freundin und erlebte mit ihr die Höhen und Tiefen dieser Geschichte. Ich konnte sowohl ihre Verzweiflung, als auch ihre Freude immer wieder nachvollziehen. Und auch ihr Hang zu blindem Aktionismus. Das erinnert mich doch so ein bisschen an mich… :) Zu Helga fühlte ich mich also direkt sehr verbunden, was mit Sicherheit sehr dazu beigetragen hat, dass mir diese Geschichte so gut gefällt.

Der Road-Trip, den Katrin Koppold hier beschreibt, ist einfach herrlich. Schön und sehr bildlich beschreibt sie den Weg von Helga und Nils von München nach Lucca. Die Orte, die sie unterwegs passieren, konnte ich mir allesamt gut vorstellen und hatte so ständig wunderschöne Bilder vorwiegend aus Italien im Kopf.
Schön fand ich, wie die beiden sich von Anfang an mit Worten bekriegt haben – doch wie sich auch daraus ein großes Interesse dem anderen gegenüber entwickelt hat. Es gab sehr viele lustige Szenen. Doch es gab auch einige ernste Gespräche, die mir als Leserin die Hauptdarsteller noch näher brachten.
Helga und Nils sind mir sehr ans Herz gewachsen. Am liebsten möchte ich nun raus gehen, und diesen beiden begegnen.

Katrin Koppold ist es gelungen, hier eine wirklich schöne Geschichte zu schreiben. Zusammen mit diesem wunderschönen Cover ist es eine ganz tolle Sommerlektüre. Ich kann das Buch jeder Frau guten Gewissens ans Herz legen.

Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte um Fee im Folgeband „Zeit für Eisblumen“ weiter geht.

„Da saß ich nun. Ende 30, mit mehrere angefutterten Kilos auf den Rippen, seit neun Monaten ohne Sex und gab einem gut aussehenden Rechtsanwalt, der sympathisch war, dieselben Interessen hatte wie ich und darüber hinaus auch noch ein deutliches Interesse an mir zeigte, einen Korb. Ich doofes Huhn!“
(Seite 274)

4 Herzen

SaFi:

Chick-Lit-Romane gehören nicht unbedingt zu meinem bevorzugten Lesestoff. „Aussicht auf Sternschnuppen“ war aber mal wieder ein gelungener Ausflug in dieses Genre, denn ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, konnte lachen und schmunzeln. Aber der Reihe nach…

„Wenn ich mir nicht ernsthafte Sorgen um dich und deine mentale Verfassung machen würde, könnte die ganze Sache fast komisch sein. Meine brave, biedere Schwester fährt zusammen mit Frauenheld Nils Schönberger in die Toskana. Was für eine Mischung.“
(Seite 40)

Helga ist (im positiven Sinne) schon ne Marke. Ich habe mich bereits nach kurzer Zeit sehr verbunden mit ihr gefühlt. Ihre Art, ihr Humor, ihre Ansichten haben sie sehr schnell sympathisch auf mich wirken lassen. Im Laufe des Buches habe ich sogar die eine oder andere Gemeinsamkeit zu ihr entdeckt. So finden wir z. B. beide, dass Margret Rutherford die einzig wahre Miss Marple ist. Aber gut, dass denken wohl die meisten. ;) Auch Nils war mir sehr sympathisch. Obwohl er sich gegenüber Helga gerade am Anfang besonders viel Mühe gibt, nicht so rüberzukommen. Aber sie ist da ja auch nicht anders. Zum Glück. Denn sonst hätte ich all die Scharmützel der beiden ja nicht lesen können. :) Weder Helga noch Nils haben auf mich platt oder farblos gewirkt. Beide haben Ecken, Macken und Kanten uns stecken voller Leben. Aber auch die Nebenfiguren kommen gut zur Geltung. Lydia Sing ist das beste Beispiel dafür. Mit ihr hätte ich während des Lesens gerne noch mehr Zeit verbracht.

Man merkt während des Lesens schnell, dass Katrin Koppold die Strecke, die Helga und Nils zurücklegen, selbst abgefahren ist. Ihre Darstellung der italienischen Landschaft ist sehr bildhaft, die Orte, in den die beiden auf ihrer Reise Halt machen, beschreibt sie mit schönen Worten. Ich hatte so manches Mal das Gefühl, dass ich auch in dem Smart sitze, mit dem Helga und Nils unterwegs sind. (Die Autorin hat zu ihrer Recherchereise auch einen Reisebericht auf ihrer Homepage veröffentlicht, den ihr HIER nachlesen könnt. )

„Aussicht auf Sternschnuppen“ bietet seinen Leserinnen eine temporeiche Story, die lediglich an einigen wenigen Stellen ein kleines bisschen übertrieben wirkt. Helga und Nils, vor allem aber Helga, erleben auf ihrer Reise so Allerhand. Die Autorin hat sich viele lustige und absurde Situationen für ihre Hauptdarsteller einfallen lassen. Aber auch schöne und berührende Momente dürfen die beiden erleben. Die Geschichte ist witzig, aber nicht albern. Romantisch, aber nicht kitschig. Ok, ein wenig kitschig vielleicht schon, aber nicht zu kitschig, und somit genau richtig für mich. :D Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Der intelligente Humor und Wortwitz, der sich durch das gesamte Buch zieht, verleiht dem Buch eine lockere, angenehme Atomsphäre.

„Ich bemerkte auf einmal, wie dicht wir voreinander standen. Seine Augen waren grün und nicht braun, wie ich zuerst gedacht hatte, und um die Iris herum von kleinen goldenen Punkten durchbrochen. Es waren schöne Augen … Sternchenaugen! Meine Knie wurden weich und in meinem Magen begann es zu flattern.“
(Seite 90)

Für mich ist das Debüt von Katrin Koppold ein toller Gute-Laune-Roman für Frauen, den ich sehr gerne gelesen habe. Nun warte ich voller Vorfreude auf das neue Buch der Autorin, in dem es um eine der Schwestern von Helga gehen wird.

