Danach [Rezension]

Danach
 
Titel: Danach
Autor: Koethi Zan
Seitenzahl: 448
ISBN: 978-3-651-00045-2
Verlag: FISCHER Scherz
Veröffentlichung:  25. April 2013
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

Drei lange Jahre war Sarah eine Gefangene im Keller. Zusammen mit drei anderen jungen Frauen, darunter auch ihre beste Freundin Jennifer, musste sie die Folter ihres Peinigers über sich ergehen lassen. Jetzt, 10 Jahre später, könnte der gefasste Täter auf Bewährung freikommen. Vor nichts hat Sarah mehr Angst, doch die Polizei wiegelt ihre Ängste und Zweifel ab. Und so begibt sie sich zusammen mit einer anderen Überlebenden auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie wollen beweisen, dass eine von ihnen damals getötet wurde, und die mögliche Bewährung somit verhindern. Außerdem bekommt Sarah so vielleicht die Chance, sich endlich von Jennifer zu verabschieden, denn sie war es, die damals starb…

Meine Meinung:

„Ich war nicht alleine. In dem Keller waren noch zwei weitere Mädchen, abgemagert und nackt, die neben mir an die Wand gekettet waren. Vor uns stand eine Kiste, eine einfache Transportkiste aus Holz, etwa eineinhalb Meter lang und einen guten Meter breit. Die Öffnung der Kiste war von mir weggedreht, daher wusste ich nicht, ob sie einen Deckel hatte. Über uns an der Decke baumelte eine trübe Glühbirne, die ein wenig hin- und herpendelte.
Jennifer war nirgendwo zu sehen.“
(Seite 20)

Während ein Großteil der Thriller sich ja mit den Taten im Hier und Jetzt und/oder der entsprechenden Killerjagd beschäftigt, schlägt Koethi Zan einen völlig anderen Weg ein. Ihr Debüt besticht durch einen gelungenen Plot, der sich von anderen Thrillern abhebt. Im Fokus steht die Zeit, das Leben danach. Dass hört sich jetzt vielleicht nicht besonders thrillig an, aber genau das Gegenteil ist der Fall.

In Rückblenden erinnert sich Sarah an die Folter, Schmerzen und Qualen während der Gefangenschaft. Diese Erinnerungen sind detailliert und ungeschönt beschrieben und haben mir mehr als einmal das Blut in den Adern gefrieren lassen. Hinzu kommt der psychologische Aspekt, der für mich sehr ausgereift, gut durchdacht und nachvollziehbar geschildert wurde. Jede der drei jungen Frauen, die das Martyrium überlebt haben, geht anders mit der Vergangenheit um. Sarah hat sich eine neue Identität zugelegt, lebt völlig isoliert und zurückgezogen, hat nur wenige soziale Kontakte. Tracy und Christine haben einen komplett anderen Weg der Verarbeitung gewählt, wie man im Laufe der Geschichte erfährt. Die Darstellung der einzelnen Charaktere ist sehr eindringlich und mehrere Male habe ich mich gefragt, wie ich nach so etwas weiterleben könnte, für welchen Weg ich mich entscheiden würde…

„Gefangenschaft verändert einen, zeigt einem, wie niedrig und animalisch der Mensch sein kann. Man tut absolut alles, um am Leben zu bleiben und ein bisschen weniger zu leiden als am Tag zuvor.“
(Seite 35)

Nach und nach erfährt man immer mehr über die Zeit der Gefangenschaft. Dabei blickt Sarah aber nicht bloß auf sich, sondern auch auf die anderen Mädchen und ihren Peiniger zurück. Es tauchen Personen auf, die den Fortgang der Geschichte bereichern und andere, denen es lieber wäre, wenn Sarah und Co. nicht weiter in der Vergangenheit rumgraben würden. „Danach“ bietet eine spannende, nervenaufreibende und absolut fesselnde Geschichte, die lediglich in der Mitte stellenweise ein wenig langatmig war. Das Ende trumpft mit Enthüllungen auf, die so nicht unbedingt zu erwarten waren.

Koethi Zans Debüt eignet sich für Fans von Thrillern mit schockierenden Szenen, aber auch für diejenigen, die gerne psychologische Thriller lesen. Da mich der Mittelteil nicht komplett überzeugen konnte vergebe ich „nur“ 4 Herzen. Und obwohl ich diesbezüglich ein wenig Kritik übe, freue ich mich schon auf weitere Bücher der Autorin. Allzu lange werde ich darauf hoffentlich nicht warten müssen, denn im Klappentext steht geschrieben, dass Koethi Zan bereits zahlreiche Ideen für weitere Thriller hat. Dazu sage ich nur: Daumen hoch!

„Jack Derber, der sich ein schönes Leben aufgebaut hatte und sogar ein kleines Häuschen in den Bergen besaß, das ihm seine Adoptiveltern vermacht hatten. Niemand ahnte, dass das Häuschen einen so weiträumigen Keller hatte. Seine Eltern hatten diesen Keller zum Pökeln und Einmachen benutzt. Er nicht.“
(Seite 34)

4 HerzenSaFi

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