Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts {Rezension}

Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts

Autor: Susann Pasztor
Titel: Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts
Seitenzahl:
 256
ISBN: 978-3-462-04526-0
Verlag:
 KiWi
Veröffentlichung: 09.03.2013

 

Zum Inhalt:

„Das gefällt mir, das würde ich am liebsten gleich ausprobieren. Beim Gehen dürften meine Chancen wesentlich größer sein, meine Innenwelt zum Schweigen zu bringen. Ich hätte lieber gleich ein Gehmeditationsseminar buchen sollen. Gibt es sowas überhaupt? Gehen klingt viel besser, als sitzen. Gerald, ich möchte gehen.“ (Seite 16)

Mila verbringt ein Wochenende auf einem Schweigeseminar. Das hat ihre Therapeutin ihr geraten. Dann muss es ja gut werden, oder? Während sie mit Schweigen und auftretenden Erkenntnissen kämpft, versucht sie, bequeme Sitzpositionen zu finden und den Anweisungen des Seminarleiters zu folgen. All das gleichzeitig ist nicht so einfach. Dazu kommen auch noch die teils schrägen anderen Besucher dieses Seminars. Und dann ist da auch noch Simon.
Diesen hat sie erst einmal gar nicht beachtet. Doch nach dem Meditieren landen beide in seinem Hotelzimmer. Drei Tage lang. Tage voller Sex, Offenbarungen und leider auch Gefühlen. Tiefe Gefühle, die sie eigentlich nicht zulassen wollte. Und schon gar nicht für einen verheirateten Mann!
Simon und Mila beschließen, keine Kontaktdaten auszutauschen. Denn schließlich soll nach der Trennung auch wirklich Schluss sein.

„Klein atmen, so ein scheiß. Was mache ich hier eigentlich? Ich bin keine Meditiererin. Ich bin eine Hirnfickerin, deren Geist niemals Ruhe gibt, man kann mich neun Jahre in eine Höhle setzen, und ich werde ohne eine einzige armselige Erkenntnis wieder herauskommen. Ich habe es ja gleich gesagt: in mir ist keine Stille, sondern ein einziger Haufen Müll, und den schweigend zu betrachten, halte ich für pure Zeitverschwendung. Ich bin nicht gut, ich bin böse, ich esse Tiere und denke schlecht von meinen Mitmenschen. Ich kann das nicht. Ich will hier raus. Jetzt. Sofort.“ (Seite 38)

Meine Meinung:

Locker. Leicht. Unbeschwert. Und doch mit Tiefgang. Unerfüllte Erwartungen. Träume.
Ich musste wirklich schmunzeln, als ich die Protagonistin Mila im Schweigeseminar begleitet habe. Auf äußerst witzige Art und Weise erzählt die Autorin Milas Wochenende voller Meditieren. Eine Frau, die versucht cool und tough zu sein, aber natürlich auch ihre Probleme und Ängste hat.
Von dem Zeitpunkt an, an dem sie sich mit Simon auf sein Hotelzimmer beginnt, bekommen wir als Leser richtig tiefe Einblicke in ihr Inneres. Wir erfahren fast alles über sie, über ihre Kindheit, den Bruch mit ihren Eltern. Sehr detailliert wird Milas Wesen und Charakter beschrieben. Sie öffnet sich Simon Stück für Stück, und man ist „live“ dabei.

„Es gäbe ein paar gute Gründe, erst mal so zu tun, als würde ich ganz entspannt nach dem Frühstück abreisen wollen. Wir könnten beide unser Gesicht wahren, falls unsere Pläne von einander abweichen. Das wäre sehr umsichtig. Das ist lächerlich. Diplomatische Manöver waren noch nie meine Stärke. Meine Stärke ist ungeschicktes Vorpreschen.“ (Seite 92)

Aber nicht nur auf Milas Charakter wird hier stark eingegangen. Wir dürfen ebenso in Simons Inneres schauen, erfahren in kurzer Zeit viel über Milas Bruder Marek und dessen Mann Helmut, und auch Pujari erhält einen kurzen, aber im Gedächtnis bleibenden Auftritt.
Am Schluss darf dann auch ein bisschen mitgefiebert werden, ob Mila es wohl schafft, zu Simon Kontakt aufzubauen.

Die Art und Weise der Autorin, Stimmungen, Szenen, Handlungen und die Menschen zu beschreiben und widerzugeben hat mir außerordentlich gut gefallen. Sie ist sensibel und witzig zugleich. Die Sprache passt zu dem allen und rundet das Buch ab, macht die Geschichte stimmig.

„Ich bin verliebt. Ich bin in einen Mann verliebt, der ganz eindeutig nicht vom Schicksal dazu bestimmt wurde, mir und nur mir allein sein Herz zu Füßen zu legen. Wenn ich nicht wüsste, dass diese Geschichte morgen nach dem Aufstehen tatsächlich ein Ende haben wird, wäre ich schon lange nicht mehr imstande,  ganze Sätze zu bilden, so verliebt bin ich. Weil ich es aber weiß, bilde ich jetzt einen Satz, und der geht so: Ich akzeptiere das.“ (Seite 142/143)

Da die Autorin mir leider bis heute gänzlich unbekannt war, hier eine kurze Information:
Susann Pásztor wurde 1957 geboren und hat Kunst und Pädagogik studiert. Anschließend arbeitete sie viele Jahre als Kinderbuchillustratorin, bevor sie begann auch die Geschichten dazu selbst zu schreiben. Seit 1991 ist sie als freie Journalistin, Autorin, Texterin und Übersetzerin tätig. (Text von lovelybooks.de)
Ihr erster Roman heißt „Ein fabelhafter Lügner“ und erschien 2011 beim KiWi-Verlag.

Ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite mehr als begeistert hat. Als ich es zuklappte war ich etwas traurig, dass nach nur 256 Seiten schon Schluss ist. Ich hätte gerne noch weiter gelesen.
Von meiner Seite aus eine absolute Empfehlung!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim KiWi Verlag für das Buch!

„>>Keine Handynummern, ja?<<
>>Und keine E-Mail-Adressen<<, sage ich.
>>Ich weiß nicht mal, in welcher Stadt du lebst.<<
>>Ich wohne in ->>, beginne ich, aber Simon unterbricht mich und sagt: >>Du wohnst hier, in diesem Zimmer.<<“ (Seite 145)

5 Herzen

SaCre

2 Gedanken zu “Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts {Rezension}

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