5 Herzen


Crossfire. Erfüllung [Rezension]

1 Buch - 2 Meinungen

Crossfire Erfuellung von Sylvia Day

Autor: Sylvia Day
Titel: Crossfire. Erfüllung (Teil 3)
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-453-54560-1
Verlag: Heyne
Veröffentlichung: 8. Juli 2013
Leseprobe

Inhalt:

Seit ihrer ersten Begegnung sind Eva Tramell und Gideon Cross einander verfallen. Nur Eva weiß, was Gideon für sie aufs Spiel gesetzt hat. Doch dieses Wissen ängstigt Eva, die sich nichts sehnlicher wünscht als eine vertrauensvolle Beziehung und eine dauerhafte Bindung. Zudem wird ihre Liebe immer wieder auf harte Proben gestellt, denn Neid und Missgunst machen ihnen das Leben schwer. Doch das Wissen um die Geheimnisse des anderen verbindet Eva und Gideon unlösbar miteinander. Gemeinsam wollen sie sich ihre Dämonen stellen und ihre leidenschaftliche Liebe retten. (Klappentext © Heyne)

SaCre:

Lang und heiß erwartet, der 3. Teil von Crossfire. Endlich war es da, endlich konnte ich mich in die Welt von Eva und Gideon stürzen. Doch…

… die Geschichte gefiel mir am Anfang überhaupt nicht. Das Geschehen war für mich nicht unbedingt vorhersehbar, aber der Verlauf der Geschichte erschien mir unglaubwürdig, nicht passend, einfach fehl am Platze. Hat die Autorin sich das wirklich so vorgestellt? Mit dem Dargebotenen konnte ich mich so gar nicht anfreunden.
Ab ca. der Mitte nahm die Geschichte eine Wendung, und so langsam wurden Eva, Gideon und ich wieder Freunde. Obwohl ich sagen muss, dass ich nicht mit allem im Buch einverstanden bin.

Die Schatten der Vergangenheit tauchen auch in der Gegenwart immer wieder auf und lassen nicht zu, dass Eva und Gideon leicht und unbeschwert durch den Tag gehen können. Sei es Nathan, sei es Mme Giroux oder wer auch immer. Beide müssen feststellen, dass Geld allein keine Probleme löst.
Eine große Weiterentwicklung der Charaktere kann ich hier nicht finden. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass Eva sich unterwürfiger und abhängiger von Gideon gibt, als sie vorher war. Das war nicht so nach meinem Geschmack.

Der Schreibstil der Autorin hat sich nicht verändert. Direkt und ohne Umschweife geht es zur Sache – genauso wie beim Sex. Dieser spielt hier auch wieder eine große Rolle. Sex als Problemlöser; Sex, um alles Böse und Schlimme aus der Vergangenheit zu vergessen. Obwohl ich weiß, dass das die beiden ausmacht, war es auch leider der Aspekt, der mich etwas genervt hat. Ebenso wie Evas Bedürfnis, immer wieder zu Gideon zu sagen, dass sie ihn liebt. Vor, während und nach dem Sex.

„Er selbst vertraute sich nicht, wenn er mit mir zusammen war, aber ich vertraute ihm. Wir hatten hart gearbeitet, um dieses Maß an Vertrauen aufzubauen, hatten Tränen und Blut dafür vergossen, und dieses Gefühl bedeutete mir mehr als alles andere in meinem Leben.“
(Seite 367)

Eigentlich ging ich davon aus, dass es bei der geplanten Trilogie bleibt. Allerdings ließ die Autorin jetzt verlauten, dass es fünf Teile werden. Den Titel des 4. Bandes hat sie ebenfalls schon bekannt gegeben.
Darüber bin ich etwas enttäuscht. Meiner Meinung nach hätte man gut nach dem 3. Teil aufhören können. Und auch das Ende wäre für mich so in Ordnung gewesen, auch wenn es die eine oder andere Frage offen lässt. Die Geschichte jetzt auf 5 Teile zu splitten, finde ich nicht so gut. Allerdings muss ich zugeben, dass ich doch irgendwie neugierig bin, wie es mit den beiden weiter geht.

Von mir gibt es gaaaaaaanz knappe 3,5 Herzen, die ich grafisch aber nur als 3 Herzen darstellen kann.
3 Herzen

SaFi:

„So schnell konnte er mich verführen. Trotz Stunden der Lust und einem Orgasmus, der noch nicht allzu lange her war, war ich sofort wieder scharf auf ihn, erregt durch seine Stärke und Selbstsicherheit, seine Selbstbeherrschung und seine Herrschaft über mich.“
(Seite 49)

Endlich hat die Warterei ein Ende – Teil 3 rund um Eva und Gideon ist endlich erschienen. Nahtlos fügt sich die Handlung an das Ende von Teil 2 an. Voller Vorfreude begann ich mit dem Lesen, hoffte auf… Ja auf was eigentlich? Nach dem Lesen muss ich mir diese Frage ernsthaft stellen.

Nach altbekannten Mustern plätschert die Geschichte vor sich hin: viel Sex, Fragen nach Vertrauen, missgünstige Außenstehende… Ja, es gibt auch in Erfüllung wieder jede Menge Höhepunkte. Aber leider bloß für Eva und Gideon – ich blieb da lese- und unterhaltungstechnisch gänzlich auf der Strecke. Nach einem recht optimistischen Start in das Buch, der aber eigentlich auch schon nichts Großartiges zu bieten hatte, lauerte ich ab der Hälfte des Buches förmlich darauf, dass noch irgendetwas passieren wird, was mich völlig von den Socken hauen würde. In den Vorgänger hat das ja schließlich auch geklappt… Doch leider wurde ich in dieser Hinsicht enttäuscht. Hier und da passiert zwar etwas, aber das war nun nix, womit ich nicht gerechnet hätte.

„Es war ein Traum, der Wirklichkeit wurde: der dunkle und gefährliche Sexgott in dem atemberaubenden Anzug, der mir zu Diensten war mit seinem perfekt geschwungenen Mund, der einzig dazu geschaffen war, Frauen in den Wahnsinn zu treiben.“
(Seite 242)

Was Sylvia Day für mich in punkto Story vermissen lässt, packt sie bei den Charakteren aber wieder drauf. Auch wenn mich das Geschehen zu keiner Zeit packen konnte, so haben Eva und Gideon es aber mal wieder geschafft, mich in ihren ganz persönlichen Bann zu ziehen. Ich litt mit ihnen, spürte ihre Verzweiflung, aber auch ihre schier grenzenlose Liebe füreinander. Im Endeffekt blätterte ich bloß wegen ihnen Seite um Seite um und hielt bis zum Schluss durch. Beide machen in diesem Teil noch mal eine Veränderung durch, überscheiten weitere Grenzen, und kämpfen für ihre gemeinsame Zukunft.

