Solange am Himmel Sterne stehen {Rezension}

Kristin Harmel - Solange am Himmel Sterne stehenAutor: Kristin Harmel
Titel: Solange am Himmel Sterne stehen
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-442-38121-0
Verlag: Blanvalet
Veröffentlichung: 15. April 2013
Leseprobe

„Auf einmal muss ich an die Märchen denken, die sie mir früher erzählt hat, von einem Prinzen und einer Prinzessin in einem fernen Land, die Märchen, in denen der Prinz gegen die bösen Ritter in den Kampf ziehen muss und der Prinzessin verspricht, eines Tages zu ihr zurückzukehren, da ihre Liebe niemals sterben werde. Daher bin ich verblüfft, als es Annie ist, die murmelt: >> >Solange am Himmel Sterne stehen, werde ich dich lieben.< Das hat der Prinz in deinen Geschichten immer gesagt.<<“ (Seite 85)

Hope lebt in Cape Cod und führt dort eine kleine Bäckerei, die schon mehrere Generationen im Familienbesitz ist. Sie ist Mitte 30, geschieden und ihre Tochter Annie scheint mit ihren 12 Jahren mitten in der Pubertät zu stecken.
Ihre Mutter Josephine starb vor ein paar Jahren und so hat sie nur noch ihre Großmutter Rose, auch Mamie genannt. Diese leidet aber leider an Alzheimer und ist in einem Heim untergebracht.

Hope hatte, was Männer anbelangt, bisher nie so richtig Glück. Von ihrer Mutter hat sie sich eine gewissen Gefühlskälte abgeschaut. Sie bildet sich ein, alleine gut durch das Leben zu kommen.

Schließlich bittet Rose sie in einem lichten Moment, nach Paris zu reisen, um dort Informationen über ihre im Holocaust deportierten und verstorbenen Geschwistern und Eltern in Erfahrung zu bringen. Hope ist skeptisch, da sie gerade große Probleme mit der Bäckerei hat. Sie entschließt sich aber ihrer Großmutter zuliebe, doch nach Frankreich zu fahren.
Dort kommt sie einer großen Familiengeschichte auf die Spur, die sie nicht mehr los lässt…

Kristin Harmel - Solange am Himmel Sterne stehen_2

 

Nachdem ich das Buch zugeschlagen habe, schwirrt mir immer noch viel durch den Kopf. Die Geschichte, die die Autorin Kristin Harmel hier zu Papier gebracht hat, ist fantastisch erzählt.
Sehr echt beschreibt sie die Personen, sehr gefühlvoll die Stimmungen, die von Szene zu Szene herrschen.
Hope, unsere Hauptdarstellerin, ist voller Selbstzweifel und stellenweise einsam. Sie tut sich schwer damit, Gefühle anderen gegenüber zuzugeben.
Ihre Tochter Annie wirkt am Anfang sehr zickig. Ihre Launen lässt sie gerne auch gegenüber Hope raus.
Rose hat damit zu kämpfen, dass sie Alzheimer hat. Sie schwankt immer zwischen klarem Kopf und dann leider wieder dem Vergessen. Sie liebt es, am Abend die Sterne im Himmel zu betrachten und sich an alte Zeiten und ihr früheres Leben zu erinnern.

„Aber jetzt, da die Gegenwart schwankend und verschwommen war, schien es Rose, als würde diese wunderschöne Schatulle voller Erinnerungen, die seit fast siebzig Jahren verschlossen war, die einzigen Momente der Klarheit enthalten, die sie in diesem Leben finden konnte. Manchmal fragte sie sich, ob das willkürliche Vergessen erst dafür gesorgt hatte, dass die Erinnerungen völlig intakt überlebt hatten, so wie ein Dokument dadurch, dass man es jahrelang in einem luftdichten, dunklen Behälter aufbewahrt, nicht zerfällt.“ (Seite 152)

Die Geschichte ist episch. Sie startet in der heutigen Zeit und führt uns als Leser bis zurück in die 40-er Jahre, wo die Geheimnisse um Hopes Vorfahren begannen. Hier finden wir uns im zweiten Weltkrieg wieder und müssen leider feststellen, dass einige Familienmitglieder deportiert und in Auschwitz getötet wurden.
Gleichzeitig beginnt hier aber auch eine Liebesgeschichte, die ergreifend und herzzerreißend ist.

Eine große Rolle spielen hier Backwaren. Immer wenn die Rede von Törtchen und Gebäck ist, kann ich diese Leckereien förmlich riechen. Und zu meiner Freude finden sich einige Rezepte dieser Köstlichkeiten im Buch. (Die Sterntorte muss ich auch bald mal versuchen)
Kristin Harmel erzählte im Interview, dass sie auch privat sehr gerne backt. Dieses Gefühl gibt sie in ihrer Geschichte an den Leser weiter. Mit einem >>klick<< gelangt ihr zu unserem Vorab-Artikel mit einem Kurzinterview.

„Das Herz offenbarte sich immer beim Backen, und wenn auf der eigenen Seele ein dunkler Schatten lag, dann würde auch auf den Gebäckstücken ein dunkler Schatten liegen.“ (Seite 259)

Die ganze Geschichte ist intensiv und berührend erzählt. Immer wieder finden sich zwischendurch Kapitel, die aus Roses Sicht erzählt werden. Dann nimmt sie uns mit auf eine Reise in vergangene Zeiten und es ist, als wären wir hautnah dabei. Als säße unsere Großmutter vor uns, und erzählte uns Geschichten aus ihrem Leben.

Vor allem zum Ende hin werden die Ereignisse traurig und gefühlvoll – aber auch hier wieder, ohne kitschig zu sein. Ich gebe gerne zu, dass ich hier zwei Tränchen vergossen habe. Das beweist, wie sehr die Autorin mich mit ihren Worten packen konnte.

Das Cover des Buches ist passt zur Geschichte. Die besondere Bedeutung der Farben wird dem Leser zum Ende der Geschichte klar.

„Aber wenn ja, dann hieße das, dass ich mein Leben all die Jahre falsch gelebt habe. Ich habe an jeder Wegkreuzung versucht, mich an die Regeln zu halten. Ich habe Rob geheiratet, weil ich von ihm schwanger war. Ich bin zurück nach Hause ans Cape gezogen, weil meine Mutter mich brauchte. Ich habe die Bäckerei übernommen, weil sie unser Familienunternehmen ist und ich sie nicht sterben lassen konnte. Ich habe meine eigenen Träume von einer Karriere als Anwältin begraben, weil ich sie nicht länger mit dem vereinbaren konnte, was von mir erwartet wurde.“ (Seite 371)

Kristin Harmel zeigt uns hier eins ganz klar: dass es die große Liebe gibt, und dass wir daran glauben und dafür kämpfen sollten.
Ein wirklich emotionales und umwerfendes Buch, das so schnell keinen Leser / keine Leserin unberührt lassen dürfte. LESEN! JETZT!

Vielen Dank an das Team vom Blanvalet Verlag für dieses Buch!

5 Herzen

SaCre

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