Die drei Herzen vergebe ich somit einzig und allein für die Charaktere. Nicht bloß Eva und Gideon sind richtig gut gelungen, wie ich finde. Auch die Nebendarsteller – allen voran Cary – konnten mich mal wieder voll und ganz überzeugen.

Für mich ist Teil 3 der Crossfire-Reihe nicht mehr als ein Lückenfüller, da es ja nun mal weitergehen wird. Wäre dem nicht so, wäre es bei einer Trilogie geblieben, könnte ich mit dem recht offen gehaltenen Ende gut leben. So stehe ich aber nun vor der Frage, ob ich weiterlesen werde, oder nicht – mal schauen… Ich frage mich, was uns Sylvia Day in den zwei noch folgenden Bänden noch präsentieren möchte. Die eine oder andere Vermutung habe ich da ja schon – werde mich aber hüten, diese hier preiszugeben. ;)

3 Herzen


Die da kommen [Rezension]

1 Buch - 2 Meinungen

Die da kommen

Autor: Liz Jensen
Titel: Die da kommen
Seitenzahl: 320
ISBN: 978-3-423-24960-7
Verlag: DTV Premium
Veröffentlichung: Juni 2013

Zum Inhalt:

Ein siebenjähriges Mädchen tötet seine Großmutter auf brutale Weise. Ein tragischer Einzelfall, sagen die Experten. Doch sie täuschen sich. Überall auf der Welt kommt es zu grausamen Gewalttaten, die Kinder gegen ihre Familien verüben.

Der Anthropologe Hesketh Lock hat zunächst ein ganz anderes Rätsel aufzuklären. Hesketh ist ein »Troubleshooter«: weltweit wird er zur Aufklärung interner Skandale in globalen Unternehmen eingesetzt. Sein aktueller Fall führt ihn nach Taiwan. Hesketh entdeckt als Erster ein Muster in den sich häufenden Fällen von schwerer Industriesabotage und den Attacken von Kindern gegen Erwachsene, die wie zwei Epidemien den ganzen Erdball erfassen. Wer sind die geheimnisvollen »sie«, von denen immer wieder die Rede ist? Sind »sie« die treibende Kraft hinter den dramatischen Ereignissen?

SaCre:

„Männer greifen Institutionen an, die sie lieben.
Kinder wenden sich gegen ihre Familien.
Zwei überlappende Kreise, deren Schnittmenge irrationale Gewalt bildet.“
(Seite 98)

Hm, was schreibe ich bloß zu diesem Buch? Ich habe versucht, mir Notizen zu den positiven Punkten zu machen. Leider ist dieses Blatt leer. Von Anfang an hat die Geschichte mich nicht begeistern können. Der Einstieg dauerte für mich viel zu lange. Es geschah kurz was, und dann für lange Zeit wieder nichts. Doch: Hesketh faltete im Geiste eine Origami-Figur nach der anderen. Sein eigentlicher Beruf: Ermittler mit Schwerpunkt auf Verhaltensmuster.

Dabei legt auch er einige sonderbare Verhalten an sich: neben den Origami-Faltereien wiegt er in Streß-Situationen seinen Körper hin und her. Und nicht zu vergessen: jede Farbe wird genau definiert. Beispiele:
1. „… eine Frau im roten Mantel – ein Farbton, den die Firma Dulux 1984 Nelke nannte…“ (Seite 105)
2. „… in hellen Farben. Jadenebel und Meeresbrandung, Sanderson 1993.“ (Seite 176)
Seine Obsession für die Farbbestimmung und die Origamis waren mir ein bisschen zu viel des Guten.

„Der Mond ist ein dünner, leuchtender Kratzer am Himmel, die Sterne pulsieren schwach über dem Meer. Ich schalte den Computer aus und drehe mich mit dem Stuhl rhythmisch hin und her. Ich höre die Möwen schreien. Ist ein menschlicher Hamburger ein Nahrungsmittel, nach dem sich ein Hungergeist sehnen würde?“
(Seite 63)

Zwischen dem Fortschreiten des Haupthandlungsstrangs – die verstörenden Selbstmorde der Erwachsenen und die grausamen Morde der Kinder – gab es immer wieder langatmige Abhandlungen wissenschaftlicher Dinge, oder Handlungen von Personen, die für mich leider überhaupt nicht spannend waren.

Zum Thema Spannung: der Grundgedanke für die Geschichte ist super. Ein total interessanter Stoff. Meiner Meinung nach aber alles andere als spannungsreich umgesetzt. Ganz im Gegenteil. Ich las die Geschehen so vor mich hin. Ohne Gänsehaut. Ohne Herzklopfen. Ohne Anspannung. Es ist einfach so passiert und plätscherte so vor sich  hin.

Ab Seite 270 nahm die Geschichte an Fahrt auf. Wobei man das Tempo der Fahrt hier mit Fred Feuerstein in seinem mit den Füßen angetriebenen Mobil vergleichen kann.

Zwischendurch hatte ich auch immer wieder mal Probleme mit der Sprache. Ein Beispiel gefällig?
Nein. Wir sagen ihm, dass einer seiner Mitarbeiter durch irgendetwas in eine frühere Phase regrediert ist und dabei auf negative Kindheitsarchetypen zurückgegriffen hat und dass dieses Verhalten zu einem Phänomen von Massenhysterie gehört, das wir noch vollständig identifizieren müssen. Sunny Chen. Jonas Svensson. Das gleiche Muster. Um zu erklären, was sie während der dissoziativen Fugue getan haben, beschwören sie Manifestationen indigener Glaubenssysteme herauf. Bei Chen waren es die Ahnen. Bei Svensson die Trolle. Bei Farooq prophezeie ich die Dschinns.“ (Seite 107)
Ein Glück, dass ich mich mit Fantasy auskenne! So brauche ich in diesem Absatz nicht alles zu googlen…

Hach, das Buch versprach mir so viel. Das Thema finde ich total interessant. Leider konnte es meine Erwartungen gar nicht erfüllen. Schade. Ein Thriller ohne Spannung. Ich musste mich echt durch das Buch quälen und war mehrmals kurz davor, abzubrechen.

PS: Nachdem ich nun SaFis Part der Rezension gelesen habe muss ich gestehen, dass die Sache mit dem Asperger-Syndrom irgendwo völlig an mir vorbei gegangen ist. Das war wohl leider einer von so einigen Fakten, den ich gelesen, aber leider nicht wahrgenommen habe.

1 Herz

SaFi:

„Ein seltsamer Vorfall ist eine Sache. Zwei sind der Anfang eines Venn-Diagramms.“
(Seite 71)

Aufgrund von Klappentext und Cover habe ich mich auf die Schilderung von vielen schrecklichen Mordszenarien, die von Kindern verübt werden, gefreut. (Hört sich vielleicht komisch an, ist aber so. Denn ich lese sehr gerne blutrünstige Thriller. ;)) Meine Erwartungen wurden dahingehend leider nicht komplett erfüllt. Trotzdem hat mir dieser Thriller der etwas anderen Art doch ganz gut gefallen und irgendwie fasziniert.

Zum einen lag das an Hesketh Lock. Wobei fasziniert in Zusammenhang mit ihm jetzt nicht hingerissen bedeuten soll. Ich fand seine Person einfach sehr interessant, und angesichts des Asperger-Syndroms an dem leidet, auch sehr realistisch dargestellt. Einfach nachzuvollziehen waren seine Gedanken, gerade wenn um das Zwischenmenschliche ging, nicht. Aber irgendwas hat er in mir berührt. Vor allem dann, wenn er immer wieder vor seinem inneren Auge Origamis faltet, weil er nicht weiß, wie sich anderen gegenüber in bestimmten Situation verhalten soll, bzw. welches Verhalten von ihm erwartet wird.

Auch die Geschichte an sich hat mich fasziniert, in ihren Bann gezogen. Während des Lesens habe ich mich allerdings öfters gefragt, warum das so ist. Denn Spannung, die den Puls beschleunigt, oder Nervenkitzel, der zum Nägelkauen verführt, habe ich nicht ausmachen können. Zumindest nicht klar und deutlich. Für mich waren Spannung, Nervenkitzel und Thrill eher unterschwellig. Das alles fand während des Lesens in meinem Innern statt. Falls das die Absicht der Autorin gewesen sein sollte, kann ich nur sagen, dass das bei mir hervorragend geklappt hat.

„Ich erkenne ein Muster, Mr Jan de Vries.
Das Problem ist nur, es ist so bizarr, dass er für einen logischen, rational und wissenschaftlich denkenden Verstand keinen Sinn ergibt. Schon gar nicht für meinen.“
(Seite 118)

Der Storyverlauf hat mir anfangs ein wenig zu schaffen gemacht. Hesketh, der Ich-Erzähler dieser Geschichte, wechselt immer wieder zwischen verschiedenen Ereignissen hin und her. Dabei geht es in der ersten Hälfte des Buches mehr um ihn selbst und um die diversen Saboteure, die Hesketh befragen soll, und nur am Rande, z. B. in den Nachrichten, um die mordenden Kinder. Später spielen die Kinder dann eine größere Rolle. Nach und nach kam ich mit seinen Schilderungen aber ganz gut zurecht und konnte ihm besser folgen. Dazu trug auch der nüchterne Schreibstil von Liz Jensen bei. Lediglich das Ende war nicht so richtig schlüssig und einleuchtend für mich.

In diesem Buch gibt es vieles, was ich so nicht erwartet hatte (Physik und andere Themen), und einiges, was ich mir erhofft, aber nicht vorgefunden habe. Und es fällt mir nicht leicht, es zu beschreiben und einzuordnen. Denn so ein Buch habe ich noch nie gelesen. Diese Aussage soll aber keine Bewertung sein, lediglich eine Tatsache.

Wer dieses Buch mit ähnlichen Erwartungen wie ich in die Hände nimmt, könnte sicherlich enttäuscht werden. Ich ließ mich, nach anfänglicher Skepsis, auf die Geschichte ein, bekam einen ungewöhnlichen, interessanten Thriller zu lesen, und wurde nicht gänzlich enttäuscht.

„Als wir näher kommen, schauen uns einige Kinder kurz an, bevor sie sich wieder ihren Aktivitäten zuwenden, so wie es grasende Kühe tun, wenn jemand die Weide betritt. Sie sind in das Sammeln von Nahrung vertieft und zeigen weder Angst noch Interesse. Es sind nicht mehr als zehn Grad, aber sie scheinen die Kälte nicht zu spüren. Dann und wann beginnt ein Kind zu summen, man hört vereinzelte Schreie oder Grunzlaute, doch ansonsten ist es eine stille Gruppe. Sie wirken friedlich und einträchtig. Sie als >>glücklich<< oder >>zufrieden<< zu beschreiben, ginge wohl zu weit. Aber sie vermitteln einen Eindruck von Unschuld. Keine kindliche Unschuld, sondern die Unschuld wilder Tiere.“
(Seite 252/253)

4 Herzen


Ein Jahr voller Wunder [Rezension]

1 Buch - 2 MeinungenEin Jahr voller Wunder von Karen Thompson Walker

Autor: Karen Thompson Walker
Titel: Ein Jahr voller Wunder
Seitenzahl: 320
ISBN: 978-3-442-75363-5
Verlag: btb
Veröffentlichung: 13. Mai 2013
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

Das kalifornische Ehepaar Joel und Helen sitzt mit seiner Tochter Julia gerade am Frühstückstisch, als die Neuigkeit über sie hereinbricht: Die Erdrotation verlangsamt sich spürbar. Und auf einmal ist alles anders. Als sich Julia Hals über Kopf zum ersten Mal verliebt. Und Julias Vater mit dem Gedanken spielt, seine Frau für Julias Klavierlehrerin zu verlassen, die sich nicht von der allgemeinen Panik anstecken lässt. Und Julias Mutter gegen ihre Depressionen ankämpft. Was geschieht mit einer Familie, wenn sich plötzlich das Gefüge um sie herum verschiebt? Was könnte verhängnisvoller sein als der Zerfall einer Ehe? Was bewegender als die Gefühle eines verunsicherten Teenagers? Denn selbst wenn die Erde, wie manche voraussagen, vor ihrem Ende steht – das Leben muss doch weitergehen …

SaCre:

„Es war wie ein Spuk: zwei Zeitdimensionen, die ein und denselben Raum einnahmen.“
(Seite 128)

Die Erde dreht sich langsamer. Ein Tag hat mehr Stunden. Deutlich mehr. Klingt doch toll! Mehr Zeit für die Menschen, das zu tun, was sie möchten. Lesen zum Beispiel.
Was aber erstmal als nicht so schlimm klingt, entwickelt sich zu einem Drama. Wie leben die Leute nun? Halten sie sich an die Uhrenzeit oder an die Echtzeit? Die Regierung möchte, dass die Bürger sich nach der Uhrenzeit richten. Doch das stößt auf Widerstand. Und Leute, die sich nicht der Mehrheit anschließen, werden zu Außenseitern.

Ebbe und Flut werden beeinträchtigt. Ebenso wie Tiere: Ein plötzliches Vogelsterben setzt ein. Und in diesem ganzen Chaos hat Julia mit weiteren Problemen zu kämpfen: ihre Eltern stecken in einer Ehekrise, sie verliert die 2 Freundinnen, die sie hat, und ihr Schwarm Seth interessiert sich nicht für sie.

Es ist eine düstere Welt, in die die Autorin Karen Thompson Walker uns hier entführt. Sehr ausführlich und detailliert beschreibt sie uns die Veränderungen, die sich in der Welt und den Menschen bemerkbar machen.
Mehrmals habe ich mich gefragt, wie ich wohl in dieser Situation reagieren würde. Wie fühlt es sich an, wenn „das Gefühl von Sonnenschein… der Geschmack von Erdbeeren, das Zerplatzen einer Traube im Mund“ verloren gehen? Sehr schwer vorstellbar und erschreckend.

Die Geschichte ist komplett aus Julias Sicht geschrieben. Sehr authentisch sind die Erzählungen über die Krise ihrer Eltern, den Verlust ihrer Freundinnen und der Probleme, die die Pubertät und die erste Liebe so mit sich bringen.

„Wir waren wie Wanderer in einer Wüste, beschenkt mit einem kostbaren Wolkenbruch, aber nicht in der Lage, den Regen aufzufangen.“
(Seite 131)

So interessant das Thema auch ist. In der Umsetzung gibt es von mir leider Punktabzug. Die Autorin konnte mich mit ihren Worten und ihrem Stil leider nicht ganz packen. Und so plätscherte das Geschehen vor sich hin. Da hätte man als Autor mehr draus machen können.
Der Titel hat mich auch etwas fehlgeleitet: ich hatte mir etwas anderes unter der Story vorgestellt. Das Wort „Wunder“ verwirrt mich. Mit Wundern verbinde ich etwas Positives. Meiner Meinung nach passt das nicht zur Geschichte.
Das Cover finde ich sehr schön (und nebenbei: es zeigt einen Effekt, entstanden aus den Folgen der Veränderungen des Erdmagnetfeldes, genannt „Aurora Media“). Auf mich wirkt es positiv – ganz im Gegensatz zur Grundstimmung der Geschichte.

Nichts ist beständig in dieser Welt. Nur eins: die in Teer geschriebenen Worte, die von der Existenz dieser Menschen zeugen – „Julia & Seth – Wir waren hier.“

„Und so wurden, als die Tage auf sechzig Stunden anwuchsen, Freizeitparks und Freilufteinkaufszentren während der hellen Stunden geschlossen. Einige Sportereignisse wurden abgesagt oder in überdachte Stadien verlegt. Die industriellen Gewächshäuser wurden mit Planen abgedeckt – Strahlung konnte die Zellen der Pflanzen genauso leicht zerstören wie unsere. Ab da lebten Getreide und Gemüse ausschließlich von künstlichem Licht.“
(Seite 270)

3 Herzen

SaFi:

„Es gab keine Bilder, die man im Fernsehen zeigen konnte, keine brennenden Gebäude oder eingestürzten Brücken, kein verdrehtes Metall oder versengte Erde, keine Häuser, die von Fundamenten abrutschten. Niemand war verletzt. Niemand war tot. Es war, zu Anfang, eine ziemlich unsichtbare Katastrophe.“
(Seite 19)

Tage sind auf einmal nicht mehr 24 Stunden lang. Am ersten Tag nach der Verlangsamung sind es auf einmal schon 56 Minuten mehr. In den folgenden Tagen, Wochen, Monaten kommen immer mehr Minuten und Stunden hinzu. Irgendwann geht die Sonne zwei Mal auf und wieder unter, bevor ein Tag um ist. Aber auch das ist noch immer nicht das Ende… Und du musst dich entscheiden: Lebt du nach der Echtzeit oder der Uhrenzeit? Beide Lebensweisen haben ihre Vor- und Nachteile, und vor allem harmonieren nicht miteinander.

Aussagen wie „Mein Tag könnte ruhig 48 Stunden haben“ bekommen nach Lesen des Buches eine völlig neue Bedeutung. Wer würde anfangs, wenn man tatsächlich zusätzliche Zeit quasi geschenkt bekommt, denn daran denken, dass das eines Tages Auswirkungen auf ALLES haben könnte, was unser Leben betrifft?!

Titel, Cover, Klappentext – all das hat mich ein anderes Buch erwarten lassen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so düster, trist und stellenweise auch so langatmig, fast schon langweilig sein würde. Dabei ist das Thema alles andere als langweilig, obwohl die Thematik an sich ja eher für Physik-Professoren und Studenten interessant wäre. Die Autorin belässt es in ihrem Roman aber nicht bei der bloßen Theorie. Sie schafft es, die Auswirkungen, die eine Verlangsamung der Erdrotation mit sich bringen könnte, für jeden gut verständlich rüberzubringen und eindringlich zu beschreiben. Gerade in Bezug auf die bis dato alltäglichen, banalen, für selbstverständlich hingenommenen Dinge.

„Die Tage vergingen. Uhrenmorgen, Uhrenabende. Dunkelheit und Licht trieben über uns hinweg wie vorbeiziehende Gewitter, nicht mehr länger an unsere Tage oder unsere Nächte gekettet. Die Dämmerung setzte manchmal mittags ein; die Sonne ging bisweilen erst abends auf und erreichte ihren höchsten Punkt mitten in der Uhrennacht. Schlafen war schwierig. Aufwachen noch schwerer. Schlaflose wanderten durch die Straßen. Und die Erde drehte sich weiter, Tag für Tag immer langsamer.“
(Seite 122)

Die Geschichte wird uns aus der Sicht der anfangs noch 11jährigen Julia erzählt. Sie ist unglücklich verliebt, hat nicht viele Freunde und auch bei ihren Eltern läuft nicht alles rund. Der Autorin ist es im Großen und Ganzen ganz gut gelungen, die Konsequenzen einer solchen Entwicklung auf das Leben einer einzelnen Familie und auf deren näheres Umfeld zu fokussieren, ohne dabei das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Während des Lesens kommen einem immer wieder Aussagen wie „Das letzte Mal, dass ich … gegessen/gesehen habe.“ So fragt man sich bis zum Ende, was wohl aus Julia und dem Rest der Welt geworden ist.

Das Lesen dieses Buches fiel mir stellenweise nicht leicht. Ich hangelte mich, nach anfänglicher Euphorie, von einer Seite zur nächsten. Immer darauf wartend, dass ein Highlight für Abwechslung sorgen würde. Ich habe quasi auf den großen Knall (wörtlich und/oder bildlich) in diesem Buch gehofft.

Nach Zuschlagen des Buches bin ich mir nicht so sicher, wie ich dieses Buch nun einordnen soll. Ein Endzeit-Thriller ohne den typischen Thrill, wie man ihn aus diversen Hollywood-Blockbustern dieses Genres kennt? Ein Buch, das mahnen soll? (Den erhobenen Zeigefinger der Autorin habe ich während des Lesens öfters vor meinem inneren Auge gesehen.) Eine Dystopie? All das trifft irgendwie ein bisschen zu, aber nichts davon zu hundert Prozent.

Ebenso unschlüssig bin ich mir bei der Bewertung des Buches. Nach langem hin und her, und nachdem mir das Schreiben einer Rezension mal wieder vor Augen geführt hat, dass ich das Buch dann doch nicht so schlecht fand, wie ursprünglich gedacht, entscheide ich mich für neutrale Mitte.

„Immer noch setzte sich die Verlangsamung fort. Die Tage dehnten sich. Eine nach der anderen tröpfelten die Minuten herein – und selbst ein Rinnsal kann sich, wie wir inzwischen begriffen haben, letzten Endes zu einer Flut anstauen.“
(Seite 192)

3 Herzen


Der Nachtwandler [Rezension]

1 Buch - 2 MeinungenDer Nachtwandler

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Der Nachtwandler
Seitenzahl: 320
ISBN: 978-3-426-50374-4
Verlag: Knaur TB
Veröffentlichung: 14. März 2013
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

In seiner Jugend litt Leon Nader an Schlafstörungen. Als Schlafwandler wurde er während seiner nächtlichen Ausflüge sogar gewalttätig und deswegen psychiatrisch behandelt. Eigentlich glaubte er geheilt zu sein – doch eines Tages, Jahre später, verschwindet Leons Frau unter unerklärlichen Umständen aus der gemeinsamen Wohnung. Ist seine Krankheit etwa wieder ausgebrochen? Um zu erfahren, wie er sich im Schlaf verhält, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn – und als er am nächsten Morgen das Video ansieht, macht er eine Entdeckung, die die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengt: Sein nächtliches Ich steigt durch eine ihm völlig unbekannte Tür hinab in die Dunkelheit …

Meinung

SaCre

Ein neuer Fitzek! Juhuuu!

Ein paar Bücher habe ich bisher von ihm gelesen. Mit entsprechend hohen Erwartungen bin ich also an die Geschichte heran gegangen.

Was ich hier fand? Eine Story, die von Null auf Hundert startet. Mittendrin statt nur dabei. Das kann Herr Fitzek. Das weiß ich.

Als Leser begleiten wir Leon nun also durch sein Abenteuer – durch seine schlaflosen Nächte. So viel mag ich hier verraten ohne zu Spoilern. Was Leon hier erlebt ist unglaublich, verwirrend, unfassbar und eine ganze Menge.

Und genau hier liegt für mich der kleine Kritikpunkt: ich hätte mir an einigen Stellen gewünscht, dass nicht alles Schlag auf Schlag geht; wir dafür etwas mehr Emotionen von Leon und Einblick in sein Seelenleben bekommen. Hier und da wirkte der Verlauf der Geschichte für mich sehr konstruiert. Ich weiß, dass der Autor das besser kann!

Die Verdachtsmomente, die ich zwischendurch gehegt habe, wurden immer wieder bekräftet, entkräftet und über den Haufen geworfen. Als die Geschichte auf das furiose Finale zusteuerte, war ich erst einmal total verwirrt. Meine Thesen liefen wohl alle ins Leere. Aber war es wirklich so? Das bleibt erst mal mein Geheimnis :)
Aber auch noch nach Stunden des Lesens grübele ich über das Ende nach und frage ich, wie ich das wohl deuten soll?

Das Thema des Buches ist sehr interessant. Ich habe auch zwischendurch dazu ein bisschen im Internet recherchiert. Ich finde es super, dass der Autor es schafft, für das Thema so mein Interesse zu wecken.

Tja, und dann die Danksagung. Lieber Sebastian Fitzek, ohne dir zu nahe treten zu wollen… Aber das finde ich doch GRUSELIG!
Das schlimme daran ist: ich frage mich gerade tatsächlich, was ich wohl im Schlaf mache. Bin ich jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, überhaupt wach?

„Diesmal hatte er es ohne Strampeln und Schreien geschafft, sich aus dieser Umklammerung seines Alptraums zu reißen. Er wusste, fast jeder zweite Mensch hatte in seinem Leben ähnliche Erfahrungen erlitten wie er und war schon einmal in der Schattenwelt zwischen Schlafen und Wachen gefangen gewesen. Eine Schattenwelt, umstellt von Torwächtern, die sich nur mit äußerster Willenskraft vertreiben ließen. Oder durch eine paradoxe Störung von außen. Wenn zum Beispiel jemand mitten in der Nacht grelles Licht anschaltete, laute Musik spielte, eine Alarmanlage ansprang oder wenn … wenn jemand weinte?“ (Seite 17)

SaFi

Was war das denn bitte? Das meine ich nun nicht negativ – ganz im Gegenteil. Ich bin immer noch völlig wuschig im Kopf. Und verwirrt. Und sprachlos. Und…

Ich habe schon viele, sehr viele Thriller gelesen. Kunststück – Bücher dieses Genres gehren ja seit jeher zu meinem bevorzugten Lesestoff. Somit habe ich auch schon einige Psychothriller gelesen. Viele gute, ein paar schlechte. Aber… kein Psychothriller hat diese Bezeichnung, für meinen Geschmack, jemals mehr verdient als „Der Nachtwandler“.

Sebastian Fitzek hat dafür gesorgt, dass es mir während des Lesens schlichtweg nicht möglich war, das Buch aus den Händen zu legen. Nach dem Lesen wollte es mir lange Zeit nicht gelingen einzuschlafen. In diesem Sinne: Vielen Dank für die „lieben Wünsche“ am Ende des Buches, Herr Fitzek – bei mir hat es funktioniert. ;)

Ich habe fast ein wenig Schiss, diese Rezension zu schreiben. Denn ich möchte eigentlich so wenig wie möglich verraten, damit ich mir im Nachhinein nicht irgendwelche Vorwürfe machen (lassen) muss. Zum Glück verrät der Buchrücken nicht zu viel. Ich wollte möglichst unvorbereitet in diese Geschichte eintauchen. Mich von ihr packen lassen. Dies ist der Geschichte auch zweifelsohne gelungen. Mehr noch: Sie hat mich nicht mehr losgelassen.

Zusammen mit Leon Nader erwacht man als Leser und spürt sofort, dass dieser Tag kein guter werden kann. Und die folgenden wahrscheinlich auch nicht. Die Geschichte, die Sebastian Fitzek hier zu Papier gebracht hat, ist rasant, schonungslos und vor allem eines: Angsteinflößend. Zumindest empfand ich es so. Quasi „Paranormal Activity“ im eigenen Schlafzimmer. Während des Lesens befand ich mich in einem Sog. Gemeinsam mit Leon habe ich irgendwie versucht zu verstehen, was da vor sich geht. Gelungen ist es mir nicht. Zumindest so lange nicht, bis die Auflösung des Ganzen mich sprachlos, verstörend und fast noch ängstlicher zurückgelassen hat, als die gelesenen Seiten zuvor.

Das zugrunde liegende Thema des Buches ist mir so zuvor noch nie über den Weg gelaufen. Aber auch hier möchte ich nicht zu viel verraten. Nur so viel noch: Am Ende des Buches, in der Danksagung des Autors, bekam das Ganze noch mal eine ganz andere Dimension für mich. Und jedem, der sich sonst eben diese Danksagungen spart, möchte ich dringend dazu raten, sie bei diesem Buch zu lesen.

„Leon kannte das Gefühl, das er nun nicht mehr zu ignorieren vermochte. Wie eine Grippe hatte es mit Symptomen begonnen, die man anfangs verdrängen kann, die sich aber schon bald nicht mehr unterdrücken lassen und irgendwann den gesamten Körper im Klammergriff halten: Er hatte Angst. Und das vor einer konkreten Person, die sich hier unten aufhielt und der er noch nie zuvor in seinem Leben begegnet war, obwohl sie sich immer in seiner Nähe befand: Er hatte Angst vor sich selbst. Vor seinem zweiten, schlafenden Ich.“ (Seite 110/111)

Bewertung

SaCre

Für mich nicht das beste Buch von Herrn Fitzek, aber die Bewertung wird wirklich nur minimal geschmälert. Und selbst ein Fitzek in Nicht-Höchstform (nur meine persönliche, bescheidene Meinung!) ist ganz klar mit das Beste, was Deutschland in diesem Genre zu bieten hat. Auch so bereitet er schlaflose Nächte und führt einem bildhaft das Grauen vor Augen.

LESEEMPFEHLUNG!

4 Herzen

SaFi

Ich ziehe meinen imaginären Hut vor Sebastian Fitzek und muss zugeben, dass ich mich fast ein wenig schäme, weil ich bislang noch kein Buch des Autors gelesen habe. Obwohl schon seit längerem zwei seiner Werke im meinem Regal stehen. Vielleicht habe ich mir durch das Lesen des aktuellen Buches nun auch ein Eigentor geschossen. Denn viel besser können seine früheren Bücher nicht sein. :)

Abschließend möchte ich nur noch eines sagen: LESEN! LESEN! LESEN!

5 Herzen


Crossfire. Offenbarung [Rezension]

1 Buch - 2 Meinungen

Crossfire.Offenbarung

Autor: Silvia Day
Titel: Crossfire. Offenbarung
Seitenzahl: 416
ISBN: 978-3-453-54559-5
Verlag: Heyne
: 11. März 2013
Leseprobe

Der Inhalt

Schon seit ein paar Wochen sind die junge attraktive Eva und der erfolgreiche Geschäftsmann Gideon Cross ein Paar. Eva liebt seine dominante Art und findet in der Unterwerfung Geborgenheit und sexuelle Erfüllung. Noch nie konnte sie einem Mann so vertrauen. Doch dann verändert Gideon sich, er will sie immer stärker kontrollieren, und auch die alten Dämonen aus seiner Vergangenheit belasten Eva. Denn Gideon schweigt nach wie vor darüber, was ihm zugestoßen ist. Eva weiß: Ihre Beziehung hat nur eine Zukunft, wenn es keine Geheimnisse und keine Tabus zwischen ihnen gibt …

Die Story – als Fortsetzung

SaCre

Oft ist man als Leser ja bei Fortsetzungen etwas skeptisch. Vor allem, wenn das erste Buch einem gefallen hat. Kann Band 2 also die Erwartungen erfüllen?
Hier kann ich sagen: JA!
Es passiert viel, in der Beziehung von Eva und Gideon. Es gibt weiter Ups and Downs. Und manchmal habe auch ich als Leserin mich gefragt, ob das mit den beiden noch einen Sinn hat. Es gab einige unvorhergesehene Ereignisse, die ich hier natürlich nicht verraten möchte – ihr sollt ja alle selber noch Spaß beim Lesen haben. :)
Es wird spannend. Und es geht nicht nur um Sex.

SaFi

Als ich das Buch zuklappte, war ich im ersten Moment doch ein wenig verwirrt. Ich musste die Geschehnisse für mich erst mal einordnen und verdauen. Als mir dies dann gelungen war, wurde mir klar, dass mir dieser zweite Teil im Großen und Ganzen tatsächlich ein wenig besser gefallen hat als Teil 1.

Es geht hier nicht mehr bloß um das wilde Treiben der beiden, wobei sie genau das natürlich immer noch tun. Im Grundsatz geht es eher um die Beziehung von Eva und Gideon, oder besser gesagt: den Aufbau eben dieser. Wie können zwei so verstörte Menschen, die beide Schreckliches erlebt haben, eine normale Beziehung führen?

Wo ich grad beim Thema bin – bei Eva haben wir ja bereits im ersten Teil erfahren, was ihr zugestoßen ist. In Bezug auf Gideon gab es da ja nur Vermutungen seitens Eva. Dies ändert sich – man erfährt, was ihm zugestoßen ist. Zumindest schon mal ansatzweise. Was und wie werd ich natürlich nicht verraten. Wo kämen wir denn da hin?! ;)

Nach vielen Höhen und Tiefen nimmt die Geschichte zum Ende hin richtig Fahrt auf und verwandelt sich sogar in einen kleinen Krimi – mit einem, für mich, unerwarteten und fast erschütternden Ende.

„Wir waren zusammen, weil wir süchtig nach einander waren. Wenn wir gemeinsam glücklich waren, verspürte ich einen Rausch wie noch nie in meinem Leben, und ich wusste, dass er genauso empfand. Für diese perfekten Momente strampelten wir uns ab, und sie blieben dennoch so rar gesät, dass wir nur aus Trotz, Entschlossenheit und Liebe den Kampf um sie nicht aufgaben.“ (S. 35)

Die Hauptcharaktere

SaCre

Eva und Gideon sind weiterhin so komplex und kompliziert wie im ersten Teil. Als Leser erfahren wir nun, was Gideon in der Vergangenheit passiert ist. Zumindest teilweise – ich habe das Gefühl, da kommt noch was… ;)
Mit Evas Vergangenheit konnten wir uns im ersten Band schon auseinander setzen. Doch hier werden wir wieder voll mit in die alte Geschichte hinein gezogen.

Die Charaktere gehen – mit der ganzen Geschichte zusammen – einen Schritt weiter nach vorne. Verbunden mit Höhen und Tiefen. Aber sie arbeiten sehr an ihrer Beziehung. So, wie es auch im wahren Leben ist bzw. sein sollte.

SaFi

Eva und Gideon müssen in diesem zweiten Teil einige Kämpfe ausfechten. Sei es nun mit sich selbst, mit dem jeweils anderen oder mit Außenstehenden. Dabei drehen sich diese Kämpfe im Kern um das Thema Vertrauen. Beide verlangen vom anderen Vertrauen, sind aber gleichzeitig nicht fähig, dieses Vertrauen im gleichen Maß zurückzugeben. So entstehen natürlich Konflikte und auch die Beziehung der beiden gerät dadurch in Gefahr.

Die Entwicklung der beiden in diesem Teil hat mir gut gefallen. Sie geht nicht gradlinig nach Schema F vonstatten. Beide machen mal einen Schritt nach vorne und dann wieder zwei zurück, ständig begleitet von der Frage, ob es ihnen je gelingen wird, sich irgendwo in der Mitte zu treffen.

„Ich lehnte mich wieder zurück und wartete, während er offensichtlich mit sich kämpfte. >>Du musst doch wissen, dass du mir alles anvertrauen kannst<<, sagte ich sanft.
>>Wirklich?<< Er blickte mich durchdringend an. >>Hast du nicht dein eigenes Päckchen zu tragen? Wie viel kann ich dir zumuten, ohne dass du das Weite suchen wirst?<<“ (S. 233)

Der Schreibstil

SaCre

Der Schreibstil und die Sprache sind wie im ersten Teil: direkt, unverblümt, und beim Sex vulgär. Das passt und das gehört zu dieser Geschichte.

SaFi

Die etwas mehr als 400 Seiten flogen auch dieses Mal durch meine Finger. Sylvia Day schreibt wieder locker und leicht. In den Sexszenen geht es gewohnt detailliert und auch versaut und vulgär zur Sache. Wer schon nicht gerne „normale“ Sex-Szenen liest, wird hieran sicherlich Anstoß nehmen.

Der Sex

SaCre

Der Sex ist spielt hier genauso eine Rolle, wie in Teil 1. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass es hier noch öfter zum Sex kam. Er wird hier – meiner Meinung nach – auch immer öfter als „therapeutisches“ Mittel, nach Streit usw. eingesetzt. Die Lust, die Eva und Gideon aufeinander haben, und das Verlangen nach dem Körper des anderen und der sexuellen Befriedigung, ist schier unbändig.
In ein oder zwei Situationen hätte ich mich an Evas Stelle allerdings erniedrigt gefühlt. Sie und Gideon haben Streit, er beachtet sie überhaupt gar nicht, doch sie verpasst ihm erst mal einen Blow-Job, da sie sich dadurch auch besser fühlt. Nun ja, davon kann man als Leserin halten, was man will. Meinem Verhalten entspricht das nicht. :)

SaFi

Ohne Sex geht’s bei Eva und Gideon ja nun mal nicht. Für sie ist die körperliche Vereinigung, in welcher Art und Form auch immer, der beste Weg zu zeigen, dass alles ok ist. Bzw. wird der Sex dazu genutzt, dass nach Problemen und Streits wieder alles ins Lot kommt. Davon kann man als „Normalsterblicher“ nun halten was man will, bei den beiden ist das aber halt so.

In diesem zweiten Teil der Trilogie geht es auch wieder ordentlich zur Sache. Für mein Empfinden aber deutlich weniger als noch in Teil 1. Was aber vor allem an der Entwicklung der Story liegt.

„Ich konnte ihm zwar immer und immer wieder sagen, dass ich ihn liebte, und zweifellos berührte es ihn auch, wenn ich es tat, aber dennoch benötigte er diese absolute körperliche Hingabe – ein Vertrauensbeweis, dessen besonderer Wert ihm bewusst war, da er meine Vorgeschichte kannte -, um restlos überzeugt zu sein.“ (S. 129/130)

Die Bewertung

SaCre

Eine Fortsetzung, die ich gerne gelesen habe und die mir gefallen hat. Ich habe das Buch kaum aus der Hand gelegt. Und ich bin sehr gespannt auf den Abschluss dieser Reihe.

4 Herzen

SaFi

Da ich im Vergleich zu Teil 1 ein wenig mehr begeistert war, was Charaktere und Story angeht, bleibt mir nichts anderes übrig, als diesem Teil die volle Punktzahl zu geben (Teil 1 hat vier Herzen von mir erhalten).

Ich freue mich auf den abschließenden Teil dieser Trilogie und bin vor allem gespannt darauf, noch mehr von Gideons erschütternden und schockierenden Erlebnissen zu erfahren.

5 Herzen